Funktion (Organisation)
Unter Funktion versteht man in der Organisationslehre einen abgegrenzten Aufgabenbereich, der einem AufgabentrĂ€ger oder Stelleninhaber zugeordnet ist und den er in eigener Verantwortung ausfĂŒhrt.
Allgemeines
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Der in der Fachliteratur sehr unterschiedlich verwendete Begriff Funktion stammt aus lateinisch functio und bedeutet âVerrichtung, TĂ€tigkeit, Handlungâ. Teilfunktionen nehmen in der Organisationslehre einen bedeutenden Stellenwert ein. Walter Schramm sah 1936 in der Funktion eine Teilaufgabe, Funktionen und Aufgaben gingen fĂŒr ihn ineinander ĂŒber.[1] âWann der gleiche Tatbestand als Aufgabe und wann als Funktion zu bezeichnen ist, hĂ€ngt von der Art der Betriebsaufgabe ab.â[2] Fritz Nordsieck hingegen unterschied 1955 zwischen Aufgaben und Funktionen.[3] FĂŒr Erich Kosiol wurde 1962 die Stellenaufgabe zur Funktion des AufgabentrĂ€gers.[4]
Heute geht man davon aus, dass die Funktion eine oder mehrere, miteinander verbundene oder verwandte Teilaufgaben umfasst. Es handelt sich Hermann Böhrs zufolge um Teilaufgaben, die aus der arbeitsteiligen Aufteilung des Unternehmenszwecks entstanden sind und deren Erledigung zur ErfĂŒllung des Betriebszwecks notwendig ist.[5] âDie funktionale Arbeitsteilung setzt jedoch ein bestimmtes Zusammenwirken der verschiedenen FunktionstrĂ€ger vorausâ.[6] Die Funktion ist nach Rolf BĂŒhner also keine konkrete Verrichtung, sondern ein grob umrissenes Spektrum von als gleichartig erachteten TĂ€tigkeiten.[7] Genauer umrissen sind hingegen Stellenbeschreibungen als funktionsspezifische, personenunabhĂ€ngige und schriftlich festgelegte Darstellungen aller wesentlichen Arbeitsinhalte einer Stelle. Im Organigramm einer funktionalen Organisation findet sich der Funktions- und Verantwortungsbereich als Element der Aufbauorganisation wieder ("KĂ€stchen").
Arten
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Funktionen findet man in allen Arten von Organisationen, insbesondere in Unternehmen oder der öffentlichen Verwaltung. Haupteinteilungskriterium ist in der Aufbauorganisation die betriebliche Funktion, die zwischen Grundfunktionen und Querschnittsfunktionen unterscheidet:
- Grundfunktionen im Unternehmen sind Beschaffung, Produktion, Vertrieb und Finanzierung;
- zu den Querschnittsfunktionen gehören Unternehmensleitung, Personalwesen, Verwaltung, Information, Forschung und Entwicklung und Logistik.
Die betrieblichen Funktionen dienen der ErfĂŒllung des Betriebszwecks und der Unternehmensziele.
AuĂerdem wird unter hierarchischem Aspekt danach unterschieden, ob ein Stelleninhaber FĂŒhrungsfunktionen oder DurchfĂŒhrungsfunktionen wahrnimmt. Die Funktion gibt deshalb auch Auskunft darĂŒber, welchem Bereich der Funktionsinhaber angehört und ob er dort fĂŒhrend oder ausfĂŒhrend tĂ€tig ist.[8] Die FĂŒhrungsfunktion gilt als eine Koordinationsinstanz, weil sie der Abstimmung kooperativer VorgĂ€nge dient. Das Unternehmen ist eine relativ geschlossene wirtschaftliche und soziale Organisationsform, welche die Koordination als existenznotwendige Unternehmensfunktion bedingt.[9] Der FĂŒhrungsfunktion sind weitgehende Entscheidungsbefugnisse eingerĂ€umt. Mitarbeiter am unteren Ende der Hierarchie sind hingegen weisungsgebundene TrĂ€ger der Aus- oder DurchfĂŒhrungsfunktion, die allenfalls situative Eigenentscheidungen treffen dĂŒrfen. FunktionstrĂ€ger ist die mit einer Funktion betraute Person.[10]
HĂ€ufig sind einzelne Berufe oder TĂ€tigkeiten das Nomen Agentis aus ihrer Funktion wie beispielsweise Controller (Beruf)/Controlling (Funktion), Disponent/Disposition, Kassierer/Kasse, Kundenbetreuer/Kundenbetreuung, Manager/Management, Rektor/Rektorat oder Vorsitzender/Vorsitz.
Ziele
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Funktionale Strukturen beruhen auf der Zusammenfassung Ă€hnlicher Verrichtungen und entwickeln sich vor allem, weil Spezialisierungsvorteile und Lernpotenziale vergröĂert werden.[11] So wie die Gesamtaufgabe eines Unternehmens in funktionale Teilaufgaben zergliedert wird, muss das Unternehmensziel in operable Teilziele (Subziele) aufgespalten werden, die auf die einzelne Funktion zugeschnitten sind. Das Gesamtziel âGewinnmaximierungâ kann demnach im Beschaffungsbereich beispielsweise auf âKostensenkung der Anschaffungskosten um 10 % gegenĂŒber dem Vorjahrâ heruntergebrochen werden. Ziele geben den Funktionen eine bestimmte Entwicklungsrichtung, das Gesamtziel des Betriebes orientiert sich an seiner Zwecksetzung.
Siehe auch
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- â Walter Schramm, Die betrieblichen Funktionen und ihre Organisation, 1936, S. 28
- â Walter Schramm, Die betrieblichen Funktionen und ihre Organisation, 1936, S. 14
- â Fritz Nordsieck, Rationalisierung der Betriebsorganisation, 1955, S. 27 f.
- â Erich Kosiol, Organisation der Unternehmung, 1962, S. 77
- â Hermann Böhrs, Organisation des Industriebetriebes, 1963, S. 16
- â Hermann Böhrs, Organisation des Industriebetriebes, 1963, S. 122
- â Rolf BĂŒhner, Organisationslehre, 1991, S. 110
- â Fritz Neske/Markus Wiener (Hrsg.), Management-Lexikon, Band II, 1985, S. 466
- â GĂŒnther Richter, FĂŒhrungsinstrument Kommunikation, 1996, S. 65
- â Hans Blohm, Organisation, Information und Ăberwachung, 1969, S. 22
- â Gareth R. Jones/Ricarda B. Bouncken, Organisation: Theorie, Design und Wandel, 2008, S. 351