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Mein kleiner grĂŒner Kaktus

aus Wikipedia, der freien EnzyklopÀdie

Mein kleiner grĂŒner Kaktus ist ein Schlager mit einer von Bert Reisfeld und Rolf Marbot komponierten Melodie sowie einem deutschen Text, der ebenfalls von Reisfeld stammt. Das Lied wurde 1934 von den Comedian Harmonists aufgenommen.

Die 1933 nach Paris emigrierten Komponisten Bert Reisfeld und Rolf Marbot komponierten 1934 die Melodie fĂŒr den französischen Schlager J‘aime une Tyrolienne („Ich liebe eine Tirolerin“), Louis Poterat verfasste hierzu den Text.[1][2] Reisfeld schrieb unter dem Pseudonym Hans Herda einen deutschen Text (Mein kleiner grĂŒner Kaktus) auf die Melodie des französischen Liedes, was wenig spĂ€ter von den Comedian Harmonists aufgenommen wurde.[2][3] Das Arrangement des Liedes fĂŒr die Gruppe stammte von deren Mitglied Harry Frommermann. Die Aufnahme erfolgte zusammen mit dem StĂŒck Lebe wohl, gute Reise am 15. November 1934, bereits in der Endphase des Ensembles, das zwischenzeitlich in Deutschland mit einem Auftrittsverbot belegt war.[4] Bei der Veröffentlichung der deutschen Version wurde und wird teilweise fĂŒr Rolf Marbot dessen Geburtsname, Albrecht Marcuse, genannt, auch wurden als Autoren des Liedes hĂ€ufig die Alias „Herda/Dorian“ (letzteres ebenfalls fĂŒr Marbot) angegeben.[3]

Im Dezember 1934 erschien die Aufnahme, die heute zu den prominentesten Liedern der Comedian Harmonists zÀhlt. Allerdings wurde sie nicht hÀufiger als andere Schlager der Zeit verkauft und ab 1938 war die entsprechende Platte in Deutschland nicht mehr zu erwerben.[5]

Inhalt und Interpretation

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Im Liedtext prĂ€feriert das Lyrische Ich einen Kaktus gegenĂŒber anderen Blumen und betont dessen VorzĂŒge. Es wird auf die Ähnlichkeit von Frauen mit Blumen hingewiesen, wovon das lyrische Ich allerdings Abstand nimmt. Gegen Ende des Lieds stĂŒrzt der Kaktus vom Balkon auf den Nachbarn, „Herrn Krause“, herunter, der infolgedessen dem lyrischen Ich empfiehlt, den Kaktus andernorts, und nicht mehr auf dem Balkon, aufzubewahren.

FĂŒr den Literaturwissenschaftler Hans-Peter Ecker handelt es sich bei dem StĂŒck um keinen „dadaistischen Nonsens-Schlager im Stil der ‚goldenen' 1920er Jahre“, vielmehr wird der Typus der „Neuen Frau“[4] beziehungsweise das Thema einer „Neubestimmung der Weiblichkeit“ behandelt. Der Kaktus wird hier im Gegensatz zu „Rosen, Tulpen und Narzissen“ als ein neues Symbol fĂŒr diese Weiblichkeit eingefĂŒhrt, demnach handelt es sich bei dem lyrischen Ich um eine Frau.[6] Sie lebt selbstbestimmt in einer eigenen Wohnung und interessiert sich nicht fĂŒr bestehende Konventionen („Das will ich alles gar nicht wissen“). GegenĂŒber anderen MĂ€nnern kann sie sich zur Wehr setzen („Und wenn ein Bösewicht was ungezog’nes spricht, dann hol’ ich meinen Kaktus und der sticht“).[6] Die Schlussfolgerung von Lieblingsblumen auf den Charakter einer Frau will sie nicht auf sich selbst anwenden – bei einem Kaktus wĂ€re dies alles andere als schmeichelhaft („was soll’n die Leut’ sonst von mir sagen“).[4] Allerdings wird gemĂ€ĂŸ Dirk von Petersdorff durch den Kaktus das Entziehen von bestehenden Schönheitsidealen verdeutlicht, denn Kakteen gelten im Vergleich zu anderen Blumen als „nicht schön“.[6] Mit der Aussage des Nachbarn am Ende ist dessen Forderung verbunden, dass die Frau gegenĂŒber ihrem Umfeld zukĂŒnftig weniger „kratzbĂŒrstig“ auftreten soll.[4]

Durch zahlreiche Neuinterpretationen, beispielsweise durch Max Raabe, besitzt Mein kleiner grĂŒner Kaktus auch heute noch einen hohen Bekanntheitsgrad.[4]

Eines von Otto Waalkes’ Elementen bei vielen seiner BĂŒhnenprogramme seit den 1970er Jahren ist die spaßhaft-mimische Begleitung zur Musik von Mein kleiner grĂŒner Kaktus. Eine entsprechende Szene findet sich auch in Otto – Der Film.

Einzelnachweise

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  1. ↑ Peter Mayer: Deutsche UnterhaltungskĂŒnstler im Pariser Exil - Beim Erbfeind auf der BĂŒhne. In: Deutschlandfunk Kultur. 21. MĂ€rz 2020, abgerufen am 18. April 2023.
  2. 1 2 Institut fĂŒr kunst-und musikhistorische Forschungen: Reisfeld, Bert. 2002, abgerufen am 18. April 2023.
  3. 1 2 Peter Czada, GĂŒnter Große: Comedian Harmonists – Ein Vokalensemble erobert die Welt. Hentrich, Berlin 1993, S. 80, 179.
  4. 1 2 3 4 5 Hans-Peter Ecker: Liebe geht durch die Botanik. Zu „Mein kleiner grĂŒner Kaktus“ von den Comedian Harmonists. In: Deutsche Lieder. Bamberger Anthologie. 22. September 2014, abgerufen am 18. April 2023.
  5. ↑ Fakten & Kuriosa – Comedian Harmonists. Abgerufen am 18. April 2023 (deutsch).
  6. 1 2 3 Dirk von Petersdorff: In der Bar zum Krokodil. Lieder und Songs als Gedichte. Wallstein, Göttingen 2017, S. 52 f.