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GedenkstÀtte Langer Gang

aus Wikipedia, der freien EnzyklopÀdie
GedenkstÀtte Langer Gang
GrÀber vom Kriegsende, Friedhof Schwarzenbach

Die GedenkstĂ€tte Langer Gang in Schwarzenbach an der Saale erinnert an den Todesmarsch vom KZ-Außenlager Helmbrechts nach Volary, eines der sogenannten Endphaseverbrechen des Nationalsozialismus. Viele der auf den Marsch gezwungenen Frauen starben.

Die GedenkstĂ€tte befindet sich in unmittelbarer NĂ€he des Bahnhofs. Das GebĂ€ude war eines der Zwischenquartiere. Die GedenkstĂ€tte wurde 2004 eröffnet und wird vom Verein gegen das Vergessen betreut. Sie ist an jedem ersten Sonntag im Monat und fĂŒr Gruppen nach Absprache geöffnet.

Als NebengebÀude des heute evangelisch-lutherischen Gemeindehauses Bahnhofsplatz 2 steht das GebÀude der GedenkstÀtte unter Denkmalschutz (D-4-75-168-8). Es ist mit dem HauptgebÀude Ende des 19. Jahrhunderts als Backsteinbau mit Sandsteingliederungen im Stil der Neorenaissance entstanden.

Unter den AusstellungsstĂŒcken befindet sich die Stahlskulptur „ausgelöscht“ von Udo Rödel, die den entwĂŒrdigenden und vernichtenden Umgang mit den betroffenen Frauen des Todesmarsches symbolisiert.[1] Weitere Kunstobjekte stammen von Klaus Schröter, Dietrich Kelterer und Ludwig Mertel.

Das Außenlager Helmbrechts wurde am 13. April 1945 wegen der heranrĂŒckenden amerikanischen Truppen gerĂ€umt. 1170 Frauen und MĂ€dchen erreichten noch am Abend Schwarzenbach an der Saale. Der Marsch ĂŒber Rehau, Neuhausen, Zwodau bis nach Volary kostete mindestens 147 Frauen das Leben. Sie starben an EntkrĂ€ftung, Krankheiten oder wurden vom Wachpersonal ermordet. Nach einer Strecke von 200 Kilometern wurde der Marsch am 4. Mai 1945 in Volary durch die Amerikaner gestoppt.

Auf dem Friedhof von Schwarzenbach an der Saale liegen sechs im Ort verstorbenen Frauen begraben. Sie haben keine eigenen Grabsteine, es ist aber bekannt, dass sich die GrĂ€ber in der Zeile von Grabsteinen[2] aus der Zeit des Kriegsendes befinden. Diese GrĂ€berzeile liegt am hinteren Rand des Friedhofs neben dem Haus des Bestatters. Dort befindet sich außerdem das Grab eines Zwangsarbeiters und das Grab des KPD-Mitglieds Hans GrĂŒner, der zehn Jahre Konzentrationslager Dachau und Mauthausen ĂŒberlebte, aber im April 1946 verstarb.

Lagerleiter Alois Dörr[3] musste sich 1969 vor dem Schwurgericht in Hof wegen Mordes in 217 FÀllen verantworten. Allein wÀhrend des Todesmarsches starben 59 HÀftlinge durch seinen Befehl oder wurden von ihm selbst erschossen. Er wurde zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt, kam 1979 jedoch aufgrund einer Begnadigung durch den bayerischen MinisterprÀsidenten Alfons Goppel frei.[4]

  • Ulrich Fritz u. a.: Das Frauenkonzentrations- und Außenlager Helmbrechts. Der Todesmarsch von Helmbrechts nach Volary CZ/Wallern, 2019.
  • Lisa Hain: Der Schein der NormalitĂ€t – Formen der Erinnerung an ehemalige Außenlager des KZ FlossenbĂŒrg. In: Archiv fĂŒr Geschichte von Oberfranken, 97. Band. Bayreuth 2017. S. 342–345.
  • Ekkehard HĂŒbschmann: Das KZ-Außenlager Helmbrechts und der Todesmarsch nach Wallern und Prachatitz. In: Geschichte quer. Zeitschrift der GeschichtswerkstĂ€tten in Bayern, Heft 13, 2006. S. 35.
  • Ekkehard HĂŒbschmann: Die Gedenk- und ErinnerungsstĂ€tte "Langer Gang". In: Geschichte quer. Zeitschrift der GeschichtswerkstĂ€tten in Bayern, Heft 13, 2006. S. 63.
  • Klaus Rauh: Helmbrechts – Außenlager des KZ FlossenbĂŒrg. Facharbeit am Gymnasium MĂŒnchberg, 1994. Auch in: Miscellanea curiensia. Bericht des NordoberfrĂ€nkischen Vereins fĂŒr Natur-, Geschichts- und Landeskunde e.V., Hof 2003, S. 117–149.
Commons: GedenkstĂ€tte Langer Gang – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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  1. ↑ Zuversicht in finsteren Zeiten in: Wochenendbeilage des Nordbayerischen Kuriers von Ostern 2025, S. 2.
  2. ↑ Bezirksverband Oberfranken des Volksbundes Deutsche KriegsgrĂ€berfĂŒrsorge e.V. (Hg.): KriegsgrĂ€berstĂ€tten in Oberfranken. Bayreuth 1985. S. 31.
  3. ↑ Peter Engelbrecht: Der Krieg ist aus. FrĂŒhjahr 1945 in Oberfranken. SpĂ€thling, Weißenstadt 2015, ISBN 978-3-942668-23-1, S. 82.
  4. ↑ Peter Engelbrecht, S. 84.

Koordinaten: 50° 13â€Č 17,3″ N, 11° 56â€Č 8,4″ O