Latinistik
Latinistik oder lateinische Philologie ist die Wissenschaft von der lateinischen Sprache und Literatur.
Sie ist eine Nachbardisziplin der GrÀzistik (griechische Sprach- und Literaturwissenschaft) und eine Unterdisziplin der Klassischen Philologie. Latinistik zÀhlt zu den Klassischen Altertumswissenschaften.
Studiengang
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Lateinische Philologie ist ein UniversitĂ€tsstudiengang, der in Deutschland und Ăsterreich ĂŒblicherweise zum Lehramt fĂŒhrt, aber auch mit dem wissenschaftlichen Abschluss Magister artium (M.A.) beendet werden kann. Im Rahmen des Bologna-Prozesses laufen die MagisterstudiengĂ€nge aus und werden durch Baccalaureus/Bachelor-StudiengĂ€nge ersetzt, auf die ein Master/Magister-Studiengang aufbauen kann. In einigen BundeslĂ€ndern gilt dies auch schon fĂŒr das Lehramtsstudium.
Das Hochschulstudium der Latinistik soll zum umfassenden Erwerb von Sprach- und Literaturkenntnissen fĂŒhren und die zugehörigen historischen BezĂŒge herstellen. Es vermittelt auch die â im schulischen Lateinunterricht normalerweise nicht erworbene â aktive Beherrschung der lateinischen Sprache, zumindest schriftlich (sogenannte StilĂŒbungen). Daneben versteht sich die universitĂ€re Latinistik vor allem in der Forschung auch als Literaturwissenschaft, die die lateinischen Texte zu analysieren und zu interpretieren versucht.
Gegenstand
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]An den meisten UniversitĂ€ten unterteilt sich die Latinistik in zwei Bereiche: WĂ€hrend die Mehrzahl der Latinisten die antike lateinische Literatur und Sprache behandelt, haben sich andere auf mittel- und neulateinische Werke spezialisiert. Jene Latinisten, die sich als Altertumskundler verstehen, bearbeiten die Werke der römischen Zeit, beginnend mit den frĂŒhesten ĂŒberlieferten Texten (seit dem 3. Jahrhundert v. Chr.). Der Schwerpunkt liegt dabei traditionell auf den als âklassischâ empfundenen Autoren der ausgehenden Republik und der frĂŒhen Kaiserzeit (wie Cicero, Sallust, Vergil, Ovid, Horaz), der so genannten Goldenen LatinitĂ€t, sowie auf einigen Werken des spĂ€teren 1. und frĂŒhen 2. Jahrhunderts n. Chr. (wie Seneca, Lukan, Statius, Plinius, Tacitus, Juvenal), der Zeit der Silbernen LatinitĂ€t. Ăhnlich wie die Althistoriker haben sich Latinisten aber in den letzten Jahren verstĂ€rkt auch spĂ€tantiken lateinischen Texten aus dem 3. bis 6. Jahrhundert (zum Beispiel Claudian, Augustinus, Boethius, Gorippus) zugewandt, wobei der Ăbergang zur mittellateinischen Literatur flieĂend ist und spĂ€testens im 8. Jahrhundert als abgeschlossen angesehen werden kann. Die neulateinische Literatur setzt dann im 14./15. Jahrhundert mit dem Humanismus ein und ist Arbeitsgebiet der Neulateinischen Philologie.
Literatur
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Fritz Graf (Hrsg.): Einleitung in die lateinische Philologie (Einleitung in die Altertumswissenschaft). Teubner, Stuttgart [u. a.] 1997. ISBN 3-519-07434-6.
- Peter Riemer, Michael WeiĂenberger, Bernhard Zimmermann: EinfĂŒhrung in das Studium der Latinistik. Beck, MĂŒnchen 1998, ISBN 3-406-44051-7
- Handbuch der Altertumswissenschaft