Gerhard Rempe

Gerhard Rempe (* 22. April 1956 in Bottrop) ist ein deutscher Physiker, Direktor am Max-Planck-Institut fĂŒr Quantenoptik und Honorarprofessor an der Technischen UniversitĂ€t MĂŒnchen. Er hat wegweisende Experimente in der Atom- und MolekĂŒlphysik, der Quantenoptik und der Quanteninformationsverarbeitung durchgefĂŒhrt.
Werdegang
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Gerhard Rempe studierte von 1976 bis 1982 Mathematik und Physik an den UniversitĂ€ten Essen und MĂŒnchen. Seit 1983 ist er Mitglied der katholischen Studentenverbindung KDStV Tuiskonia MĂŒnchen. 1986 promovierte er an der UniversitĂ€t MĂŒnchen bei Herbert Walther mit der Dissertation Untersuchung der Wechselwirkung von Rydberg-Atomen mit Strahlung. Im gleichen Jahr erhielt er ein erstes Stellenangebot auf eine permanente Stelle als Dozent an der Freien UniversitĂ€t Amsterdam in den Niederlanden. Rempe blieb aber in MĂŒnchen und habilitierte sich 1990 mit der Schrift Quanteneffekte im Ein-Atom-Maser. Danach war er von 1990 bis 1991 Lecturer und von 1990 bis 1992 Robert Andrews Millikan Fellow am California Institute of Technology in Pasadena in Kalifornien. 1992 folgte er einem Ruf auf eine Professur fĂŒr Experimentalphysik an der UniversitĂ€t Konstanz. 1999 wurde er zum wissenschaftlichen Mitglied der Max-Planck-Gesellschaft und zum Direktor am Max-Planck-Institut fĂŒr Quantenoptik sowie zum Honorarprofessor an der Technischen UniversitĂ€t MĂŒnchen berufen.[1]
Wirken
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Gerhard Rempe gilt als Pionier des Forschungsgebietes der Hohlraum-Quantenelektrodynamik. Er war der Erste, der beobachtet hat, wie ein einzelnes Atom ein einzelnes Lichtteilchen wiederholt emittiert und absorbiert.[2] FrĂŒhe Experimente hat er mit MikrowellenÂphotonen in supraleitenden HohlrĂ€umen durchgefĂŒhrt. SpĂ€ter hat er sein Interesse auf optische Photonen zwischen höchstreflektierenden Spiegeln ausgeweitet.[3] Mit seinen Experimenten hat er den Grundstein zur Entwicklung der quantennichtlinearen Optik gelegt, bei der ein einzelnes Teilchen, Atom oder Photon, einen Effekt bewirkt, der von vielen Teilchen nicht hervorgerufen werden kann.[4]
Seine Erkenntnisse aus der Grundlagenforschung hat Rempe verwendet, um neuartige Schnittstellen zwischen Licht und Materie zu entwickeln.[5] Sie verbinden die Alltagswelt mit der Quantenwelt und haben Anwendungspotential als Sender, EmpfĂ€nger und Speicher von Information in einem zukĂŒnftigen globalen Quantennetzwerk.[6] Eine ungewöhnliche Eigenschaft der Schnittstelle ist ihre FĂ€higkeit, einzelne Lichtquanten zerstörungsfrei zu detektieren,[7] was neue Perspektiven fĂŒr einen skalierbaren Quanten-Computer eröffnet.[8][9] Die Schnittstelle eignet sich auĂerdem zur Beobachtung und kontrollierten Bewegung eines einzelnen Atoms in Echtzeit[10][11] sowie zur Erzeugung von Quanten-Licht mit einem Rauschen unterhalb des Schrotrauschniveaus.[12]
Rempe hat darĂŒber hinaus Pionierarbeiten auf den Gebieten der Atomoptik und der Quantengase geleistet. Mit einem Atominterferometer konnte er experimentell nachweisen, dass bei der Beobachtung eines Teilchens durch eine Doppelspaltanordnung der quantenmechanische Welle-Teilchen-Dualismus auf VerschrĂ€nkung grĂŒndet anstelle der Heisenbergschen UnschĂ€rferelation fĂŒr Ort und Impuls, wie oft in LehrbĂŒchern beschrieben.[13] Er hat das erste Bose-Einstein-Kondensat auĂerhalb der USA hergestellt und damit unter anderem ein ĂŒber den Quanten-Zeno-Effekt stark korreliertes Gas von MolekĂŒlen erzeugt.[14]
In einem dritten Forschungsschwerpunkt widmet sich Rempe der Erzeugung eines ultrakalten Gases von polyatomaren MolekĂŒlen. Im Vordergrund steht die Entwicklung neuartiger Methoden zum Abbremsen von komplexen MolekĂŒlen mittels einer Zentrifuge[15] sowie zum KĂŒhlen solcher MolekĂŒle mit Hilfe des Sisyphus-Effektes.[16] Ziel ist es, chemische Reaktionen bei tiefen Temperaturen zu verstehen, neue ReaktionskanĂ€le zu eröffnen, MolekĂŒle fĂŒr PrĂ€zisionsexperimente zu prĂ€parieren, sowie neutrale Viel-Teilchen-Systeme mit einer langreichweitigen elektrischen Wechselwirkung herzustellen.
Neben seiner Forschungs- und LehrtĂ€tigkeit war bzw. ist Rempe in der akademischen Selbstverwaltung engagiert, zum Beispiel als Sprecher des Fachverbandes Quantenoptik und Photonik der Deutschen Physikalischen Gesellschaft, als Kurator mehrerer Zeitschriften wie Physik in unserer Zeit, Journal of Optics und Optics Communications, als Vorsitzender eines Auswahlausschusses des EuropĂ€ischen Forschungsrats, als GeschĂ€ftsfĂŒhrender Direktor des Max-Planck-Instituts fĂŒr Quantenoptik sowie als Vorsitzender des Preiskomitees der Stern-Gerlach-Medaille der Deutschen Physikalischen Gesellschaft. Rempe hat derzeit (Stand 2018) einen h-Index von 62.[17]
Literatur
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Roland Wengenmayr: Das dressierte Atom, in: MaxPlanckForschung Heft 1 / 2012, Seite 48â55, online (Artikel ĂŒber Rempe und seine Arbeit)
Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- â Profil Gerhard Rempe bei der Max-Planck-Gesellschaft ( vom 27. Februar 2018 im Internet Archive)
- â Observation of Quantum Collapse and Revival in a One-Atom Maser, G. Rempe, H. Walther, und N. Klein, Physical Review Letters 58, 353 (1987)
- â Observation of Normal Mode Splitting for an Atom in an Optical Cavity, R.J. Thompson, G. Rempe, und H.J. Kimble, Physical Review Letters 68, 1132 (1992)
- â Optical Bistability and Photon Statistics in Cavity Quantum Electrodynamics, G. Rempe, R.J. Thompson, R.J. Brecha, W.D. Lee, und H.J. Kimble, Physical Review Letters 67, 1727 (1991)
- â Single-atom single-photon quantum interface, T. Wilk, S.C. Webster, A. Kuhn, und G. Rempe, Science 317, 488 (2007)
- â An Elementary Quantum Network of Single Atoms in Optical Cavities, S. Ritter, C. Nölleke, C. Hahn, A. Reiserer, A. Neuzner, M. Uphoff, M. MĂŒcke, E. Figueroa, J. Bochmann, und G. Rempe, Nature 484, 195 (2012)
- â Nondestructive Detection of an Optical Photon, A. Reiserer, S. Ritter, und G. Rempe, Science 342, 1349 (2013)
- â A quantum gate between a flying optical photon and a single trapped atom, A. Reiserer, N. Kalb, G. Rempe, und S. Ritter, Nature 508, 237â240 (2014)
- â FAZ: Zwei Lichtquanten ĂŒben das Rechnen (7.8.2016)
- â Trapping an atom with single photons, P.W.H. Pinkse, T. Fischer, P. Maunz, und G. Rempe, Nature 404, 365 (2000)
- â Photon-by-photon feedback control of a single-atom trajectory, A. Kubanek, M. Koch, C. Sames, A. Ourjoumtsev, P.W.H. Pinkse, K. Murr, und G. Rempe, Nature 462, 898 (2009)
- â Observation of squeezed light from one atom excited with two photons, A. Ourjoumtsev, A. Kubanek, M. Koch, C. Sames, P.W.H. Pinkse, G. Rempe, und K. Murr, Nature 474, 623 (2011)
- â Origin of quantum-mechanical complementarity probed by a 'which-way' experiment in an atom interferometer, S. DĂŒrr, T. Nonn, und G. Rempe, Nature 395, 33 (1998)
- â Strong dissipation inhibits losses and induces correlations in cold molecular gases, N. Syassen, D.M. Bauer, M. Lettner, T. Volz, D. Dietze, J.J. GarcĂa-Ripoll, J.I. Cirac, G. Rempe, und S. DĂŒrr, Science 320, 1329 (2008)
- â Continuous centrifuge decelerator for polar molecules, S. Chervenkov, X. Wu, J. Bayerl, A. Rohlfes, T. Gantner, M. Zeppenfeld, und G. Rempe, Physical Review Letters 112, 013001 (2014)
- â Sisyphus Cooling of Electrically Trapped Polyatomic Molecules, M. Zeppenfeld, B.G.U. Englert, R. Glöckner, A. Prehn, M. Mielenz, C. Sommer, L.D. van Buuren, M. Motsch, und G. Rempe, Nature 491, 570 (2012)
- â gemÀà Scopus Datenbank: Gerhard Rempe
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Rempe, Gerhard |
| KURZBESCHREIBUNG | deutscher Physiker und Hochschullehrer |
| GEBURTSDATUM | 22. April 1956 |
| GEBURTSORT | Bottrop |