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Funktion (Organisation)

aus Wikipedia, der freien EnzyklopÀdie

Unter Funktion versteht man in der Organisationslehre einen abgegrenzten Aufgabenbereich, der einem AufgabentrĂ€ger oder Stelleninhaber zugeordnet ist und den er in eigener Verantwortung ausfĂŒhrt.

Der in der Fachliteratur sehr unterschiedlich verwendete Begriff Funktion stammt aus lateinisch functio und bedeutet „Verrichtung, TĂ€tigkeit, Handlung“. Teilfunktionen nehmen in der Organisationslehre einen bedeutenden Stellenwert ein. Walter Schramm sah 1936 in der Funktion eine Teilaufgabe, Funktionen und Aufgaben gingen fĂŒr ihn ineinander ĂŒber.[1] „Wann der gleiche Tatbestand als Aufgabe und wann als Funktion zu bezeichnen ist, hĂ€ngt von der Art der Betriebsaufgabe ab.“[2] Fritz Nordsieck hingegen unterschied 1955 zwischen Aufgaben und Funktionen.[3] FĂŒr Erich Kosiol wurde 1962 die Stellenaufgabe zur Funktion des AufgabentrĂ€gers.[4]

Heute geht man davon aus, dass die Funktion eine oder mehrere, miteinander verbundene oder verwandte Teilaufgaben umfasst. Es handelt sich Hermann Böhrs zufolge um Teilaufgaben, die aus der arbeitsteiligen Aufteilung des Unternehmenszwecks entstanden sind und deren Erledigung zur ErfĂŒllung des Betriebszwecks notwendig ist.[5] „Die funktionale Arbeitsteilung setzt jedoch ein bestimmtes Zusammenwirken der verschiedenen FunktionstrĂ€ger voraus“.[6] Die Funktion ist nach Rolf BĂŒhner also keine konkrete Verrichtung, sondern ein grob umrissenes Spektrum von als gleichartig erachteten TĂ€tigkeiten.[7] Genauer umrissen sind hingegen Stellenbeschreibungen als funktionsspezifische, personenunabhĂ€ngige und schriftlich festgelegte Darstellungen aller wesentlichen Arbeitsinhalte einer Stelle. Im Organigramm einer funktionalen Organisation findet sich der Funktions- und Verantwortungsbereich als Element der Aufbauorganisation wieder ("KĂ€stchen").

Funktionen findet man in allen Arten von Organisationen, insbesondere in Unternehmen oder der öffentlichen Verwaltung. Haupteinteilungskriterium ist in der Aufbauorganisation die betriebliche Funktion, die zwischen Grundfunktionen und Querschnittsfunktionen unterscheidet:

Die betrieblichen Funktionen dienen der ErfĂŒllung des Betriebszwecks und der Unternehmensziele.

Außerdem wird unter hierarchischem Aspekt danach unterschieden, ob ein Stelleninhaber FĂŒhrungsfunktionen oder DurchfĂŒhrungsfunktionen wahrnimmt. Die Funktion gibt deshalb auch Auskunft darĂŒber, welchem Bereich der Funktionsinhaber angehört und ob er dort fĂŒhrend oder ausfĂŒhrend tĂ€tig ist.[8] Die FĂŒhrungsfunktion gilt als eine Koordinationsinstanz, weil sie der Abstimmung kooperativer VorgĂ€nge dient. Das Unternehmen ist eine relativ geschlossene wirtschaftliche und soziale Organisationsform, welche die Koordination als existenznotwendige Unternehmensfunktion bedingt.[9] Der FĂŒhrungsfunktion sind weitgehende Entscheidungsbefugnisse eingerĂ€umt. Mitarbeiter am unteren Ende der Hierarchie sind hingegen weisungsgebundene TrĂ€ger der Aus- oder DurchfĂŒhrungsfunktion, die allenfalls situative Eigenentscheidungen treffen dĂŒrfen. FunktionstrĂ€ger ist die mit einer Funktion betraute Person.[10]

HĂ€ufig sind einzelne Berufe oder TĂ€tigkeiten das Nomen Agentis aus ihrer Funktion wie beispielsweise Controller (Beruf)/Controlling (Funktion), Disponent/Disposition, Kassierer/Kasse, Kundenbetreuer/Kundenbetreuung, Manager/Management, Rektor/Rektorat oder Vorsitzender/Vorsitz.

Funktionale Strukturen beruhen auf der Zusammenfassung Ă€hnlicher Verrichtungen und entwickeln sich vor allem, weil Spezialisierungsvorteile und Lernpotenziale vergrĂ¶ĂŸert werden.[11] So wie die Gesamtaufgabe eines Unternehmens in funktionale Teilaufgaben zergliedert wird, muss das Unternehmensziel in operable Teilziele (Subziele) aufgespalten werden, die auf die einzelne Funktion zugeschnitten sind. Das Gesamtziel „Gewinnmaximierung“ kann demnach im Beschaffungsbereich beispielsweise auf „Kostensenkung der Anschaffungskosten um 10 % gegenĂŒber dem Vorjahr“ heruntergebrochen werden. Ziele geben den Funktionen eine bestimmte Entwicklungsrichtung, das Gesamtziel des Betriebes orientiert sich an seiner Zwecksetzung.

Wiktionary: Funktion – BedeutungserklĂ€rungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise

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  1. ↑ Walter Schramm, Die betrieblichen Funktionen und ihre Organisation, 1936, S. 28
  2. ↑ Walter Schramm, Die betrieblichen Funktionen und ihre Organisation, 1936, S. 14
  3. ↑ Fritz Nordsieck, Rationalisierung der Betriebsorganisation, 1955, S. 27 f.
  4. ↑ Erich Kosiol, Organisation der Unternehmung, 1962, S. 77
  5. ↑ Hermann Böhrs, Organisation des Industriebetriebes, 1963, S. 16
  6. ↑ Hermann Böhrs, Organisation des Industriebetriebes, 1963, S. 122
  7. ↑ Rolf BĂŒhner, Organisationslehre, 1991, S. 110
  8. ↑ Fritz Neske/Markus Wiener (Hrsg.), Management-Lexikon, Band II, 1985, S. 466
  9. ↑ GĂŒnther Richter, FĂŒhrungsinstrument Kommunikation, 1996, S. 65
  10. ↑ Hans Blohm, Organisation, Information und Überwachung, 1969, S. 22
  11. ↑ Gareth R. Jones/Ricarda B. Bouncken, Organisation: Theorie, Design und Wandel, 2008, S. 351