Karl Friedrich Moest







Karl Friedrich Moest oder Carl Friedrich Moest (* 26. MĂ€rz 1838 in Gernsbach, Baden; â 14. August 1923 in Karlsruhe; auch Möst)[1] war ein deutscher Bildhauer. Er war der Vater des Malers Hermann Moest, des SĂ€ngers Rudolf Moest[2][3] und des Schauspielers Friedrich Moest.[4]
Leben
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Moest erlernte bei seinem Vater, einem BĂŒchsenmacher, das Zeichnen, Ă€tzte auch in Kupfer und Stahl, lernte mit dem Grabstichel umzugehen, schuf Intarsien und schnitzte in Holz. In Pforzheim begann er in einer Silberwarenfabrik das Modellieren und Gravieren.[5] SpĂ€ter fertigte er Formen fĂŒr Verzierungen auf Korken fĂŒr Weinflaschen. Er arbeitete mehrere Jahre hart, um seine weitere Ausbildung finanzieren zu können. Sein Körper war damit allerdings ĂŒberfordert und Moest erkrankte an Typhus, zwei Monate nachdem er ins MĂŒnchener Polytechnikum eingetreten war.[5] Nachdem er in seiner Geburtsstadt genesen war, begann er am Karlsruher Polytechnikum das Studium von Maschinenbau, Chemie und Architektur.[5] Nach einem halben Jahr entschied Moest sich allerdings fĂŒr die Kunst. Nun wurde er an der Kunstschule von Adolf des Coudres und Johann Wilhelm Schirmer unterrichtet. Ein weiterer Lehrer Moests war der Bildhauer Hans Baur (1829â1897), der ein privates Atelier im Neubau der Akademie in der BismarckstraĂe angemietet hatte und Moest dort zusammen mit Gustav von KreĂ unterrichtete.[6]
Moests erste Werke waren PortrĂ€tbĂŒsten wie vom Maler August von Bayer (1803â1875) und den Ministern Wilhelm Lamey und Franz von Roggenbach.[5] Sein Lehrer Carl SteinhĂ€user vermittelte Moest vermutlich den Auftrag, unter seiner Aufsicht[7] ein Denkmal fĂŒr den 1863 verstorbenen Oberbaudirektor Heinrich HĂŒbsch zu entwerfen.[8] Ab 1863 war er als Zeichenlehrer an der Gewerbeschule tĂ€tig.[9] Nachdem er weitere BĂŒsten und die groĂen Sandsteinkaryatiden fĂŒr das Rathaus in Mannheim gestaltet hatte, ging er mit einem Reisestipendium 1864 nach Italien und studierte die Meisterwerke Michelangelos, Canovas und Thorwaldsens. Nach seiner RĂŒckkehr folgten zunĂ€chst weitere BĂŒsten (Johann Wilhelm Schirmer, Georg Gottfried Gervinus, Wilhelm Lamey (1904 in Mannheim),[9] FĂŒrstin von Wied und das GroĂherzogenpaar) sowie sein erstes gröĂeres Werk: die Gruppe der Minerva mit Handel und Industrie auf der EisenbahnbrĂŒcke in Mannheim, die ihm einen bedeutenden Namen machte und andere Arbeiten nach sich zog. 1870 beantragte er, nach London reisen zu dĂŒrfen, um die antiken Bildwerke und GipsabgĂŒsse des British Museum sowie das South-Kensington-Museum besuchen zu können.[10]
Am 26. Mai 1868 heiratete Moest in Bruchsal Louise Himmel (* 1. September 1839).[11] Am 5. Dezember kam ihr Sohn Hermann zur Welt.[12] Der Sohn Friedrich war bereits 1867 zur Welt gekommen, sein Bruder Rudolf folgte 1871.[2]
Moest war ab 1867 (ab 1872 als Professor) Lehrer an der Kunstgewerbeschule in Karlsruhe[9] und wohnte in der BismarckstraĂe 47.[13] Zudem war er fĂŒr das Unternehmen Dyckerhoff & Widman tĂ€tig, das neben dem Vertrieb von Baumaterialien auch Architekturteile und Plastiken in Zement goss. Das Unternehmen wurde beispielsweise von der Stadt Karlsruhe mit der Herstellung des Galatea-Brunnens beauftragt, den Moest dann ausfĂŒhrte.[14] 1879 schied Moest auf eigenen Wunsch aus der Kunstgewerbeschule aus, da sein Alternativvorschlag der Lohnerhöhung statt KĂŒndigung von Gustav Kachel nicht akzeptiert wurde.[15] Moests Nachfolger wurde Adolf Heer.[10]
Im Jahr 1890 wurde Moest beim Wettbewerb um die Errichtung eines Denkmals fĂŒr Kaiser Wilhelm I. disqualifiziert, da er sein Modell im falschen MaĂstab angefertigt hatte. Er wĂ€re auf Platz drei gelandet, hinter Hermann Volz und Adolf Heer, der es am Ende ausfĂŒhrte.[16] Mehr GlĂŒck hatte er zwischen 1900 und 1901 im zweiten Wettbewerb um die Errichtung eines Bismarck-Denkmals in Karlsruhe: Nachdem ein erster solcher Wettbewerb bereits ohne Sieger gescheitert war, wurde Fridolin Dietsche als Sieger der zweiten Konkurrenz beworben, da man den seinen noch als den ârelativ bestenâ Entwurf bezeichnete. Das Denkmalkomitee entschied sich jedoch spĂ€ter dafĂŒr, einen der drei EntwĂŒrfe ausfĂŒhren zu lassen, die Moest eingereicht hatte.[17]
Werke
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Zu den Werken, die Moest nach der Mannheimer EisenbahnbrĂŒcke schuf, gehören die Gruppe des Triumphs der Galatea (Galatea-Brunnen), das Denkmal fĂŒr die in Mannheim verstorbenen Krieger von 1870/71,[18] allegorische Figuren am DirektionsgebĂ€ude der pfĂ€lzischen Bahn in Ludwigshafen[5] und als sein Hauptwerk das Siegesdenkmal in Freiburg im Breisgau, sowie das 1879 enthĂŒllte Kriegerdenkmal auf dem Pforzheimer Marktplatz,[19] bestehend aus einem altgermanischen Krieger von herkulischer Gestalt.[20] Letzteres wurde spĂ€testens beim Luftangriff auf Pforzheim zerstört.
In Karlsruhe finden bzw. fanden sich besonders viele seiner Werke, darunter die folgenden:
- Denkmal Ferdinand Redtenbacher am Ehrenhof (1865â1866)
- Denkmal fĂŒr Heinrich HĂŒbsch im Garten der Staatlichen Kunsthalle (1866â1867); Sockel von Peter Lenz. Finanzierung gröĂtenteils durch private Spenden, darunter GroĂherzog Friedrich (110 fl.), Ludwig I. (300 fl.) und König Friedrich Wilhelm IV. (99 fl. und 20 k.)[21][22]
- Denkmal fĂŒr den Karlsruher SportpĂ€dagogen und langjĂ€hrigen Nachbar Moests[23] Alfred Maul; eingeweiht am 11. April 1911 in Anwesenheit von Friedrich II., Denkmal im Zweiten Weltkrieg eingeschmolzen, Sockel blieb bis in die 1960er Jahre erhalten und ging spĂ€ter (wie vieles andere) bei Auflösung des Bauhofs verloren.
- Relief âErziehung und Unterrichtâ am Lehrerseminar (1868â1869)
- der bereits erwĂ€hnte Galatea-Brunnen (1871â1872) existiert in mindestens drei Exemplaren. Eines steht seit 1954 im Garten des ErbgroĂherzoglichen Palais (Bundesgerichtshof), ein weiteres seit 1907 in der Robert-Krekel-Anlage in Wiesbaden-Biebrich und ein drittes in einem privaten Garten in Klosterneuburg[24]
- Figuren Hylas und Nymphe am Malsch-Brunnen (1872â1875),[25] zusammen mit dem Architekten Heinrich Lang und dessen Assistenten Otto Warth[14]
- Figurengruppe âUnterrichtâ an der Hans-Thoma-Schule (1878â1879)
- Denkmal fĂŒr Franz Grashof, eingeweiht am 26. Oktober 1896, vermutlich Moest wegen Verbindung zu Redtenbacher gewĂ€hlt, BĂŒste und Puto 1943 eingeschmolzen, BĂŒste 1960 von Carl Egler (1896â1982) neu geschaffen[26]
- Bismarck-Denkmal heute beim Bismarck-Gymnasium (1900â1904), sĂ€mtliche Bronzeteile auĂer der Statue, darunter eine Genius-Figur im Zweiten Weltkrieg eingeschmolzen[27]
- Denkmal fĂŒr Jean Becker, Bronzestatue 1886 im Schlossgarten an den LindenhofunterfĂŒhrungen errichtet,[18] 1945 entfernt.
- Bronzefigur fĂŒr Grabmal fĂŒr Friedrich Michelis auf dem Hauptfriedhof Freiburg im Breisgau, Unterbau von Karl Andelfinger (1896)[28]
- BĂŒste von Kaiser Wilhelm I., 1,80 m hoch, zur Feier der Kaiserproklamation auf dem Schlossplatz platziert[29]
- Höhere BĂŒrgerschule: Statuen Theorie und Praxis (1871)[9]
- Formen fĂŒr die vier Löwenmasken-Wasserspeier des Denkmals fĂŒr GroĂherzog Karl Friedrich im Schlossgarten (1872/73); bei Umbau wegen Bundesgartenschau 1967 im Jahr 1964/65 nicht mehr angebracht und mittlerweile verschollen[30]
- Realgymnasium: Figuren Exakte Wissenschaft und Sprache und Geschichte (1875)[9]
- Friedhof: Puttenköpfe am Portal (1876)[9]
- Festhalle Karlsruhe: Hermen-Karyatiden (1877)[9]
- Beteiligung an Ausgestaltung des Stadtgartens vor der SĂŒdseite der Festhalle, zusammen mit Rudolf Gleichauf und August Hoerter[31]
- BĂŒste von GroĂherzog Friedrich I. (1912 in Badenweiler)[32]
- Hochrelief-BĂŒste des Tulla-Denkmals[5]
Stil
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Moests Gesamtwerk orientiert sich am SpĂ€tklassizismus. Die PortrĂ€tbĂŒsten ab 1890 sind zudem vom Naturalismus beeinflusst.[10]
Auszeichnungen
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Moest war Ritter des groĂherzoglich badischen Ordens vom ZĂ€hringer Löwen und des königlich preuĂischen Kronen-Ordens.
Rezeption
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]âDenkmĂ€ler und ausgezeichnete BildnisbĂŒsten sind die am meisten anerkannten Schöpfungen des Meisters.â
Literatur
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Möst, Karl Friedrich. In: Hermann Alexander MĂŒller: Biographisches KĂŒnstler-Lexikon. Die bekanntesten Zeitgenossen auf dem Gebiet der bildenden KĂŒnste aller LĂ€nder mit Angabe ihrer Werke. Bibliographisches Institut, Leipzig 1882, S. 379 f. (retrobibliothek.de).
- Diverse. In: Heinz Schmitt (Hrsg.): DenkmĂ€ler, Brunnen und Freiplastiken in Karlsruhe 1715â1945. 2. Auflage. Band 7. Badenia-Verlag, Karlsruhe 1989, ISBN 3-7617-0264-7, S. 686 (Veröffentlichungen des Karlsruher Stadtarchivs).
- Karl Friedrich Moest. In: Hans Vollmer (Hrsg.): Allgemeines Lexikon der Bildenden KĂŒnstler von der Antike bis zur Gegenwart. BegrĂŒndet von Ulrich Thieme und Felix Becker. Band 25: MoehringâOliviĂ©. E. A. Seemann, Leipzig 1931, S. 15 (biblos.pk.edu.pl).
- Karl Friedrich Moest. In: Hans Vollmer (Hrsg.): Allgemeines Lexikon der bildenden KĂŒnstler des XX. Jahrhunderts. Band 6, NachtrĂ€ge HâZ. E. A. Seemann, Leipzig 1962, S. 278. (Textarchiv â Internet Archive â Leseprobe).
Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- â Deutsches Biografisches Jahrbuch, Band 5, 1923, Totenliste (335).
- 1 2 Wilhelm Kosch: Deutsches Theater-Lexikon, ed. 10:2. Klagenfurt, Wien: Kleinmayr, 1960.
- â â  KammersĂ€nger Rudolf Moest. In: Neue Freie Presse, Abendblatt, Nr. 19640/1919, 29. April 1919, S. 4, Mitte links. (online bei ANNO).
- â Herrmann A. L. Degener: Wer istâs? ed. 10. Degener, Berlin 1935.
- 1 2 3 4 5 6 Wilhelm Kaulen: Freud' und Leid im Leben deutscher KĂŒnstler. Christian Winter, Frankfurt am Main 1878, S. 230â234.digitalisat
- â Schmitt, S. 18.
- â Schmitt, S. 282 f.
- â Schmitt, S. 54.
- 1 2 3 4 5 6 7 Schmitt, S. 686.
- 1 2 3 Schmitt, S. 21.
- â Eintrag des Paares (Seite nicht mehr abrufbar, festgestellt im MĂ€rz 2022. Suche im Internet Archive) ( Info: Der Link wurde automatisch als defekt markiert. Bitte prĂŒfe den Link gemÀà Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.) FamilySearch.org; abgerufen am 28. Dezember 2009.
- â Karl Friedrich Moest. In: Hans Vollmer (Hrsg.): Allgemeines Lexikon der Bildenden KĂŒnstler von der Antike bis zur Gegenwart. BegrĂŒndet von Ulrich Thieme und Felix Becker. Band 25: MoehringâOliviĂ©. E. A. Seemann, Leipzig 1931, S. 15 (biblos.pk.edu.pl).
- â Geistiges Deutschland (Kurztitel). Das geistige Deutschland am Ende des 19. Jahrhunderts EnzyklopĂ€die des deutschen Geisteslebens in biographischen Skizzen. Bd. 1 Die Bildenden KĂŒnstler. Leipzig/Berlin. 1898. Band 1.
- 1 2 Schmitt, S. 93.
- â Schmitt, S. 30; FuĂnote 66
- â Schmitt, S. 372.
- â Schmitt, S. 420.
- 1 2 Joseph August Beringer: Mannheim â Stoff fĂŒr den heimatkundlichen Unterricht, In: Jahresbericht des Realgymnasiums mit Realschule (Lessingschule), Schuljahr 1912/13, Mannheim 1913, S. 20; dort allerdings fĂ€lschlicherweise als das Werk eines Hermann Moest ausgegeben, wurde vermutlich bei Friedrich Walter abgeschrieben, wo es auch schon falsch stand
- â Pforzheim. In: Meyers Konversations-Lexikon. 4. Auflage. Band 12, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig/Wien 1885â1892, S. 976.
- â Das Denkmal auf einer Postkarte von 1897
- â Generallandesarchiv Karlsruhe, 56/157 (Mikrofilm), Schreiben des Ministeriums des Inneren vom 26. MĂ€rz (?) oder 26. September 1868.
- â Silke Walther: In welchem Style sollen wir bauen? Studien zu den Schriften und Bauten des Architekten Heinrich HĂŒbsch (1795â1863). Dissertation. 2003.
- â Schmitt, S. 487 f.
- â Ferdinand Werner: Der lange Weg zum neuen Bauen. Band 2: Zement und Kunststein. Der Siegeszug der Phantasie. Worms 2016, ISBN 978-3-88462-372-5, S. 422.
- â Abbildung im Stadtwiki Karlsruhe
- â Schmitt, S. 398ff
- â Schmitt, 416 ff.
- â Michael Klant: Vergessene Bildhauer. In: Skulptur in Freiburg. Kunst des 19. Jahrhunderts im öffentlichen Raum. Freiburg 2000, S. 164â172 ISBN 3-922675-77-8, S. 168.
- â Schmitt, S. 110.
- â Schmitt, S. 218 ff.
- â Schmitt, S. 334 f.
- â Ausflugsziel Kurpark Badenweiler im MarkgrĂ€flerland mit dem Thermalquellbad Cassiopeia. ( des vom 3. MĂ€rz 2009 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprĂŒft. Bitte prĂŒfe Original- und Archivlink gemÀà Anleitung und entferne dann diesen Hinweis. zur-schnecke-in-kandern.de; abgerufen am 18. November 2009.
- â Kunstchronik, 29. Jahrgang, E. A. Seemann, Leipzig 1918.
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Moest, Karl Friedrich |
| ALTERNATIVNAMEN | Möst Karl Friedrich; Moest, Karl Friedrich |
| KURZBESCHREIBUNG | deutscher Bildhauer |
| GEBURTSDATUM | 26. MĂ€rz 1838 |
| GEBURTSORT | Gernsbach, Baden (Land) |
| STERBEDATUM | 14. August 1923 |
| STERBEORT | Karlsruhe |