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Fassmaler

aus Wikipedia, der freien EnzyklopÀdie
Der Maler Gioacchino Toma beim Fassen einer Statue des Erzengels Michael, 19. Jh.
Maler beim Fassen einer Skulptur (Sigmund Eggert: Die Kunst auf dem Lande, um 1880)

Ein Fassmaler (alter Ausdruck Staffiermaler) ist die Bezeichnung fĂŒr einen Handwerker, der die Fassung, das heißt die Bemalung und Vergoldung, von Holzskulpturen vornimmt und den Schnitzarbeiten damit erst ihr endgĂŒltiges Aussehen verleiht. Im 18. Jahrhundert war auch im deutschen Raum die französische Bezeichnung Peintre-doreur („Maler-Vergolder“) ĂŒblich.

Heutige Definition

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Vergolder und Fassmaler sind heute zwei unterschiedliche Berufe, die viel gemeinsam haben. Beide vervollstĂ€ndigen die Arbeiten der Bildhauer und Schnitzer mit dem Farbauftrag. Sie verschönern Kunst- und GebrauchsgegenstĂ€nde mit Gold, Silber und Öl.

Der Vergolder beschĂ€ftigt sich mit der Vergoldung und Versilberung, Marmorierung, Maserierung, Lackieren, Mattieren von Kunst- und GebrauchsgegenstĂ€nden aus Holz, Gips, Ton, Kunststoff und Metall. Auch mit OberflĂ€chen und Profilen von Bauteilen (einschließlich ihrer Behandlung und Gestaltung mit Farben) und mit Schriften kennt er sich aus.

Der Fassmaler kĂŒmmert sich um die Bemalung, die Ölvergoldung und Ölversilberung von verschiedenen Plastiken, Kunst- und GebrauchsgegenstĂ€nden aus Holz, Gips, Ton und Kunststoff. Vergolder und Fassmaler gehören der Berufsgruppe Kunsthandwerk an.

Holzstatue des Grödner Bildhauers Ludwig Moroder aus dem Jahr 1914; in Farbe und Gold gefasst

In der gotischen Bildschnitzerkunst wurde Holz nur in seltenen AusnahmefĂ€llen ohne eine farbige Fassung gelassen, wobei z. B. die Wahl der Farben fĂŒr die Kleidung der Heiligenstatuen nach alter Überlieferung erfolgte. Die Farbfassungen des Mittelalters hatten die Aufgabe, das Kunstwerk als Objekt der Verehrung und Andacht zu entmaterialisieren und ihm einen ĂŒberirdischen Glanz zu verleihen.

Bis zum Beginn der SpĂ€tgotik wurden die Skulpturen von den Bildhauern meist selbst gefasst. SpĂ€ter, bis einschließlich des Rokoko, waren spezielle Fassmaler tĂ€tig. Diese statteten zugleich auch die FlĂŒgel der WandelaltĂ€re mit TafelgemĂ€lden aus, durften aber, wegen der strengen Zunftordnung dieser Zeit, keine Werke der Schnitzkunst erschaffen. Danach ĂŒbernahmen wieder die Bildhauer das Fassen. Aus alten Rechnungen ist zu ersehen, dass die Fassmaler höhere BetrĂ€ge erhielten als die Bildhauer, woraus manchmal geschlossen wurde, dass die Fassmaler mehr geachtet waren. Der Grund dafĂŒr dĂŒrfte allerdings wohl hauptsĂ€chlich das von den Fassmalern zugekaufte kostspielige Material gewesen sein: die teuren Pigmente sowie Blattgold und Pudergold mussten im Preis einkalkuliert werden.

Durch die Entstehung in der zweiten HÀlfte des 19. Jahrhunderts der Altarbaukunst in Gröden waren und sind heute noch zahlreiche Fassmaler dort tÀtig.

Technik der gotischen Farbfassung und des Vergoldens

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Die gotische Farbfassung wurde in mehreren Arbeitsschritten vom Holzkern aus aufgebaut. Dabei trug man als erstes einen Kreidegrund auf das Holz auf, ohne den man keine brauchbare Malschicht fĂŒr die Temperafarben erhielt. Nachdem dieser geglĂ€ttet und geschliffen war, wurden die Farben aufgetragen oder die Vergoldung vorgenommen.

Bei letzterer wurde auf den Kreidegrund, der auch die plastisch aus dem Lindenholz geschnitzten Ornamente ĂŒberzog, der sogenannte Bolus (Pigment) aufgetragen, eine Schicht aus rotem Ocker, die dem Gold den rötlichen Ton verlieh und im feuchten Zustand den Haftgrund fĂŒr das Gold bildete. Dann legte man vorsichtig das hauchdĂŒnne Blattgold auf. Nach der Politur mit einem Achat war die sogenannte Polimentvergoldung fertig. Die Polimentvergoldung wurde an vielen Skulpturen noch aufwendiger verziert mit Punzen unterschiedlicher Form, hierbei wurden Muster mit den Punzen, Ă€hnlich dem Silberschmiedehandwerk in die Vergoldung gehĂ€mmert. Weitere beliebte Techniken der Zeit der Gotik waren Gravur und Radierung.

Bekannte Fassmaler

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Ein bekannter Fassmaler war Gabriel MĂ€lesskircher, der u. a. fĂŒr Erasmus Grasser arbeitete. Manchmal wurden auch namhafte KĂŒnstler als Fassmaler verpflichtet, wie die Maler Jan van Eyck (1390–1441) und Hans Baldung, genannt Grien (1484/85–1545). Johann von der Leyten war als Fassmaler beim sogenannten Sippenaltar und beim Elisabethaltar aus der Zeit um 1513 und als Maler der FlĂŒgelgemĂ€lde in der Marburger Elisabethkirche tĂ€tig.

Ungefaßte Arbeiten, meist Schnitzwerke aus Buchsbaumholz, wurden erst in der Renaissance ĂŒblich. Die ersten ungefassten Skulpturen sollen von Tilman Riemenschneider (um 1460–1531) hergestellt worden sein.

Fassmaler ist kein eigenstĂ€ndiger Lehrberuf. In Berufsschulen[1] am WIFI und Betrieben, oder in manchen allgemeinbildenden Schulen werden auch Tischler, Maler und Holzbildhauer in der Technik des Fassmalens ausgebildet,[2] die in spezialisierten Betrieben der Restauration und des Kunsthandwerks im Bereich des Fassmalens tĂ€tig sind. In Frankreich gilt die Compagnons du Devoir als Schmiede fĂŒr angehende Kunsthandwerker.

  • Jan van Wavere († 1521/1522), Fassmaler spĂ€tgotischer Retabel.
  • Reclams Handbuch der kĂŒnstlerischen Techniken. 3 BĂ€nde. Reclam, Stuttgart 1997, ISBN 3-15-030015-0.
  • Ulrich Schießl: Techniken der Faßmalerei in Barock und Rokoko. ... daß alles von Bronce gemacht zu sein scheine. Wernersche Verlagsgesellschaft, Worms 1983, ISBN 3-88462-013-4.

Einzelnachweise

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  1. ↑ Die Ausbildung. Staatliche Berufsfachschule fĂŒr Holzbildhauer, abgerufen am 17. Februar 2021.
  2. ↑ Heimschule Kloster Wald. In: internate-portal.de. Abgerufen am 17. Februar 2021.