Heinrich Gradl
Heinrich Gradl (* 13. Februar 1842 in Eger, Böhmen; â 3. MĂ€rz 1895 ebenda) war Historiker, Sprach- und Naturforscher, Publizist und von 1878 bis 1895 Leiter des Stadtarchivs Eger.
Leben
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Heinrich Gradl wurde als Sohn des Malers und BilderhÀndlers Georg Adam Gradl und dessen Ehefrau Margaretha, Tochter des Malers Georg Kölbl in Eger Nr. 327 geboren.
Als Absolvent des Gymnasiums in Eger studierte er ab 1860 an der Karls-UniversitĂ€t Prag Germanistik und Geschichte. Von 1863 bis 1864 gab er die Halbmonatsschrift Egeria heraus, wurde zunĂ€chst SekretĂ€r der Vorschusskasse in Eger und war seit 1869 zunĂ€chst Mitarbeiter an der Egerer Zeitung, danach Redakteur von deren politischem Teil und von 1881 bis 1884 Herausgeber der Monatsschrift Egerwellen mit BeitrĂ€gen in EgerlĂ€nder Mundart. Im April 1878 ĂŒbernahm er nach Vinzenz Prökl (1804â1887) die Leitung des Archivs der Stadt Eger und blieb Stadtarchivar bis zu seinem Unfall mit Todesfolge (er starb an EntkrĂ€ftung nach einer Unterschenkelamputation) im Jahr 1895.
In seiner Eigenschaft als Archivar verfasste Heinrich Gradl zahlreiche grundlegende Schriften zur Geschichte des Egerlandes, der Stadt Eger und bedeutender Persönlichkeiten der Stadt. Vor allem seine Forschungen zur Herkunft der Familie der Grafen Schlik, EigentĂŒmer des nahegelegenen Silberbergwerks in Sankt Joachimsthal und Burggrafen der Burg Elbogen, fanden Beachtung unter Historikern und Genealogen. Als sein Hauptwerk gilt die Monumenta Egrana. Von dem ursprĂŒnglich in mehreren BĂ€nden konzipierten Werk kam es bis zu seinem frĂŒhen Tod nur zur Herausgabe des ersten Bandes. Im Egerer Stadtarchiv im Pachelbelhaus am Marktplatz der Stadt ist eine BĂŒste von Heinrich Gradl aufgestellt. Sein Nachfolger als Archivar der Stadt Eger war Karl Siegl.
Gradl heiratete am 23. November 1869 in Eger Maria Elisabeth, geb. Herbst (* 1842 in Budweis). Unter anderem ging aus dieser Ehe der Sohn Hugo Gradl (* 1870 in Eger) hervor, Jurastudent, Schriftsteller und Lyriker, der im 21. Lebensjahr am 27. Juni 1890 an Tuberkulose in Eger verstarb. Sein literarischer Nachlass wurde von seinem Vater veröffentlicht.[1]
Gradl war ein Meister im Spiel des traditionellen egerlĂ€ndischen Dudelsacks (Bock); Konzertreisen sollen ihn weit ĂŒber das Egerland hinaus gefĂŒhrt haben.
Publikationen (Auswahl)
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Die Privilegien der Stadt Eger. Festschrift zur Wanderversammlung des âVereins fĂŒr Geschichte der Deutschen in Böhmenâ (Eger, Pfingsten 1879). Eger: Verl. der Stadtgemeinde, 1879. 41 S.
- Das Buch der Gebrechen am Egerer Schöffengericht, in: Archiv fĂŒr Geschichte und Alterthumskunde von Oberfranken 15 H. 2, 1882, S. 215â274
- Die Minderung des Egerlandes. Ein Beitrag zur Geschichte der s. g. SechsĂ€mter, in: Archiv fĂŒr Geschichte und Alterthumskunde von Oberfranken 15 H. 3, 1883, S. 1â89
- Bamberger Turnierordnung von 1478, in: Bericht des Historischen Vereins fĂŒr die Pflege der Geschichte des ehemaligen FĂŒrstbistums Bamberg (BHVB) 45, 1883, S. 87â97
- EgerlÀndisches Wörterbuch, Eger 1883
- Die Chroniken der Stadt Eger (= Deutsche Chroniken aus Böhmen, Bd. 3), hrsg. von L. Schlesinger, Prag : Verein fĂŒr Geschichte der Deutschen in Böhmen, 1884
- Monumenta Egrana. DenkmĂ€ler des Egerlandes als Quelle fĂŒr dessen Geschichte, Bd. 1: 805â1322, Eger: Witz, 1886. (nur 1 Band erschienen)
- Die Ortsnamen im Fichtelgebirge und in dessen Vorlanden. 1. Abt.: Deutsche Ortsnamen, in: Archiv fĂŒr Geschichte und Alterthumskunde von Oberfranken 18 H. 1, 1890, S. 1â177
- Die Ortsnamen im Fichtelgebirge und in dessen Vorlanden. 2. Abt.: Slawische Ortsnamen, in: Archiv fĂŒr Geschichte und Alterthumskunde von Oberfranken 18 H. 3, 1892, S. 81â179
- Die Lieder und SprĂŒche der beiden Meister Spervogel, 1892
- Die Reformation im Egerlande, Eger 1893
- Geschichte des Egerlandes bis 1437, Prag 1893
Aus den Mittheilungen des Vereines fĂŒr Geschichte der Deutschen in Böhmen (MVGDB)
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Aus den Sitten und Sagen des Egerlandes. 4 (1866), S. 26 f.
- Die Federbilder in Eger. 5 (1867), S. 207 f.
- Ein Beitrag zu Grenzbestimmung in Westböhmen. 9 (1871), Seite 91â93.
- Die Herkunft der EgerlĂ€nder. 18 (1880), S. 260â274
- Eger und Heinrich von Plauen 1451 bis 1454. 19 (1881), S. 198â214
- Die Irrlehre der Wirsperger. 19 (1881), S. 270â279
- Materialien zur Geschichte des Ascher Gebietes. 20 (1882), S. 87â98
- Waldsassener Gebiet in Böhmen. 20 (1882), S. 260â265 (enthĂ€lt Besitzungen des Klosters Waldsassen im sogenannten Stiftland)
- Egers angebliche VerpfĂ€ndung im Jahre 1213. 20 (1882), S. 265â267 (Einzelheiten zur Erweiterung des Nordgaus)
- Zur Herkunft der Schlicke. 20 (1882), S. 347â351 (Hinweise zu der Herkunft der Grafen Schlik).
- Böhmen und Sachsen. Ein Beitrag zu den Handels- und Kommerz-VerhĂ€ltnissen um die Mitte des 18. Jahrhunderts. 21 (1883), S. 202â210
- BeitrĂ€ge zur Geschichte Nordwestböhmens. 21 (1883), S. 158â173, 318â329, 26 (1888), S. 266â282
- Untersuchungen zur deutschen und böhmischen Geschichte. Nordgau und Regio Egere ca. 1100 bis 1322, VerpfĂ€ndung des Egerlandes. 22 (1884), S. 131â166
- Zur Ă€ltesten Geschichte der Regio Egere. 24 (1886), S. 1â33, 205â233
- Noch einmal âAbsrothâ. 27 (1889), S. 380 f.
- Aus dem Egerer Archive. BeitrĂ€ge zur Geschichte Böhmens und des Reiches unter Karl, Wenzel und Sigmund. 28 (1890), S. 180â192, 384â391, 29 (1891), S. 73, 79, 376â386, 30 (1892), S. 74â89, 31 (1893), S. 42â53
- Deutsche VolksauffĂŒhrungen. BeitrĂ€ge aus dem Egerlande zur Geschichte des Spiels und Theaters. 33 (1895), S. 121â152, 217â241, 315â336
Literatur
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Gradl Heinrich. In: Ăsterreichisches Biographisches Lexikon 1815â1950 (ĂBL). Band 2, Verlag der Ăsterreichischen Akademie der Wissenschaften, Wien 1959, S. 42., mit weiterer Literatur
- Heribert Sturm: Das Archiv der Stadt Eger, 1936
- Egerer Jahrbuch 25/1895, S. 145â151
- Josef Weinmann: EgerlĂ€nder Biografisches Lexikon mit ausgewĂ€hlten Personen aus dem ehemaligen Regierungs. Bezirk Böhmen, MĂ€nnedorf/ZH 1985, Band 1, Gesamtherstellung: Verlagsgesellschaft m.b.H. Bayreuth, S. 176, ISBN 3-922808-12-3, ebenda Band 2, 1987, ISBN 3-922808-12-3. S. 211, dort: Spervogel, eines der Ă€ltesten Geschlechter der Stadt Eger, Vorfahren der Forster zu Selb; Heinrich Spervogel und sein jĂŒngerer Bruder, MinnesĂ€nger des Mittelalters
- Biographisches Lexikon zur Geschichte der böhmischen LĂ€nder, herausgegeben im Auftrag des Collegium Carolinum von Heribert Sturm, Band I, R. Oldenbourg, MĂŒnchen/Wien 1979, Seite 461, ISBN 3-486-49491-0
- Jaromir Bohac: Zehn Bilder aus der Geschichte des Egerer Museums. Cheb/Eger 2003, ISBN 80-85018-35-7, S. 100â103, Kurzbiographien von Heinrich Gradl in tschechischer und deutscher Sprache
Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- â Giebisch Hans, Gugitz Gustav: Bio-Bibliographisches Literatur-Lexikon Ăsterreichs von den AnfĂ€ngen bis zur Gegenwart, 1964.
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Gradl, Heinrich |
| KURZBESCHREIBUNG | böhmischer Historiker |
| GEBURTSDATUM | 13. Februar 1842 |
| GEBURTSORT | Eger (Böhmen) |
| STERBEDATUM | 3. MĂ€rz 1895 |
| STERBEORT | Eger (Böhmen) |