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II–V–I

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(Weitergeleitet von II-V-I)

Die II–V–I-Kadenz ist die hĂ€ufigste Akkordverbindung in der Jazzmusik.[1] Die Tonika ist ein Dur-Akkord.

Moll hat auf der fĂŒnften Stufe einen Mollakkord, der wegen des fehlenden Leittons keine Dominante ist. Man erhĂ€lt eine Durterz durch Erhöhung der Mollterz, dies ist aus der Modulationstheorie gerechtfertigt, wo eine Zwischendominante allein nicht moduliert, aber die Dominantcharakteristik der Kadenz verstĂ€rkt. Beispielsweise wird in C-Dur der Grundton f der Subdominante F zu fis alteriert, so dass man durch HinzufĂŒgung der Sexte diesen Akkord zur Doppeldominante D7, die zu G7 fĂŒhrt, umdeuten kann, und die ĂŒberzeugende Wendung DD - D - T zu C erhĂ€lt, wobei D7 als V fĂŒr G erscheint. Man hat damit erreicht, dass man in derselben Logik in a-moll von g (e-moll) zu gis (E7) ĂŒbergeht, ohne zu modulieren, also ohne die Tonart zu verlassen. Die erniedrigte Quinte b5 der zweiten Stufe IIm folgt aus der kleinen Sexte in Moll natĂŒrlich. In Moll ist die Dominante als ÜbermĂ€ĂŸiger V+ möglich (sogar ohne 7) und sinnvoll. So lautet in Moll die Kadenz: IImb5-V-Im mit einer Molltonika. Eine eventuelle große Sexte Im6 stammt aus melodisch Moll aufwĂ€rts, die Sexte der Dominante muss klein sein, wird als b13 oder #5 (5+,#11) notiert, was oft missverstĂ€ndlich notiert ist, denn eine große Sexte wĂ€re die Durterz, weswegen eine Notation mit + besser wĂ€re.

Der Basston bewegt sich jazztypisch im Quintfall. Die Kadenz tritt oft ohne auflösende Tonika auf. Sie kann von der klassischen Vollkadenz, der sie entspricht, mit hinzugefĂŒgter Sexte auf der Subdominante oder als Subdominantparallele abgeleitet werden.

Eine alternative funktionsharmonische Deutung fasst den II-Akkord als Dominantvorhalt auf.

Verwendung in der Dur-Tonleiter

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Die Kadenz der Septakkorde mit Akkordsymbolen lautet in Dur:

IIm7 - V7 - Imaj7

Verwendet wird der Moll-Septakkord der zweiten Stufe, der Dur-Septakkord der fĂŒnften und der Dur-Akkord auf der ersten Stufe mit großer Septime oder großer Sexte.

Ist C tonales Zentrum, erhĂ€lt man die Akkordfolge (changes sind im Jazz die Harmoniewechsel eines StĂŒckes, die die Grundlage fĂŒr die Improvisation bilden):

Dm7 - G7 - Cmaj7 (Midi-Fileⓘ/?)

Verwendung in der Moll-Tonleiter

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Die Akkordfolge II-V-I ist nicht nur auf die Dur-, sondern auch auf die (harmonische) Molltonleiter anwendbar. In dieser Molltonleiter lautet die Kadenz:

IIm7♭5 - Vm7♭9/♭13 - Immaj7 oder IIm7♭5 - Vm7♭9/♭13 - Im6

Alle drei Akkorde benutzen verschiedene Molltonleitern: IIm7♭5 natĂŒrlich Moll, V7♭9 harmonisch Moll, Im melodisch Moll. Die Molltonika enthĂ€lt entweder harmonisch konsequent die große Septime oder aber die große Sexte; sehr hĂ€ufig aber auch die kleine Septime aus der natĂŒrlichen Molltonleiter.

Wolf Burbat fasst das ganze Tonmaterial zusammen: 1, 2, b3, 4, 5, b6, 6, b7, maj7. Daraus baut er verschiedene Skalen. Jungbluth verwendet die Skala Melodisch Moll aufwĂ€rts. Im Jazz findet eine Auseinandersetzung mit den Tönen dieser Skala hörbar statt. Zur Melodiebildung bietet sich melodisch Moll an, harmonisch Moll verwendet nur der V7♭9/♭13 und zwar vertikal.

Oder als alterierte Variante:

IIm7♭5 - V7alt - Immaj7 oder IIm7♭5 - V7alt - Im6

Der erste Akkord dieser Folge ist ein halbverminderter Akkord auf der zweiten Stufe und der zweite Akkord ist harmonisch gesehen ein Dominantseptakkord in harmonisch Moll, was zur Erniedrigung der None und Tredezime fĂŒhrt, oder alternativ meist ein alterierter Dominantseptakkord, der zusĂ€tzlich die ĂŒbermĂ€ĂŸige None (#9) enthalten kann. Hat man beispielsweise a-Moll als Grundtonart, so lautet die Akkordfolge:

Hm7♭5 - E7♭9/♭13 - Ammaj7 oder  Hm7♭5 - E7♭9/♭13 - Am6

b9 ist hier das f, b13 das c, das g fehlt, oder

Hm7♭5 - E7alt - Ammaj7 oder Hm7♭5 - E7alt - Am6 hier hat man das fisis als #9, welches enharmonisch dem g (also der blue note) entspricht.

Bezug zur Quintfallsequenz

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Die Grundtöne dieser Akkordprogression bilden eine Quintfallsequenz:

... H - E - A - D - G - C - F - ...

Praktische Anwendung

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Typische Schluss-Kadenz

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Man findet die II-V-I-Verbindung hÀufig am Ende eines Liedes oder Refrains.

Beispiele:

  • and I (Dm7) think to myself: (G7) WHAT A WONDERFUL (C) WORLD
  • Tell me (Em7) dear ARE YOU (A7) LONESOME TO- (D) NIGHT
  • (Dm7) SUMMER FEELING (G7) with Bacardi (C) Rum
  • (Am7) saying SOMETHING (D7) STUPID like I (G) love you
  • It’s (Em7) just another (A7) MANIC (D) MONDAY
  • (Am7) Ich will zu- (D7) rĂŒck nach WESTER- (G) LAND

Jazz-Improvisation

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Ein Repertoire an Solophrasen und Akkordvoicings ĂŒber die II-V-I Verbindung gehören zum Handwerkszeug jedes Jazzmusikers, da

  1. die harmonische Verbindung in fast jedem Standard vorkommt und
  2. Solophrasen, die in einer Tonart ĂŒber II-V-I beherrscht werden, auch in einer anderen Tonart gut klingen.

Manche Jazzstandards bestehen fast ausschließlich aus solchen Verbindungen, wie die Changes (M7 bezeichnet dort die große Septime) von „Tune-Up“ (Miles Davis) zeigen:

Die Changes als MIDI-File (<2 kB)ⓘ/? zum Anhören (mit einer Wiederholung).

Dabei rasten die Harmonien jeweils im dritten Takt jeder Phrase in einem Zielklang ein, auf den sich die vorhergehenden Stufen beziehen. Die ZielklĂ€nge sind relativ weit voneinander entfernt: D-Dur besitzt 2 Kreuze, C-Dur kein Vorzeichen und B-Dur wiederum 2 Bes (siehe: Quintenzirkel). Zusammenhalt schafft hier aber, dass die ZielklĂ€nge am Anfang der nĂ€chsten Phrase „vermollt“ werden und so als II. Stufe des nĂ€chsten Zielklanges verwendet werden können. Der einzige Klang, der aus diesem Schema ausbricht, ist der mit IV bezeichnete Es-Dur-Klang. (IV in Bezug auf das noch gĂŒltige B-Dur). Dieser Klang ist nötig, um innerhalb der vorliegenden 16 Takte wieder zum Ausgangspunkt zurĂŒckzufinden. WĂŒrde man das Modell weiterspinnen, kĂ€me man bei As-Dur an. Es-Dur an dieser Stelle bietet sich als BrĂŒcke zwischen B-Dur und e-Moll an, da Es-Dur wie gesagt die IV. Stufe von B ist, andererseits aber nur durch chromatische VerĂ€nderung von Akkordtönen (Es nach E; B nach H) zu e-Moll umfunktioniert werden kann. Die abschließende, schnellere Wendung im letzten Takt fĂŒhrt als herkömmlicher Turnaround wieder zum ersten Akkord des StĂŒckes zurĂŒck.

Auch eine Abspaltung II-V wird gerne verwendet: Zum Beispiel verwenden die ersten sechs Takte von Satin Doll (Duke Ellington) nur diese Wendung. Dazu wartet der siebte Takt mit einer kleinen Überraschung auf, indem das direkt vorangehende II-V - Gebilde nicht erwartungsgemĂ€ĂŸ zu Ende gebracht wird. Erst der Turnaround im achten Takt ist eine vollstĂ€ndige II-V-I - Verbindung zur Wiederholung.

Oft findet man in LehrbĂŒchern Skalenmaterial als Grundlage fĂŒr das melodische Solieren ĂŒber II-V-I (vgl. Skalen zur Improvisation ĂŒber den Dominantseptakkord). In unserem Beispiel kann es zum Einstieg in die Improvisation reichen, dass das gesamte Tonmaterial ohne Probleme aus der C-Dur-Tonleiter (Ionischer Modus) zu entnehmen ist. Auch mit der C-Dur Pentatonik kommt man hier gut zurecht. Die Alterationen, die einer Melodielinie erst die richtige WĂŒrze geben, entstammen entweder den Blue Notes der Grundtonart, Tritonussubstitutionen oder Parallelverschiebungen der angegebenen Akkorde.

Die ausfĂŒhrliche Folge VI-II-V-I, auch in Varianten, ist ebenso ĂŒblich. Wenn man die Folge mit I beginnt hat man: I-VI-II-V-I, wobei I-VI Tonika und Mollparallele sind. ZusĂ€tzlich sind VI und II Gegenklang und Mollparallele der Subdominante, womit man sich funktional der Vollkadenz nĂ€hert. Im Rock/Popbereich hört man dementsprechend auch die Variante in der II durch IV ersetzt wird: I-VI-IV-V-I.

Akkorde im Quintabstand werden auch als Ketten (sequenzartig) von II-V in verschiedenen TonalitÀten aneinandergereiht: Beispielsweise Em - A7 - Dm - G7( - C). Die erste Folge Em - A7 steht in D-Dur, löst sich jedoch nach d-Moll (freier Durchschluss) auf, womit gleichzeitig die zweite II-V Folge in C-Dur erreicht ist.

VI-II-V-I-Varianten

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Man kann einerseits den V Akkord ersetzen, durch eine passende Variante (Mixolydisch, Alteriert, V7♭9 mit b9, #11, 13) und es gibt fĂŒr den VIm7 folgende Ersatzmöglichkeiten:

  • #I°7, benutzt die Ganztonhalbtonskala
  • bIII°7, benutzt die Ganztonhalbtonskala
  • II7, benutzt obige Skala V7♭9 mit b9, #11, 13, also Mixolydisch mit kleiner None und ĂŒbermĂ€ĂŸiger Quarte.
Das Akkordklischee mit II7ⓘ/?
  • VI7, benutzt die Skala harmonisch Moll von der fĂŒnften Stufe aus (HM5) oder die alterierte.
  • bIII7benutzt auch die Skala V7♭9 mit b9, #11, 13, also Mixolydisch mit kleiner None und ĂŒbermĂ€ĂŸiger Quarte.[2]

Die letzte Variante gibt, wenn man sie mit dem Sextakkord der Tonika beginnt und mit der alterierten Dominante versieht, einen chromatischen Bassfall von der Terz bis zum Grundton der Tonika.

Einzelnachweise

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  1. ↑ Mark Levine: Das Jazz-Piano-Buch. Advance Music, Rottenburg/N. 1992, ISBN 3-89221-040-3, S. 23.
  2. ↑ Axel Jungbluth: Jazz-Harmonielehre. Funktionsharmonik und ModalitĂ€t. Schott, Mainz u. a. 1981, ISBN 3-7957-2412-0.