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Farbmittel

aus Wikipedia, der freien EnzyklopÀdie
Das Farbmittel Purpur (Dibromindigo) und seine AusfĂ€rbung auf einem StoffstĂŒck
Das ChromatizitÀtsdiagramm nach CIE

Farbmittel ist der Oberbegriff fĂŒr alle farbgebenden Substanzen.[1][2] Nach ihrer chemischen Zusammensetzung werden anorganische und organische Farbmittel unterschieden.[3]

In beiden Gruppen kann weiter unterschieden werden

  • nach der Löslichkeit: in Pigmente und Farbstoffe,
  • nach der Herkunft: in natĂŒrliche und synthetische Farbmittel,
  • nach der Farbe: in weiße, bunte, schwarze, Effekt- und Leuchtfarbmittel und
  • nach chemischen Gesichtspunkten beispielsweise in Elemente, Oxide, Sulfide, Chromate, polyzyklische, ionische und nichtionische Farbmittel.[3]

Einteilung nach Löslichkeit

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Anorganische Farbmittel sind fast durchweg unlöslich und als Pigmente klassifiziert. Organische Farbmittel gibt es in unlöslicher (Pigmente) und löslicher Form (Farbstoffe), wobei der Unterscheidung das jeweilige Anwendungsmedium zugrunde liegt. Einige Substanzen können je nach Medium oder chemischer Gruppe als Pigment oder als Farbstoff vorliegen. So ist echter Indigo zur FĂ€rbung von Jeans am „gefĂ€rbten Produkt“ ein Pigment, da es in der Baumwollfaser unlöslich ist und die oberflĂ€chliche Auflage zur geringen Reibechtheit fĂŒhrt. Um mit Indigo zu fĂ€rben, wird es verkĂŒpt. Bei der VerkĂŒpung wird der Indigo zur löslichen „Leukoform“ reduziert und ist in diesem Zustand in Wasser löslich, mithin ein Farbstoff.

Pigmente sind im Anwendungsmedium unlöslich und werden vorzugsweise fĂŒr Dispersionsfarben, Lacke, Kunststoffe, Druckfarben und KĂŒnstlerfarben genutzt. Anorganische Weißpigmente, wie heute vorzugsweise Titandioxid werden als FĂŒllstoff bei der Papierherstellung verwendet. Bevorzugt sind hochechte Pigmente um das Auswandern, die Migration, zu verhindern. Nicht alle Pigmente sind in jedem gefĂ€rbten System vollkommen migrationsstabil. Durch das Vorhandensein als Partikel besitzen Pigmente ĂŒblicherweise ein höheres Echtheitsniveau als Farbstoffe.

Farbstoffe sind im Anwendungsmedium, d. h. in Wasser oder organischen Lösungsmitteln, löslich. Der Einsatz der genutzten Lösungsmittel wird von der Anwendung und den Substraten bestimmt. Typische Anwendungen sind die FÀrbung von Textilien oder Textilfasern, als farbgebende Stoffe in SchreibgerÀte- und Inkjet-Tinten verwendet oder zum einfacheren EinfÀrben von Papier und Kunststoffen.

Einteilung nach Herkunft

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Farbmittel werden nach der Herkunft oder der Art ihrer Herstellung unterteilt.

  • Synthetische Farbmittel werden mit Methoden der Chemie hergestellt, fĂŒr kommerzielle Mengen industriell.
  • NatĂŒrliche Farbmittel werden unmittelbar aus Pflanzen, Tierteilen, aus Erden oder Gestein gewonnen. Dazu gehören die anorganischen Weißmineralien, bunte Erdpigmente, natĂŒrliche Mineralpigmente und die fĂ€rbenden organischen Substanzen wie Safran, Indigo oder der echte Purpur.

Spezialfarbmittel

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Spezialfarbmittel sind Farbmittel mit besonderen physikalischen Eigenschaften, die ihren Farbton unter dem Einfluss von physikalischen und chemischen GrĂ¶ĂŸen Ă€ndern.

Geschichte der Farbmittel

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Farbe ist eine auffĂ€llige Stoffeigenschaft. Bereits dem Steinzeitmenschen war diese visuelle QualitĂ€t bekannt, die alle Primaten wahrnehmen können. Beleg fĂŒr eine aktive Wahrnehmung sind die steinzeitlichen Höhlenzeichnungen, in denen Menschen die „gesehene“ Farbe der Natur in eigener Schöpfung mit andersartigen Farbstoffen reproduziert haben.

Handwerkliche TĂ€tigkeit erfordert die Nachbildung von Farbvorlagen, religiöse Ansichten zur Natur fĂŒhrten zu philosophischen Betrachtungen ĂŒber diese Stoffeigenschaft und Lichterscheinungen. Erste Anmerkungen dieser Art finden sich im klassischen China, im alten Vorderasien und besonders dann in der Antike. Das glĂ€nzende Gelb des Materials Gold, der Substanz der Götter, der Abglanz der Sonne fĂŒhrten zum Wunsch dies nachzugestalten. Versuche der Metallhandwerker und philosophische AnsĂ€tze zur Stoffwandlung auf Basis der Theorien der Elemente förderten den Wunsch teure Pigmente anders und billiger in gleicher „Farbe“ herzustellen. Insbesondere das „schöne“, aber teure Gold gemĂ€ĂŸ seiner „sehbaren“ Eigenschaft – der Farbe – „nachzubauen“, wurde zur Grundlage und Triebkraft der Alchemie, der hermetischen Kunst.[4]

Theorien und Lehren zur Farbe entwickelten sich wie jede Art von Wissenschaft im Widerstreit.[5] FĂŒr Demokrit waren rote Teilchen spitz und die grĂŒnen rund.

Im deutschen Sprachraum wirkten am stĂ€rksten die Untersuchungen und Ansichten von Johann Wolfgang von Goethe, unterstĂŒtzt durch Philipp Otto Runge in seiner Gegenansicht zu Isaac Newton. Zu nennen sind Hermann von Helmholtz, Ewald Hering, Wilhelm Ostwald und auch Johannes Itten oder Harald KĂŒppers. Bei allen AufgefĂŒhrten ist der pĂ€dagogische Aspekt des „Ratgebens zur Farbanwendung“ vorhanden.

Grundlage fĂŒr Farben, im Sinne von Farbstoff, zur Farbgestaltung waren anfangs die Naturstoffe. Ultramarinblau wurde aus sehr teurem (da seltenem) Lapislazuli-Pulver gewonnen. Der BlaufĂ€rbung von Stoffen diente die KĂŒpe mit Indigo. Purpur aus dem Sekret der Purpurschnecke war der Farbstoff fĂŒr Kaiser und Könige. Rot stammte aus der Cochenille-Schildlaus. FĂŒr Braun-, Gelb- und Rottöne wurden Erden eingesetzt. Stellvertretend sind Umbra und die Terra di Siena (Sienaerde) aus Italien zu nennen. Weiß wurde als Bleiweiß aus Blei gewonnen. FĂŒr Schwarz eignete sich Ruß als Pigment, fĂŒr die schwierige SchwarzfĂ€rbung von Stoffen gab es ein besonderes Handwerk: die Zunft der SchwarzfĂ€rber. Gold hatte in der byzantinischen und westlichen mittelalterlichen Malerei eine metaphysische Bedeutung.

Im 19. Jahrhundert wurde die Farbpalette durch neue anorganische Farbstoffe und Pigmente erweitert. Berliner oder Preußisch Blau, Rinmans GrĂŒn, Schweinfurter GrĂŒn. Durch Imitation seltener natĂŒrlicher Farbstoffe in großen Mengen, durch industrielle Verfahren oder neu geschaffene Innovationen wurden die FĂ€rbemöglichkeiten erweitert.

Durch die organischen Anilin-Farben (Teerfarben) wurde die Anzahl der verfĂŒgbaren FĂ€rbemittel erheblich erweitert. Die natĂŒrlichen Pigmente und Farbstoffe konnten durch synthetische Farben fĂŒr den wachsenden Bedarf in Kunst und Wirtschaft ersetzt werden. Die alten Namen mit regionalen BezĂŒgen blieben teilweise noch erhalten. Neapel-Gelb, Venezianer-Rot, Veroneser GrĂŒn sind Beispiele dafĂŒr.

Im 20. Jahrhundert wurden durch Farbfotografie und Farbdruck die Möglichkeiten der Wiedergabe von Naturvorlagen ĂŒber das „Farbvolumen“ von GemĂ€lden oder kĂŒnstlerischen Grafiken (Handkoloration) hinaus erweitert. So wurde seither nach den Gesetzen der farbexakten Wiedergabe geforscht. Die Entwicklung im Farbfernsehen und Digitalfotografie erlaubten wiederum verbesserte Farbwiedergaben der Naturfarben, aber die Sehgewohnheiten Ă€nderten sich ebenfalls und erforderten bessere Farbnachstellungen. Probleme bei der Umsetzung der Farben einer Vorlage vom Scanner zum Großformat fĂŒr Reklamezwecke werden durch „Farbtraining“ in der Breite der Bevölkerung neu wahrgenommen.

Einzelnachweise

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  1. ↑ DIN 55943. In: Deutsches Institut fĂŒr Normung e. V. (Hrsg.): Farbmittel 1. 7. Auflage. DIN-Taschenbuch 49. Berlin, Wien, ZĂŒrich 2012, ISBN 978-3-410-23202-5, S. 509.
  2. ↑ DIN 53160-1. In: Deutsches Institut fĂŒr Normung e. V. (Hrsg.): Farbmittel 1. 7. Auflage. DIN-Taschenbuch 49. Berlin, Wien, ZĂŒrich 2012, ISBN 978-3-410-23202-5, S. 143.
  3. 1 2 DIN 55944. In: Deutsches Institut fĂŒr Normung e. V. (Hrsg.): Farbmittel 1. 7. Auflage. DIN-Taschenbuch 49. Berlin, Wien, ZĂŒrich 2012, ISBN 978-3-410-23202-5, S. 524–525.
  4. ↑ Reinhard Federmann: Die königliche Kunst (Eine Geschichte der Alchemie). Paul Neff, Wien Berlin Stuttgart 1964, ohne ISBN
  5. ↑ Gerd Boßhammer: Technologische und Farbrezepte aus dem Kasseler Codex medicus 4° 10. Untersuchungen zur Berufssoziologie des mittelalterlichen Laienarztes. (Medizinische Dissertation Marburg 1974), Königshausen & Neumann, WĂŒrzburg 1977 (= WĂŒrzburger medizinhistorische Forschungen. Band 10).