Islamischer Staat (Terrororganisation)

Der Islamische Staat (arabisch ۧÙŰŻÙÙŰ© ۧÙۄ۳ÙŰ§Ù ÙŰ©, DMG ad-daula al-islÄmÄ«ya), kurz IS, ist eine terroristisch agierende dschihadistische Miliz, die das politische Konzept des Islamischen Staats vertritt. Der IS kontrollierte in seiner Hochzeit als De-facto-Staat groĂe Teile Iraks und Syriens.[1][2] Auch heute noch kontrolliert der IS kleine Teile von Staaten in Asien und Afrika. Weltweit war der IS zeitweise, vor allem wĂ€hrend der FĂŒhrung unter AbĆ« Bakr al-BaghdÄdÄ«, die einflussreichste Organisation des islamistischen Terrorismus.[3]
Die organisatorischen AnfĂ€nge des IS liegen im Jahr 1999 und gehen auf den irakischen Widerstand zurĂŒck.[4] Die damalige FĂŒhrungsspitze wurde unter anderem von einer Gruppe von ehemaligen Geheimdienstoffizieren der irakischen StreitkrĂ€fte aus der Saddam-Hussein-Ăra gebildet.[5][6] Die GrĂŒndung erfolgte mit UnterstĂŒtzung von al-Qaida; von 2004 bis 2013 war der IS auch ein Teil von al-Qaida.[7][8][9] Nach der militĂ€rischen Eroberung eines zusammenhĂ€ngenden Gebietes im Nordwesten des Irak und im Osten Syriens verkĂŒndete die Miliz am 29. Juni 2014 die GrĂŒndung eines Kalifats, mit AbĆ« Bakr al-BaghdÄdÄ« als âKalif Ibrahim â Befehlshaber der GlĂ€ubigenâ.[10] Damit ist der Anspruch auf die Nachfolge des Propheten Mohammed als politisches und religiöses Oberhaupt aller Muslime verbunden.[11][12]
Im Dezember 2017 wurden dem IS die letzten Gebiete im Irak genommen, im MĂ€rz 2019 auch in Syrien. Seitdem gilt das Projekt der Bildung eines islamischen Staates[13][14] dort als gescheitert.[15][16] Der IS ist dort seither hauptsĂ€chlich nur noch durch das VerĂŒben von AnschlĂ€gen aktiv,[17] mit Stand 2024 nur noch rund 2500 IS-KĂ€mpfern in beiden LĂ€ndern zusammen.[18]
Stattdessen gewann der IS seitdem vor allem in verschiedenen Regionen Afrikas durch Personalanwerbung, Besetzung von Gebieten und Teilnahme an dortigen Konflikten an Einfluss und GröĂe.[19][20][21]
Der IS wird des Völkermords an den Jesiden, der Zerstörung von kulturellem Erbe der Menschheit und anderer Kriegsverbrechen beschuldigt. Der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen[22] und die Regierung Deutschlands[23] stufen den IS offiziell als terroristische Vereinigung ein. Der GroĂmufti Saudi-Arabiens, ÊżAbd al-ÊżAzÄ«z Äl asch-Schaich, nannte den IS zusammen mit al-Qaida âFeinde Nummer Eins des Islamâ.[24] Als negativ konnotierte Fremdbezeichnung fĂŒr den IS ist vor allem im arabischsprachigen Raum auch Daesch bzw. Daesh (ۯۧŰčŰŽ, DMG DÄÊżiĆĄ) verbreitet.
Namen

Von 2004 bis 2006 hieĂ die Gruppierung al-Qaida im Irak (AQI).[25]
Zwischenzeitlich hieĂ sie auch Islamischer Staat im Irak (ISI, ad-daula al-islÄmÄ«ya fÄ« l-ÊżirÄq).
Von 2011 bis Juni 2014 war die Organisation unter den Namen Islamischer Staat im Irak und in Syrien (ISIS) sowie Islamischer Staat im Irak und der Levante (ISIL) bekannt (arabisch ۧÙŰŻÙÙŰ© ۧÙۄ۳ÙŰ§Ù ÙŰ© ÙÙ Ű§ÙŰčŰ±Ű§Ù ÙۧÙŰŽŰ§Ù , DMG ad-daula al-islÄmiyya fÄ« l-ÊżIrÄq wa-ĆĄ-Ć Äm).[26] Eine Fremdbezeichnung ist die 2013 vom syrischen Aktivisten Khaled al-Haj Salih geprĂ€gte,[27] aus den arabischen Anfangsbuchstaben abgeleitete und im arabischen Sprachgebiet verbreitete, eher negativ konnotierte AbkĂŒrzung Daesch (ۯۧŰčŰŽ, DMG dÄÊżiĆĄ, auch in den Schreibweisen Daesh, Da'ish bzw. Daaish), die inzwischen vor allem auch in anderen arabisch-schriftigen Sprachen verwendet wird.[28]
Seit Ende Juni 2014 nennt sich die Organisation nur noch Islamischer Staat.[29] Nach Ansicht des Politikwissenschaftlers Volker Perthes will die Organisation, die er als âdschihadistisches Staatsbildungsprojektâ kennzeichnet, durch Verzicht auf frĂŒhere Namensbestandteile unterstreichen, dass sie ĂŒber den Irak und die Levante hinaus expandieren will.[30]
Die AbkĂŒrzung ۯۧŰčŰŽ, DMG dÄâiĆĄ âISISâ (âIslamischer Staat in Irak und Syrienâ) sieht im arabischen Schriftbild Ă€hnlich aus wie der Begriff ۯۧŰčŰł, DMG dÄÊżis âeiner, der etwas mit FĂŒĂen niedertrittâ.[31][32] Deshalb ist diese AbkĂŒrzung innerhalb der vom IS besetzten Gebiete verboten und bei Verwendung droht Strafe.[33] In zahlreichen nah- und mittelöstlichen LĂ€ndern hingegen wurde dieses KĂŒrzel in den Wortschatz ĂŒbernommen.[33] Damit soll der im islamischen Sinne positiv konnotierten Eigenbezeichnung der Organisation bewusst entgegengetreten und eine direkte Assoziation mit dem Islam vermieden werden.[34][35]
Der IS spricht nicht von Grenzen, sondern von âFrontenâ und erfĂŒllt damit ein wichtiges Merkmal eines offen angestrebten Imperiums.[36] Weitere, ehemalige Namen der Organisation oder ihrer VorlĂ€ufer (JTJ, Az-Zarqawi-Netzwerk, TQJBR, AQI) sind im nĂ€chsten Abschnitt angegeben.
Geschichte
At-TauhÄ«d wa-l-DschihÄd (1999â2004)
Eine erste terroristische Gruppierung bildete sich bereits im Jahr 1999 um Abu Musab az-Zarqawi in Herat (Afghanistan) mit UnterstĂŒtzung von al-Qaida. Durch den Einmarsch der USA musste die kleine Truppe Afghanistan verlassen und kam temporĂ€r in Pakistan und in der Islamischen Republik Iran unter. Nachdem iranische SicherheitskrĂ€fte mehrere Gefolgsleute az-Zarqawis verhaftet hatten, floh er in den Nordirak und fand Unterschlupf bei einer Gruppe kurdischer Dschihadisten, die sich Ansar al-Islam nannten. Im Jahr 2002 begann az-Zarqawi damit, seine Organisation fĂŒr den Kampf im Irak vorzubereiten. Ihren ersten erfolgreichen Anschlag verĂŒbte die Gruppierung im Oktober 2002, bei dem sie den US-Amerikaner Laurence Foley töteten.[37] Durch die Behauptung von Colin Powell am 5. Februar 2003 vor dem Sicherheitsrat der Vereinten Nationen, Iraks Diktator Saddam Hussein unterstĂŒtze al-Qaida und der Statthalter im Irak wĂ€re Abu Musab az-Zarqawi,[38] bekam dieser bis dahin fast unbekannte Jordanier einen unbeabsichtigten âRitterschlagâ vom amerikanischen Erzfeind. Die Gruppe um Zarqawi besaĂ seitdem die gröĂte Anziehungskraft fĂŒr Dschihadisten im Irak, mit groĂen Vorteilen bei der personellen und finanziellen Ressourcengewinnung.[39]

Abu Musab az-Zarqawi beteiligte sich mit seiner Gruppierung ab Juni 2003 am Widerstand sunnitischer Gruppen gegen die Besetzung des Irak. Er wurde am 23. September 2003 auf die konsolidierte Liste des Al-Qaida Sanctions Committee des UN-Sicherheitsrates gesetzt.[40] Az-Zarqawis Organisation wurde fĂŒr den Bombenanschlag auf die United Nations Assistance Mission for Iraq im Bagdader Canal Hotel am 19. August 2003 verantwortlich gemacht, bei dem 22 Menschen (darunter SĂ©rgio Vieira de Mello) getötet und ĂŒber 100 verletzt wurden.[41] Die Organisation trat im April 2004 als DschamÄÊżat al-TauhÄ«d wa al-DschihÄd (JTJ, Gemeinschaft fĂŒr TauhÄ«d und Dschihad) in Erscheinung; sie wurde auch Zarqawi-Gruppe bzw. Az-Zarqawi-Netzwerk genannt.
QÄÊżidat al-DschihÄd fi BilÄd ar-RÄfidain (2004â2006)
Im Oktober 2004 schloss sich die Organisation al-Qaida an und Ă€nderte ihren Namen in âOrganisation der Basis des Dschihad im Zweistromlandâ (wörtlich aus TanzÄ«m QÄÊżidat al-DschihÄd fÄ« BilÄd ar-RÄfidain, meist als al-Qaida im Irak bezeichnet, kurz: AQI): Osama bin Laden erkannte den von Zarqawi ausgesprochenen Treueschwur (baiÊża) an und erklĂ€rte ihn in einer Ende Dezember veröffentlichten Botschaft zu seinem Stellvertreter im Irak.[42] Die vor allem in Bagdad und westlich von Falludscha aktive Organisation verfolgte von Anfang an die Absicht, Angriffe (BombenanschlĂ€ge, Ermordung von Geiseln) auf Zivilisten (Beamte, auslĂ€ndische Hilfsarbeiter â im Jahr 2004 Dutzende von Toten) durchzufĂŒhren; spĂ€ter zĂ€hlte sie auch Parteien und alle am demokratischen Prozess Beteiligten zu den legitimen Zielen fĂŒr AnschlĂ€ge.[43] Sie bekannte sich zum Attentat auf Ezzedine Salim.[44] Ăber auf dschihadistischen Websites verbreitete Videos bezeichnete sich die Organisation 2004 als verantwortlich fĂŒr die EntfĂŒhrungen und auf Video festgehaltenen Ermordungen folgender auslĂ€ndischer Zivilisten: Nicholas Berg, Eugene Armstrong und Jack Hensley (USA), Kenneth Bigley (GroĂbritannien), Murat YĂŒce (TĂŒrkei), Kim Sun-Il (SĂŒdkorea),[45] Shosei Koda (Japan),[46] Georgi Lazov und Ivailo Kepov (Bulgarien).[47]
Am 15. Oktober 2004 gab das AuĂenministerium der Vereinigten Staaten bekannt, dass JTJ auf die Liste der durch das AuĂenministerium der Vereinigten Staaten als terroristisch bezeichneten Organisationen im Ausland gesetzt worden sei.[45] Am 18. Oktober 2004 wurde AQI aufgrund von Resolution 1526 des UN-Sicherheitsrates als mit al-Qaida, bin Laden bzw. den Taliban assoziiert gelistet.[41] Am 17. Dezember 2004 wurde AQI auf die Liste der durch das AuĂenministerium der Vereinigten Staaten ausgewiesenen terroristischen Organisationen im Ausland gesetzt.[48] Am 2. MĂ€rz 2005 listete die australische Regierung AQI als terroristische Organisation.[42]
In einem auf den 9. Juli 2005 datierten Brief Aiman az-Zawahiris an Abu Musab az-Zarqawi[49] erklĂ€rte Zawahiri u. a. die Wichtigkeit des Irakkriegs fĂŒr den weltweiten Dschihad, dass der Krieg nicht mit dem Abzug amerikanischer Truppen enden werde, die zumindest zeitweilige Notwendigkeit der UnterstĂŒtzung durch die Volksmassen, die Forderung nach politischen Aktionen, die Einsicht, dass mehr als die HĂ€lfte des Konflikts in den Medien ausgetragen werde.[50]
AQI Ă€nderte seine Strategie weg von EntfĂŒhrungen und einzelnen Ermordungen Anfang 2005 hin zu spektakulĂ€ren AnschlĂ€gen (vor allem Bombenattentate in Bagdad sowie West- und Nordirak mit ĂŒber 700 Toten im Jahr 2005). Im September 2005 erklĂ€rte Abu Musab az-Zarqawi den RÄfida wegen AnschlĂ€gen von Schiiten auf Sunniten den Krieg; im selben Jahr war AQI auch in Jordanien aktiv (insbesondere mit den Bombenattentaten in Amman am 9. November auf die Hotels Grand Hyatt, Radisson SAS und Days Inn).[43]
Schura-Rat der Mudschahedin im Irak (2006)
Diverse dschihadistische Gruppen schlossen sich TQJBR an, und im Januar 2006 wurde unter ihrer FĂŒhrung die Dachorganisation âSchura-Rat der Mudschahedin im Irakâ (MSC, Madschlis Schura al-Mudschahidin fi 'l-Iraq) ausgerufen; zum AnfĂŒhrer wurde AbĆ« 'Umar al-BaghdÄdÄ« (auch Abu Omar al-Baghdadi) erklĂ€rt, bis zu Zarqawis Tod im Juni 2006 kontrollierte jedoch dieser die Organisation. Nach Zarqawis Tod ĂŒbernahm Abu Ayyub al-Masri die Leitung von TQJBR.
Islamischer Staat im Irak (2006â2013)
Im Oktober 2006 benannte sich die Organisation in âIslamischer Staat im Irakâ (ISI, ad-daula al-islÄmÄ«ya fÄ« l-ÊżirÄq) um; seitdem wird ISI von einem Kabinett geleitet, in dem Masri Kriegsminister wurde.[43] VordergrĂŒndig wurde fĂŒr die Ausrufung des Islamischen Staates, der als sunnitisches Territorium Bagdad sowie die Gouvernemente al-Anbar, Diyala, Salah ad-Din, Kirkuk, Ninawa und Teile von al-Wasit und Babil umfassen sollte, auf die Autonome Region Kurdistan fĂŒr die Kurden des Irak und die Verabschiedung vom Föderalismusgesetz des Irak fĂŒr irakische Schiiten Bezug genommen.[51] Die AktivitĂ€ten von TQJBR/ISI konzentrierten sich 2006 auf Bagdad, Kerbela, Tuz Churmatu und Kufa mit ca. 440 Toten.[43] In der zweiten JahreshĂ€lfte 2006 wurde mit Finanzierung, Ausbildung und Bewaffnung durch die Vereinigten Staaten im Irak (zunĂ€chst in al-Anbar) die sogenannte Sahwa- oder Erweckungsbewegung ausgehoben: aus sunnitisch-arabischen StĂ€mmen rekrutierte und in örtlichen RĂ€ten organisierte Milizen, die gegen AufstĂ€ndische â und vor allem AQI â eingesetzt wurden. Zu ihren BlĂŒtezeiten hatte sie ĂŒber 100.000 Mitglieder (seit dem Abzug der amerikanischen Truppen 2010 nicht mehr als 38.000); zu ihren AnfĂŒhrern gehörte Abd as-Sattar Abu Rischa.[52][53]
Im Jahr 2007 beging ISI im ganzen Irak AnschlÀge, oft mit Autobomben in Selbstmordattentaten, wodurch ca. 1900 Menschen getötet wurden.[43] Anfang Oktober 2013 gaben die aufstÀndischen Organisationen im Irak Asaeb al-Iraq al-Dschihadiya und Hamas im Irak Verlautbarungen heraus, in denen sie sich von ISI distanzierten und deren Taktiken verurteilten.[54]
Im Jahr 2008 beging ISI vor allem in Mossul AnschlĂ€ge, aber auch in Bagdad, Baquba und Tal Afar mit insgesamt ca. 520 Toten. 2009 tötete ISI insgesamt ca. 630 Menschen. Mit derselben Strategie war Mossul 2008 oft Ziel von ISI; daneben wurde z. B. auch in Kirkuk ein Anschlag bei einer Schia-Moschee mit ĂŒber 70 Toten verĂŒbt. 2010 wurden die meisten AnschlĂ€ge von ISI in Mossul, Bagdad sowie den Gouvernements Diyala und Kerbela (unter anderem auf schiitische Pilger und auf stark besuchte MĂ€rkte) durchgefĂŒhrt, dadurch wurden ca. 700 Menschen getötet.[43] Im April 2010 kamen al-Baghdadi und al-Masri bei Tikrit in einer durch irakische und amerikanische Truppen durchgefĂŒhrten Operation ums Leben.[55]
Mitte Mai 2010 erklĂ€rte ISI AbĆ« Bakr al-BaghdÄdÄ« zu ihrem neuen AnfĂŒhrer.[56][57][58] Am 31. Oktober 2010 verĂŒbte ISI AnschlĂ€ge auf die Iraker Börse sowie die Sayidat-al-Nejat-Kathedrale in Bagdad.[42]
Im Zuge des Arabischen FrĂŒhlings, der auch von den westlichen LĂ€ndern begrĂŒĂt wurde, kam es ab Anfang 2011 zu bewaffneten Auseinandersetzungen gegen Demonstranten. Mitte 2011 mĂŒndeten die Unruhen in den Syrischen BĂŒrgerkrieg. ISI wurde laut Medienberichten von der TĂŒrkei hierbei jahrelang unterstĂŒtzt.[59] 2011 verĂŒbte ISI vor allem in Bagdad sowie in den Gouvernements Kerbela und Salah ad-Din (so auf schiitische Pilger bei Samarra) AnschlĂ€ge, dabei wurden ca. 320 Menschen getötet. 2012 verĂŒbte ISI vor allem in Bagdad sowie den Gouvernements Basra, Salah ad-Din und Babil AnschlĂ€ge (so auf schiitische Pilger in Basra), dadurch wurden ca. 770 Menschen getötet;[43] hierzu gehörte die Anschlagserie am 23. Juli 2012 in 19 irakischen StĂ€dten, in der 113 Menschen getötet und 250 verletzt wurden und die zur am 21. Juli von Abu Bakr al-Baghdadi angekĂŒndigten Offensive âZerstörung der Mauernâ gehörte, die u. a. die Befreiung von Gefangenen zum Ziel hatte.[60]
Am 26. Januar 2012 wurde ISI durch das AuĂenministerium der Vereinigten Staaten auf Anweisung von AuĂenministerin Hillary Clinton vom 11. Januar[61] als Alias von AQI erfasst. Am 11. Februar 2012 rief al-Qaida-AnfĂŒhrer Aiman az-Zawahiri die Muslime im Irak, in Jordanien, im Libanon und in der TĂŒrkei zum Kampf gegen die Assad-Regierung auf.[62] Seit ungefĂ€hr dieser Zeit beteiligt sich ISI offen am syrischen BĂŒrgerkrieg.[63][64][65] Dort gehörte sie neben der al-Nusra-Front, mit der sie teils kollaborierte und die sie teils bekĂ€mpfte, zu den al-Qaida zugehörigen Akteuren. Am 11. Dezember 2012 erfasste das US-AuĂenministerium auf Anweisung vom 20. November[66] auch die Nusra-Front als Alias von AQI.[67][68]
Am 4. MĂ€rz 2013 verĂŒbte ISI einen Anschlag auf syrische Truppen, die in das irakische Gouvernement al-Anbar geflohen waren; dabei wurden mindestens 42 syrische Soldaten und Beamte sowie bis zu 14 Iraker getötet.[69]
Islamischer Staat im Irak und in der Levante (2013â2014)
Im April 2013 erklĂ€rte Abu Bakr al-Baghdadi die Nusra-Front zu einem bloĂen Teil von ISI und gab die Vereinigung von Nusra-Front und ISI unter dem neuen Namen Islamischer Staat im Irak und der Levante (ISIL) bekannt.[70] Der AnfĂŒhrer der Nusra-Front, Abu Mohammed al-Jawlani (arabisch ŰŁŰšÙ Ù ŰÙ ŰŻ ۧÙŰŹÙÙۧÙÙ), widersprach daraufhin einen Tag spĂ€ter der Vereinigung mit ISI, schwor aber dem al-Qaida-AnfĂŒhrer Aiman az-Zawahiri die Treue.[71][72] Am 30. Mai 2013 wurden sowohl ISIS als auch al-Nusra durch die UN als Alias-Namen von AQI festgestellt.[73] Am 9. Juni 2013 veröffentlichte Al Jazeera einen Brief von Aiman az-Zawahiri an die AnfĂŒhrer von ISIS und al-Nusra, in dem er die Vereinigung annullierte und zur Beilegung von Streitigkeiten zwischen den beiden al-Qaida-Gruppen aufrief (wofĂŒr er Abu Musab al-Suri als Vermittler nannte) sowie beiden verschiedene Einflussgebiete zuwies (ISIS Irak, Nusra Syrien).[74] Abu Bakr al-Baghdadi und ISIS-Sprecher Abu Mohammed al-Adnani verweigerten die Vermittlung in eigenen Botschaften; diese wĂŒrde die illegitime koloniale Grenze des Sykes-Picot-Abkommen heiligsprechen; die Nusra-Front werde weiterhin als Teil von ISIS betrachtet und Abu Mohammed al-Jawlani als AbtrĂŒnniger betrachtet.[75][76]
Etwa Mitte 2013 löste sich die Gruppierung von der FĂŒhrung der al-Qaida und wurde im Januar 2014 durch deren damaligen Chef Aiman az-Zawahiri endgĂŒltig ausgeschlossen. Der Hintergrund der Abspaltung des ISIL von al-Qaida liegt darin, dass al-Baghdadi, der als sehr ehrgeizig beschrieben wird, die Operationen des ISIL nicht auf den Irak beschrĂ€nken wollte, sondern auch in Syrien tĂ€tig ist und in naher Zukunft in der gesamten Levante aktiv werden will.[77] Dagegen vertritt al-Zawahiri das Motto: âBetreibst du den Jihad ĂŒberall, betreibst du ihn nirgendwoâ, wonach eine Konzentration der einzelnen Organisationen auf genau abgegrenzte Operationsgebiete stattfinden soll, um möglichst groĂe Wirksamkeit zu erzielen. Die von al-Qaida abweichenden theologischen Positionen des ISIL haben sich nach der Ansicht von Beobachtern erst nach diesem Bruch entwickelt, auch um diesen Bruch zu legitimieren.[78]
ISIS bekannte sich am 23. Juli 2013 zu den in der Nacht vom 21. auf den 22. Juli ausgefĂŒhrten AnschlĂ€gen auf die irakischen GefĂ€ngnisse in Abu-Ghuraib und Tadschi. ISIS tötete dabei Dutzende von Menschen mit Handfeuerwaffen, Granaten und durch von SelbstmordattentĂ€tern gesteuerte Autobomben und verhalf so Hunderten von Gefangenen, darunter hochrangigen al-Qaida-Mitgliedern, zur Flucht aus Abu-Ghuraib.[79][80][81][82]
Die irakische Regierung unter Nuri al-Maliki beschloss in der zweiten JahreshÀlfte 2013 in Reaktion auf das Erstarken von ISIS im Irak die Wiedereinsetzung und StÀrkung der Sahwa-Bewegung.[53][83]
Am 29. September 2013 töteten SelbstmordattentĂ€ter mit Autobomben in Erbil (Regierungssitz der Autonomen Region Kurdistan im Irak) in der NĂ€he des Asayesch-Hauptquartiers sechs Menschen und verwundeten 36.[84][85] Am 6. Oktober bekannte sich ISIS zu dem Anschlag, der eine Reaktion auf Masud Barzanis angeblichen Willen gewesen sei, die Regierung in Bagdad und kurdische KrĂ€fte, die in Syrien gegen Dschihadisten kĂ€mpfen, zu unterstĂŒtzen.[86]
Neben den Truppen Assads gehören im syrischen BĂŒrgerkrieg vor allem die Freie Syrische Armee[87] und kurdische Volksverteidigungseinheiten (YPG)[88] zu den Gegnern von ISIS. Zu den von ISIS eingenommenen syrischen StĂ€dten zĂ€hlen al-Bab, DscharÄbulus, AÊżzÄz und ar-Raqqa. Am stĂ€rksten ist ISIS im Gouvernement ar-Raqqa.[89] Dort und u. a. auch in Manbidsch kam es 2013 zu Protesten gegen ISIS.[90]
In der zweiten JahreshÀlfte 2013 baute ISIS seine PrÀsenz in der irakischen Stadt Mossul aus, wo die Organisation Berichten zufolge 8 Millionen US-Dollar Schutzgeld pro Monat eintrieb.[91][92] Ende September 2013 begann ISIS mit Selbstmord- und Mörser-AnschlÀgen in Damaskus; damit tötete sie in einem Monat etwa 100 Menschen.[93]
Am 11. Oktober 2013 veröffentlichte Human Rights Watch einen Bericht, nach dem ISIS zusammen mit mindestens 19 anderen bewaffneten Oppositionsgruppen vom 4. bis 18. August in lĂ€ndlichen Gegenden des Gouvernement Latakia an organisierten Massakern beteiligt war, bei denen mindestens 190 Zivilisten getötet und ĂŒber 200 als Geiseln genommen wurden. Mindestens 67 Menschen seien in der Operation bei regierungstreuen Alawiten-Dörfern hingerichtet oder rechtswidrig getötet worden. Die fĂŒnf Gruppen, die diese Operation hauptsĂ€chlich finanziert, organisiert und ausgefĂŒhrt hĂ€tten, seien die Ahrar al-Scham, ISIS, Dschabhat al-Nusra, Dschaisch al-Muhadschirin wal-Ansar und Suquor al-Izz. ISIS und Dschaisch al-Muhadschirin wal-Ansar hĂ€tten noch Gewalt ĂŒber die Geiseln, zu denen gröĂtenteils Frauen und Kinder gehören, verĂŒbt.[94] The Wall Street Journal berichtete am 17. Dezember 2013, die Geiseln seien immer noch in den HĂ€nden von ISIS und die Organisation habe Angriffe auf Alawiten und Christen verstĂ€rkt.[95]
Am 15. Oktober 2013 gaben die tĂŒrkischen StreitkrĂ€fte (TSK) bekannt, mit zwei T-155 Fırtına vier Granaten auf ISIS-Stellungen abgefeuert zu haben, nachdem am 14. Oktober ein Mörser-Geschoss aus der AÊżzÄz-Region auf tĂŒrkischem Territorium beim Armee-Grenzposten Demirisik nahe Kilis eingeschlagen war. Dies war der erste Angriff der tĂŒrkischen StreitkrĂ€fte auf al-Qaida zugehörige Gruppierungen.[96][97]
Im November 2013 gab ISIS bekannt, in Syrien ein Ausbildungslager fĂŒr minderjĂ€hrige KĂ€mpfer zu unterhalten, die jĂŒngsten davon zehn Jahre alt.[98] Im selben Monat begannen die Vereinigten Staaten auf eine entsprechende Anfrage Malikis wĂ€hrend eines Staatsbesuchs im Vormonat, Hellfire-Raketen und Ăberwachungsdrohnen zur BekĂ€mpfung von ISIS in den Irak zu schicken.[99] Ebenfalls im November kam es zur Konfrontation zwischen ISIS und den Ahrar al-Scham, als der ISIS einen Kommandanten der Ahrar al-Scham enthauptete, den sie irrtĂŒmlich fĂŒr einen irakischen Schiiten hielt.[100] Anfang Januar 2014 kam es wieder zu einem Vorfall, bei dem ISIS einen Kommandanten der Ahrar al-Scham tötete und verstĂŒmmelte.[101]
Am 19. Dezember 2013 veröffentlichte Amnesty International einen Bericht, dem zufolge ISIS in Syrien GeheimgefĂ€ngnisse unterhĂ€lt, in denen systematisch Folterungen, Auspeitschungen und spontane Ermordungen durchgefĂŒhrt werden.[102]
Wegen der Massenverhaftungen und Ermordungen seitens ISIS unter den syrischen Aktivisten und Rebellen, der extremen Islamauslegung sowie der mangelnden Beteiligung an KĂ€mpfen gegen die Assad-Regierung wurde ISIS von zahlreichen Rebellengruppen unterstellt, von KrĂ€ften der Regierung unterwandert zu sein und gegen die Revolution zu arbeiten. Ein weiterer Teil der ISIS-FĂŒhrung stammt aus dem Irak, die KĂ€mpfer dienten frĂŒher als Offiziere unter Saddam Hussein und wurden aus irakischen GefĂ€ngnissen kurzfristig wieder freigelassen.[103] Der Chef der al-Qaida Zawahiri distanzierte sich im Februar 2014 von ISIS.[104]
Islamischer Staat (seit 2014)

Mit der Ausrufung eines Kalifats am 29. Juni 2014 nennt sich die Organisation nur noch Islamischer Staat. Mitte November 2014 gab der IS in einem Statement bekannt, eine eigene WĂ€hrung auf Basis von Gold- und SilbermĂŒnzen einzufĂŒhren. Das Ziel sei es, sich der âGewaltherrschaft des Finanzsystemsâ zu entziehen und âMuslime von einem globalen Wirtschaftssystem [zu] entlassen, das auf satanischem Wucher basiereâ.[105]
Mitte November 2014 wurden Auswertungen interner IS-Dokumente veröffentlicht, die belegen, dass der IS sich bemĂŒht, staatsĂ€hnliche Strukturen aufzubauen. Nach Angaben der irakischen Regierung waren die Dokumente auf USB-Sticks und Festplatten gespeichert und am 5. Juni 2014 bei einer Razzia im Versteck von Adnan Ismail Najim in Mossul gefunden worden. Adnan Ismail Najm (Kampfname: Abdel Rahman al-Bilawy), der bei der Razzia am 4. Juni 2014 erschossen wurde, galt als zweiter Mann innerhalb des IS. Er fungierte als Kriegsminister und galt auĂerdem als enger Vertrauter des Kalifen Baghdadi; nach dem Sturz Saddam Husseins waren sie 2003 gemeinsam im US-MilitĂ€rgefĂ€ngnis Camp Bucca (bei Umm Qasr) im SĂŒden des Irak, welches sie âdie Akademieâ nannten, inhaftiert gewesen.[106] Einen Teil der Dokumente hatte die irakische Regierung dem Investigativteam des NDR, des WDR und der SĂŒddeutschen Zeitung zur VerfĂŒgung gestellt. Im Juni hatte der britische Guardian bereits ĂŒber den Dokumentenfund berichtet. Das ausgewertete Material stammt aus dem Jahr 2013 und reicht bis ins FrĂŒhjahr 2014. Die Unterlagen beziehen sich fast ausschlieĂlich auf den Irak. Demzufolge seien Sozialleistungen (Krankenversicherung, Heiratsbeihilfen und UnterstĂŒtzungszahlungen) fĂŒr die Familien getöteter oder inhaftierter KĂ€mpfer initiiert worden. Die Kosten fĂŒr das Sozialsystem, die dort aufgefĂŒhrt wurden, ĂŒberstiegen bisweilen die Ausgaben fĂŒr den Ankauf von Waffen. Aus den Unterlagen ergibt sich ferner, dass alle neun IS-Provinzen ĂŒber einen eigenen Etat verfĂŒgen; allein der Bezirk Bagdad-Nord gab danach im November 2013 genau 493.200 Dollar aus. Das Material zeigt auch, dass zwischen den IS-Provinzen ein Finanzausgleich zugunsten der Ă€rmeren Regionen stattfindet.
Laut dem Politikwissenschaftler Peter R. Neumann, Professor am Kingâs College London, setzt der IS, vermutlich mehr als jede andere Terrororganisation vor ihr, ganz systematisch den Terror als Mittel der KriegsfĂŒhrung ein: âDiese Dokumente bestĂ€tigen im Prinzip, dass diese gesamte Organisation eigentlich viel rationaler und viel durchdachter ist, als wir uns das bisher vorgestellt haben.â FĂŒr die Bundesregierung analysierte der Bundesnachrichtendienst: Anders als al-Qaida biete der IS das Leben in einem Kalifat. Dies mache ihn fĂŒr Muslime in aller Welt hochattraktiv und sei einer der GrĂŒnde, warum der IS âeine gröĂere Herausforderung fĂŒr die westliche Staatengemeinschaftâ darstelle als al-Qaida.[107]
Laut Röhmel/Wolf ist in der Sichtweise des IS (wie auch anderer Islamisten wie Mitgliedern von al-Qaida oder der Muslimbruderschaft) das Virus SARS-CoV-2 ein âSoldat Allahsâ, der alle Feinde bekĂ€mpfen soll und als Waffe genutzt werden solle.[108]
Ideologie und GrĂŒndungsmanifest
Mitte Oktober 2006 wurde in einem Video von einem anonymen Vertreter des ISI-Informationsministeriums eine GrĂŒndungserklĂ€rung des Islamischen Staates verlesen. Als politische BegrĂŒndung fĂŒr die Ausrufung eines islamischen Staates wurde angefĂŒhrt, dass die Sunniten, anders als die Kurden im Norden und die Schiiten im SĂŒden, noch immer nicht ĂŒber ein eigenes Staatswesen verfĂŒgten, sondern weiter unter Fremdherrschaft leben mĂŒssten. Zur religiösen BegrĂŒndung wurde auf einen Spruch des Propheten Mohammed im Hadith verwiesen, dass Muslime von einem Muslim regiert werden mĂŒssen. Als wichtigste politische Ziele wurden bereits damals die Vertreibung aller âInvasoren und Aggressorenâ aus dem Irak und nachfolgend die Schaffung von Frieden und Sicherheit, die buchstabengetreue AusfĂŒhrung der Scharia und damit einhergehend die gerechte Verteilung der Ressourcen des Landes an alle GlĂ€ubigen genannt.
Anfang 2007 veröffentlichte ISIS eine neunzigseitige Schrift mit dem Titel Benachrichtigung der GlĂ€ubigen ĂŒber die Geburt des Islamischen Staates. Darin wurde unter Berufung auf Koranverse und Stellungnahmen berĂŒhmter mittelalterlicher sunnitischer Staatsgelehrter versucht, die RechtmĂ€Ăigkeit der StaatsgrĂŒndung im Sinne des sunnitischen RechtsverstĂ€ndnisses nachzuweisen. Die Bestimmung des StaatsfĂŒhrers solle durch âUsurpation durch Unterwerfung mit dem Schwertâ (Recht des waffenstĂ€rksten Bewerbers auf die FĂŒhrungsposition im Krisen- oder Streitfall) erfolgen. Da aus sunnitischen Quellen nicht abzuleiten ist, wie groĂ das Territorium sein muss, auf dem ein Islamischer Staat ausgerufen werden darf, gilt aus der Sicht des ISI, dass dies ĂŒberall dort ist, wo seine KĂ€mpfer öffentlich mit Waffen auftreten. Bald nach ihrer Veröffentlichung wurde die Schrift durch den palĂ€stinensisch-jordanischen Gelehrten AbĆ« Muhammad al-MaqdisÄ« auf seine viel beachtete Website tawhed.ws gestellt. Sie war dort auch noch zu lesen, nachdem al-MaqdisÄ« nach seiner Haftentlassung im Juni 2014 versucht hatte, sich als Kritiker des Islamischen Staates darzustellen.[109]
Scharia und Gesetze
In seinem Herrschaftsgebiet fĂŒhrte der IS einen auf seiner Interpretation der Scharia und dem Wahhabismus[110][111][112] basierenden 16-Punkte-Katalog ein, der das öffentliche und private Leben massiv normiert.[113] Demnach sind der Konsum und Verkauf von Alkohol, Tabakwaren und anderen Drogen ebenso untersagt wie das Abhalten von Versammlungen, âGötzen-Bildnisseâ und Schreine. Das Rasieren und Trimmen des Bartes ist verboten. Frauen mĂŒssen âzĂŒchtig-bedeckende Kleidungâ tragen, Verlautbarungen in Moscheen unterliegen der Zensur.[114][115] Im Juni 2015 wurde das im Nahen Osten beliebte TaubenzĂŒchten verboten, weil es die Muslime vom Beten abhalte und der Anblick von Taubengenitalien ihre Sittlichkeit verletzte. Bereits vor dem Verbot wurden drei MĂ€nner wegen TaubenzĂŒchtens hingerichtet.[116] Dies verhindert gleichzeitig, diese als Nachrichtenmittel zu nutzen. Der Gebrauch von Mobiltelefonen, die ĂŒber GPS ortbar sind, ist genau geregelt. Apple-Produkte sind generell verboten, bei anderen Herstellern muss die GPS-Funktion auĂer Betrieb gesetzt werden.[117]
Bedrohung von Muslimen
Entgegen der Botschaft von Amman wird beobachtet, dass der IS gegen Muslime anderer Glaubensrichtungen eine rigorose Version der islamischen Praxis des TakfÄ«r anwendet: Alle Abweichler (z. B. die Schiiten) sind demnach âUnglĂ€ubigeâ bzw. âGottesleugnerâ (KÄfir) und werden als todeswĂŒrdig eingestuft und getötet, wenn sie sich im Machtbereich des IS aufhalten.[118]
Az-Zarqawi hegte einen besonderen Hass gegenĂŒber Schiiten, der die gesamte anti-schiitische Ausrichtung des IS prĂ€gte. Er war der Ăberzeugung, dass man diese nicht konvertieren könne, sondern auslöschen mĂŒsse. Diese Ansicht stand der Meinung al-Qaidas diametral gegenĂŒber, die in Schiiten nur fehlgeleitete Muslime sehen, die man mit der richtigen Anleitung zurĂŒck zur Wahrheit fĂŒhren kann. Dies war einer der GrĂŒnde, warum az-Zarqawi niemals ernsthaft mit al-Qaida kooperieren wollte. Er stufte al-Qaida als schwache Institution ein, die falschen Vorstellungen folgte, und machte sich in der Entstehungsphase des IS ausschlieĂlich ihre PopularitĂ€t zunutze, um Aufmerksamkeit und finanzielle Mittel fĂŒr seine Organisation zu generieren.[119]
Feindlich steht der IS auch der Hamas gegenĂŒber. Dass fĂŒr die Hamas der Islamismus zwar fester Bestandteil der Ideologie ist, jedoch das Ziel eines palĂ€stinensischen Nationalstaats verfolgt wird, wird vom IS als letztlich westliches Konzept abgelehnt. Der IS verurteilt zudem, dass die Hamas mehrfach mit Israel verhandelt hat und WaffenstillstĂ€nde einging. Auch das ZweckbĂŒndnis der sunnitischen Hamas mit dem schiitischen Iran bzw. der vom Iran gesteuerten Hisbollah wird verurteilt. Ein weiterer Vorwurf ist, dass die Scharia von der Hamas im Gazastreifen nicht ausreichend durchgesetzt worden sei.[120]
Christenverfolgung
Obwohl die Christen keineswegs die einzigen Opfer der religiösen Gewalt durch den Islamischen Staat sind, macht die Tatsache, dass sie bis heute die gröĂte nicht-muslimische Religionsgemeinschaft Syriens sind, ihre Gefahrenlage zusĂ€tzlich prekĂ€r. Schon kurz nachdem der Islamische Staat 2014 ein Kalifat in groĂen Teilen des syrisch-irakischen Gebietes ausgerufen hatte, hĂ€uften sich Drohungen gegen die Christen, entweder zum Islam zu konvertieren, Syrien und den Irak zu verlassen oder bei einer Verweigerung dieser Anordnungen getötet zu werden.[121] Zwar hatte der AnfĂŒhrer des IS, AbĆ« Bakr al-BaghdÄdÄ«, am 26. Februar 2014 in ar-Raqqa den Christen nach prophetischem Vorbild im islamischen Recht einen sog. Dhimma-Status angeboten â bzw. oktroyiert. Damit verbunden war aber, dass die Christen jeglichen feindlichen Akt gegenĂŒber dem Islamischen Staat unterlassen mĂŒssten. Diese bewusst vage Aussage fĂŒhrte dazu, dass der Islamische Staat einen völlig willkĂŒrlichen Umgang mit den Christen praktiziert, weil er immer behaupten kann, dass die christliche Bevölkerung ihnen gegenĂŒber feindselig sei. Beispielsweise wurden nach der Eroberung der Stadt Mossul durch den IS im Sommer 2014 viele der dort ansĂ€ssigen Christen entgegen dem âSchutzvertragâ (Dhimma) gezwungen zum Islam zu konvertieren. HĂ€ufig wurden sie bei einer Verweigerung zu konvertieren beraubt, vertrieben oder mit dem Tod durch das Schwert bestraft. Teile der sunnitischen Bevölkerung in Mossul unterstĂŒtzten die Islamisten sogar dabei, christliche HĂ€user zu identifizieren, indem sie die GebĂ€ude der Christen mit dem arabischen Buchstaben NĆ«n markierten. Im Koran werden die Christen hĂ€ufig als NaáčŁÄrÄ (NazorĂ€er, nach Jesus von Nazaret), bezeichnet, wobei der arabische Buchstabe (Ù) âNunâ entsprechend fĂŒr den Buchstaben âNâ steht. In Mossul wurde das âNunâ missbrĂ€uchlich zur Brandmarkung der christlichen Minderheit verwendet.[122] WĂ€hrend viele Sunniten in Syrien ihre vorher relativ unbelasteten Beziehungen zu ihren christlichen Nachbarn beim Ansturm der Islamisten vergessen hatten, begannen auch Teile von ihnen in der Folge selbst Jagd auf Christen zu machen. Der Einfall des IS in Mossul mit der anschlieĂenden Vertreibung der dort seit zwei Jahrtausenden ansĂ€ssigen Christen stellte fĂŒr die Christenheit in der Levante die bislang schĂ€rfste ZĂ€sur des Krieges dar. Lebten unter Saddam Hussein 1,3 Millionen Christen im Irak, waren es Stand 2021 noch etwa 200.000.[123] Weitere einschneidende VorfĂ€lle wie die EntfĂŒhrung orthodoxer Bischöfe und Nonnen und letztendlich die weit verbreiteten christenfeindlichen Ăbergriffe durch Islamisten bestĂ€tigten die schlimmsten BefĂŒrchtungen der Christen.[124]
Antisemitismus und Antiisraelismus
Die Ideologie des IS enthĂ€lt antisemitische Forderungen wie die Vernichtung des Staates Israel und des gesamten jĂŒdischen Volkes. In der zweiten Ausgabe des IS-Magazins âDabiqâ heiĂt es beispielsweise, es sei ânur eine Frage der Zeit, bis er [der IS] PalĂ€stina erreicht, um die barbarischen Juden zu bekĂ€mpfen und diejenigen von ihnen, die sich hinter den âGharqadâ-BĂ€umen â den BĂ€umen der Juden â verstecken, zu töten.â Die Feindbilder âIsraelâ und âJudeâ bilden eine untrennbare Einheit und in vielen IS-Videos ist von einer anzustrebenden âBefreiung Jerusalemsâ die Rede. Eine dem IS zuzurechnende Gruppe zĂ€hlte 2018 in einem Video neben den USA, dem Schiitentum und dem Laizismus auch das Judentum zu den Feinden des IS.[125]
Ungeachtet seiner ablehnenden Haltung gegenĂŒber der Hamas riefen nach dem Terrorangriff der Hamas auf Israel 2023 nach anfĂ€nglichem Zögern auch der IS und Regionalorganisationen zu Gewalt gegen Israel und Juden in aller Welt auf.[126]
Sklaverei und sexueller Missbrauch
Bei seinem Vormarsch im Sommer 2014 vertrieb der IS die jesidische Bevölkerung aus dem Nordirak; ein groĂer Teil, der nicht rechtzeitig fliehen konnte, geriet in seine Gefangenschaft.[127] Im Oktober 2014 erklĂ€rte der IS in seinem Propagandamagazin Dabiq, dass sein âZiel die kulturelle und religiöse Auslöschung der IdentitĂ€t der Jesidenâ sei. Scharia-Studenten des IS hĂ€tten die Jesiden nicht als ehemalige islamische Sekte eingestuft, sondern als eine heidnische Religion aus vorislamischer Zeit, somit als Muschrik (Götzendiener, also eine abwertende Bezeichnung fĂŒr Polytheisten). âNach islamischem Recht sei man damit auch berechtigt, jesidische Frauen und Kinder zu versklaven.â[128]
Der Artikel mit dem Titel Die vorzeitige Wiedergeburt der Sklaverei fĂŒhrt weiter aus, dass man Frauen und Kinder unter den KĂ€mpfern des islamischen Staates aufgeteilt habe, ânachdem ein FĂŒnftel von ihnen der Regierung des Islamischen Staates als Steuer ĂŒbergeben wurde.â[128] Nach Berichten geflohener MĂ€dchen gehört es zur Praxis in allen vom IS besetzten Territorien, junge Frauen und MĂ€dchen ab neun Jahren als Konkubinen zu versklaven. AuslĂ€ndische AnhĂ€nger der Milizen werden mit Frauen versorgt.[129]
2015 wurde durch geflohene Jugendliche bekannt, dass der IS Kindersoldaten ausbildet. In den ĂŒberfallenen jesidischen Dörfern im Irak versucht der IS, Jungen umzuerziehen und als KĂ€mpfer auszubilden. Beobachter sehen das Training als Teil der IS-BemĂŒhungen, eine neue Generation von KĂ€mpfern heranzuzĂŒchten. Neben gewaltsamer Rekrutierung werden die Jugendlichen und Kinder mit Hilfe von Geschenken, Drohungen und GehirnwĂ€sche gefĂŒgig gemacht. Der IS nutzte ein Video, in dem ein Junge, der unter Aufsicht eines erwachsenen Dschihadisten steht, einen syrischen Soldaten enthauptet. In einem anderen Propaganda-Video werden 25 Kinder gezeigt, die 15 gefangenen syrischen Soldaten in den Kopf schieĂen. Im Lager Faruk werden laut IS-Quellen Jungen mit Drill zu KĂ€mpfern ausgebildet.[130]
Verschiedene Menschenrechtsorganisationen gehen von 2500 bis 7000 Verschleppten aus.[131] âDie Selbstbezichtigung von IS ist nun ein wichtiges Indiz dafĂŒr, dass die Terrormiliz den Versuch eines kulturellen Genozids an den Jesiden unternimmt.â[128]
Im April 2016 ermordete der IS 250 Frauen, weil sie sich nicht als Sexsklavinnen missbrauchen lassen wollten; Ă€hnliche Mordaktionen hatten auch schon frĂŒher in kleinerem Umfang stattgefunden.[132]
Zerstörung von Kulturgut
Der IS betreibt einen scharfen Ikonoklasmus und zerstört systematisch KulturgĂŒter der vorislamischen Vergangenheit. Im September 2014 wurde die armenische GedĂ€chtniskirche am ehemaligen Konzentrationslager Deir ez-Zor aus den Zeiten des osmanischen Völkermords an den Armeniern gesprengt. Im Februar 2015 wurden im Museum von Mossul gezielt Statuen, insbesondere aus der assyrischen Zeit, zerschlagen.[133] Es liegen auch Berichte vor, wonach sich die Zerstörungswut generell gegen archĂ€ologische Monumente richte. Im Irak sollen zwischen Ende Februar und Anfang MĂ€rz 2015 die Ăberreste der antiken StĂ€dte Nimrud,[134] Hatra[135] und Dur Ć arrukin[136] ebenso wie die Zitadelle von Assur mit Sprengstoff und Bulldozern vernichtet worden sein. Der Umfang des Ikonoklasmus erinnerte Beobachter an die Sprengung der Buddha-Statuen von Bamiyan durch die afghanischen Taliban im MĂ€rz 2001.[137] Es wird vermutet, dass der IS verschiedene Ziele damit verfolgt und dass bei dem Bildersturm auch propagandistische Motive eine Rolle spielen. Stellenweise wurde auch berichtet, dass KulturgĂŒter möglicherweise mit LKW abtransportiert wurden, um sie im westlichen Antikenhandel zu Geld zu machen.[138]
Islamische Gelehrte und Institutionen wie das in Kairo ansĂ€ssige oberste islamische Rechtsinstitut Dar al-Ifta verurteilten die Zerstörung der KulturgĂŒter durch den IS[139] und wiesen darauf hin, dass selbst frĂŒhere Kalifen oder Gelehrte wie AbĆ« HanÄ«fa im Irak lebten und diese StĂ€tten erhielten und nicht zerstörten.
Gezielt wurden historische GotteshĂ€user der christlichen Minderheit im Irak und in Syrien zerstört. Das chaldĂ€ische Sankt-Elias-Kloster aus dem 5. Jahrhundert wurde ebenso wie die syrisch-orthodoxe GrĂŒne Kirche in Tikrit, eine der Ă€ltesten des Irak, bereits 2014 vollstĂ€ndig abgerissen. Die GrabstĂ€tte vom Mar-Behnam-Kloster in Baghdida wurde 2015 gesprengt und die alten Manuskripte verbrannt, das Mor-Mattai-Kloster bedroht. 2016 wurde in Mossul die katholische Kirche Unserer Frau der Stunde aus dem 19. Jahrhundert mit Sprengstoff beseitigt. Auch schiitische Bauten wie die 2014 abgerissene Moschee des Oweis el-Karni in Rakka blieben nicht verschont.
Am 20. Mai 2015 eroberte der IS die antike Metropole Palmyra und das dortige UNESCO-Weltkulturerbe mit den bis dahin noch erhaltenen vorwiegend römischen Ruinen.[140] Im August und September 2015 begann der IS mit der systematischen Zerstörung mehrerer bedeutender Bauwerke der Ruinenstadt, darunter die GrabtĂŒrme am Stadtrand sowie der Baaltempel und auch der Baalschamin-Tempel, welche durch Sprengung völlig zerstört wurden.
Völkermord und Kriegsverbrechen
Am 19. MĂ€rz 2015 veröffentlichte das UNO-Hochkommissariat fĂŒr Menschenrechte einen Bericht, in dem die EinschĂ€tzung vertreten wurde, dass die durch den IS verĂŒbte Gewalt das AusmaĂ von Völkermord erreicht habe. Besonders das Vorgehen gegen die Jesiden habe das Ziel, diese als Gruppe zu vernichten, so der Bericht. AuĂerdem wurden weitere Verbrechen wie Mord, Folter, Vergewaltigungen und sexuelle Versklavung sowie erzwungene religiöse Konvertierung und Zwangsrekrutierungen von Kindern aufgezĂ€hlt. Die Ermittler appellierten an den in Genf tagenden UN-Menschenrechtsrat, sich beim UN-Sicherheitsrat fĂŒr die strafrechtliche Verfolgung aller derartigen Verbrechen einzusetzen. Der UN-Sicherheitsrat mĂŒsse damit den Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag beauftragen.[141][142]
Das journalistische YouTube-Magazin Vice berichtet anhand eines Interviews, dass die IS-Milizen, und hier vor allem junge MĂ€nner ohne militĂ€rische Ausbildung, vor militĂ€rischen Aktionen bzw. Terrorakten zur Einnahme des Stimulans Captagon angehalten werden, die sie seelisch abstumpfen und brutalisieren soll. Captagon wird unter anderem im Libanon und in Syrien produziert und gelangt von dort ĂŒber den Schwarzmarkt an alle Kriegsparteien.[143][144]
Terrorismus als Strategie
Die terroristische Strategie des Islamischen Staates stammt von dem Manifest Idarat at Tawahusch (deutsch: Das Management bestialischer Grausamkeit), das von der irakischen Sektion der al-Qaida 2004 verfasst wurde. Weil Jugendliche von Natur aus rebellisch sind, glauben die Islamisten, dass TerroranschlĂ€ge gegen Schiiten, Kurden, Christen und Atheisten sunnitische Jugendliche mit âEnergie und Idealismusâ fĂŒllen wĂŒrden und sich die Jugendlichen zum Zwecke der Selbstopferung dem Kampf bzw. Terror verschreiben wĂŒrden. AuĂerdem sollen die feindlichen Staaten ihre KrĂ€fte ĂŒberdehnen, um Ziele zu schĂŒtzen, die nicht effektiv geschĂŒtzt werden können, und der Westen soll zu einem direkten Eingreifen mit eigenen Bodentruppen animiert werden.[145]
Nach der RĂŒckeroberung der letzten gröĂeren vom IS gehaltenen Stadt Albu Kamal durch die syrische Armee im November 2017 hat der IS nunmehr 96 % des ursprĂŒnglich beanspruchten âHoheitsgebietsâ verloren.[146]
Finanzierung
Der IS galt als die reichste Terrororganisation der Welt mit einem geschĂ€tzten Vermögen von zwei Milliarden US-Dollar (Stand Januar 2015).[147] Bei der Eroberung von Mossul und der PlĂŒnderung der Zentralbank gelangten im Juni 2014 allein 429 Millionen US-Dollar in die HĂ€nde des IS.[148] Das âGeschĂ€ftsmodellâ IS basierte auf mehreren SĂ€ulen:[147]
- Erdöl: Der IS finanzierte sich gröĂtenteils ĂŒber die Einnahmen vom Verkauf des Rohöls aus eroberten Ălfeldern.[149][150] Bis zu den ersten LuftschlĂ€gen auf Erdölfelder im Oktober 2014 wurde tĂ€glich fĂŒr 3 Millionen US-Dollar Ăl gefördert und verkauft. Ende 2014 sanken die Zahlen auf etwa 360.000 US-Dollar je Tag.[151]
- Raub: Eine zusĂ€tzliche Einnahmequelle war der Verkauf antiker FundstĂŒcke aus Raubgrabungen an archĂ€ologischen Fundstellen und der PlĂŒnderung von Museen. Bis Ende 2014 sollen archĂ€ologische Funde allein aus Syrien im Wert von 30 Millionen US-Dollar in den Westen geschmuggelt und hier mit gefĂ€lschten Papieren in den Kunsthandel gebracht worden sein.[152]
- Lösegeld und Sklaverei: Forderungen aus EntfĂŒhrungen sowie die âVersteigerungâ von Kindern und Frauen (insbesondere gefangengenommene Jesiden und Christen) auf SklavenmĂ€rkten stellen eine weitere Einnahmequelle dar. MĂ€dchen und Frauen zwischen 10 und 20 Jahren wurden fĂŒr umgerechnet 68 Euro versteigert; Kinder bis zu 9 Jahren erzielten Preise bis zu umgerechnet 135 Euro. EntfĂŒhrte westliche Geiseln wurden fĂŒr 3 bis 5 Millionen US-Dollar freigelassen.[153][154][155][156]
- Spenden: Der IS finanziert sich ĂŒber Spenden vermögender Privatleute, religiöser Stiftungen und Moscheevereine,[157] vor allem aus Saudi-Arabien und Katar.[158]
- Steuern: Der IS erhebt Steuern von Gewerbetreibenden, die fĂŒr Umsatz- und Vermögensteuer jeweils bei 10 % liegen, sowie Zölle (zwischen 200 und 500 US-Dollar je Lieferung). Daneben bezog der IS in Mossul Mieteinnahmen fĂŒr ĂŒber 20.000 Wohnungen und GeschĂ€fte in Höhe von 3 Millionen US-Dollar monatlich.[159][160][161][162] Der IS fĂŒhrte ĂŒber alle Transaktionen genau Buch.[147]
Der Islamische Staat proklamiert auf seinen Webseiten und in sozialen Netzwerken die EinfĂŒhrung eines Gold-Dinars, der sukzessive in Umlauf gebracht wird.[163]
FĂŒhrung
FĂŒhrungsstruktur
Neben dem selbsternannten, in der restlichen islamischen Welt nicht anerkannten âKalifenâ AbĆ« Bakr al-BaghdÄdÄ« stand Adnan al-Sweidawi (âAbu Ali al-Anbariâ; â 12. Dezember 2015 in al-Ash, Syrien[164]) als Vertreter fĂŒr Syrien an der Spitze der Organisation IS. Der am 18. August 2015 in der Stadt Mossul durch einen Drohnenangriff getötete Fadel al-Hayali (âAbu Muslim al-Turkmaniâ) war bis zu diesem Zeitpunkt al-Baghdadis Stellvertreter im Irak.[165] FĂŒnf âGouverneureâ herrschten in Syrien, sieben weitere im Irak. Die FĂŒhrung des IS bestand aus neun RĂ€ten: dem FĂŒhrungsrat, dem SchĆ«rÄ-Rat, dem Rechtsrat, dem Sicherheitsrat, dem Hilfsrat fĂŒr KĂ€mpfer, dem MilitĂ€rrat, dem Geheimdienstrat, dem Medienrat und dem Finanzrat.[166][167]
Dokumente, die laut Angaben des Spiegel vom getöteten IS-Chefstrategen Hadschi Bakr stammen, legen nahe, dass es neben der oben beschriebenen FĂŒhrungsstruktur eine parallele Geheim- bzw. Geheimdienststruktur gibt bzw. gab.[6] An deren Spitze steht das klandestine Gremium Ahl al-Hall wa-l-ÊżAqd, das angeblich die tatsĂ€chlich relevanten Entscheidungen trifft. Im historischen Kalifat hatte ein Gremium dieses Namens die Aufgabe, den Kalifen zu wĂ€hlen oder abzusetzen.[168] Der Spiegel-Quelle zufolge haben Hadschi Bakr und dessen irakische Geheimdienstclique al-Baghdadi im Jahr 2010 tatsĂ€chlich als religiösen Frontmann an die Spitze des IS gebracht. Wie viel Macht der Kalif tatsĂ€chlich habe, sei daher unklar.[6] Tatsache jedoch sei, dass die tatsĂ€chlichen AnfĂŒhrer aus ehemaligen Offizieren von irakischen Geheimdiensten und Eliteeinheiten bestand, die unter Saddam Hussein dienten und nach dessen Sturz und Tod einen Weg zurĂŒck zur Kontrolle ĂŒber den Irak suchten und die gute Kontakte zu syrischen Geheimdiensten von Baschar al-Assad unterhielten.[169]
Von 25 Personen des obersten FĂŒhrungskaders des IS waren 17 ab 2004 im US-amerikanischen GefĂ€ngnis Camp Bucca im SĂŒdirak inhaftiert.[170][171] Durch die Zusammenlegung radikaler Dschihadisten, MilitĂ€rs und Geheimdienstoffiziere in gemeinsame Zellenblöcke wurde nach Ansicht von westlichen Kommentatoren ein âverhĂ€ngnisvoller Fehlerâ begangen. Dort erfolgte die Anwerbung erfahrener MilitĂ€rs der irakischen Armee fĂŒr den Islamischen Staat. Irakische Beobachter sprechen in diesem Zusammenhang von der âAkademie Buccaâ.[172]
âDie US-Besatzer im Irak hatten ein tragisches Talent dafĂŒr, sich [âŠ] ihre intelligentesten Feinde selbst zu schaffen und zu vereinen.â
FĂŒhrer

Zu FĂŒhrungswechseln kam es beim IS bislang nur durch den Tod des jeweils bisherigen AnfĂŒhrers.
- 1999 â 06/2006: Abu Musab az-Zarqawi
- 2006 â 04/2010: Abu Abdullah ar-Raschid al-Baghdadi
- 05/2010 â 10/2019: AbĆ« Bakr al-BaghdÄdÄ«
- 11/2019 â 02/2022: Abu Ibrahim al-Haschimi al-Quraischi
- 03/2022 â 11/2022: Abu Hassan al-Haschimi al-Quraischi[173]
- 11/2022 â 4/2023: Abu al-Husain al-Husaini al-Quraischi
- ab 08/2023: AbĆ« Hafs al-HÄshimÄ« al-QurashÄ«[174]
Weitere bekannte Mitglieder
TruppenstÀrke der StreitkrÀfte
SchĂ€tzungen des US-AuĂenministeriums vom Mai 2013 bezifferten die TruppenstĂ€rke des IS im Irak mit 1000 bis 2000 Menschen.[175] SchĂ€tzungen eines Irak-Experten der Friedrich-Naumann-Stiftung vom Juni 2014 gehen jedoch von einer StĂ€rke von 10.000 bis zu 15.000 Personen aus.[176] In Syrien wurde die Anzahl der KĂ€mpfer des IS je nach Quelle auf 3000 bis 8000 geschĂ€tzt.[177][89][178] Im August 2014 berichtete der Leiter der syrischen Beobachtungsstelle fĂŒr Menschenrechte, Rami Abdel Rahman, von 50.000 Leuten, die mittlerweile in Syrien kĂ€mpfen â 20.000 davon seien aus dem Ausland,[179] laut SchĂ€tzungen der EU-Kommission waren 2.000 davon aus Europa.[180] Der Sprecher des US-Auslandsgeheimdienstes CIA, Ryan Trapani, sagte im September 2014, man gehe von 20.000 bis 31.500 KĂ€mpfern aus.[181] Die Zahl der auslĂ€ndischen KĂ€mpfer beim IS wurde (September 2014) mit etwa 1000 TĂŒrken, 2000 EuropĂ€ern und 100 US-Amerikanern angegeben. Die tunesische Regierung ging im Oktober 2014 von 2400 bis 3000 Tunesiern beim IS aus. Ein UNO-Bericht vom 29. September 2014 berichtet von 15.000 KĂ€mpfern aus 80 LĂ€ndern. Ende Dezember 2014 wurden 550 Deutsche beim IS gezĂ€hlt.[182] Bis Mitte 2015 wurden mindestens 20.000 AuslĂ€nder aus ĂŒber 100 LĂ€ndern vermutet, unter den auslĂ€ndischen Dschihadisten 3000 Tunesier, 2500 Saudis, 1400 Franzosen, jeweils 700 Deutsche und Briten, 400 Belgier und 220 Ăsterreicher. Obwohl bei LuftschlĂ€gen der Anti-IS-Allianz bis Juni 2015 ĂŒber 10.000 IS-KĂ€mpfer getötet wurden, ist die Kampfkraft des IS intakt geblieben, da monatlich 1000 neue KĂ€mpfer zureisten.[183]
Im Dezember 2015 veröffentlichte die Denkfabrik Soufan Group einen Bericht, wonach die meisten auslĂ€ndischen KĂ€mpfer aus Tunesien (6.000), Saudi-Arabien (2.500), Russland (2.400), der TĂŒrkei (2.100) und Jordanien (2.000) stammen. Aus Westeuropa kamen demnach 5.000 Personen â davon 1.700 aus Frankreich, 760 aus GroĂbritannien, 760 aus Deutschland, 470 aus Belgien und je 300 aus Ăsterreich und Schweden. Aus den USA und Kanada stammen etwa 280 KĂ€mpfer.[184]
Im November 2017 gingen deutsche Sicherheitsbehörden davon aus, dass 950 deutsche Islamisten in das IS-Gebiet ausgereist sind. Von diesen waren bereits 150 nicht mehr am Leben. Nach einer EU-Studie zogen weltweit 42.000 Menschen aus 120 LÀndern ins IS-Gebiet.[185]
Nach einem Bericht der NZZ vom April 2017 war wegen der groĂen Zahl an KĂ€mpfern aus dem Kaukasus und Zentralasien Russisch die zweitwichtigste Sprache beim IS.[186]
Aus dem nun frĂŒheren Kerngebiet des IS in Syrien konnten sich im FrĂŒhjahr 2018 tausende KĂ€mpfer durch die Linien der syrischen Armee in den Westen des Landes absetzen.[187]
KriegsgerÀt
Die StreitkrĂ€fte des IS verfĂŒgten zeitweise ĂŒber umfangreiches KriegsgerĂ€t, welches teilweise auf dem Schwarzmarkt gekauft und teilweise bei BeutezĂŒgen oder missglĂŒckten Waffenlieferungen erbeutet wurde. Das Handelsblatt berichtete im Oktober 2014, dass jede vierte Waffe aus China und jede fĂŒnfte aus den USA komme.[188] Insgesamt setzte der IS nach SchĂ€tzungen Waffen aus mehr als 25 verschiedenen LĂ€ndern ein.[189]
Dazu gehörten laut der deutschen Tageszeitung Die Welt zum Beispiel schwere ArtilleriegeschĂŒtze und Panzerabwehrraketen vom Typ HOT aus der Produktion des deutsch-französischen Herstellers Euromissile und MILAN-Raketen.[190] Hinzu kommen amerikanische Kampfhubschrauber und Haubitzen des Typs M198.[188] Zum Arsenal des IS gehören österreichische und russische ScharfschĂŒtzengewehre sowie Maschinengewehre aus Russland, China und Belgien.[189]
Aus einem Artikel der FAZ geht hervor, dass der IS ĂŒber Giftgas verfĂŒgte und diese chemische Waffe bereits eingesetzt habe. Demnach stamme das Gift entweder aus einem heimlichen Lager und der IS habe es erbeutet oder er könne es selbst produzieren.[191]
Art und Herkunft
Nachdem der IS Ende 2017 weitgehend besiegt war, veröffentlichten Forscher der Gruppe Conflict Armament Research im Dezember 2017 eine Studie, welche die Herkunft von Waffen und Munition des IS untersucht.[192]
Der ĂŒberwiegende Teil der Waffen des IS waren Baumuster, die von der Sowjetunion und ihren Satellitenstaaten noch im Kalten Krieg vor 1989 entwickelt worden waren. Sichergestellt wurden etwa Sturmgewehre und Maschinengewehre aus sowjetischer, chinesischer, polnischer, jugoslawischer, ungarischer und ostdeutscher Fertigung.[193]
Weiter stellten die Forscher fest, dass der IS einen bedeutenden Teil der Bewaffnung beim Handstreich auf das irakische Mossul 2014 erbeutet hatte. Sichergestellte IS-Munition fĂŒr Gewehre und Maschinengewehre der Kaliber 7,62Ă39 und 7,62Ă54 aus russischer und serbischer Produktion, PG-7T-Panzerfaust-Raketen fĂŒr die RPG-7 aus bulgarischer Fertigung ordneten die Forscher etwa Munitionslieferungen zu, die diese Staaten im Auftrag der Amerikaner vor 2014 legal an den Irak getĂ€tigt hatten.[192]
Weiter stellte sich bei den Nachforschungen heraus, dass 9M111-MB-1-Lenkwaffen und PG-7T-Raketen, die aus Lieferungen stammten, die von den USA ab 2015 in Bulgarien angekauft wurden, im Irak vom IS eingesetzt wurden. Weiter wurden Chargen rumĂ€nischer PG-9-Raketen und rumĂ€nischer 12,7Ă108-Munition vom IS eingesetzt, die das US-Verteidigungsministerium 2015 angekauft hatte. Die Forscher nehmen an, dass die Waffen einer der Freien Syrischen Armee zugeordneten Gruppe zuvor von den USA geliefert wurden und dann dem IS zufielen.[192] Weiter wurden Raketen, die Bulgarien 2014 unter dem Vorbehalt einer EndverbleibserklĂ€rung an Saudi-Arabien exportiert hatte, im Februar 2016 in Ramadi vom IS eingesetzt. Weitere Raketen aus der Charge wurden im September 2017 bei Mossul noch in Originalverpackung von irakischen Soldaten vom IS erbeutet.[192] Weiter wurden Waffen und Munition bei IS-KĂ€mpfern gefunden, die zuvor Katar an Gruppen in Libyen geliefert hatte und solche, die von Belgien vor Jahrzehnten an die pakistanische Armee geliefert wurden. Modernere Gewehre der chinesischen Norinco-CQ-Serie im NATO-Kaliber 5,56 Ă 45 mm wurden bei IS-KĂ€mpfern in Kobane gefunden.[192]
Nachweislich aus tĂŒrkischen BestĂ€nden stammten geringe Mengen an IS-PanzerfĂ€usten, Maschinengewehren, Mörsergranaten und 5,56Ă45-mm-Munition. Letztere war von Bosnien an die TĂŒrkei geliefert worden.[194] Chemikalien, die der IS zur Herstellung von Sprengstoff nutzte, wurden an mehreren Orten in Syrien und dem Irak sichergestellt. Das verwendete Aluminium-Pulver stammte ausschlieĂlich von Vertriebsstellen in der TĂŒrkei,[195] ebenso die SĂ€cke mit sichergestelltem Ammoniumnitrat[196] und solche mit Kaliumnitrat. UrsprĂŒnglich waren alle diese Chemikalien fĂŒr den Verkauf innerhalb der TĂŒrkei produziert worden.[197] Sprengkapseln aus indischer Produktion wurden 2015 in Kobane beim IS gefunden, die zu einer Lieferung von drei Millionen ZĂŒndern gehörten, fĂŒr die 2014 eine Behörde des Libanon die Importlizenz ausgestellt hatte.[198]
Improvisierte Giftgasbomben auf Basis von Aluminiumphosphid wurden in IS-WerkstÀtten im Irak sichergestellt.[199]
Medien
Mit dem Umfang, der ProfessionalitĂ€t und der strategischen Nutzung von Medien auf unterschiedlichsten Levels â vom Handyvideo eines KĂ€mpfers bis zu Hochglanzmagazinen â ist der IS die erste Terrororganisation, die in diesem AusmaĂ ihren realen Kampf gleichzeitig auch in den Medien fĂŒhrt. Es wird so versucht, den ausgerufenen KalifatÂstaat zusĂ€tzlich virtuell zu konstituieren. Dies gelingt hĂ€ufig bei der Zielgruppe des IS, den in westlichen LĂ€ndern lebenden Muslimen. Direkt betroffene Menschen in den an Syrien und den Irak angrenzenden LĂ€ndern sind durch andere Medien und ihren persönlichen Bezug meist fĂŒr die Propaganda des IS nicht sehr empfĂ€nglich. Der IS fanatisiert fĂŒr eine radikal-archaische Auslegung des Islam und tut dies auch mit der Ăsthetik von Hollywood und der Technik der als KuffÄr abgelehnten westlichen Welt. Darin sieht der IS keinen Widerspruch, sondern nutze dies bewusst. Es schlieĂe an die Vorlieben der in westlichen Gesellschaften sozialisierten jungen Muslime an.
Der Islamische Staat wirbt fĂŒr seinen Kalifatstaat vor allem unter Nutzung von sozialen Netzwerken. Die entsprechenden Seiten sind professionell gestaltet, meist in arabischer Sprache, oft mit englischen Untertiteln. Viele IS-Videodateien lagern auf Servern in Kalifornien.[200] In wenigen FĂ€llen tritt der IS offen auf, meist handelt es sich um assoziierte Seiten, die einen kriegerischen sunnitischen Islam propagieren. Nachdem die sozialen Netzwerke Twitter, Instagram und Facebook versuchten, die Umtriebe des IS und anderer islamistischen Organisationen zu beschrĂ€nken, wichen die Betreiber entsprechender Seiten auf andere oder eigene Server aus. Eine Reihe sozialer Medien boten sich als Alternative an. Auf zahlreichen Notiz-Diensten wie justpaste.it wurden Nachrichten verbreitet. Die offiziellen Accounts werden von den jeweiligen Plattformen immer wieder gelöscht, jedoch entstanden tĂ€glich neue Konten von IS-Sympathisanten. Twitter löschte das Konto des IS eigenen al-I'tisam Media Centers und des al-Hayat Media Centers, jedoch eröffneten am gleichen Tag zwei neue Accounts, die schnell 20.000 Follower hatten.[201] Die meisten Videos sind kommentiert oder mit Untertiteln versehen. Als Reaktion auf die Sperrung von Accounts in sozialen Netzwerken werden vermehrt âalternativeâ Netzwerke wie Diaspora genutzt.[202]
Der IS lieĂ 2014 Medyan Dairieh, einen Reporter, der fĂŒr das New Yorker Medienunternehmen Vice arbeitete, als Embedded Journalist aus dem Herzen des neuen Staatsgebildes und von dessen Front berichten. Seine Dokumentation Der Vormarsch des Kalifats wurde vielbeachtet.
Seit Juli 2014 gibt IS das mehrsprachige Online-Magazin Dabiq (arabisch ۯۧۚÙ) heraus. Es ist aufwendig produziert und erinnert in der Gestaltung nach Ansicht mancher Beobachter an Magazine von Sekten und Freikirchen. Es erscheint monatlich und dient der Propaganda und Rekrutierung. Harleen K. Gambhir vom Institute for the Study of War hat auch das vergleichbare Magazin von al-Qaida auf der arabischen Halbinsel, Inspire, untersucht und sieht diese als Motivationsquelle fĂŒr sogenannte lone-wolf attacks auf westliche Ziele. Dabiq dagegen zielt mehr auf die Legitimierung des sogenannten Kalifats und versucht, Muslime zur Emigration in dasselbige zu bewegen.[203]
Eine der zentralen ProduktionsstĂ€tten fĂŒr Propaganda aller Art ist das al-Hayat Media Center. Es ist die Medienorganisation des Islamischen Staates. Der Ex-Rapper und IS-KĂ€mpfer Denis Cuspert spielte nach EinschĂ€tzung der Tageszeitung eine aktive Rolle in dem Zentrum.
Das al-Hayat gilt als Auslandsmedium des Islamischen Staates. Das al-Furqan Institute for Media Production ist das offizielle MedienbĂŒro der politischen FĂŒhrung des IS und erhĂ€lt auch von der FĂŒhrung sein Material.
Im August 2014 startete die Amaq News Agency als Nachrichtenagentur des IS. Statt Twitter verwendet die Agentur den verschlĂŒsselten Dienst Telegram und entwickelte eine eigene App fĂŒr Android.
Die wesentlichen Medieneinrichtungen des IS sind:
- Al-Furqan Institute for Media Production (al-furqan fĂŒr âStandardâ, âKriterium zwischen LĂŒge und Wahrheitâ) ist die Ă€lteste Einrichtung zur Produktion von Propaganda des IS, speziell Videos. Das Al-Furqan Institute wurde 2006 zusammen mit dem Islamischen Staat im Irak (ISI) gegrĂŒndet. Ein Video von AbĆ« Bakr al-BaghdÄdÄ«, wie er an einer Zeremonie in einer Moschee in Mosul teilnimmt, wurde von al-Furqan bei YouTube hochgeladen.
- Al-Hayat Media Center ist bekannt fĂŒr aufwendig produzierte Videos und zielt auf ein westliches Publikum. Neben Videos mit Untertiteln in verschiedenen Sprachen vertreibt das Zentrum auch Berichte, Fotos und Audiomaterial. Dieses wird gezielt zur Rekrutierung von Muslimen in westlichen LĂ€ndern fĂŒr den IS konzipiert. Das Logo ist dem des Senders Al Jazeera nachempfunden.
- Al-Iâtisam Media Foundation existiert seit 2013 und produziert und vertreibt Propaganda-Videos fĂŒr den IS.
- Ajnad Media Foundation wurde im Januar 2014 gegrĂŒndet und ist auf die Produktion und den Vertrieb von Dschihad-Pop und islamistischer Vokalmusik spezialisiert.[204]
- Konstantiniyye, seit 2015, tĂŒrkischsprachiges Medium
- Al Ghuraba Media, gegrĂŒndet von Mohamed Mahmoud.
- Maktabat al-Himma, Verlag fĂŒr BroschĂŒren.
GegenaktivitÀten
Die Behörden verschiedener Staaten versuchen mit unterschiedlichem Erfolg, gegen die Verbreitung von Propagandamaterial des IS vorzugehen.[205][206]
Mehrere Medien berichteten umfangreich ĂŒber Abu Azrael, einen irakischen Schiiten-MilizionĂ€r, der von seinen AnhĂ€ngern als âSchiiten-Ramboâ und Held gefeiert wird und die Terroristen des IS entschieden bekĂ€mpft. Als Identifikationsfigur unterstĂŒtzt er die Anwerbung neuer KĂ€mpfer gegen die IS-Milizen.[207]
Am 8. Juli 2015 wurde The Sawab Center in Abu Dhabi eröffnet, das die Allianz gegen den Islamischen Staat (IS) in den sozialen Netzwerken unterstĂŒtzt, z. B. im Rahmen eines multinationalen Online-Messaging und eines Engagement-Programms zur TerrorbekĂ€mpfung.[208]
Ursachen fĂŒr das Erstarken
Der ehemalige britische Premierminister Tony Blair sieht eine Mitschuld der US-gefĂŒhrten Invasion im Irak an der Entstehung der Terrormiliz Islamischer Staat. Es gebe âElemente der Wahrheitâ in der Behauptung, dass der Irakkrieg den Aufstieg des IS verursacht habe.[209][210]
Der katarische Rechtsgelehrte Yusuf al-Qaradawi, der der Muslimbruderschaft nahesteht, kritisierte die Benachteiligung und UnterdrĂŒckung der Sunniten im Irak.[211] Berichtet wurden Benachteiligungen, Inhaftierungen und Folterungen unter der Regierung von Maliki.[212]
Insbesondere wurden die sunnitischen Einheiten der irakischen Armee nicht ausreichend mit Waffen ausgestattet, so dass der IS zum Beispiel Ramadi 2015 ohne Widerstand einnehmen konnte.[213]
Die Rhein-Zeitung geht in einem Kommentar davon aus, dass die BĂŒrgerkriege vieler Gruppen im Irak und in Syrien das Erstarken des IS erst möglich machten; Chaos und Vakuum seien wie gemacht fĂŒr straff organisierte Terrormilizen wie den Islamischen Staat.[214] Der von der irakischen Regierung geforderte Komplettabzug der US-Truppen 2011 war sicherheitspolitisch ein Fehler, so der Politikwissenschaftler David Siddhartha Patel.[215] Dem Irak fehlt darĂŒber hinaus auch eine Luftwaffe.[216]
Die GrĂŒnen-Politikerin Claudia Roth warf der TĂŒrkei vor, die IS-Milizen mit Waffen und Ausbildungslagern unterstĂŒtzt zu haben, sie sprach von einer âdreckigen Politikâ der TĂŒrkei.[217] Die GrĂŒnen-Politikerin Katja Keul kritisiert zudem eine mögliche Rolle Katars als UnterstĂŒtzer des IS: âOb MuslimbrĂŒder in Ăgypten, Islamisten in Libyen, Mali, Syrien oder Irak â ĂŒberall dort wird von Finanzierung aus katarischen Quellen berichtet.â[218]
Die Islamwissenschaftlerin Ulrike Freitag weist darauf hin, dass zwar die saudi-arabische Regierung nun den IS als Gegner sieht, dass es aber weiterhin saudische AnhĂ€nger der Terrororganisation gibt, die ihre Politik finanziell unterstĂŒtzen. Freitag betont die Bedeutung des konfessionellen Gegensatzes zwischen dem sunnitischen Saudi-Arabien und dem schiitischen Iran als Ursache des Krieges.[219]
US-General John R. Allen ist der Auffassung, dass man beim Daesch nicht gegen eine Kraft, sondern gegen eine Idee kĂ€mpfe. Der IS habe es geschafft, sich das Image eines islamischen Staates zu geben, der unbesiegbar sei und den islamischen Glauben schĂŒtze.[220] Ăhnlich wird US-General Michael K. Nagata mit den Worten zitiert: âWe do not understand the movement, and until we do, we are not going to defeat it.â[221] Nach einem Kommentar des ehemaligen israelischen Generalmajors Giora Eiland auf dem Nachrichtenportal ynetnews wĂ€re der IS jedoch militĂ€risch wesentlich leichter zu besiegen als andere Terrororganisationen, weil er mit groĂen Truppenansammlungen operiere, die leicht auszumachen seien, und es liege vielmehr an der mangelnden Bereitschaft des Westens.[222]
Der syrische Journalist Hassan Hassan erklĂ€rte, dass der IS sich bereits existierende Strukturen zu eigen macht und so seine Macht in den sunnitischen Regionen konsolidiert. So baute die Organisation einen Sicherheitsapparat bestehend aus konkurrierenden Geheimdiensten nach dem Vorbild des Regimes in Syrien und der frĂŒheren Diktatur Irak auf. Ăhnlich wie diese Baath-Regimes weite der IS zudem seinen Einfluss aus, indem er verschiedene Gruppen und StĂ€mme gegeneinander ausspiele. Dieses weitestgehend aufgrund lokaler VerbĂŒndeter aufgebaute System sorge allerdings auch dafĂŒr, dass der IS auĂerhalb der sunnitischen Gebiete im Irak und in Syrien keinen Einfluss habe.[223]
Situation im Irak
Im Dezember 2017 wurden dem IS die letzten Gebiete im Irak genommen. Er hat dort aber weiterhin viele Mitglieder und verĂŒbt dort auch 2023 noch regelmĂ€Ăig AnschlĂ€ge.
Im Jahr 2024 verkĂŒndete der irakische MinisterprĂ€sident Mohammed Shia' al-Sudani, dass irakischen StreitkrĂ€fte im Jabal-Hamrin-Gebirge ein Hauptquartier des IS im Irak zerschlugen und dabei mehr als ein halbes Dutzend FĂŒhrungskader des IS im Irak eliminierten.[18]
Situation in Syrien
Seit MĂ€rz 2011 hĂ€lt der BĂŒrgerkrieg in Syrien seit 2011 an. PrĂ€sident Baschar al-Assad befehligt die Regierungstruppen und wird von der Hisbollah unterstĂŒtzt. Die Freie Syrische Armee versteht sich als die Miliz der syrischen Opposition. Ferner etablierte sich die al-Qaida nahestehende al-Nusra-Front als Gegner Assads; 2014 erlangte der IS eine dominierende Rolle unter der FĂŒhrung von Omar al-Schischani. DarĂŒber hinaus gibt es kleinere aufstĂ€ndische Organisationen. 2012 kam es zum syrisch-tĂŒrkischen Konflikt; die TĂŒrkei versteht sich seitdem als Gegner Assads.
Januar 2014
Seit dem 3. Januar 2014 finden massive Angriffe durch Rebellen, darunter die Freie Syrische Armee (FSA) und die Islamische Front, gegen ISIS in Nordsyrien statt.[224][225][226] Nachdem ISIS Anfang Januar 2014 einige bedeutende syrische Aktivisten in ihren GefÀngnissen ermordet hatte, brachen verstÀrkt offene KÀmpfe zwischen ISIS und den Rebellen aus, denen sich immer mehr Rebellengruppen anschlossen. Mehrere Vermittlungsversuche zwischen ISIS und den Rebellen waren zuvor gescheitert.
Februar 2014
Bereits Anfang Februar 2014 hatte ISIS unter den syrischen Rebellengruppen keinen VerbĂŒndeten mehr, insbesondere auch unter der al-Nusra-Front und der islamischen Armee. Die kurdischen Volksverteidigungseinheiten, YPG und YPJ (Frauenbataillone), verteidigten schon seit lĂ€ngerem die kurdischen Gebiete gegen EinfĂ€lle des ISIS.
MĂ€rz 2014

Ende MĂ€rz 2014 startete ISIS einen erneuten Angriff auf die kurdische Region um KobanĂȘ. Zur selben Zeit verlangte der ISIS von der TĂŒrkei, ihre Truppen aus der einzigen tĂŒrkischen Exklave abzuziehen, der GrabstĂ€tte Sulaiman Schahs beim syrischen Dorf Qara Qusaq. Die TĂŒrkei drohte mit einer militĂ€rischen Antwort.[227]
Juni 2014
Im Juni 2014 wurde von Ermordungen und Kreuzigungen in Deir Hafir im Osten der Provinz Aleppo und al-Bab berichtet.[228][229]
Juli 2014
Im Juli 2014 kam es zu schweren KĂ€mpfen um das Scha'ar-Erdgasfeld bei Homs. Nachdem der IS das Feld vorĂŒbergehend eingenommen und 270 syrische Soldaten getötet hatte, eroberten es Regierungstruppen Ende des Monats wieder zurĂŒck.[230]
AuĂerdem griff der IS nach Angaben der Syrischen Beobachtungsstelle fĂŒr Menschenrechte (SOHR) in ar-Raqqa rund 35 km östlich der Tabqa-Talsperre einen MilitĂ€rstĂŒtzpunkt der 17. Division der syrischen Armee an. Dabei starben mindestens 50 Regierungssoldaten und 28 IS-KĂ€mpfer.[231]
August 2014
Mitte August 2014 berichteten Aktivisten, dass IS-KĂ€mpfer 700 Angehörige des regionalen Stammes der SchuÊżaitat, darunter 600 Zivilisten, im Gouvernement Deir ez-Zor gefangen genommen und getötet hĂ€tten.[232][233] Deir ez-Zor ist eine von der Freien Syrische Armee besetzte Enklave in einem vom IS kontrollierten Gebiet.
Am 24. August 2014 nahm der IS den syrischen MilitĂ€rflugplatz at-Tabqa in al-Tabka ein. Dabei kamen 500 Menschen zu Tode.[234] Bei einem Kampf mit der Al-Qaida verbĂŒndeten Al-Nusra-Front eroberte der IS im August 2014 auch weitere Gebiete an der tĂŒrkischen Grenze.[235]
Am 28. August 2014 töteten IS-KÀmpfer mehr als 160 Soldaten im Gouvernement ar-Raqqa.[236]
September 2014
Im September 2014 griffen IS-AnhĂ€nger die Stadt KobanĂȘ an der Grenze zur TĂŒrkei an. Die Kampfhandlungen mĂŒndeten in den international beachteten Schlacht um KobanĂȘ. Zeitweilig waren bis zu einer halben Million Menschen durch IS-KĂ€mpfer eingekesselt.[237] Die US-Luftwaffe bombardierte zusammen mit jordanischen und saudi-arabischen Kampfflugzeugen Ziele des IS in Syrien. Die Aktion wurde auch von den Vereinigten Arabischen Emiraten und Bahrain unterstĂŒtzt.[238] Der IS nahm Mitte September 2014 insgesamt 16 mehrheitlich kurdisch bewohnte Dörfer, in der NĂ€he der Stadt KobanĂȘ, ein. Die Dörfer in der NĂ€he der tĂŒrkischen Grenze wurden von lokalen BĂŒrgerwehren verteidigt, die Zivilisten waren vor der Einnahme geflohen.[239] Die kurdische Enklave um KobanĂȘ wurde vom IS schon seit Monaten angegriffen, die Enklave war eingekesselt.[240] Nach heftigen Protesten öffnete die TĂŒrkei die Grenze fĂŒr die FlĂŒchtenden. Mit Ausnahme von KobanĂȘ kontrollierte die Terrororganisation IS die gesamte Grenze zur TĂŒrkei zwischen RaÊŸs al-ÊżAin und Aleppo. Die Einnahme von KobanĂȘ hĂ€tte zudem den Vormarsch auf Aleppo erleichtert. Der Erfolg der IS-Miliz bei dieser Offensive wurde mit den von der syrischen Armee erbeuteten schweren Waffen in Zusammenhang gebracht. Die Versorgung der Enklave von auĂen gestaltete sich schwierig, da die TĂŒrkei den syrischen Kurden feindlich gesinnt war.[241] Nach Angaben der Syrischen Beobachtungsstelle fĂŒr Menschenrechte drangen in der Nacht zum 20. September mindestens 300 tĂŒrkische KurdenkĂ€mpfer ĂŒber die Grenze nach Syrien vor, um den Kampf der syrischen Kurden gegen den IS zu unterstĂŒtzen. Salih Muslim Mohamed, ein Vertreter der syrischen Kurdenbewegung, forderte Hilfe von den USA und Europa. Bei KobanĂȘ drohten âsogar noch schlimmere ethnische SĂ€uberungen als jene in Sindschar.â[242] Am 23. September 2014 wurde bekannt, dass die USA gemeinsam mit den arabischen VerbĂŒndeten LuftschlĂ€ge in Syrien ausgefĂŒhrt hatten. Die VerbĂŒndeten Staaten waren laut Washington Post: Saudi-Arabien, Jordanien, die Vereinigten Arabischen Emirate und Bahrain. Die Angriffe fanden im Raum ar-Raqqa der nordsyrischen IS-Hochburg und entlang der syrisch-irakischen Grenze statt.[243] Diese Ziele wurden mit Kampfjets, Bombern und Marschflugkörpern angegriffen. Die Washington Post berichtete, dass bei dem Angriff auch Drohnen zum Einsatz kamen.[244]
Oktober 2014
Mitte Oktober 2014 konnten die Dschihadisten groĂe Teile der belagerten nordsyrischen Grenzstadt KobanĂȘ einnehmen. Mehrere kurdische KĂ€mpfer wurden vom IS enthauptet.[245] Berichtet wurde auch vom HĂ€userkampf in Aleppo gegen syrische Regierungseinheiten sowie von der Sprengung eines Kontrollpostens in Hama.[246]
Im weiteren Verlauf konnten die Milizen des IS aus KobanĂȘ zurĂŒckgedrĂ€ngt werden. Die USA unterstĂŒtzten die Kurden dort mit insgesamt 135 Luftangriffen gegen die Einheiten des IS. Am 20. Oktober 2014 wurde bekannt, dass die USA erstmals mit Flugzeugen des Typs Lockheed C-130 mehrere Ladungen von Waffen, Munition und medizinischen GĂŒtern fĂŒr die kurdischen KĂ€mpfer abgeworfen haben. Das Material sei von der Autonomen Region Kurdistan im Irak zur VerfĂŒgung gestellt worden. Zur gleichen Zeit erklĂ€rte ErdoÄan nach einem Bericht der Nachrichtenagentur Anadolu, die syrisch-kurdische Partei PYD sei ebenso eine Terrororganisation wie die Kurdische Arbeiterpartei PKK; er lehne eine Waffenhilfe durch die TĂŒrkei grundsĂ€tzlich ab.[247]
Als Reaktion auf den wachsenden Widerstand veröffentlichte der IS am 27. Oktober ein Propagandavideo mit der Geisel John Cantlie, in dem der britische Journalist die militĂ€rischen Erfolge der Kurden und Anti-IS-Koalition â mutmaĂlich unter Zwang â herunterspielte.[248]
November 2014

Am 16. November wurde ein Video veröffentlicht, aus dem hervorging, dass der US-amerikanische Entwicklungshelfer Peter Kassig enthauptet wurde. Im selben Video wurde die Ermordung von mehreren syrischen Soldaten gezeigt.[249]
Bei Homs fanden erneut KĂ€mpfe um das Scha'ar-Erdgasfeld statt, das die syrische Armee nach einem zwischenzeitlichen Verlust gegen den IS verteidigen konnte.[250] In KobanĂȘ konnten die kurdischen KĂ€mpfer gröĂere Teile der Stadt zurĂŒckerobern.[251]
Dezember 2014
Deir ez-Zor: Obwohl der IS groĂe Teile der seit Monaten umkĂ€mpften Region kontrolliert, konnte die syrische Armee eine Offensive auf den MilitĂ€rflughafen der Stadt abwehren und ihn weiter als Basis fĂŒr Luftangriffe gegen den IS nutzen.[252]
ar-Raqqa: Ein jordanischer F16-Kampfjet stĂŒrzte ĂŒber Syrien ab. Der Pilot MuÊżÄdh al-KasÄsba ĂŒberlebte und wurde vom IS gefangen genommen. IS-KĂ€mpfer behaupteten, den Jet mit einer Abwehrrakete mit WĂ€rmesensoren abgeschossen zu haben. Die US-Armee erklĂ€rte, dass die Maschine aus technischen GrĂŒnden abgestĂŒrzt sei.[253] Die IntensitĂ€t der Luftangriffe der USA und ihrer Alliierten wurde trotz des Absturzes nicht vermindert.[254]
KobanĂȘ: Es wurde berichtet, dass die kurdische YPG nun 60 % der Stadt kontrollieren soll.[255] Der IS war zu diesem Zeitpunkt vor allem noch im Osten der Stadt prĂ€sent. Manche vom IS aufgegebene StraĂen wurden von der YPG gemieden, weil man Minenfallen fĂŒrchtete.
al-Bab: Assad-Truppen bombardierten die vom IS gehaltenen StÀdte al-Bab und Qabaseen, u. a. mit Fassbomben. Es wurde von 45 toten und 175 verwundeten Zivilisten berichtet.[256] Die Angriffe wurden hervorgehoben, weil Assad-Truppen damit Luftangriffe vermehrt in Gebieten flogen, in denen sie keine Kontrolle mehr haben.
Afrin (Stadt bzw. Bezirk mit kurdischer Bevölkerungsmehrheit nördlich von Aleppo): Die TĂŒrkei hĂ€lt die Grenze zu Afrin gesperrt. Im SĂŒden wird die kurdische Enklave von der Nusra-Front bedroht. Im Osten ist die Islamische Front ein Puffer gegen den IS. Die Islamische Front hat dem IS die Grenzstadt AÊżzÄz (Azaz) abgenommen. Die Islamische Front lĂ€sst einen Grenzverkehr von Kurden und anderen ĂŒber AÊżzÄz in die TĂŒrkei zu. Nach Ansicht von Sulaiman Dschaafar, Leiter des Ressorts fĂŒr AuswĂ€rtige Beziehungen in Afrin, hĂ€lt die TĂŒrkei die Grenze geschlossen, um die Kurden zu schwĂ€chen, und unterstĂŒtzt die Nusra-Front, um Assad zu bekĂ€mpfen.[257]
Januar 2015
Die japanischen Geiseln Haruna Yukawa und Kenji GotĆ wurden vom IS hingerichtet.[258] Der IS drohte fĂŒr den Fall, dass die 2006 zum Tode verurteilte Terroristin Sadschida al-Rischawi nicht freigelassen werde, mit der Ermordung des jordanischen Piloten MuÊżÄdh al-KasÄsba. KobanĂȘ stand kurz vor der Befreiung, weite Teile der Stadt sind allerdings zerstört.[259]
Februar 2015
KobanĂȘ gilt als befreit, auch umliegende Ortschaften wurden von den Kurden zurĂŒckerobert. Sie kĂŒndigten an, nun auf die vom IS gehaltene Grenzstadt Tall Abyad vorzurĂŒcken.[260] Mitte des Monats konnten von den Kurden erstmals Ortschaften im Gouvernement ar-Raqqa eingenommen werden.[261] Ende des Monats vermeldeten sie die RĂŒckeroberung der Stadt Tall Hamis und des heute gleichnamigen Ortes bei der antiken SiedlungsstĂ€tte Tell Brak im Nordosten des Landes.[262][263]
Ăber den Piloten MuÊżÄdh al-KasÄsba wurde am 3. Februar bekannt, dass er vermutlich bereits Anfang Januar von IS-Milizen mit Benzin bei lebendigem Leibe verbrannt wurde.[264] Die jordanische Regierung richtete als direkte Reaktion darauf die Terroristen Sadschida al-Rischawi und Ziyad Karboli hin[265] und verstĂ€rkte zudem die Luftangriffe auf IS-Stellungen.[266] Bei einem Bombardement von ar-Raqqa soll laut IS-Angaben die US-amerikanische Entwicklungshelferin Kayla Mueller, die seit August 2013 als Geisel festgehalten wurde, getötet worden sein. Ihr Tod wurde ohne Verifizierung der UmstĂ€nde am 10. Februar von der US-Regierung bestĂ€tigt.[267]
Mitte Februar 2015 formierte sich das BĂŒndnis BurkÄn al-FurÄt aus verschiedenen syrischen Gruppen gegen den IS. Strategisches Ziel sei unter anderem die Erlangung der Kontrolle ĂŒber die StraĂen von Aleppo ĂŒber Manbidsch und Sarrin nach ar-Raqqa, um die Nachschubwege des IS zu verlĂ€ngern.[268]
In der Nacht vom 21. auf den 22. Februar startete die TĂŒrkei eine MilitĂ€raktion, um die vom IS umzingelte Exklave QalÊżat DschaÊżbar mit der GrabstĂ€tte des Sulaiman Schah dauerhaft zu rĂ€umen. 38 Wachsoldaten, die Gebeine Sulaiman Schahs und andere bewegliche Teile wurden evakuiert, der Rest des Mausoleums wurde gesprengt. Ein Soldat starb dabei durch einen Unfall, zu Kampfhandlungen kam es nicht.[269]
Im Gouvernement al-Hasaka wurden Ende des Monats bei einem Angriff auf mehrere Dörfer bis zu 350 assyrische Christen vom IS verschleppt.[270] Am 27. Februar wurde berichtet, dass 15 von ihnen hingerichtet worden seien.[271]
MĂ€rz 2015
Nachdem Anfang des Monats bereits 19 der entfĂŒhrten Christen gegen Lösegeld freigekommen waren,[272] wurde bald darauf auch ein GroĂteil der anderen Geiseln in die Freiheit entlassen. Nach Angaben von Mario Zenari, dem vatikanischen Botschafter in Syrien, wurden keine weiteren Zahlungen geleistet.[273]
Am 9. MĂ€rz wurde berichtet, dass bei einem Luftangriff der Anti-Terror-Koalition auf eine vom IS betriebene Ălraffinerie bei Tall Abyad 30 Menschen getötet wurden.[274] Am 11. MĂ€rz griff der IS die Stadt RaÊŸs al-ÊżAin an der tĂŒrkischen Grenze an, es kam zu schweren Gefechten mit kurdischen Einheiten.[275]
Mai 2015
Etwa zeitgleich zur Offensive des IS auf die westirakische Provinzhauptstadt Ramadi begannen Mitte Mai Einheiten der IS-Miliz den Vormarsch auf das UNESCO-Weltkulturerbe von Palmyra. Diese konnten zwar zunĂ€chst von Regierungstruppen Syriens zurĂŒckgeschlagen werden, bis zum 20. Mai erlangte der IS trotzdem die vollstĂ€ndige Kontrolle ĂŒber Palmyra, die syrische Armee war zum RĂŒckzug gezwungen. Auch in Nordsyrien verbuchten die Islamisten durch eine Reihe von Offensiven teils erhebliche GelĂ€ndegewinne. So konnte am 19. Mai der letzte groĂe MilitĂ€rstĂŒtzpunkt der Assad-Regierung eingenommen werden, wodurch sich nun mehr als 50 % der syrischen LandesflĂ€che unter Kontrolle der Terrormiliz befinden, darunter die meisten Ălfelder des Landes.[276][277] Am 27. Mai musste sich der IS aus dem Ort Mabrukeh zurĂŒckziehen, der von kurdischen Soldaten besetzt wurde.[278]
Juni 2015
Bei Angriffen und AnschlĂ€gen des IS in KobanĂȘ wurden ĂŒber 150 Menschen getötet.[279]
Beim Kampf um die Grenzstadt Tel Abjad verzeichneten die Kurden im BĂŒndnis BurkÄn al-FurÄt am 30. Juni 2015 Erfolge.[280]
Juli 2015
TĂŒrkische StreitkrĂ€fte der Luftwaffe greifen seit dem 26. Juli 2015 in Nordsyrien Stellungen der IS und im Nordirak Stellungen der PKK an.[281]
August 2015
Der in Palmyra tÀtige ArchÀologe Chaled al-Assaad wurde vom IS hingerichtet.[282]
Der MilitÀrflugplatz Abu al-Duhur, letzte Bastion der syrischen Regierung in der Provinz Idlib, wird vom IS belagert.[283]
Russland begann mit einer MilitÀrintervention, um von Syrien aus gegen die Dschihadistenmiliz IS und Rebellen vorzugehen. Der iranische Generalmajor Qasem Soleimani besuchte zuvor Moskau, als Ergebnis erreichten die Russen und die Iraner eine strategische Entscheidung: Syrien soll als Barriere wirken, um die Verbreitung des IS und islamistischer Milizen in die islamischen Republiken der ehemaligen Sowjetunion zu verhindern.[284]
September 2015
GroĂbritannien und Frankreich gaben PlĂ€ne zu einer Beteiligung am US-MilitĂ€reinsatz in Syrien bekannt. Hintergrund der Beteiligung an den Luftangriffen sind demnach ausbleibende Erfolge im Kampf gegen den IS, die zunehmende PrĂ€senz Russlands in der Region sowie die hohe Zahl syrischer FlĂŒchtlinge. Der britische Finanzminister George Osborne sagte, das Problem mĂŒsse an seiner Wurzel angegangen werden â dabei nannte er die FĂŒhrung um Syriens PrĂ€sident Baschar al-Assad sowie den IS. Der britische Premierminister David Cameron will Anfang Oktober das Parlament bitten, Luftangriffe auf den IS zu billigen. Es wĂ€re der zweite Anlauf: 2013 hatten die Abgeordneten einen Einsatz noch abgelehnt.[285] Frankreichs PrĂ€sident François Hollande hat sich ĂŒber einen möglichen Einsatz mit seinem Verteidigungsstab beraten. Frankreich ist bereits an dem US-gefĂŒhrten Einsatz im Irak beteiligt, eine Ausdehnung auf Syrien hatte das Land aber bisher abgelehnt.[286]
Am 7. September 2015 bestĂ€tigte Premierminister David Cameron vor dem Unterhaus in London, dass die RAF bereits bei Drohnenoperationen in der NĂ€he von Rakka am 21. August IS-KĂ€mpfer â ohne Parlamentsbeschluss â getötet habe, darunter zwei Briten, nĂ€mlich Reyaad Khan,[287] einen 21-JĂ€hrigen aus Cardiff, und den etwa gleichaltrigen Ruhul Amin aus Aberdeen. Ein dritter Brite wurde durch eine US-amerikanische Reaper-Drohne am 24./25. August getötet: der 21-jĂ€hrige Junaid Hussain aus Birmingham, der als Chefhacker des IS galt und den Nom de guerre Abu Hussain Al Britani trug. Sein Tod war schon vor Wochen durch das US-MilitĂ€r verkĂŒndet worden.[288][289][290][291][292][293]
Diese hĂ€tten Terrorangriffe in ihrer Heimat geplant, rechtfertigte Cameron das Vorgehen. In Syrien war es fĂŒr GroĂbritannien der erste Angriff dieser Art.[294]
Zugleich veranlasste Putin seit Anfang September 2015 mehr Hilfslieferungen an Syrien unter Verweis auf alte VertrĂ€ge und entsandte MilitĂ€r nach Syrien, insbesondere Flugzeuge und Material, um eigene Basen bei Damaskus und bei Dschabla auszubauen und Assad bei der Verteidigung gegen den IS zu unterstĂŒtzen. Die USA zeigten sich darĂŒber irritiert.[295]
November 2015
Mitte November konnte die syrische Armee den Belagerungsring um den MilitÀrflugplatz Kuweyres durchbrechen.
Dezember 2015
Ende Dezember 2015 gelang es syrisch-kurdischen FreischĂ€rlern, dem IS die Kontrolle ĂŒber die Tischrin-Talsperre zu entreiĂen und einige Ortschaften westlich des Euphrat einzunehmen. Damit verlor der IS eine Nachschubroute ĂŒber den Euphrat. In einer unbestĂ€tigten Audiobotschaft versuchte al-Bagdadi die Kampfmoral seiner Truppen zu stĂ€rken. Zudem sprach er Drohungen gegen Europa, die USA, Israel, Russland und Saudi-Arabien aus.[296]
Am 27. Dezember 2015 wurde in Gaziantep im SĂŒdosten der TĂŒrkei der syrische Journalist und Filmemacher Nadschi al-Dscherf (* 1977) auf offener StraĂe mit KopfschĂŒssen hingerichtet.[297] Er hatte eine Reihe von Dokumentarfilmen gemacht, die von GrĂ€ueltaten der IS im syrischen Aleppo berichteten, und kollaborierte eng mit der Gruppe Raqqa is being slaughtered silently (deutsch: Rakka wird leise abgeschlachtet, (RIBSS)), einer Gruppe von Aktivisten und BĂŒrgerjournalisten, die heimlich Menschenrechtsverletzungen in der syrischen IS-Hochburg Rakka dokumentieren und dafĂŒr vom IS verfolgt werden. Bereits im Oktober waren zwei syrische Oppositionelle in der TĂŒrkei ermordet worden, die sich öffentlich gegen den IS gestellt hatten. Ibrahim Abdul Kader und Fares Hamadi waren enthauptet in einem Haus in der Grenzstadt Ćanlıurfa aufgefunden worden. Der IS bekannte sich damals zu der Tat. Der TĂŒrkeiexperte Gareth Jenkins vom Institute for Security and Development Policy in Istanbul erklĂ€rte, dass die AKP-Regierung jegliche Berichterstattung unterdrĂŒckte, die sie in negativem Licht erscheinen lassen könnte, so auch, dass es fĂŒr Sympathisanten des IS möglich ist, in der TĂŒrkei Menschen zu ermorden.[298][299][300]
August 2016
Anfang August wurde Manbidsch nach einer langen Belagerung durch die Demokratischen KrĂ€fte Syriens (SDF) erobert. Der IS verlor dadurch in Nord-Syrien an Einfluss. Die einzige verbleibende Route von der Hauptstadt des IS, Raqqa, in die TĂŒrkei verlĂ€uft durch Manbidsch. Die Region wird von der US-gefĂŒhrten Anti-IS-Koalition fĂŒr wichtig gehalten, weil davon ausgegangen wird, dass KĂ€mpfer durch diese von der TĂŒrkei aus in den IS gelangen.[301]
Dezember 2016
Nachdem der IS im MĂ€rz 2016 von syrischen Regierungstruppen aus der historischen WĂŒstenstadt Palmyra vertrieben wurde, gelang ihm im Dezember 2016 der erneute Einmarsch. Zuvor startete der IS eine Offensive auf Palmyra, in der er die syrische Armee aus verschiedenen Richtungen angriff. Bei diesem Angriff sollen dutzende Soldaten gefallen sein. Zudem soll der IS einige Gasfelder eingenommen haben.[302]
Mai 2017
Am 19. Mai gab US-Verteidigungsminister James Mattis bekannt, dass US-PrĂ€sident Donald Trump eine (so wörtlich) âVernichtungskampagneâ gegen Mitglieder des IS angeordnet hat. Auftrag dieser Kampagne sei es, die RĂŒckkehr von IS-KĂ€mpfern aus Syrien in ihre HeimatlĂ€nder zu unterbinden, weil sie dort eine strategische Bedrohung darstellen wĂŒrden. DafĂŒr befahl der US-PrĂ€sident eine âtaktische Ănderungâ der bisherigen Vorgehensweise. IS-KĂ€mpfer sollten nicht mehr aus ihren RĂŒckzugsorten vertrieben, sondern eingekesselt und âvernichtendâ geschlagen werden.[303]

September 2017
Anfang September 2017 gelingt es der kurdischen Armee in der Schlacht um ar-Raqqa die Altstadt von ar-Raqqa zu befreien.[304]
Oktober 2017
Am 17. Oktober 2017 endete die Schlacht um ar-Raqqa mit dem Sieg der Anti-IS-Koalition.
November 2017
Anfang November 2017 vermeldeten die syrischen StreitkrĂ€fte die Einnahme der Gouvernementshauptstadt Deir ez-Zor.[305] Am 9. November 2017 vermeldeten die syrischen StreitkrĂ€fte die Einnahme der Grenzstadt Abu Kamal am Euphrat. Damit wurde der IS aus der letzten gröĂeren Stadt am Euphrat vertrieben.[306] Die syrische Armee verkĂŒndete mit der RĂŒckeroberung den Sieg ĂŒber den IS.[307] Allerdings schlug am 11. November 2017 der IS die syrische Armee wieder aus Abu Kamal zurĂŒck. Am 19. November 2017 meldete die syrische Armee die endgĂŒltige Einnahme von Abu Kamal. Damit hĂ€lt der IS auch in Syrien keine gröĂeren Siedlungen mehr.[308]
Dezember 2017
Am 7. Dezember 2017 erklĂ€rte das russische Verteidigungsministerium den IS in Syrien fĂŒr besiegt.[309]
Februar 2018
Im Februar 2018 hielt der IS in Syrien noch einzelne Dörfer am Euphrat besetzt. Der kurdische Vormarsch gegen den IS kam zum Erliegen, weil die Kurden ihre KĂ€mpfer aus den SDF abzogen, um gegen einmarschierende tĂŒrkische Truppen in Afrin zu kĂ€mpfen.[310]
MĂ€rz 2018
IS-KĂ€mpfer traten Mitte MĂ€rz 2018 zum Angriff gegen die syrische Armee im Gouvernement Deir ez-Zor an und brachten dabei nach SOHR-Angaben die Förderanlage âPumpstation 2â im sĂŒdöstlichen Teil der Provinz unter ihre Kontrolle. Mehrere regierungstreue MilizionĂ€re wurden getötet. Regierungstruppen setzten am 20. MĂ€rz zum Gegenangriff an.[311]
KĂ€mpfer der Terrororganisation Islamischer Staat besetzten am 20. MĂ€rz 2018 innerhalb eines Tages den sĂŒdlichen Stadtteil Qadam (Al-Kadam) von Damaskus, in dem sich das FlĂŒchtlingslager Jarmuk befindet. 36 regierungstreue MilizionĂ€re wurden dabei nach SOHR-Angaben getötet.[312]
Mai 2018
Am 21. Mai 2018 hatte die syrische Armee Damaskus wieder vollstÀndig unter ihrer Kontrolle.
Januar 2019
Nach der AbzugsankĂŒndigung der US-Truppen durch PrĂ€sident Trump fĂŒhrten IS-KĂ€mpfer aus den wenigen verbliebenen Gebieten am Euphrat bei Deir ez-Zor wieder vermehrt Offensiven gegen die von den USA unterstĂŒtzte SDF durch. Westliche Experten werteten die AnkĂŒndigung Trumps als Motivationsschub fĂŒr den IS und schĂ€tzten, mit den Angriffen wolle man sich nun als die Kraft stilisieren, die die USA vertrieben habe.[313] Gegen Ende Januar hatten SDF-VerbĂ€nde mit US-UnterstĂŒtzung das Restgebiet des IS auf 10 kmÂČ zusammengedrĂŒckt. Lediglich die Dörfer al-Maraschida (34°30âČ13âłN 40°55âČ47âłE) und al-Baghuz Fawqani (34°27âČ31âłN 40°57âČ20âłE) wurden nach Berichten vom 27. Januar noch vom IS gehalten. Experten gingen davon aus, dass sich die verbliebenen IS-KĂ€mpfer in dem Gebiet aus AuslĂ€ndern zusammensetzen, die sich, als Folge ihres Aussehens, bisher nicht unter lokale FlĂŒchtlinge hatten mischen können, um sich abzusetzen.[314]
Nach einem Bericht des UNO-Sicherheitsrates vom Februar 2019 kontrollierte der IS in Irak und Syrien zu diesem Zeitpunkt 14.000â18.000 Bewaffnete.[315]
MĂ€rz 2019
Die Schlacht von Baghuz entwickelte sich zu einer lÀngeren Belagerung. Am 23. MÀrz 2019 befreiten die SDF Al-Baghuz Fawqani als letztes vom IS kontrolliertes Gebiet in Syrien.[316] Insgesamt hatten sich bis zu 80.000 AnhÀnger und KÀmpfer des IS im Zuge der Schlacht von Baghuz ergeben.[317]
April bis Dezember 2019
Nach der Schlacht von Baghuz flohen die verbliebenen Angehörigen von IS-KĂ€mpfern vor allem nach al-Haul. So wuchs diese FlĂŒchtlingsstadt in jener Zeit wĂ€hrend der Schlacht von Baghuz von weniger als 10.000 auf etwa 72.000 Personen an. Die radikalsten Angehörigen von KĂ€mpfern des islamischen Staates, eine 10.000 Personen umfassende Gruppe, wurde in al-Haul in einem abgesperrten Bereich interniert. Die verbliebenen IS-KĂ€mpfer aus der Schlacht von Baghuz zogen sich, sofern sie nicht gefangen genommen oder getötet wurden, in die syrische WĂŒste und die syrisch-irakische Grenzregion zurĂŒck.[17] Im Oktober 2019 wurde AbĆ« Bakr al-BaghdÄdÄ« getötet.
2020
In Syrien operierten IS-KĂ€mpfer im Jahr 2020 vor allem in der WĂŒste westlich des Euphrat in den Provinzen Deir ez-Zor (wo sie die Soldaten der StreitkrĂ€fte Syriens bei der Kleinstadt as-Suchna angriffen) und Homs.[17]
2022
Nach ZĂ€hlung der Syrischen Beobachtungsstelle fĂŒr Menschenrechte (SOHR) verĂŒbte der IS im Jahr 2022 in der Region westlich des Euphrat und in den WĂŒsten bei Deir ez-Zor, Al-Raqqah, Homs, Al-Suwaidaa, Hama und Aleppo insgesamt 103 bewaffnete Angriffe und SprengstoffanschlĂ€ge, in denen 264 Mitglieder der StreitkrĂ€fte des syrischen Regimes und ihrer Stellvertretermilizen sowie 17 Zivilisten getötet wurden. Laut SOHR wurden 166 Mitglieder des IS im Zuge des russischen MilitĂ€reinsatzes in Syrien getötet.[318] Weitere 209 bewaffnete Angriffe und SprengstoffanschlĂ€ge habe der IS im Jahr 2022 laut SOHR in den Gebieten der Autonomen Administration von Nord- und Ostsyrien verĂŒbt. Dabei seien 151 Personen getötet worden, davon 54 Zivilisten und 95 Mitglieder der Syrian Democratic Forces und deren VerbĂŒndete.[319]
Im Januar 2022 versuchte der IS mit mehr als 100 KĂ€mpfern, das von den Syrian Democratic Forces (SDF) gehaltene, mit mindestens 5000 Insassen gefĂŒllte GefĂ€ngnis in al-Hasaka zu erstĂŒrmen. Die KĂ€mpfe weiteten sich, nachdem die SDF mit US-amerikanischer LuftunterstĂŒtzung die Angreifer erst in die Flucht geschlagen hatten, auf die umliegenden Wohnviertel aus und dauerten mindestens vier Tage an. Insgesamt kamen im Zuge der KĂ€mpfe mindestens 180 Menschen (davon 77 IS-Mitglieder und 39 kurdische SicherheitskrĂ€fte) ums Leben. Etwa 200 Inhaftierte waren eine Woche danach noch nicht auffindbar. Von den 80.000 IS-AnhĂ€ngern, die sich im Zuge der Schlacht von Baghuz im MĂ€rz 2019 ergeben hatten, waren im Januar 2022 noch bis zu 12.000 in GefĂ€ngnissen in Hasaka, KobanĂȘ und Qamischli interniert.[320][317][321]
Am Morgen des 21. Januars töteten KĂ€mpfer des Islamischen Staates 11 Soldaten eines rund 60 Kilometer von Bagdad entfernt liegenden MilitĂ€rstĂŒtzpunktes.[322]
Anfang Februar 2022 kam der AnfĂŒhrer des IS, AbĆ« IbrÄhÄ«m al-HÄshimÄ« al-QurashÄ«, nach Angaben des US-PrĂ€sidenten Joe Biden im Rahmen einer US-amerikanischen MilitĂ€roperation in Atmeh ums Leben.
2023
Experten und Mitglieder der Autonomen Administration von Nord- und Ostsyrien berichteten im Jahr 2023, dass der IS seine AktivitĂ€ten in ganz Syrien nach dem Erdbeben in der TĂŒrkei und Syrien massiv ausgebaut habe. Insbesondere im FlĂŒchtlingslager bei al-Hol wĂŒrde eine neue Generation des IS entstehen. Viele Frauen in dem Lager wĂŒrden Kinder mit der Absicht zeugen, dadurch zu einem islamischen Staat beizutragen.[323] Stand Februar 2023 hat der IS laut einem Bericht der Vereinten Nationen ca. 5000 bis 7000 Mitglieder und UnterstĂŒtzer, die ĂŒber Syrien und den Irak verteilt leben. Die HĂ€lfte der Mitglieder sind dem Bericht zufolge KĂ€mpfer. Im April 2023 hat das US-amerikanische MilitĂ€r eigenen Angaben nach ein ranghohes Mitglied des IS, das fĂŒr die Planung von AnschlĂ€gen in Europa zustĂ€ndig war, getötet.[324] Im Juli 2023 wurde erneut ein ranghohes IS-Mitglied im Osten Syriens (durch eine Drohne) getötet.[325]
2024
Die Zahl der Terrorangriffe des IS in Syrien verdreifachten sich im Jahr 2024. Dies geschah bereits vor dem Sturz des Assad-Regimes im Dezember 2024.[326] Die US-StreitkrÀfte flogen nach eigenen Angaben am 8. Dezember Luftangriffe gegen 75 PlÀtze, an denen sich Mitglieder oder Gruppen des Islamischen Staats in Syrien aufhielten.[327] Die SDF verwaltet in al-Hasaka ein HochsicherheitsgefÀngnis, in dem laut SDF Stand Ende 2024 etwa 12.000 IS-KÀmpfer untergebracht sind.[328]
2025
Nachdem ein mutmaĂlicher IS-Terrorist in Palmyra US-Soldaten getötet hatte, flogen die USA Vergeltungsangriffe gegen mehr als 70 Ziele.[329]
Situation in Afghanistan
Situation in Afrika
Ăgypten
In einer in der ersten NovemberhĂ€lfte 2014 verbreiteten Videobotschaft erklĂ€rte ein Sprecher der Ă€gyptischen Gruppe Ansar Bait al-Maqdis, der eine Reihe von TerroranschlĂ€gen zugeschrieben wird, sie habe sich dazu entschieden, sich dem IS anzuschlieĂen und al-Baghdadi die Treue zu schwören.[330] Die Gruppe besteht aus 2000 KĂ€mpfern, kontrolliert groĂe Gebiete im Norden des Sinai und hat in den Jahren bis 2014 etwa 100 Ă€gyptische Sicherheitsleute getötet, zudem beschoss sie den Badeort Eilat wiederholt mit Raketen.[331]
Nach einer Anschlagsserie am 29. Januar 2015 mit mehr als 30 Toten ging das Àgyptische MilitÀr mit Kampfhubschraubern gegen die IS-Milizen auf der Sinai-Halbinsel vor.[332] Zwei Tage spÀter veröffentlichte die Gruppe ein Video, das die Enthauptung von acht MÀnnern zeigte, die angeblich mit der Àgyptischen Armee kollaboriert hatten.[333]
Ende Juni 2015 war Ăgypten von einer Anschlagserie auf Kontrollposten betroffen.[334] Insgesamt starben mehr als 117 Menschen.[335]
Algerien
Der französische BergfĂŒhrer HervĂ© Gourdel wurde in Algerien am 21. September 2014 entfĂŒhrt und am 24. September 2014 enthauptet. Einer der TĂ€ter war mutmaĂlich Bachir Kherza, AnfĂŒhrer der Dschihadistengruppe Dschund al-Chilafa (Soldaten des Kalifats), der Frankreich aufforderte, seine Luftangriffe gegen die Dschihadistenmiliz Islamischer Staat im Irak binnen 24 Stunden einzustellen.[336] Die Gruppe hat dem IS die Treue geschworen.[337]
Burkina Faso, Mali, Mauretanien, Niger und Tschad
In Burkina Faso, Mali, Mauretanien, Niger und Tschad etablierte sich der Islamische Staat mit der Eigenbezeichnung Islamischer Staat in der GröĂeren Sahara (ISGS). Frankreich bekĂ€mpft den ISGS im Rahmen der OpĂ©ration Barkhane. Im September 2021 gab der französische PrĂ€sident Emmanuel Macron die Tötung des ISGS-AnfĂŒhrers Adnan Abu Walid al-Sahrawi bekannt.[338]
Libyen
In Libyen gelang es dem örtlichen Ableger des Islamischen Staats im Zuge des BĂŒrgerkrieges seit 2014 die gröĂten Erfolge auĂerhalb des Irak und Syriens zu erzielen.
Am 3. Oktober 2014 erklĂ€rte die âSchura der Islamischen Jugendâ die Stadt Darna, die sie seit April 2014 kontrolliert, zum Bestandteil des Islamischen Staats.[339] Die Gruppe rivalisiert mit anderen Milizen, die der libyschen Ansar al-Scharia nahestehen.[340] Sie verhinderte im Juni 2014 die Ăffnung von Wahllokalen fĂŒr die Wahl des neuen libyschen Parlaments und erschoss mehrere antiislamistische Demonstranten.[341] Am 18. August 2014 fĂŒhrte sie mehrere öffentliche Ermordungen in einem FuĂballstadion durch.
Berichten einer libyschen Internetzeitung zufolge plant der Islamische Staat in Sirte die Einrichtung eines Propagandasenders mit dem Namen Tawhid (Einheit).[340] IS unterhĂ€lt nach Aussagen des US-Generals Rodriguez von Anfang Dezember Ausbildungslager im Osten Libyens mit mehreren hundert Teilnehmern.[342] Gemeinsamer Gegner der Milizen ist General Chalifa Haftar, welcher von Tobruk aus die antiislamistische âOperation WĂŒrdeâ kommandiert.[341]
Der frĂŒhere Menschenrechtsaktivist Ahmed Shebani, der sich als âsĂ€kularer Demokratâ bezeichnet, forderte in einem Interview mit der NZZ zur UnterstĂŒtzung der von Katar geförderten Gegner Haftars auf, zu denen auch die dschihadistischen Milzen aus Darna gehören.[343][344] Er bezeichnete die Dschihadisten als âTeil unserer Gesellschaftâ, mit dem man âzivil umgehenâ mĂŒsse.[345]
Am 15. Februar 2015 veröffentlichten AnhĂ€nger des IS in Libyen unter dem Titel âEine in Blut geschriebene Nachricht an die Nation des Kreuzesâ ein Video im Internet, das die Tötung von 21 entfĂŒhrten christlichen Kopten aus Ăgypten zeigt. Die Gastarbeiter aus dem Nachbarland waren seit Jahresanfang vermisst. Experten halten das Video fĂŒr echt.[346] Als Vergeltung bombardierten die libysche und Ă€gyptische Luftwaffe gemeinsam die Stellungen des IS in Libyen. Ăgyptische Kampfflugzeuge vom Typ F-16C zerstörten dabei nach eigenen Angaben Waffenlager und Trainingscamps nahe Darna.[347]
Nachdem IS-Milizen zuvor bereits die Stadt an-Nufalija unter ihre Kontrolle bringen konnten,[348] wurde am 19. Februar 2015 die Einnahme von Sirte vermeldet.[349] Anfang MĂ€rz 2015 wurden beim IS-Angriff auf das Ălfeld Al-Ghani elf libysche Wachleute getötet[350] und neun AuslĂ€nder verschleppt, darunter ein Ăsterreicher und ein Tscheche.[351]
Ein Aufstand von Bewohnern des âStadtteils Nummer dreiâ von Sirte wurde vom IS im August 2015 mit Mörsern, Panzern und Kampfeinheiten niedergeschlagen; das Krankenhaus des Stadtteils wurde niedergebrannt.[352]
Im September 2016 gelang es den libyschen Truppen aus dem westlichen Teil des Landes unter Fayiz as-Sarradsch mit Hilfe der United States Air Force, Sirte weitgehend zurĂŒckzuerobern. Gleichzeitig gingen die Truppen des Machthabers des Ostens Haftars ebenso gegen die IS-Milizen vor, welche so Seitdem verfĂŒgt der Islamische Staat kaum noch ĂŒber Territorien in Libyen.[353]
Am 19. Januar 2017 gab US-Verteidigungsminister Ashton Carter einen Luftangriff mit zwei B-2-Langstreckenbombern sĂŒdlich von Sirte bekannt, bei dem in einem Camp des Islamischen Staates mindestens 80 IS-KĂ€mpfer getötet wurden. Die US-StreitkrĂ€fte flogen von August bis Dezember 2016 bislang rund 500 Luftangriffe gegen den IS in Libyen.[354]
Mosambik
In Mosambik ist die Al-Shabaab als Teil des IS-Ablegers Islamischer Staat â Provinz Zentralafrika (Abk.: IS-CAP) aktiv. Stand 2024 besteht das Personal des IS-CAP in Mosambik mindestens zur HĂ€lfte aus Kindern und Jugendlichen.[19]
Nigeria
Die nigerianische sunnitisch-islamistische Terrororganisation Boko Haram sagte dem IS 2014 UnterstĂŒtzung zu.[355] UmkĂ€mpft ist seit einigen Jahren der Osten Nigerias; hier rief Boko Haram einen islamischen Staat aus. Mit Gwoza ging den Regierungstruppen eine GroĂstadt an die Islamisten verloren.[356] Anfang Januar 2015 verĂŒbte die Gruppe bei der Einnahme von Baga eines von zahlreichen Massakern an der Zivilbevölkerung, in dessen Verlauf die Stadt gröĂtenteils niedergebrannt und vernichtet wurde.[357] Ende Februar konnte die nigerianische Armee Baga zurĂŒckerobern.[358]
Im MĂ€rz 2015 schloss sich Boko Haram offiziell dem IS an.[359] Nigerianische Truppen konnten derweil in den Bundesstaaten Yobe und Adamawa die Terrororganisation zurĂŒckdrĂ€ngen.[360] Am 8. MĂ€rz wurde eine Bodenoffensive gestartet, die Soldaten aus den NachbarlĂ€ndern Niger und Tschad unterstĂŒtzen.[361] Auch Kamerun und Benin sagten zu, sich mit eigenen Heereseinheiten am Kampf zu beteiligen.[362] Einen Tag nach ihrer GrenzĂŒberschreitung konnten nigrische und tschadische VerbĂ€nde die Stadt Damasak im Bundesstaat Borno zurĂŒckgewinnen.[363] Am 11. MĂ€rz wurde die RĂŒckeroberung von 36 Ortschaften durch die Koalition gemeldet.[364]
Somalia
Der IS ist Teilnehmer am Somalischen BĂŒrgerkrieg und kontrollierte im August 2022 ein kleines Gebiet im Nordosten von Somalia. Im Januar 2023 wurde der fĂŒr Somalia verantwortliche lokale AnfĂŒhrer der IS durch US-StreitkrĂ€fte getötet.[365]
Tunesien
Im Verwaltungsbezirk Kasserine an der Grenze zu Algerien befindet sich die Hochburg der tunesischen Dschihadistengruppe Phalange Okba Ibn Nafaa, die dem IS UnterstĂŒtzung anbietet.[366][367] Im Februar 2015 wurden bei einem Anschlag in Boulaaba vier Polizisten getötet.
Am 19. MÀrz 2015 bekannte sich der IS zu dem Terroranschlag auf das Nationalmuseum von Bardo, bei dem am Vortag 25 Menschen, hauptsÀchlich auslÀndische Touristen, starben.[368] Die tunesischen Behörden gehen aber davon aus, dass Okba Ibn Nafaa den Anschlag selbst begangen hat.[369]
Situation in der TĂŒrkei
VerhĂ€ltnis zu den Kurden in der TĂŒrkei und in Syrien
In der TĂŒrkei strebte bis 2014 Recep Tayyip ErdoÄan, MinisterprĂ€sident und heute StaatsprĂ€sident, einen Ausgleich mit den Kurden in der TĂŒrkei an und schlug als historische Ăbereinkunft die kulturelle Autonomie und mehr politische Rechte der Kurden bei gleichzeitiger Entwaffnung der in der TĂŒrkei und anderen NATO-Staaten als terroristische Vereinigung eingestuften Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) und Ă€hnlicher Gruppen vor.[370]
Die Volksverteidigungseinheiten (YPG) und die PKK[371] hatten die Jesiden aus den Sindschar-Bergen vor dem IS gerettet, Kobane verteidigt und zuletzt den IS aus Tall Abyad vertrieben. Ihre Gebietsgewinne in Syrien und Nordirak beunruhigten jedoch die tĂŒrkische Regierung.[372]
Indirekte UnterstĂŒtzung dschihadistischer Gruppen bis 2015
WĂ€hrend der Syrienkrise lieĂ der NATO-Mitgliedsstaat TĂŒrkei lange Zeit dschihadistische Gruppen gewĂ€hren.[370][373] Mitte September 2014 galt die TĂŒrkei als wichtigstes Transitland fĂŒr Angehörige des IS. Der tĂŒrkische Regierungschef Ahmet DavutoÄlu bezeichnete den IS zwar als âreaktionĂ€râ, vermied aber wie der vorherige MinisterprĂ€sident, Recep Tayyip ErdoÄan, die direkte Verurteilung seiner Taten als Terrorismus.[374]
In tĂŒrkischen KrankenhĂ€usern wie dem stĂ€dtischen Krankenhaus in der tĂŒrkisch-syrischen Grenzstadt Kilis sollen radikalislamische SyrienkĂ€mpfer, darunter auch ein IS-Kommandeur und der deutsche Salafist Denis Cuspert, bis zur RĂŒckkehr ins Kriegsgebiet medizinisch behandelt worden sein, ohne festgenommen worden zu sein.[375][376] Claudia Roth (BĂŒndnis 90/Die GrĂŒnen) warf der TĂŒrkei im Oktober 2014 vor, dass IS-KĂ€mpfer in tĂŒrkischen KrankenhĂ€usern behandelt und Waffen durch die TĂŒrkei geliefert wĂŒrden. Sie forderte von der NATO, Druck auf die TĂŒrkei auszuĂŒben.[377] Hinweise auf Waffen- und Munitionslieferungen ĂŒber die TĂŒrkei in das vom IS beherrschte Gebiet konnte die tĂŒrkische Regierung Medienangaben zufolge nicht entkrĂ€ften.[376]
Nach Angaben von James Clapper, Nationaler Geheimdienstdirektor (DNI) der Vereinigten Staaten, nahmen 60Â % der IS-KĂ€mpfer die Route ins Krisengebiet ĂŒber die TĂŒrkei, welche eine knapp 1.000 km lange Grenze zu Syrien und dem Irak hat.[378]
Aufnahme von FlĂŒchtlingen
Die TĂŒrkei hatte bereits bis 2014 eine groĂe Zahl FlĂŒchtlinge aufgenommen. So sind seit dem BĂŒrgerkrieg 2011 in Syrien ca. 1,8 Millionen Menschen in die TĂŒrkei geflohen. Zwischen dem 20. und 22. September sollen bis zu 130.000 Menschen vor einer Offensive des IS auf die syrische Stadt KobanĂȘ in die TĂŒrkei geflĂŒchtet sein.[379][380]
Laut einem Bericht von Michael Martens in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung (FASZ), der sich auf die BĂŒrgermeisterin der Stadt Suruç, ZĂŒhal Ekmez von der DBP, berief, soll die tĂŒrkische Regierung die FlĂŒchtlingszahlen aus KobanĂȘ stark ĂŒbertrieben haben: statt der vom UNHCR kolportierten 144.000 syrischen FlĂŒchtlinge aus KobanĂȘ seien demnach lediglich 15.000 bis 20.000 Menschen geflohen. Ekmez unterstellte der TĂŒrkei, durch Ăbertreibung der FlĂŒchtlingszahlen die de facto autonomen Kurdengebiete in Syrien zu menschenleeren Pufferzonen erklĂ€ren lassen zu wollen.[381][382][383] Frank Nordhausen, Korrespondent fĂŒr Frankfurter Rundschau und Berliner Zeitung, beschuldigte den FAZ-Korrespondenten Martens daraufhin auf Twitter, eine Falschmeldung und PKK-Propaganda zu verbreiten.[382][384][385]
Der tĂŒrkische MinisterprĂ€sident Ahmet DavutoÄlu nannte am 26. September 2014 eine Zahl von 160.000. Die TĂŒrkei gab eine VerschĂ€rfung der Grenzkontrollen und ein Unterbinden der Handelswege fĂŒr Diesel und Ăl aus IS-Gebieten bekannt. Bis zum 27. September 2014 sollen 830 EuropĂ€er festgenommen worden sein, die als IS-KĂ€mpfer die TĂŒrkei als Transitland nutzen wollten.[386]
Im Juli 2015 kĂŒndigte ErdoÄan an, in Syrien durch Eroberung von IS-Gebiet eine Sicherheitszone zu schaffen, um dort syrische FlĂŒchtlinge unterbringen zu können.
Geiselnahme und Befreiung des Suleiman-Schah-Grabs
Am 20. September 2014 wurden die im Juni 2014 von der IS im nordirakischen Mossul genommenen Geiseln freigelassen. Die Regierung in Ankara diskutierte daraufhin am 30. September 2014 im Parlament ein militĂ€risches Eingreifen im Irak und in Syrien; die TĂŒrkei blieb bei der Schlacht um KobanĂȘ passiv.[387]
Im September 2014 wurde die GrabstĂ€tte von Suleiman Schah im syrischen QalÊżat DschaÊżbar, einer Exklave der TĂŒrkei, von IS-Einheiten umschlossen. In der Nacht zum 22. Februar 2015 wurde das Grab von der TĂŒrkei in der Operation Ćah Fırat evakuiert. KĂ€mpfer des IS besetzten die Anlage, wurden aber Anfang Januar 2017 von SDF-Einheiten vertrieben.
BekÀmpfung des IS ab 2015
Beim Anschlag in Suruç starben am 20. Juli 2015 in der tĂŒrkischen Stadt Suruç, etwa 10 km entfernt von der syrischen Grenze, bei einem Selbstmordattentat 32 Menschen und mehr als 100 wurden verletzt. Das tĂŒrkische Innenministerium machte den Islamischen Staat fĂŒr den Anschlag verantwortlich. Ein 20-jĂ€hriger IS-KĂ€mpfer wurde als AttentĂ€ter identifiziert.[388]
ErdoÄan gestattete nach Meldungen vom 22. Juli 2015 den US-Amerikanern die Nutzung der Luftwaffenbasis Incirlik auch fĂŒr bemannte FlĂŒge. Am 23. Juli 2015 wurde ein tĂŒrkischer Soldat von der syrischen Seite aus erschossen; das tĂŒrkische MilitĂ€r reagierte und tötete dabei einen IS-KĂ€mpfer. Am 24. Juli 2015 flogen daraufhin drei tĂŒrkische Kampfflugzeuge von der Basis Diyarbakir aus Angriffe auf die Stellungen der IS-Miliz im syrischen Dorf Havar.[389]
Noch in der zweiten HĂ€lfte des Jahres 2015 konnten IS-KĂ€mpfer in tĂŒrkischen StĂ€dten entlang der Grenze zu Syrien angetroffen werden. Zudem reisten IS-KĂ€mpfer unbehelligt ĂŒber die TĂŒrkei in ihr Kampfgebiet in Syrien und im Irak. In Istanbul und an anderen Orten konnte man IS-AnhĂ€nger treffen, in GeschĂ€ften wurden IS-Banner, Aufkleber und sonstige Devotionalien verkauft.[390]
Bei einem Selbstmordanschlag am 12. Januar 2016 in Istanbuls historischem Zentrum starben elf Menschen, 15 weitere wurden verletzt â hauptsĂ€chlich deutsche Touristen. Der AttentĂ€ter, nach tĂŒrkischen Angaben ein Mitglied des IS, hatte sich an einem symbolischen Ort, zwischen der Hagia Sophia und der Blauen Moschee, in der NĂ€he einer deutschen Reisegruppe in die Luft gesprengt. Nach dem Anschlag verhĂ€ngte die tĂŒrkische Regierung eine Nachrichtensperre.[391][392] Bundeskanzlerin Angela Merkel verurteilte den Anschlag als âmörderischen Aktâ, UN-GeneralsekretĂ€r Ban Ki-moon erklĂ€rte, es handele sich um ein âverachtenswertes Verbrechenâ. Die USA betonten, sie stĂŒnden weiter fest an der Seite der TĂŒrkei. Der Bundesinnenminister Thomas de MaiziĂšre besuchte den Tatort in Istanbul und traf sich zudem mit dem Innenminister der TĂŒrkei Efkan Ala.[393][394] Vor dem Selbstmordattentat hatte der tĂŒrkische Inlandsnachrichtendienst MIT vor Terrorangriffen unter anderem auf Touristen gewarnt. Die tĂŒrkische Tageszeitung HĂŒrriyet berichtete, die Warnungen seien am 17. Dezember 2015 und 4. Januar 2016 an Sicherheitsbehörden im ganzen Land ergangen. Darin heiĂe es, der IS plane SelbstmordanschlĂ€ge âauf in der TĂŒrkei lebende Nichtmuslime, AuslĂ€nder, Tourismusregionen, von auslĂ€ndischen Besuchern stark frequentierte Orte oder auf Botschaften und Konsulate der entsprechenden LĂ€nder und auf NATO-Einrichtungen im Landâ.[395]
Am 24. August 2016 begann die TĂŒrkei mit der MilitĂ€roffensive Schutzschild Euphrat, die sich unter anderem gegen den IS richtete. Der IS wurde hierbei vom tĂŒrkischen MilitĂ€r und verbĂŒndeten Rebellen besiegt und aus der Region Nordsyrien verdrĂ€ngt. Die Operation endete offiziell am 29. MĂ€rz 2017.[396]
Anti-Terror-Einheiten der Polizei nahmen bei landesweiten Razzien am 5. Februar 2017 ĂŒber 420 TerrorverdĂ€chtige des Islamischen Staates fest, darunter 150 Personen in der Grenzprovinz Ćanlıurfa, 60 in der Hauptstadt Ankara, 47 in Gaziantep, 18 in Istanbul und in der Provinz Kocaeli sowie in Adana, Bingöl, Bursa, Konya und Izmir.[397]
Situation in Deutschland, Ăsterreich und der Schweiz
Deutschland
Etwa 1050 Islamisten aus Deutschland waren nach SchĂ€tzungen des Bundesministeriums des Innern, fĂŒr Bau und Heimat vom Herbst 2019 in den Jahren zuvor im Ausland in den âheiligen Kriegâ gezogen. Etwa ein Drittel sei inzwischen zurĂŒckgekehrt, etwa 100 weitere wĂŒrden ihre RĂŒckkehr nach Deutschland anstreben und zu 220 Personen aus der Gruppe habe man Hinweise, dass sie inzwischen getötet wurden.[398] Der Verfassungsschutz zĂ€hlt mindestens 1060 aus Deutschland ausgereiste Personen, die sich dem IS angeschlossen haben. Die meisten von ihnen waren jĂŒnger als 30, mehr als die HĂ€lfte besaĂ die deutsche StaatsbĂŒrgerschaft, etwa ein Viertel waren Frauen. Mehr als 500 sollen in Terrormilizen gekĂ€mpft oder sie unterstĂŒtzt haben.[399]
AktivitÀten von IS-AnhÀngern
Anfang August 2014 attackierten deutschstĂ€mmige und nichtdeutschstĂ€mmige IS-AnhĂ€nger in Herford Jesiden mit Messern und bedrohten sie.[400][401] In Hamburg gab es im September 2014 in einer FlĂŒchtlingsunterkunft im Hamburger Stadtteil Stellingen Bedrohungen und Ăbergriffe durch Sympathisanten des IS.[402] Abu Abdullah, der eine tragende Rolle in der AusfĂŒhrung von Selbstmordattentaten des Islamischen Staats in Bagdad hatte, berichtet, dass ein Deutscher mit seiner Hilfe ein Attentat ausgeĂŒbt hĂ€tte.[403] Am 7. Januar 2016, dem ersten Jahrestag des Anschlags auf die Zeitschrift Charlie Hebdo, erschoss die französische Polizei in Paris einen Mann, der eine Polizeistation stĂŒrmen wollte. Zuvor hatte er in einer Asylunterkunft in Recklinghausen gelebt. Dort entdeckten die Behörden spĂ€ter Devotionalien des Islamischen Staates.[404]
Am 2. Juni 2016 wurden im Auftrag von Generalbundesanwalt Peter Frank in Nordrhein-Westfalen, Baden-WĂŒrttemberg und Brandenburg die aus Syrien eingereisten MĂ€nner Hamza C., Mahood B. und Abd Arahman A. K. festgenommen. Ihnen wird vorgeworfen, mit dem zuvor in Frankreich festgenommenen Saleh A. einen Terroranschlag in DĂŒsseldorf geplant zu haben, bei dem sich zwei SelbstmordattentĂ€ter in der Altstadt nahe der Heinrich-Heine-Allee in die Luft sprengen und nach den Explosionen mit Gewehren und SprengsĂ€tzen weitere Menschen getötet werden sollten. Abd Arahman A. K. soll dabei fĂŒr den Bau der Sprengstoffwesten zustĂ€ndig gewesen sein. Bereits in Syrien soll, laut Informationen der Bundesanwaltschaft, Abd Arahman A. K. fĂŒr die Al-Nusra-Front SprenggĂŒrtel und Granaten gebaut haben.[405][406]
Am 18. Juli 2016 attackierte ein IS-Sympathisant in einem Zug bei WĂŒrzburg vier Personen mit einer Axt und wurde bei einem Polizeieinsatz erschossen. Der Islamische Staat beanspruchte die Tat ĂŒber sein Sprachrohr Amaq und veröffentlichte ein Bekennervideo des TĂ€ters.[407]
Am 24. Juli 2016 sprengte sich ein weiterer IS-Sympathisant vor dem Haupteingang eines Musikfestivals in Ansbach in die Luft. Dabei wurden 15 Personen verletzt.[408]
Am Morgen des 13. September 2016 wurden im Auftrag der Bundesanwaltschaft drei syrische Asylbewerber festgenommen, die in kommunalen FlĂŒchtlingsunterkĂŒnften in Ahrensburg, GroĂhansdorf und Reinfeld wohnten. Ihnen wird vorgeworfen, im Auftrag des IS im November 2015 nach Deutschland gekommen zu sein, âum entweder einen bereits erhaltenen Auftrag auszufĂŒhren oder sich fĂŒr weitere Instruktionen bereitzuhalten.â Ihre fingierten Papiere sollen aus derselben FĂ€lscherwerkstatt stammen wie die der AttentĂ€ter der TerroranschlĂ€ge am 13. November 2015 in Paris. Zudem gebe es Hinweise darauf, dass sie mit denselben Schleusern nach Europa gekommen sind.[409]
Am 19. Dezember 2016 ereignete sich der Anschlag auf den Berliner Weihnachtsmarkt an der GedÀchtniskirche, bei dem der IS-Sympathisant Anis Amri einen Sattelzug in eine Menschenmenge steuerte und 12 Menschen tötete. 45 Menschen wurden verletzt, 30 davon schwer.
Am 23. August 2024 stach ein Angreifer auf der 650-Jahr-Feier in Solingen auf 11 Menschen ein, 3 Opfer starben.[410]
EinschÀtzung des Verfassungsschutzes
Im Verfassungsschutzbericht 2012 des deutschen Bundesamtes fĂŒr Verfassungsschutz wurde AQI als die âaktivste terroristische Gruppierung im Zentral- und SĂŒdirakâ beschrieben. Strukturen von AQI in Deutschland seien derzeit nicht bekannt.[411] Ende November 2013 veröffentlichte ISIS ein Video, in dem erstmals ein deutsches ISIS-Mitglied fĂŒr den Dschihad in Syrien warb.[412] Das Bundesamt fĂŒr Verfassungsschutz identifizierte den Mann als einen 26-jĂ€hrigen Konvertiten aus Dinslaken; er soll mit vier Salafisten aus dem Raum Dinslaken ĂŒber die TĂŒrkei nach Syrien gereist sein und sich dort ISIS angeschlossen haben.[413] Inzwischen sind mehrere MĂ€nner aus Deutschland fĂŒr den IS im Einsatz, wie auch der ehemalige Rapper Denis Cuspert.[414][415]
Im Februar 2014 gaben deutsche Behörden an, mindestens 20 Dschihadisten aus Deutschland seien in Syrien getötet worden.[416] Bei der Vorstellung des Verfassungsschutzberichtes des Bundes fĂŒr das Jahr 2013 warnte VerfassungsschutzprĂ€sident Hans-Georg MaaĂen vor einem âbesonderen Sicherheitsrisikoâ durch nach Deutschland zurĂŒckkehrende Syrien-KĂ€mpfer.[417] Im November 2014 waren laut Verfassungsschutz bereits 550 junge MĂ€nner von Deutschland aus in den Irak oder nach Syrien gegangen, um fĂŒr den IS zu kĂ€mpfen â 60 davon seien dabei bereits getötet worden.[418] Angeregt von den neuesten Verfassungsschutzberichten wurde eine erste umfangreiche kriminalistische (kriminalĂ€tiologische und kriminalprĂ€ventive) Studie zum PhĂ€nomen des deutschen IS-Dschihadismus verfasst.[419]
Verbot und Strafbarkeit
In Deutschland ist die Organisation seit dem 12. September 2014 nach § 3 Abs. 1 in Verbindung mit § 15 Abs. 1 und § 18 Satz 2 Vereinsgesetz (VereinsG) verboten. Das Sammeln von Spenden, die Rekrutierung von KĂ€mpfern und jegliche andere UnterstĂŒtzung der Organisation wie auch Verwendung von Kennzeichen des IS in der Ăffentlichkeit oder in Versammlungen ist somit strafbar gemÀà Vereinsgesetz (siehe § 9 VereinsG) bzw. als Verwenden von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen[420][421] (siehe § 86a StGB).[422]
Eine Strafbarkeit der Verwendung der IS-Flagge wurde kritisiert, da ihr Inhalt (âEs gibt keinen Gott auĂer Gott.â; âMohammed ist der Prophet Gottes.â) als Glaubensbekenntnis vom Schutzbereich der Religionsfreiheit umfasst sei.[423] Das Bundesministerium des Innern teilte diesbezĂŒglich mit, das Kennzeichenverbot richte sich nicht gegen islamische Symbolik allgemein, sondern gegen deren spezifische Verwendung durch den IS fĂŒr seine verfassungswidrigen Zwecke.[424] Die Bundesregierung begrĂŒndete das Verbot (gemÀà § 9 VereinsG) wie folgt:
âDie Terrororganisation âIslamischer Staatâ bedroht AndersglĂ€ubige mit dem Tod. Freiwillige aus Deutschland und aus anderen europĂ€ischen Staaten haben sich den IS-Milizen angeschlossen. IS versucht in Deutschland vor allem ĂŒber soziale Netzwerke AnhĂ€nger anzuwerben. Das Verbot gegen den âIslamischen Staatâ stĂŒtzt sich auf § 3 Abs. 1 in Verbindung mit § 15 Abs. 1 und § 18 Satz 2 des Vereinsgesetzes, da sich die Organisation gegen die verfassungsmĂ€Ăige Ordnung sowie den Gedanken der VölkerverstĂ€ndigung richtet. Mit der ergangenen VerfĂŒgung hat der Bundesinnenminister verboten, Kennzeichen des IS öffentlich, in einer Versammlung oder in Schriften, Ton- oder BildtrĂ€gern, Abbildungen oder Darstellung zu verwenden.â
Der Innenminister begrĂŒndete das Verbot wie folgt:
âDas heutige Verbot erschwert den Missbrauch von Religion und religiöser Symbole durch Extremisten und Terroristen, die der Terrororganisation âIslamischer Staatâ nahestehen. Das ist im Interesse der hier lebenden Muslime. Das stĂ€rkt den Zusammenhalt unserer Gesellschaft. Das stĂ€rkt Freiheit und Recht.â
Im MĂ€rz 2016 verbot die Stadt DĂŒsseldorf die Verwendung des KĂŒrzels IS in Autokennzeichen.[426]
Strafverfolgung und Resozialisierung
Nach dem Bundesgerichtshof ist die Förderung des IS als Mitglied gemÀà § 129a, § 129b StGB auch in deren auslÀndischen Herrschaftsgebiet nach dem Recht Deutschlands strafbar.[427]
Mit Stand Mitte September 2014 laufen etwa 140 Ermittlungsverfahren gegen aus Deutschland stammende KĂ€mpfer und Aktivisten des IS. 33 Verfahren mit 60 Beschuldigten werden von der Bundesanwaltschaft bearbeitet. Jedoch warnte die Bundesanwaltschaft bereits, dass sie bald ĂŒberfordert werden könnte, weil tendenziell mehr Verfahren dazu kommen könnten. Justizminister Heiko Maas sprach sich fĂŒr eine Wiedereingliederungshilfe fĂŒr IS-KĂ€mpfer aus, welche dem Terror abschwören wollen, um sie so wieder in die Gesellschaft zurĂŒckzufĂŒhren.[428]
Gegen die deutsche IS-Sympathisantin Jennifer W. wurde im April 2019 vor dem Oberlandesgericht MĂŒnchen der Prozess eröffnet, weil ihr, neben anderen Anschuldigungen, gemeinsam mit ihrem Mann Taha H. der Mord an einem 5-jĂ€hrigen jesidischen MĂ€dchen 2015 im Irak vorgeworfen wird. W. war 2016 in der TĂŒrkei festgenommen worden, ihr irakischer Mann wurde im Mai 2019 in Griechenland aufgegriffen und soll nach Deutschland ausgeliefert werden, wo er ebenfalls vor Gericht gestellt werden soll.[429] Ende Oktober 2021 wurde die Frau in erster Instanz zu zehn Jahren GefĂ€ngnis verurteilt.[430] Der Mann, der inzwischen Taha A.-J. heiĂt, wurde Ende November 2021 unter anderem wegen Völkermordes und Verbrechen gegen die Menschlichkeit mit Todesfolge zu lebenslanger Freiheitsstrafe verurteilt.[431]
Veröffentlichung von DatensĂ€tzen ĂŒber IS-KĂ€mpfer
Am 7. MĂ€rz 2016 wurde bekannt, dass verschiedene Medien in Deutschland, Syrien und im Vereinigten Königreich in den Besitz von umfangreichen Daten ĂŒber freiwillige KĂ€mpfer des IS gelangt sind.[432] Die Daten sollen Auskunft ĂŒber Namen, Wohnort, vorherige Dschihad-Erfahrung etc. geben. Vom Bundeskriminalamt und Bundesministerium des Innern Thomas de MaiziĂšre wurden sie als vermutlich authentisch eingeschĂ€tzt. Generalbundesanwalt Peter Frank erklĂ€rte, dass die Papiere bei der Strafverfolgung von IS-Heimkehrern genutzt wĂŒrden.[433] Veröffentlicht wurden die vermutlich aus den Jahren 2013 und 2014 stammenden Daten durch einen ehemaligen IS-KĂ€mpfer, der sie auf einem Memory Stick entwendet hatte.[434]
UnterstĂŒtzung der Autonomen Region Kurdistan
Deutschland startete am 15. August 2014 HilfsflĂŒge in den Irak. Vier Bundeswehrflugzeuge brachten 36 Tonnen SanitĂ€tsmaterial und Lebensmittel nach Erbil. Nach einem Treffen der europĂ€ischen AuĂenminister[435] fĂ€llte die Bundesregierung am 20. August 2014 einen Grundsatzbeschluss, dass man den Kampf der Kurden im Nordirak gegen die Dschihadistengruppe Islamischer Staat notfalls auch mit Waffen unterstĂŒtzen werde.[436] Ende August 2014 entschied die Bundesregierung, Panzerabwehrwaffen (MILAN-System, Panzerfaust 3, Schwere Panzerfaust), Sturmgewehre (G3, G36), Maschinengewehre (MG3), Pistolen (P1), Handgranaten und Munition an die irakischen Kurden zu liefern.[437][438][439]
Obwohl eine Zustimmung formal nicht erforderlich war, unterstĂŒtzte der Deutsche Bundestag am 1. September 2014 die Waffenlieferungen mehrheitlich,[440] gegen das Votum der Linken und der meisten GrĂŒnen.[441] Bundeskanzlerin Angela Merkel begrĂŒndete den EntschlieĂungsantrag von CDU/CSU und SPD. Die Expansion des grausamen IS-Terrors mĂŒsse aufgehalten werden. Waffenlieferungen entsprĂ€chen sowohl der Bitte der kurdischen Autonomieregierung als auch der irakischen Zentralregierung. âMaĂnahmen zur BekĂ€mpfungâ von IS seien durch eine Resolution des UN-Sicherheitsrates gedeckt. Der Fraktionsvorsitzende der SPD-Bundestagsfraktion Thomas Oppermann erklĂ€rte, die Gefahr eines âfortgesetzten Völkermordes und weiterer Verbrechen gegen die Menschlichkeitâ seien höher zu bewerten als das âdurchaus vorhandene Risiko, dass unsere Waffen in falsche HĂ€nde geratenâ.
Auf Seiten der Opposition verwies dagegen Anton Hofreiter, einer der beiden Vorsitzenden der grĂŒnen Bundestagsfraktion, auf US-Waffen, die der IS erbeutet habe. Er hielt am Grundsatz fest, keine Waffen in Krisengebiete zu liefern, und forderte, Druck besonders auf Saudi-Arabien und Katar auszuĂŒben, die UnterstĂŒtzung fĂŒr den IS einzustellen. Die UN solle stĂ€rker einbezogen werden.[442] Gregor Gysi Ă€uĂerte sich Ă€hnlich und betonte das Ziel der Verhinderung aller Waffenexporte.[443]
Diskussion um UN-Mandat
Angesichts der andauernden KĂ€mpfe in KobanĂȘ Ă€uĂerte die Vorsitzende der grĂŒnen Bundestagsfraktion, Katrin Göring-Eckardt, am 13. Oktober 2014, der IS sei ânur militĂ€risch zu bekĂ€mpfenâ, dafĂŒr mĂŒsse es jedoch ein UN-Mandat geben. Wenn nötig, solle sich daran auch die Bundeswehr mit Bodentruppen beteiligen.[444] AuĂenminister Frank-Walter Steinmeier widersprach und verwies auf die bestehende Ablehnung der USA und aller âwichtigenâ europĂ€ischen Staaten zur Entsendung von LandstreitkrĂ€ften. Zudem gebe es keine Chancen auf ein UN-Mandat in Syrien.[445]
JĂŒrgen Trittin meinte, dass auch Russland kein Interesse am Aufbau eines muslimischen Kalifats habe. Eine Einigung sei möglich, wenn ein Sturz Baschar al-Assads keine PrioritĂ€t habe und man mit dem Iran und der verbĂŒndeten libanesischen Hisbollah rede. EuropĂ€ische oder US-Truppen seien nicht durchsetzbar und wĂŒrden zur Solidarisierung mit dem IS als alleinigem KĂ€mpfer gegen die UnglĂ€ubigen fĂŒhren. Bodentruppen sollten vielmehr aus dem Irak, von der Freien Syrischen Armee und den Kurden kommen. Ein solches UN-Mandat könne ein Schritt zu einer politischen Gesamtlösung sein.[446]
Demonstrationen
Mitte August 2014 kam es in mehreren StĂ€dten, wie z. B. Hannover,[447] Bielefeld[448] und Frankfurt am Main,[449] zu Demonstrationen gegen den Terror des IS, mit jeweils Tausenden von Teilnehmern. Am 6. Oktober 2014 kam es in mehreren europĂ€ischen StĂ€dten zu Demonstrationen gegen die Belagerung von KobanĂȘ durch den IS. Dabei wurde auch das Europaparlament im belgischen BrĂŒssel und das Parlament in Den Haag kurzzeitig besetzt.[450] Am 7. Oktober wurden in DĂŒsseldorf und Bonn kurzzeitig GebĂ€ude des Westdeutschen Rundfunks und der Deutschen Welle besetzt und eine Resolution ĂŒbergeben.[451] Am 8. Oktober demonstrierten 1300 Menschen in Hamburg,[452] am 11. Oktober demonstrierten in DĂŒsseldorf 21.000 Menschen gegen den Angriff des IS auf KobanĂȘ,[453] am 12. Oktober demonstrierten ĂŒber 3000 Menschen in Berlin.[454]
Ăsterreich
Aus Ăsterreich zogen bis August 2014 130 Personen fĂŒr den IS in den Krieg. Mehrheitlich stammen sie aus Tschetschenien. Zehn Personen, hauptsĂ€chlich anerkannte tschetschenische Asylbewerber, wurden in diesem Zusammenhang wegen Mitgliedschaft in einer Terrorverbindung im August 2014 festgenommen.[455][456] 2018 kannte der Verfassungsschutz bereits 318 Personen aus Ăsterreich, die fĂŒr den IS in den Krieg zogen; 61 davon wurden an der Ausreise gehindert.[457]
Unter den Personen aus Ăsterreich, die dem IS zuzurechnen sind, befanden sich der Terrorist Mohamed Mahmoud und der Prediger Mirsad O. alias Ebu Tejma, der zahlreiche Jugendliche (u. a. Sabina SelimoviÄ und Samra KeĆĄinoviÄ) radikalisiert und deshalb eine 20-jĂ€hrige Haftstrafe ausgefasst hat.[458]
Das Symbole-Gesetz (BGBl. I Nr. 103/2014) verbietet grundsÀtzlich die Verwendung von IS-Symbolen mit Wirkung vom 1. Januar 2015.
Geplante AnschlĂ€ge des IS in Ăsterreich wurden wiederholt von den Behörden verhindert, so 2022 auf den Wien-Marathon und 2023 auf die Regenbogenparade.[459][460] 2024 konnte ein Anschlag auf ein Konzert der US-amerikanischen SĂ€ngerin und Songwriterin Taylor Swift in Wien verhindert werden,[461][462] zwei TĂ€ter wurden 2026 zu 15 bzw. 13 Jahren Haft verurteilt (noch nicht rechtskrĂ€ftig).[463]
Der Wiener Lorenz K. wurde 2018 zu neun Jahren Haft verurteilt, weil er einen Anschlag auf die Ramstein Air Base plante und einen zwölfjÀhrigen Deutschen zu einem fehlgeschlagenen Terroranschlag auf einen Ludwigshafener Weihnachtsmarkt anstiftete.[464] 2015 wurde ein VierzehnjÀhriger verurteilt, einen Anschlag auf den Wiener Westbahnhof geplant zu haben.[465]
Im Jahr 2020 verĂŒbte ein Sympathisant des Islamischen Staates einen Terroranschlag in Wien mit vier Todesopfern und 23 weiteren teils schwerverletzten Personen.[466]
Schweiz
In der Schweiz wurde die Gruppierung âIslamischer Staatâ am 8. Oktober 2014 durch den Bundesrat verboten,[467] wie frĂŒher bereits al-Qaida.
Situation in weiteren LĂ€ndern
Asien
Iran
Seit August 2014 stattet der Iran die Kurden im Irak mit Waffen aus.[468] Nach von Dritten nicht bestÀtigten Aussagen einer iranischen Oppositionsseite soll der Iran im Irak 1000 MilitÀrberater und 7000 Revolutionsgardisten im Einsatz haben.[469]
Israel und PalÀstina
Laut dem israelischen Generalmajor Yoav Mordechai und anderen Sicherheitskreisen unterstĂŒtzen Teile der Hamas den IS in Ăgypten.[470] Im Juli 2015 drohte der IS der Hamas, er werde sie vernichten.[471]
Am 28. MĂ€rz 2022 ĂŒbernahm der IS die Verantwortung fĂŒr einen Anschlag in Hadera, bei dem zwei israelische Polizisten und die zwei TĂ€ter erschossen und mehrere Polizisten verletzt wurden.
Bereits am 22. MÀrz hatte ein vom IS inspirierter TÀter mit einem Messer und seinem Auto vier Menschen getötet.[472]
Jemen
Seit MĂ€rz 2015 erklĂ€rte sich der IS fĂŒr eine Reihe prominenter â insbesondere anti-schiitischer â AnschlĂ€ge oder Angriffe fĂŒr verantwortlich. Diese AnschlĂ€ge stellten die Operationen der al-Qaida auf der Arabischen Halbinsel (AQAP) in den Schatten, die von der durch Saudi-Arabien angefĂŒhrten und von den USA logistisch unterstĂŒtzten MilitĂ€rintervention im Jemen seit 2015 profitiert und weite Gebiete eingenommen hatte.[473] WĂ€hrend die AQAP weiterhin von der US-Regierung als gefĂ€hrlichster Zweig der al-Qaida eingestuft wurde, setzte der IS im Jemen nach Ansicht von Experten dazu an, die AQAP zu verdrĂ€ngen.[474] Die relative SchwĂ€chung der AQAP gegenĂŒber den IS-nahen Gruppen wĂ€hrend der saudisch angefĂŒhrten MilitĂ€rintervention wurde auch als eine Folge der US-Drohnenangriffe auf fĂŒhrende Vertreter der AQAP gedeutet. Einige Beobachter wie Ibrahim Sharqieh Frehat vom Brookings Doha Center vertraten die Ansicht, dass die Methoden der US-ExtremistenbekĂ€mpfung ein Klima erzeugt hĂ€tten, das dem IS beim Aufbau förderlich war, und âein Muster, wie wir es im Irak und in Syrien gesehen habenâ, festzustellen sei. Eine SchwĂ€chung von al-Qaida sei demnach insbesondere als förderlich fĂŒr den Aufstieg des IS zu bewerten.[475]
Am 23. Mai 2016 wurden bei zwei SelbstmordanschlÀgen des Islamischen Staates (IS) in Aden vor einer Armeekaserne im Stadtbezirk Khormaksar und vor einem Haus eines Kommandeurs nach Angaben eines Krankenhauses mindestens 45 Menschen getötet und 30 weitere wurden verletzt.[476]
Jordanien
Der IS nahm am 20. Juni 2014 in Jordanien den einzigen GrenzĂŒbergang zum Irak am Highway 10 nach ar-Rutba, al-Anbar, ein. Der Verkehr kam zum Erliegen.[477][478] Jordanien verstĂ€rkte danach seine Truppen im Osten des Landes vor dem Hintergrund des Vormarsches des IS im westirakischen Gouvernement al-Anbar.[479] US-PrĂ€sident Obama warnte vor einem Ăbergriff des IS auf Jordanien.[480] Nach der Gefangennahme und Ermordung des Piloten MuÊżÄdh al-KasÄsba flogen die jordanischen LuftstreitkrĂ€fte vermehrt Angriffe gegen IS-Stellungen.[481]
Katar
Katar wird vorgeworfen, einer der wichtigsten Finanziers des Islamischen Staats zu sein. Katars Distanzierung von diesem Vorwurf wird allgemein fĂŒr unglaubwĂŒrdig gehalten. Deutschlands Entwicklungsminister Gerd MĂŒller (CSU) nannte in einem ZDF-Interview im Zusammenhang mit der IS-Finanzierung das âStichwort Katarâ, in einem darauffolgenden Interview distanzierte sich Angela Merkel indirekt von diesem Vorwurf. Der CDU-Vizevorsitzende Thomas Strobl stellte die Eignung Katars als GroĂinvestor in Deutschland infrage. Die grĂŒne Abgeordnete Katja Keul verwies darauf, dass Katar in Ăgypten, Mali, Syrien, Irak und Libyen islamistische und terroristische Organisationen fördert. Katar weigere sich insbesondere, die Beteiligung eigener Staatsangehöriger an KĂ€mpfen im Ausland sowie den Aufruf zur Teilnahme an solchen KĂ€mpfen unter Strafe zu stellen und damit der UNO-Resolution 2170 nachzukommen. Anders als in Saudi-Arabien sei die Werbung fĂŒr den IS, die Rekrutierung von KĂ€mpfern und die UnterstĂŒtzung durch Spenden fĂŒr Katarer bis heute ohne jede Konsequenz möglich. Auch der SPD-Politiker Ralf Stegner nannte Katars Einfluss auf die Konflikte in der Region ânicht eben krisenentschĂ€rfendâ.[218]
Kuwait
Am 26. Juni 2015 sprengte sich ein SelbstmordattentÀter in einer Moschee in Kuwait beim Freitagsgebet in die Luft. SpÀter bekannte sich der Islamische Staat zu der Tat. Nach ersten Angaben starben mindestens 25 Menschen, und mehr als 200 wurden verletzt.
Libanon
Anfang Januar 2014 ĂŒbernahm ISIS die Verantwortung fĂŒr einen am 2. Januar ausgefĂŒhrten Autobomben-Anschlag in Beirut, der der Hisbollah galt und bei dem vier Menschen getötet und 77 verletzt wurden.[482]
Infolge eines mehrtĂ€gigen Waffenkonflikts wurden im August 2014 mindestens 27 libanesische Soldaten in der Ortschaft Arsal, die an Syrien grenzt, entfĂŒhrt. Zwei von ihnen, Ali Sayyed und Abbas Medlej, wurden im August und September 2014 enthauptet.[483][484][485]
Pakistan
Im Oktober 2014 sagte die FĂŒhrung der Tehrik-i-Taliban Pakistan (TTP) dem IS UnterstĂŒtzung zu,[486] nachdem der IS eine Rekrutierungskampagne in dem Land gestartet hatte. Die TTP ist zerstritten; manche Gruppierungen innerhalb der Organisation sympathisieren mit al-Qaida, andere mit dem IS.[487]
Durch zwei BombenanschlÀge in Belutschistan im Februar 2024 tötete der IS 30 Menschen.
Im Februar 2026 wurden 31 Menschen bei einem Selbstmordanschlag wĂ€hrend des Freitagsgebets in einer schiitischen Moschee getötet. Es gab auĂerdem ĂŒber 170 Verletzte. Im Nachhinein bekannte sich der IS zu diesem Anschlag. Immer wieder kommt es zu AnschlĂ€gen gegen die schiitische Bevölkerung in Pakistan. Ungewöhnlich ist der Anschlagsort nahe der Hauptstadt Islamabad, die stark bewacht wird.[488]
Philippinen
Die Gruppe Abu Sayyaf, die im SĂŒden der Philippinen seit 1991 fĂŒr einen islamischen Staat kĂ€mpft und bereits im Jahr 2000 mehrere Touristen entfĂŒhrte, unterstĂŒtzt den IS. Im September 2014 drohte sie mit der Ermordung zweier deutscher Geiseln, falls sich Deutschland am Kampf gegen den IS beteiligt und nicht ein gefordertes Lösegeld zahlt.[489] Am 17. Oktober wurde die Freilassung beider Personen vermeldet.[490] 2016 enthauptete die auf dem Sulu-Archipel beheimatete Gruppe zwei Kanadier, Ende Februar 2017 den deutschen Segler JĂŒrgen Kantner auf der Insel Jolo.[491]
Eine Gruppierung mit dem Namen Pangkat ng Maute formierte sich um 2012 auf der Insel Mindanao aus einer Sammlung verschiedener Akteure, die zuvor zu anderen Islamistengruppen und Clanmilizen gehört hatten. Sie ist nach ihren FĂŒhrern, den BrĂŒdern Omar und Abdullah Maute aus der Provinz Lanao del Sur, benannt.[492] Im Mai 2017 nahm die Maute-Gruppe, welche dem IS die Treue geschworen hat, Teile der Stadt Marawi City ein.[493] Dabei wurde sie auch durch AnhĂ€nger von Abu Sayyaf unterstĂŒtzt, deren damaliger FĂŒhrer Isnilon Hapilon zum IS-Emir in SĂŒdostasien ernannt worden war. Die StreitkrĂ€fte der Philippinen waren nach fĂŒnfmonatigem Kampf in der Schlacht um Marawi siegreich, wobei weite Teile der Stadt zerstört und Hapilon sowie die Maute-BrĂŒder erschossen wurden.[494] Unter den getöteten IS-KĂ€mpfern befanden sich nach Regierungsangaben auch AuslĂ€nder, die offenbar aus Tschetschenien, Jemen, Malaysia und Indonesien stammten.[495]
Obwohl sich beide Gruppierungen nach der Niederlage geschwĂ€cht zeigten, blieben sie weiterhin aktiv. Die beiden nachfolgenden IS-Emire in SĂŒdostasien waren die jeweiligen FĂŒhrer der Maute Group, Abu Sayyaf verĂŒbte einen Anschlag auf die Kathedrale von Jolo im Januar 2019 mit ĂŒber 20 Toten.[496]
Russland
Teile des im Nordkaukasus operierenden Kaukasus-Emirates schworen dem Islamischen Staat die Treue und riefen im Nordkaukasus eine Provinz aus.[497]
Der IS gab an, fĂŒr den Anschlag in Krasnogorsk vom 22. MĂ€rz 2024 (ca. 140 Todesopfer und 360 Verletzte) verantwortlich zu sein.[498]
Saudi-Arabien
Im Juni 2014 beschuldigte der irakische Premierminister Nuri al-Maliki Saudi-Arabien der finanziellen und moralischen UnterstĂŒtzung des IS.[499]
Am 3. Juli 2014 gab Saudi-Arabien bekannt, 30.000 Soldaten an die 800Â km lange Grenze zum Irak zu entsenden.[500] Ende Juli 2014 distanzierte sich Saudi-Arabien vom IS.[501]
Anfang Januar 2015 gab es in der Region Arar einen Ăberfall auf eine Grenzpatrouille Saudi-Arabiens, zwei saudische Soldaten wurden getötet.[502] Im Gegenzug griff Saudi-Arabien Stellungen des IS an.[503]
Im Mai 2015 wurden beim Anschlag auf eine Moschee in Al Kudaich, zu dem sich der IS bekannte, 22 Menschen getötet.[504]
Im August 2015 wurde ein Anschlag in Abha verĂŒbt, zu dem sich eine bislang unbekannte Gruppe des IS namens Hidschas bekannte.[505]
Australien
Mitte September 2014 nahm die australische Polizei 15 IS-AnhĂ€nger fest, die geplant haben sollen, Passanten auf der StraĂe wahllos aufzugreifen und vor laufender Kamera zu enthaupten.[506] Am 15. Dezember 2014 nahm der IS-Sympathisant Man Haron Monis in einem CafĂ© in Sydney 17 Personen als Geiseln. Im weiteren Verlauf starben zwei Geiseln, Man Haron Monis wurde von der Polizei erschossen.[507]
Amerika
Vereinigte Staaten
US-PrĂ€sident Barack Obama Ă€uĂerte anlĂ€sslich der Enthauptung von James Foley im August 2014, dass die Ideologie des IS fĂŒr keine Religion stehe. Sie bedrohe Muslime und Nichtmuslime gleichermaĂen. âIhre Opfer sind ĂŒberwiegend Muslime, und kein Glaube lehrt Menschen, Unschuldige zu massakrieren. [âŠ] Kein gerechter Gott wĂŒrde hinter dem stehen, was sie gestern getan haben und was sie jeden einzelnen Tag tun.â[508]
Seit August 2014 statten die USA die Kurden mit Waffen aus[468] und fliegen zudem vermehrt Luftangriffe gegen die Stellungen des IS. Zugleich leiteten sie HilfsmaĂnahmen fĂŒr die vom IS bedrĂ€ngten Jesiden ein.[509]
Im Mai 2015 bekannte sich der IS zu einem Terroranschlag auf eine Veranstaltung in Texas, auf der Mohammed-Karikaturen prÀsentiert wurden. Zwei Angreifer wurden wÀhrend des Angriffs erschossen.[510]
Europa
GroĂbritannien
Nachdem drei britische islamistische Terroristen bereits im August 2015 in Syrien gezielt getötet wurden, bestĂ€tigte der Verteidigungsminister Michael Fallon am 8. September 2015 indirekt, dass es eine Todesliste der britischen Regierung gĂ€be. Der damalige britische Premier David Cameron soll eine sogenannte âKill Listâ unterschrieben haben. Bis dahin wurde eine Todesliste von der britischen Regierung stets bestritten. Ganz oben: Mohammed Emwazi, der unter dem Namen Jihadi John bekannt wurde.[511][512][513][514] Fallon weigerte sich, das zur Legitimation des Vorgehens angefĂŒhrte Rechtsgutachten des Generalstaatsanwalts zu veröffentlichen. Die britische Regierung gab bekannt, die Rechtsgrundlage dafĂŒr weiterhin unter Verschluss zu halten.[515]
2017 ereigneten sich mehrere TerroranschlĂ€ge auf dem Territorium GroĂbritanniens, zu denen sich der Islamische Staat bekannt hat.
- Terroranschlag in London am 22. MĂ€rz 2017[516]
- Terroranschlag in Manchester am 22. Mai 2017[517]
- Terroranschlag in London am 3. Juni 2017
Mit dem fortschreitenden Zerfall des IS im Oktober 2017 stellte Entwicklungsminister Rory Stewart, gefragt nach britischen IS-KĂ€mpfern, fest, dass es sich um hochmotivierte Extremisten handle, die sich einer hasserfĂŒllten Doktrin verschrieben hĂ€tten und mit Gewalt und BrutalitĂ€t einen Staat des siebten Jahrhunderts errichten wollten. So mĂŒsse man sich eingestehen, dass diese Personen eine ernste Bedrohung seien und die einzige Möglichkeit damit umzugehen sei es leider, in den meisten FĂ€llen, sie zu töten.[518]
Frankreich
Frankreich beteiligt sich am Kampf gegen den IS. WĂ€hrend sich die beiden HauptattentĂ€ter beim Anschlag auf die Satirezeitschrift Charlie Hebdo im Januar 2015 zur Organisation Al-Qaida im Jemen bekannten, erklĂ€rte ihr ebenfalls getöteter Komplize Amedy Coulibaly in einer spĂ€ter veröffentlichten Videobotschaft seine SolidaritĂ€t mit dem Islamischen Staat.[519] Auch zu den TerroranschlĂ€gen vom 13. November 2015 in Paris hat sich der IS bekannt. Beim Terroranschlag in Magnanville am 13. Juni 2016, in dessen Verlauf zwei Polizisten getötet wurden, bekannte sich der TĂ€ter zum IS.[520] Am 14. Juli 2016 ereignete sich der Anschlag in Nizza, bei dem 86 Personen getötet wurden. Zwei Tage nach der Tat bekannte sich der IS ĂŒber sein Sprachrohr Amaq zu der Tat. Darin heiĂt es: âDerjenige, der die Operation des Ăberfahrens in Nizza, Frankreich, durchfĂŒhrte, war einer der Soldaten des Islamischen Staates. Er fĂŒhrte die Operation aus als Reaktion auf Aufrufe, die Mitglieder der internationalen Allianz, die den Islamischen Staat bekĂ€mpfen, ins Visier zu nehmen.â Das Bekennerschreiben enthielt kein TĂ€terwissen oder Hinweise, dass der IS tatsĂ€chlich in die Tat involviert oder vorab informiert war.[521] Beim Anschlag in Saint-Ătienne-du-Rouvray am 26. Juli 2016 ermordeten zwei AttentĂ€ter einen Priester und bekannten sich zum IS.[522]
Italien
Italien unterstĂŒtzt den Feldzug gegen den IS im Irak mit 280 MilitĂ€rausbildern, einem Boeing KC-767-Tankflugzeug, zwei Predator-Kampfdrohnen und vier Tornado-AufklĂ€rungsflugzeugen.[523]
Reaktionen
Muslimische Welt
Politische VerbÀnde
Im Juni 2014 distanzierte sich die 56 Mitgliedsstaaten zĂ€hlende Organisation fĂŒr Islamische Zusammenarbeit vom IS. Der GeneralsekretĂ€r betonte, dass âdiese gewaltsame Vertreibung ein nicht zu tolerierendes Verbrechen darstellt und dass die Praktiken von ISIS nichts mit dem Islam und seinen Prinzipien, welche Gerechtigkeit, GĂŒte, Anstand, Glaubensfreiheit und Koexistenz einfordern, zu tun haben.â[524]
Der Golf-Kooperationsrat verurteilte Ende August die GrĂ€ueltaten all jener, âdie den Islam als Vorwand zum Morden und Vertreiben nehmenâ.[525] Die AuĂenminister der Arabischen Liga kamen bei einem Treffen am 7. September 2014 in Kairo ĂŒberein, dass sie die notwendigen MaĂnahmen gegen terroristische Vereinigungen wie den IS ergreifen werden.[526]
Die TĂŒrkische Kulturgemeinde in Ăsterreich warf dem IS den Missbrauch des Islam vor.[527]
Stimmen aus den religiösen Gemeinschaften
Im Oktober 2014 verfassten 120 international hochangesehene Gelehrte eine Fatwa an AbĆ« Bakr al-BaghdÄdÄ«, an die KĂ€mpfer und AnhĂ€nger des IS, in der sie dem verkĂŒrzten VerstĂ€ndnis des Korans durch die AnhĂ€nger des Islamischen Staates widersprechen. Das auf Arabisch verfasste und der Ăffentlichkeit frei zugĂ€ngliche SchriftstĂŒck mit einer StĂ€rke von 18 Seiten und dem Titel âOffener Brief an al-Baghdadiâ setzt sich detailliert mit der Islam-Interpretation des IS auseinander und stĂŒtzt sich vollstĂ€ndig auf Aussagen und Handlungen der AnhĂ€nger des IS.[528] Der Brief missbilligt in Form eines islamischen Rechtsgutachtens (fatwÄ) die Verbrechen des IS. Zudem stellt die islamische Rechtsauffassung der Gelehrten die fundamentale Legitimation von al-Baghdadi als âselbst ernannter Kalifâ und seines begrĂŒndeten Kalifats deutlich infrage, da fĂŒr die Behauptung ein Konsens mit âallen Muslimenâ vorhanden sein muss.[529] Muslimische Gelehrte lehnen das IS-Kalifat ab, weil seine Ideologie den Tod von anderen Muslimen und Kriegsunbeteiligten in Kauf nimmt, und wiesen darauf hin, dass nach islamischem Kriegsrecht das Töten von Frauen, Kindern und Geistlichen nicht gestattet sei.[530][531] In einem offenen Brief an den IS-AnfĂŒhrer al-Baghdadi haben sie sich von der Vorgehensweise seiner Organisation distanziert.[532]
Abseits dieser offiziellen Aussagen stellten muslimische Intellektuelle in der saudischen und anderen arabischen Gesellschaften nicht unbetrĂ€chtliche Sympathien fĂŒr Ideologie und Terrorakte des IS fest.[533] Der katarische Rechtsgelehrte Yusuf al-Qaradawi Ă€uĂerte VerstĂ€ndnis fĂŒr den Aufstand der Sunniten gegen Benachteiligung und UnterdrĂŒckung, distanzierte sich aber vom IS und forderte eine Einheit des Irak ĂŒber konfessionelle Unterschiede hinweg.[211]
Der oberste Mufti von Saudi-Arabien ÊżAbd al-ÊżAzÄ«z Äl asch-Schaich stellte fest, dass der IS mit seinen Verbrechen im Nahen Osten die islamischen Prinzipien und Lehren verletze, und bezeichnete ihn als âFeind Nummer einsâ des Islam.[534] Der Ă€gyptische GroĂmufti Schawki Ibrahim Allam kennzeichnete den IS als eine Gefahr fĂŒr den Islam und die Muslime, weil er das Image des Islam zerstöre und korrumpiere,[535] sprach dem IS das Recht ab, sich âIslamischer Staatâ zu nennen, und forderte die Medien dazu auf, den IS nur noch als âal-Qaida-Separatisten im Irak und Syrienâ zu bezeichnen.[536] Im August 2014 wurde die Organisation vom Rat der islamischen Gelehrten Indonesiens fĂŒr âharÄmâ (verboten) erklĂ€rt.[537]
Der Zentralrat der Muslime in Deutschland erklĂ€rte, die Vertreibung von Christen sei gegen den Islam.[538] Ihr Vorsitzender Aiman Mazyek bezeichnete im November 2015 die Willkommenskultur als gröĂten Feind der Terroristen und appellierte an die Gesellschaft, die Muslime als Partner im Kampf gegen den Radikalismus zu nehmen.[539] Die TerroranschlĂ€ge am 13. November 2015 in Paris verurteilten Vertreter der acht gröĂten muslimischen VerbĂ€nde Deutschlands scharf, sie brachten ihr MitgefĂŒhl und ihre SolidaritĂ€t mit Frankreich zum Ausdruck und warben fĂŒr Frieden, Dialog und Zusammenhalt. Zugleich appellierten sie an das Verantwortungsbewusstsein aller Muslime gegen Radikalisierung in ihrem persönlichen Umkreis. Weiterhin erklĂ€rten sie, ihre Anstrengungen fĂŒr die Verteidigung gegen den Islamismus und fĂŒr die europĂ€ischen Werte wie Freiheit und Pluralismus zu erhöhen.[540]
Die Islamische Glaubensgemeinschaft in Ăsterreich verlautbarte, dass der IS nicht das Recht habe, den muslimischen Glauben zu vertreten.[541] Anfang September 2014 erlieĂen fĂŒhrende britische Imame eine Fatwa, die es Muslimen verbietet, die âvergiftete Ideologieâ des IS zu unterstĂŒtzen: âIS ist eine hĂ€retische, extremistische Organisation, und es ist religiös verboten (haram), sie zu unterstĂŒtzen oder sich ihr anzuschlieĂen. Weiterhin ist es fĂŒr britische Muslime eine Pflicht, sich dieser giftigen Ideologie aktiv entgegenzustellen, vor allem dann, wenn sie in GroĂbritannien verbreitet wird.â[542][543] Die Islamische Gesellschaft Nordamerikas (Islamic Society of North America) verurteilte die Angriffe des IS als âunislamischâ.[544]
Meinungsbild in GroĂbritannien, Frankreich, Deutschland und den Niederlanden
Das britische Meinungsforschungs-Institut ICM Research fĂŒhrte 2014 eine telefonische Umfrage unter je 1000 Franzosen, Briten und Deutschen durch. Diese hat ergeben, dass 16 % der befragten Franzosen, 7 % der Briten und 3â4 % der Deutschen eine positive Meinung vom IS hatten, demgegenĂŒber standen 26 % der Gruppe ablehnend und 43 % stark ablehnend gegenĂŒber. Unter den 18- bis 24-jĂ€hrigen Franzosen betrug der Anteil der positiven Meinungen 27 %.[545] Die GlaubwĂŒrdigkeit dieser Studie wurde in einem Artikel der Washington Post in Zweifel gezogen, da die Zahl der Sympathisanten in Frankreich damit gröĂer wĂ€re als die gesamte Anzahl der Muslime im Land. GemÀà frĂŒheren Studien sei die Zahl der Muslime mit extremistischen Ansichten weitaus geringer.[546]
Nach einer Umfrage in den Niederlanden 2014[547] bezeichneten 90 % der jungen tĂŒrkischstĂ€mmigen NiederlĂ€nder (18â35 Jahre) diejenigen als Helden, die nach Syrien in den Dschihad gezogen sind. 80 % der tĂŒrkischstĂ€mmigen NiederlĂ€nder empfinden Gewalt von Dschihad-Gruppen gegen NichtglĂ€ubige oder AndersglĂ€ubige als ânicht verkehrtâ. MarokkanischstĂ€mmige Jugendliche haben ein sehr viel negativeres Bild vom IS, von ihnen bezeichnen nur 18 % Syrien-KĂ€mpfer als âHeldenâ. Gewalt gegen Nicht- oder AndersglĂ€ubige lehnen sie mit groĂer Mehrheit ab. Befragt wurden 404 aus Marokko und 300 aus der TĂŒrkei stammende Jugendliche.[548]
Verurteilung durch den UN-Sicherheitsrat
Am 24. September 2014 verabschiedete der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen einstimmig Resolution 2178 fĂŒr den weltweiten Kampf gegen die islamistische Terrororganisation IS. Die Resolution verpflichtet alle UNO-Mitgliedstaaten, Rekrutierung, Transport, Durchreise, Organisierung und AusrĂŒstung von Terroristen zu unterbinden und zu bekĂ€mpfen.[549][550] Am 20. November rief der Sicherheitsrat alle Staaten mit den entsprechenden KapazitĂ€ten dazu auf, die in Syrien und dem Irak gelegenen Stellungen des IS zu bekĂ€mpfen.[551] Allerdings wurde durch den Verweis, dies âunter Einhaltung des Völkerrechtsâ zu tun, keine eigene völkerrechtliche Grundlage zur Gewaltanwendung geschaffen.[552] Der Sicherheitsrat erneuerte seine Warnung am 17. Dezember 2015 mit der Resolution 2253 und forderte den GeneralsekretĂ€r Ban Ki-moon zu weiteren Schritten auf.[553] AuftragsgemÀà lieĂ Ki-Moon Anfang Februar 2016 durch seinen UnterstaatssekretĂ€r fĂŒr politische Angelegenheiten Jeffrey Feltman eine offizielle Antwort zur Bewertung und BekĂ€mpfung des IS formulieren. Er will das Augenmerk der Weltöffentlichkeit vor allem auf die fortdauernde Finanzierung der Organisation richten sowie auf die Versuche des IS, in groĂe Teile Afrikas und Asiens, zum Beispiel nach SĂŒdostasien zu expandieren:[554]
âDie kĂŒnftige Gefahr durch den âIslamischen Staatâ darf nicht unterschĂ€tzt werden. Der IS ist eine beispiellose Bedrohung fĂŒr den internationalen Frieden und die internationale Sicherheit ⊠30.000 KĂ€mpfer aus mehr als 100 Staaten kĂ€mpfen in Syrien und Irak, und der Zustrom hĂ€lt weiter an. Weltweit haben sich 34 Terrorgruppen dem IS angeschlossen ⊠Es gibt kein âPrognoseprofilâ eines kĂŒnftigen IS-KĂ€mpfers ⊠(Zu befĂŒrchten ist,) dass immer mehr IS-KĂ€mpfer (nach Syrien und in den Irak) einzureisen versuchen, um Terrortaten zu verĂŒben ⊠Solche Reisenden mĂŒssen die Mitgliedsstaaten bestrafen, den entsprechenden UN-Resolutionen entsprechend ⊠Die Kontrollen von GrenzĂŒbertritten mĂŒssen verbessert werden ⊠In den letzten 18 Monaten hat sich die Gefahr durch ISIS deutlich verschĂ€rft.â
Internationale Allianz gegen den Islamischen Staat
Die USA riefen am 5. September 2014 beim NATO-Gipfel im walisischen Newport eine internationale Allianz gegen den IS ins Leben. Die GrĂŒndungsmitglieder waren: Deutschland, GroĂbritannien, Frankreich, Italien, Polen, DĂ€nemark, Australien, Kanada, die TĂŒrkei und die Vereinigten Staaten von Amerika.[555]
US-PrĂ€sident Barack Obama legte am 11. September 2014 in einer Rede an die Nation seine zukĂŒnftige Strategie gegen die Terrororganisation IS dar. Diese umfasst im Wesentlichen vier Punkte:
- Die US-Luftoffensive im Irak werde systematisch ausgeweitet. IS-Stellungen sollten weiter unter Beschuss genommen werden. Auch in Syrien solle es US-LuftschlĂ€ge geben. âIch werde nicht davor zurĂŒckschrecken, dort ebenfalls gegen den IS vorzugehenâ, unterstrich der PrĂ€sident: âWer Amerika bedroht, wird nirgendwo Unterschlupf finden.â
- Der Kampf werde sich nicht allein auf Luftangriffe beschrĂ€nken. Die USA wollten zudem lokale SicherheitskrĂ€fte im Irak und Oppositionstruppen in Syrien unterstĂŒtzen. Zur US-Hilfe zĂ€hlen militĂ€risches Training, Waffen und anderes GerĂ€t. Schon in den kommenden Tagen sollten 475 MilitĂ€rberater aus den USA nach Bagdad aufbrechen. US-Soldaten, so stellte Obama klar, wĂŒrden jedoch nicht in die Schlacht geschickt. âUnsere BemĂŒhungen unterscheiden sich grundlegend von den Kriegen im Irak und Afghanistan. Es wird keine amerikanischen Kampftruppen auf fremdem Boden geben.â
- Dem Terrornetz solle die finanzielle Basis entzogen werden. Dazu wolle man IS-Konten mit Hilfe von Geheimdiensten weltweit einfrieren. Auch solle verhindert werden, dass auslÀndische IS-KÀmpfer unbehelligt in Syrien ein- und ausreisen können.
- Die humanitĂ€re Hilfe fĂŒr Opfer des IS-Terrorismus und FlĂŒchtlinge solle verstĂ€rkt werden.[556][557]
Wenige Tage spĂ€ter berief Obama den ehemaligen General und frĂŒheren Befehlshaber der International Security Assistance Force John Allen zum Sonderbeauftragten fĂŒr die Allianz gegen den IS.[558] Allens Nachfolger in diesem Amt ist seit Oktober 2015 Brett McGurk.[559]
Am 22. September 2014 wurde bekannt, dass auch Russland einen Beitritt zur Allianz erwÀgt.[560]
Am 15. Oktober 2014 gab das United States Central Command (CENTCOM) den Luftangriffen gegen den IS in Syrien und im Irak offiziell und rĂŒckwirkend ab dem 8. August 2014 den Namen Operation Inherent Resolve (zu deutsch etwa: Innere Entschlossenheit).[561]
Wissenschaft und Medien
Der Beginn der amerikanischen Luftangriffe nach der Flucht vieler Jesiden in das Sindschar-Gebirge wurde weitgehend als notwendig angesehen.[214]
Ein Kommentar[214] der Rhein-Zeitung beurteilt sie und den Krieg gegen einen âislamistischen Staat brutalster PrĂ€gungâ als alternativlos, auch wenn sich darin viel Hilflosigkeit ausdrĂŒcke. Die BĂŒrgerkriege vieler Gruppen im Irak und in Syrien, die das Erstarken des IS erst möglich gemacht hĂ€tten, seien âein weltpolitisches Desasterâ. In Zukunft sollten nur besonnene KrĂ€fte unterstĂŒtzt werden. Der Irakkrieg habe viele alte Strukturen zerschlagen, jedoch mĂŒssten die bisher meist korrupten und egoistischen Eliten im Irak auf nationalen Ausgleich hinarbeiten.
Der Konfliktforscher Musa al-Gharbi kritisiert dagegen in Al Jazeera America, die Ziele des MilitĂ€reinsatzes seien schlecht definiert. Fundamentalismus und Terrorismus seien ein grundlegend soziologisches Problem, das durch militĂ€rische Mittel nicht gelöst werden könne. Vielmehr werde so die LegitimitĂ€t des IS erhöht als Kampforganisation gegen die in weiten Teilen der arabischen Welt als Hauptfeinde muslimischer Selbstbestimmung wahrgenommenen KrĂ€fte: die einzige Supermacht USA, autokratische Staaten der Region und frĂŒhere europĂ€ische KolonialmĂ€chte. Stattdessen solle nicht-staatlichen Akteuren die UnterstĂŒtzung entzogen werden, fremde Waffen- und GeldflĂŒsse sowie der Zustrom von KĂ€mpfern unterbunden werden, auĂerdem die Zusammenarbeit mit Israel sowie Diktatoren und Monarchen im Mittleren Osten reduziert werden. Dann könnten die Staaten der Region und die lokalen Bevölkerungen die schwere, aber ĂŒbertrieben dargestellte Herausforderung durch den Islamischen Staat bewĂ€ltigen.[562]
Es gehört zu den Zielen der internationalen Allianz gegen den Islamischen Staat, die territoriale IntegritĂ€t sowie die AutoritĂ€t der Zentralregierung des Irak in den vom IS kontrollierten Gebieten wiederherzustellen.[563] Dagegen stellt der Politikwissenschaftler Vicken Cheterian einen Zerfall des Irak als eines am Ende der Kolonialzeit kĂŒnstlich geschaffenen Nationalstaats fest. Das Sykes-Picot-Abkommen sei von GroĂbritannien und Frankreich gegen den Willen der lokalen Bevölkerung durchgesetzt worden. Die staatliche Ordnung des Irak sei dann durch den Zweiten Irakkrieg (oder Dritten Golfkrieg) zerstört worden. Nicht weniger wichtig seien innere GrĂŒnde fĂŒr die Staatskrise, besonders die enormen sozialen und ökonomischen GegensĂ€tze. Ăberlagert werde dies von lokalen, religiösen oder Stammesinteressen, besonders der Konfrontation von Schiiten, Sunniten und Kurden.[564] Neben den historischen und soziologischen Ursachen seien auĂerdem machtpolitische Interessen wirksam â die Hegemoniebestrebungen der tonangebenden Staaten Iran, TĂŒrkei, Saudi-Arabien â sowie die Gier nach Ressourcen.[565]
Der israelische Friedensaktivist Uri Avnery sieht die allgemeinere Tendenz, dass Nationalstaaten angesichts weltweiter Verflechtungen ĂŒberholt seien, aber oft zunĂ€chst in kleinere Gebilde zerbrĂ€chen. Diese Tendenz zeige zum Beispiel das knapp gescheiterte schottische UnabhĂ€ngigkeits-Referendum 2014. Die europĂ€ische Nationalstaats-Idee sei sogar nie stark in der arabischen Welt verwurzelt gewesen. Dagegen werde der Mythos groĂer muslimischer Reiche wie des arabischen durch die Idee vom Islamischen Staat wiederbelebt, die wie die europĂ€ische Einigung Nationalstaaten ĂŒberwinden wolle. FĂŒhrende Politiker in den USA und Europa glaubten zu Unrecht, eine revolutionĂ€re neue Idee durch Bombardements und in Koalition mit âarabischen Diktatoren und korrupten Politikernâ löschen zu können. Sie stĂŒnden ânicht 'Terroristen' gegenĂŒber â das magische Wort, das alle Probleme zu lösen scheint, ohne das Gehirn zu strapazieren. Sie stehen einem neuen PhĂ€nomen gegenĂŒber.â Darauf sei keine einfache Antwort möglich.[566]
Im Dezember 2014 machte der 74-jĂ€hrige deutsche Publizist JĂŒrgen Todenhöfer (* 1940) von sich reden, der zusammen mit seinem Sohn in Mossul und ar-Raqqa mit Mitgliedern des IS sprach.[567] Nach seiner Ansicht unterschĂ€tze der Westen den IS. Seine AnhĂ€nger befĂ€nden sich in einem rauschhaften Zustand.[568] Allgemein wurde bemĂ€ngelt, dass â abgesehen von den Gefahren â im Internet-Zeitalter immer weniger Medien sich Kriegsreporter vor Ort leisten wĂŒrden.[569]
Folgen
IS-Kinder und Frauen
Nach der Zerschlagung des Kalifats und der Besetzung der verbliebenen Gebiete des IS in Syrien wurden zahlreiche Kinder und Frauen von IS-KĂ€mpfern durch Kurden und zuvor durch irakische Truppen festgenommen. Darunter auch solche, die die Staatsangehörigkeit eines Drittstaates innehaben. Im FrĂŒhjahr 2019 hatte der SDF 13.000 IS-AnhĂ€nger aus dem Ausland unter seiner Aufsicht, davon 12.000 Frauen und Kinder. Weitere 1.400 wurden zu dem Zeitpunkt im Irak festgehalten. FĂŒr die Frauen wird mittlerweile angenommen, dass sie eine aktivere Rolle im Kalifat spielten, als man zunĂ€chst angenommen hatte.[570] Der Wille diese Personen in ihren ursprĂŒnglichen HeimatlĂ€ndern wieder aufzunehmen, besteht nur in wenigen Ausnahmen. Als Hauptgrund fĂŒr die Ablehnung gilt die vermutete Radikalisierung und Indoktrinierung der Menschen wĂ€hrend ihrer Zeit im IS-Gebiet und die Annahme von Experten, nach der sie nach einer RĂŒckkehr als Kern neuer Terrorzellen in ihren HeimatlĂ€ndern fungieren könnten. Die UnfĂ€higkeit der Heimatstaaten, die RĂŒckkehrer von Gerichten aburteilen und einsperren zu lassen, sobald sie zurĂŒckgekehrt sind, ist ein weiterer Faktor. Er ist das Resultat des VersĂ€umnisses, rechtzeitig passende Gesetze erlassen zu haben, so dass weiter jedem RĂŒckkehrer die Verantwortung fĂŒr die Beteiligung an strafbaren Handlungen wĂ€hrend ihrer IS-Zeit individuell bewiesen werden mĂŒsste. GroĂbritannien und Australien versuchten sich des Problems zu entledigen, indem im Irak und Syrien festgesetzten IS-KĂ€mpfern die jeweilige Staatsangehörigkeit entzogen wurde.[570]
Todesopfer
Die Zahl der Todesopfer durch den IS wird auf etwa 60.000 bis 70.000 geschÀtzt.[571]
Liste terroristischer Aktionen
Dokumentationen
- PBS Frontline: Losing Iraq, 2014;[572] The Rise of ISIS, 2014;[573] Obama at War, 2015;[574] Escaping ISIS, 2015;[575] ISIS in Afghanistan, 2015.[576]
- Medyan Dairieh: The Islamic State. Vice News, 2014.[577]
- Nafeez Ahmed: The Powers Behind The Islamic State. filmsforaction.org, 2014.[578]
- Weltspiegel Extra: Die BĂŒrokratie des Terrors. ARD 2014.[579]
- JĂŒrgen Todenhöfer: Inside IS: 10 Tage im Islamischen Staat. 45 Min. 2016.
- IS gegen Taliban auf YouTube, 4. September 2016 (Produziert fĂŒr ZDFinfo).
- Funke Mediengruppe: Dschihad in den Köpfen auf YouTube, 24. MĂ€rz 2015 (Produziert fĂŒr RBB und Morgenpost).
- WissensSendungenHD: Im Nebel des Krieges â An den Frontlinien zum Islamischen Staat auf YouTube, 6. MĂ€rz 2017 (Produziert fĂŒr Phoenix).
- Deutsche KĂ€mpfer fĂŒr den IS auf YouTube (Produziert fĂŒr ZDFinfo).
- Arte: Syrien: Vom Ende des Kalifats auf YouTube, 15. MÀrz 2019.
- Die Deutschen Gotteskrieger auf YouTube, 1. Oktober 2014 (Produziert fĂŒr ZDF).
Literatur
- Hassan Abu Hanieh: IS und Al-Qaida. Die Krise der Sunniten und die RivalitĂ€t im globalen Dschihad. Deutsch von GĂŒnther Orth. Dietz, Bonn 2016, ISBN 978-3-8012-0483-9.
- Yorck Beese: The Film of the Islamic State. The Cinefication of Jihadi Video. Springer, Wiesbaden, 2024. ISBN 978-3-658-44554-6.
- Wilfried Buchta: Terror vor Europas Toren. Der Islamische Staat, Iraks Zerfall und Amerikas Ohnmacht. Campus Verlag, Frankfurt am Main, 2015, ISBN 978-3-593-50290-8.
- Patrick Cockburn: The Rise of Islamic State: ISIS and the New Sunni Revolution.[580] Verso, London/Brooklyn 2015, ISBN 978-1-78478-040-1.
- Fawaz A. Gerges: Isis. A History. Princeton University Press, Princeton, New Jersey, USA 2016, ISBN 978-0-691-17000-8.
- Christoph GĂŒnther: Ein zweiter Staat im Zweistromland? Genese und Ideologie des âIslamischen Staates Irakâ. Ergon, WĂŒrzburg 2014, ISBN 978-3-95650-036-7 (in der Schriftenreihe Kultur, Recht und Politik in muslimischen Gesellschaften. Band 28, zugleich Dissertation an der UniversitĂ€t Leipzig 2013)
- Rainer Hermann: Endstation Islamischer Staat? Staatsversagen und Religionskrieg in der arabischen Welt. Deutscher Taschenbuch Verlag, MĂŒnchen 2015, ISBN 978-3-423-34861-4.
- Tristan Leoni: Kalifat und Barbarei â Wie funktioniert der Islamische Staat? Aus dem Französischen von Doc Sportello. bahoe books, Wien 2016, ISBN 978-3-903022-37-9.
- Christoph Leonhardt: Religion und Gewalt in Syrien. Legitimierung und Mobilisierung unter der Assad-Dynastie (1970â2020), in: Konfrontation und Kooperation im Vorderen Orient 19, MĂŒnster 2024, ISBN 978-3-643-25119-0 Religion und Gewalt in Syrien. In: lit-verlag.de. Abgerufen am 7. Juli 2025.
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- Petra Ramsauer: Die Dschihad Generation. Wie der apokalyptische Kult des islamischen Staats Europa bedroht. Styria Verlag, Wien 2015, ISBN 978-3-222-13516-3.
- Christoph Reuter: Die schwarze Macht. Der »Islamische Staat« und die Strategen des Terrors. Deutsche Verlags-Anstalt, MĂŒnchen 2015, ISBN 978-3-421-04694-9.
- Christoph Reuter und Maryam A.: Mein Leben im Kalifat. Eine deutsche IS-Aussteigerin erzĂ€hlt. Deutsche Verlags-Anstalt, MĂŒnchen 2017, ISBN 978-3-421-04819-6.
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- Bruno Schirra: ISIS â Der globale Dschihad. Wie der âIslamische Staatâ den Terror nach Europa trĂ€gt. Econ, Berlin 2015, ISBN 978-3-430-20193-3.
- Thomas Schmidinger: âDie Welt hat uns vergessenâ. Der Genozid des âIslamischen Staatesâ an den JesidInnen und die Folgen. Mandelbaum Verlag, Wien 2019, ISBN 978-3-85476-590-5.
- Thomas Carl Schwoerer: Mit dem IS verhandeln? Neue Lösungen fĂŒr Syrien und den Terrorismus. Redline Verlag, MĂŒnchen 2016, ISBN 978-3-86881-652-5.
- Guido Steinberg: Kalifat des Schreckens. IS und die Bedrohung durch den islamistischen Terror.[581] Knaur, MĂŒnchen 2015, ISBN 978-3-426-78772-4.
- Jessica Stern, J. M. Berger: ISIS: The State of Terror. HarperCollins, New York City 2015, ISBN 978-0-06-239554-2.
- JĂŒrgen Todenhöfer: Inside IS â 10 Tage im 'Islamischen Staat'. 17. Auflage. C. Bertelsmann, MĂŒnchen 2015, ISBN 978-3-570-10276-3.
- Joby Warrick: Schwarze Flaggen. Der Aufstieg des IS und die USA.[582][583] Deutsch von Cornelius Hartz. Theiss, Darmstadt 2017, ISBN 978-3-8062-3477-0.
- Michael Weiss, Hassan Hassan: ISIS: Inside the Army of Terror. Regan Arts, New York 2015, ISBN 978-1-941393-57-4.
Weblinks
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- Stephan Rosiny: âDes Kalifen neue Kleiderâ: Der Islamische Staat in Irak und Syrien (PDF; 476Â kB). In: GIGA Focus, Nr. 6/2014.
- Guido Steinberg: Der Islamische Staat im Irak und in Syrien (ISIS). In: Dossier Islamismus. Bundeszentrale fĂŒr politische Bildung, 26. August 2014.
- Graeme Wood: What ISIS Really Wants. The Atlantic, MĂ€rz 2015.
- Thomas Volk: Wie der âIslamische Staatâ in Deutschland KĂ€mpfer rekrutiert. AnsĂ€tze fĂŒr eine erfolgreiche IslamismusprĂ€vention, in: Analysen und Argumente, September 2015.
- David Ignatius: How ISIS Spread in the Middle East. The Atlantic, 29. Oktober 2015.
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Einzelnachweise
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- â Exclusive: Top ISIS leaders revealed
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- â IS-Milizen sprengen antike Königsresidenz der Assyrer. In: Spiegel Online, 8. MĂ€rz 2015.
- â Tomas Avenarius, Sonja Zekri: Der Frevel von Mossul. In: SĂŒddeutsche Zeitung, 27. Februar 2015.
- â Krieg gegen die Vergangenheit? Der IS und die systematische Zerstörung archĂ€ologischer Fundstellen. Archaeologik (9. MĂ€rz 2015) mit einer Sammlung einschlĂ€giger Meldungen
- â tt.com: Islam-Gelehrte verurteilen Zerstörung von KulturgĂŒtern durch IS
- â IS tötet 26 Zivilisten auf dem Weg ins antike Palmyra. In: Die Welt, 14. Mai 2015.
- â UN stuft IS-Verbrechen als Völkermord ein. In: SĂŒddeutsche Zeitung, 19. MĂ€rz 2015.
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- Islamischer Staat (Terrororganisation)
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