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Ischyropsalis

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Ischyropsalis

Ischyropsalis hellwigii

Systematik
Klasse: Spinnentiere (Arachnida)
Ordnung: Weberknechte (Opiliones)
Unterordnung: Dyspnoi
Überfamilie: Ischyropsalidoidea
Familie: Schneckenkanker (Ischyropsalididae)
Gattung: Ischyropsalis
Wissenschaftlicher Name
Ischyropsalis
C. L. Koch, 1839

Ischyropsalis ist eine Gattung der Weberknechte. Die etwa 20 Arten der Gattung sind verbreitet in den Gebirgen Europas, mit zwei Arten ausstrahlend bis in die mitteleuropÀischen Mittelgebirge. In Deutschland kommt nur eine Art vor, der Schneckenkanker Ischyropsalis hellwigii subsp. hellwigii.

Ischyropsalis-Arten[1][2][3] sind mittelgroße Weberknechte mit einer KörperlĂ€nge von etwa 5 bis 8 Millimeter. Sie sind ĂŒberwiegend schwarz gefĂ€rbt, vor allem bei höhlenlebenden Arten ist der Hinterleib (Opisthosoma), der Weberknecht-typisch breit an das Prosoma anschließt, oft ĂŒberwiegend weißlich. Die Laufbeine sind, wie typisch fĂŒr Weberknechte, lang, deutlich lĂ€nger als der Körper, im Vergleich zu vielen anderen Weberknechten aber vergleichsweise kurz und robust gebaut. Auffallend und Ă€ußerst typisch fĂŒr die Gattung sind die Cheliceren. Diese sind stark verlĂ€ngert, meist lĂ€nger als der restliche Körper, in der Regel schon ihr Grundglied von KörperlĂ€nge. Sie sind sehr robust gebaut, das Grundglied immer mit einer Bewehrung aus massiven Dornen. Beim MĂ€nnchen besitzt das Grundglied oben (dorsal) in der Mitte eine bucklige Aufwölbung, die bei manchen Arten in einen kurzen Fortsatz (eine Apophyse) verlĂ€ngert ist, diese trĂ€gt fast immer einen dichten, bĂŒrstenartigen Besatz aus kurzen Haaren, darunter ein DrĂŒsenfeld. Die Pedipalpen sind lang und schlank, unspezialisiert laufbeinartig, mit rudimentĂ€rer Klaue. Der AugenhĂŒgel mit den beiden Augen ist immer unbedornt, viele höhlenlebende Arten sind völlig augenlos. Die Armatur der dorsalen Schilde ist immer weitgehend rĂŒckgebildet, diese sind glatt und glĂ€nzend, ohne Dornen, bei wenigen Arten hinten etwas buckelförmig erhoben. Der sklerotisierte RĂŒckenschild (Scutum genannt) ist bei den Arten der Gattung immer unvollstĂ€ndig, entweder sind die verschmolzenen Tergite der fĂŒnf hinteren Segmente abgeschnĂŒrt und nicht mit dem Cephalothorax verschmolzen (bei Weberknechten Scutum parvum genannt), oder diese fĂŒnf Tergite sind frei, auch gegeneinander durch eine Gelenkmembran getrennt (Scutum laminatum), dazwischen kommen Übergangsformen vor. Die Bauchplatte (Sternum) ist frei, niemals mit den Coxen der Laufbeinpaare, oder deren Loben, verschmolzen. Bei den Weibchen ist der Ovipositor ungegliedert, etwa genauso lang wie breit und am Ende in vier stumpfe Zipfel ausgezogen, er ist nur spĂ€rlich mit Sinnesborsten besetzt. FĂŒr die Diagnose und die sichere Bestimmung wesentlich sind die Merkmale des Penis (Aedeagus) der MĂ€nnchen.

Die Gattung Ischyropsalis kommt nur in Europa vor. FrĂŒher der Gattung zugerechnete Arten aus anderen Regionen werden heute in andere Gattungen gestellt. Die Gattung ist in ihrer Verbreitung[4][2] weitgehend beschrĂ€nkt auf Gebirge, von den Gebirgsketten im Norden von Portugal und Spanien im Westen (mit den Arten Ischyropsalis hispanica und Ischyropsalis robusta) ĂŒber die PyrenĂ€en, das französische Zentralmassiv und die Alpen (u. a. mit Ischyropsalis dentipalpis in der Schweiz und Ischyropsalis kollari in Österreich) bis zum Karpaten-Bogen im Osten. Im SĂŒden kommt sie im Apennin in Italien, sĂŒdlich bis Kalabrien, und im Norden der Gebirge der Balkanhalbinsel (hier nur mit der weitverbreiteten Ischyropsalis hellwigii[5]) vor. Ischyropsalis manicata erreicht im Norden die Beskiden im SĂŒden von Polen.[6] Die einzige nördlich der Alpen und Karpaten verbreitete Art ist Ischyropsalis hellwigii (in der subsp. hellwigii), diese kommt bis zum Nordrand der deutschen Mittelgebirge (mit wenigen, inselartigen Vorposten im angrenzenden Tiefland) vor. Viele Arten sind Lokal-Endemiten, mit Verbreitung nur in kleinen Regionen des Kantabrischen Gebirges und der SĂŒdalpen.

Biologie und Ökologie

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Ischyropsalis-Arten sind beschrĂ€nkt auf kĂŒhle Habitate mit einer hohen, im Jahresverlauf gleichmĂ€ĂŸigen Luftfeuchte.[1] Sie bevorzugen daher regenreiche Regionen der Gebirge. Auch die Arten der sĂŒdlichen Gebirge besitzen relativ geringe TemperaturprĂ€ferenzen (etwa 11,5 °C fĂŒr Ischyropsalis luteipes[4]). Eine Reihe von Arten tritt in den, ebenfalls meist kĂŒhlen und luftfeuchten, Höhlen auf, ist also troglophil. Die Spezialisierung auf den Lebensraum ist dabei unterschiedlich: Viele Arten kommen neben ihren oberirdischen Vorkommen gelegentlich in Höhlen vor, andere sind vollkommen auf diese beschrĂ€nkt (echte Troglobionte), darunter einige völlig augenlose Arten. Auffallend ist das Fehlen von Ischyropsalis-Arten in den höhlenreichen Gebirgen des Balkans mit einer sonst auffallend hohen Dichte troglobionter Arten. Man nimmt an, dass diese schon zu warm fĂŒr die Gattung sind.

Habitate von Ischyropsalis sind im Regelfall bodenfeucht, aber nicht sumpfig. Sie sind durch dichte Vegetationsbedeckung gegen direkte Sonneneinstrahlung geschĂŒtzt und meist recht dunkel, allerdings dringen die Gebirgsarten oberhalb der Waldgrenze auch in offene Habitate vor.[1]

Phylogenie, Taxonomie, Systematik

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Die Gattung Ischyropsalis wurde von Carl Ludwig Koch in seinem Werk Übersicht des Arachnidensystems im Jahr 1839 aufgestellt. Typusart ist Ischyropsalis kollari. Innerhalb der Familie Ischyropsalididae bildet sie allein eine Unterfamilie, Ischyropsalidinae genannt. Die frĂŒher unterschiedene Untergattung Odontopalpa HadĆŸi 1931, wird heute nicht mehr anerkannt.[7] Die Familie umfasst sonst nur noch zwei Gattungen, die beide in Nordamerika leben: Acuclavella Shear, 1986, mit vier Arten, und Ceratolasma Goodnight & Goodnight, 1942 mit der einzigen Art Ceratoplasma tricantha. Ischyropsalis ist also die einzige palĂ€arktische Gattung. Die Familie der Ischyropsalididae bildet mit den Familien Sabaconidae und Taracidae die Überfamilie Ischyropsalidoidea, innerhalb der Dyspnoi.[8]

Die Gattung umfasst die folgenden Arten[3]:

Einzelnachweise

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  1. 1 2 3 Jochen Martens (1969): Die Abgrenzung von Biospezies auf biologisch-ethologischer und morphologischer Grundlage am Beispiel der Gattung Ischyropsalis C. L. Koch 1839 (Opiliones, Ischyropsalididae). Zoologische JahrbĂŒcher Systematik 96: 133–264.
  2. 1 2 3 4 5 6 7 Jochen Martens: Spinnentiere, Arachnida: Weberknechte, Opiliones. Friedrich Dahl (BegrĂŒnder): Die Tierwelt Deutschlands und der angrenzenden Meeresteile nach ihren Merkmalen und nach ihrer Lebensweise, Band 64. VEB Gustav Fischer, Jena, 1978, 464 S.
  3. 1 2 Axel L. Schönhofer (2013): A taxonomic catalogue of the Dyspnoi Hansen and SĂžrensen, 1904 (Arachnida: Opiliones). Zootaxa 3679 (1): 1–68. doi:10.11646/zootaxa.3679.1.1
  4. 1 2 3 Axel L. Schönhofer, Cristiano Vernesi, Jochen Martens, Marshal Hedin (2015): Molecular phylogeny, biogeographic history, and evolution of cave-dwelling taxa in the European harvestman genus Ischyropsalis (Opiliones: Dyspnoi). Journal of Arachnology 43: 40–53.
  5. 1 2 Tone Nowak (2005): An overview of harvestmen (Arachnida: Opiliones) in Bosnia and Herzegowina. Natura Croatica 14 (4): 301–350.
  6. ↑ Wojciech Staręga: Opiliones, Kosarze (Arachnoidea). Fauna Polski Tom 5. Polska Akademia Nauk, Instytut Zoologii, PaƄstwowe Wydawnictwo Naukowe, Warszawa 1975.
  7. ↑ Adriano B. Kury, Amanda C. Mendes, Lilian Cardoso, Milena S. Kury, Alexia A. Granado (2020): WCO-Lite: online world catalogue of harvestmen (Arachnida, Opiliones). Version 1.0 — Checklist of all valid nomina in Opiliones with authors and dates of publication up to 2018. Rio de Janeiro. 237 S. doi:10.5281/zenodo.4025288
  8. ↑ Gonzalo Giribet and Prashant P. Sharma (2015): Evolutionary Biology of Harvestmen (Arachnida, Opiliones). Annual Review of Entomology 60: 157–175. doi:10.1146/annurev-ento-010814-021028
  9. ↑ Carlos G. Luque & Lucia Labrada (2012): A new cave-dwelling endemic Ischyropsalis C.L. Koch, 1839 (Opiliones: Dyspnoi: Ischyropsalididae) from the karstic region of Cantabria (Spain). Zootaxa 3506: 26–42.
  10. 1 2 Axel L. Schönhofer & Jochen Martens (2010): On the identity of Ischyropsalis dentipalpis Canestrini, 1872 and description of Ischyropsalis lithoclasica sp. n. (Opiliones: Ischyropsalididae). Zootaxa 2613: 1–14.
  11. 1 2 3 4 Carlos E. Prieto (1990): The genus Ischyropsalis C.L.Koch (Opiliones, Ischyropsalididae) on the Iberian Peninsula. I. Non-troglobitic species. Acta Zoologica Fennica 190: 315–320.