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Friedrich Luft

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Friedrich Luft, Ende der 1980er Jahre

Friedrich Luft (* 24. August 1911 in Friedenau (heute zu Berlin); † 24. Dezember 1990 in Berlin) war ein deutscher Feuilletonist und Theaterkritiker.

Wohnhaus von Friedrich Luft in der Maienstraße 4 in Berlin-Schöneberg
(Lage)
Berliner Gedenktafel am ehemaligen RIAS-GebÀude, Hans-Rosenthal-Platz 1 in Schöneberg
Gedenktafel am Wohnhaus von Friedrich Luft, mit Signatur der Grafik von Friedrich DĂŒrrenmatt
Friedrich Luft in seiner Wohnung am Nollendorfplatz, 1985
GrabstÀtte von Friedrich Luft

Friedrich Luft war der Sohn des deutschen Studienrates Friedrich Luft (1869–1931) und seiner schottischen Frau Mary Wilson (1876–1953). Sein Ă€lterer Bruder war der deutsch-amerikanische Physiologe und Hochschullehrer Ulrich Cameron Luft. Friedrich Luft wuchs in der Friedenauer Kaiserallee 74 (heute: Bundesallee) auf und besuchte das nahegelegene Gymnasium Friedenau am Maybachplatz (heute: Perelsplatz). Er studierte Germanistik, Anglistik und Geschichte in Berlin und Königsberg. Mit großem Interesse hörte er bei Max Herrmann die Vorlesungen ĂŒber Theatergeschichte. Ab 1936 war er freier Autor. Er schrieb Feuilletons fĂŒr das Berliner Tageblatt und die Deutsche Allgemeine Zeitung. FĂŒr die Heeresfilmstelle verfasste er zahlreiche DrehbĂŒcher, beispielsweise fĂŒr die Filme Die Brieftaube im Einsatz und Das Pferd und die Gasmaske fĂŒr das Pferd. Zudem produzierte er Texte fĂŒr den Kabarettisten Werner Finck. Im Jahr 1940 heiratete er die Zeichnerin Heide Thilo. Von ihm stammen auch die Texte der im Auftrag des Propagandaministeriums hergestellten Kurzfilmserie Liese und Miese und des Dokumentarfilms Brandbomben und EntstehungsbrĂ€nde (1942/1943).[1]

Unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg arbeitete er zunĂ€chst fĂŒr den 1945 gegrĂŒndeten Tagesspiegel. Er hatte eine Kolumne unter dem Titel Urbanus mit Alltagsskizzen aus der Berliner Nachkriegszeit. Diese wurden 1948 vom Suhrkamp Verlag unter dem Titel TagesblĂ€tter von Urbanus veröffentlicht. Die 1947 von der US-amerikanischen Besatzungsmacht gegrĂŒndete Neue Zeitung nahm ihn als Feuilletonchef ihrer Berliner Ausgabe in Dienst, und zwar als Theater- und Filmkritiker, bis sie 1955 ihr Erscheinen einstellte.

Im Jahr 1959 schrieb er fĂŒr die Autobiografie Spiel im Dasein von Max OphĂŒls, dem aus SaarbrĂŒcken stammenden Theater- und Filmregisseur (Lola Montez, Briefe einer Unbekannten), das 27-seitige Vorwort.

Vor allem aber war er beim Rundfunksender RIAS die „Stimme der Kritik“ in der gleichnamigen Radiosendung.[2] Jeden Sonntagmittag, von der Erstsendung am 9. Februar 1946 – damals noch im DIAS (Drahtfunk im Amerikanischen Sektor) – bis zum 28. Oktober 1990 kurz vor seinem Tod, sprach er in dieser Funktion ĂŒber Berliner Theaterpremieren der jeweils zurĂŒckliegenden Woche. Als hĂ€ufiger Besucher von Theater-AuffĂŒhrungen im Ostteil Berlins lieferte er dabei auch Kritiken zu StĂŒcken des Deutschen Theaters, des Berliner Ensembles oder des Maxim Gorki Theaters. Den Ostberliner Zuhörern der Stimme der Kritik gab er damit die Gelegenheit, ihre eigene Sicht auf die StĂŒcke mit der eines bĂŒrgerlich sozialisierten Theaterkritikers zu vergleichen. Bertolt Brechts StĂŒck Herr Puntila und sein Knecht Matti am Berliner Ensemble bezeichnete er als Sensation: „Diese AuffĂŒhrung, meisterlich im Detail, kĂŒhn in der Konzeption, ist ein Höhepunkt.“[3] Als rhetorische Eigenheiten galten sein schnelles und teilweise atemlos abgehackt wirkendes Sprechen, eine bisweilen drastische Ausdrucksweise verbunden mit barocken Schnörkeln wie auch die gleiche, immer wiederkehrende Verabschiedungsformel von den Hörern:

„Wir sprechen uns wieder, in einer Woche. Wie immer – gleiche Zeit, gleiche Stelle, gleiche Welle. Ihr Friedrich Luft.“[4]

Daneben bat er, zwischen 1962 und 1969, in der ARD/SFB-Fernsehsendung Das Profil: Zu Gast bei Friedrich Luft namhafte GĂ€ste von BĂŒhne und Film zum GesprĂ€ch.

Außerdem verfasste er BeitrĂ€ge fĂŒr die SĂŒddeutsche Zeitung und Die Welt. Von Luft stammten darĂŒber hinaus das deutsche Dialogbuch fĂŒr den Zeichentrickfilm Pinocchio von Walt Disney sowie fĂŒr den David-Lean-Klassiker Die BrĂŒcke am Kwai aus dem Jahr 1957.

Friedrich Luft sprach fließend Englisch. Er wohnte und arbeitete 50 Jahre lang bis zu seinem Tode nahe dem Nollendorfplatz in der Schöneberger Maienstraße 4. Dort erinnert eine Gedenktafel an den in Berlin seinerzeit sehr beliebten Kritiker. Luft wurde auf dem Waldfriedhof Dahlem beigesetzt. Die gemeinsame GrabstĂ€tte mit seiner Frau Heide, die als Grafikerin und Illustratorin tĂ€tig war, befindet sich in der Abt. 8U-43. Sein Grab ist als Ehrengrab der Stadt Berlin gewidmet.

Im Jahr 1991 wurde in der Akademie der KĂŒnste das „Friedrich-Luft-Archiv“ eingerichtet. Es enthĂ€lt Manuskripte der Kritiken seiner Rundfunksendung Stimme der Kritik sowie eine Sammlung von Lufts Zeitungskritiken und Glossen aus den Jahren 1945 bis 1990, seine Bibliothek und ein Tonbandarchiv mit Mitschnitten seiner Rundfunksendungen aus den BestĂ€nden des RIAS.[5]

Friedrich Luft verstarb Heiligabend 1990 in Berlin mit 79 Jahren.

Veröffentlichungen (Auswahl)

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  • Luftballons. 1939
  • TagesblĂ€tter von Urbanus. 1948
  • Puella auf der Insel (Kinderbuch). 1949
  • Quatsch in schöner Gestalt
 – Vom Tiefsinn unserer Redner und Schreiber. In: Die Welt, 4. Mai 1957
  • Gustaf GrĂŒndgens. Rembrandt-Verlag, Berlin 1958 (2. Auflage: 1960)
  • Vom großen, schönen Schweigen (Charlie-Chaplin-Biografie). 1958
  • Berliner Theater 1945–1961. Erhard Friedrich Verlag Velber bei Hannover 1961 (2. Auflage: 1962)
  • LuftsprĂŒnge. 1962
  • Stimme der Kritik. Velber bei Hannover 1965 (erste und zweite Auflage 1961 unter dem Titel Berliner Theater 1945–1961)
  • Stimme der Kritik. Theaterereignisse seit 1965, Stuttgart 1979.
  • Die Stimme der Kritik. GesprĂ€ch mit Hans-Christoph Knebusch. In der Reihe Zeugen des Jahrhunderts, 1991.

Hörspiele (Auswahl)

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  • 1962–1969: Das Profil: Zu Gast bei Friedrich Luft (ARD/SFB, 34 Folgen)[6]
Commons: Friedrich Luft – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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  1. ↑ Friedrich Luft bei filmportal.de
  2. ↑ Die Stimme der Kritik. Deutschlandradio
  3. ↑ in: Deutschlandfunk - Brechts Berliner Ensemble.
  4. ↑ Werner Schwipps: Buchbesprechung zu Petra Kohses Monografie Gleiche Stelle, gleiche Welle. Friedrich Luft und seine Zeit. (Memento vom 27. September 2007 im Internet Archive) Mitteilungen des Studienkreises Rundfunk und Geschichte – Informationen aus dem Deutschen Rundfunkarchiv, 1998
  5. ↑ Friedrich Luft Archiv. Akademie der KĂŒnste, Archiv Darstellende Kunst.
  6. ↑ Episodenguide. fernsehserien.de; abgerufen am 19. November 2020.
  7. ↑ Friedrich-Luft-Preis 2018 geht ans Deutsche Theater Berlin. In: Theater der Zeit.
  8. ↑ Tobias Lehmkuhl: Ironischer Kulturkritiker der Großstadt. Deutschlandfunk.de, BĂŒchermarkt, 16. Dezember 2018.