Mein kleiner grĂŒner Kaktus
Mein kleiner grĂŒner Kaktus ist ein Schlager mit einer von Bert Reisfeld und Rolf Marbot komponierten Melodie sowie einem deutschen Text, der ebenfalls von Reisfeld stammt. Das Lied wurde 1934 von den Comedian Harmonists aufgenommen.
Geschichte
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Die 1933 nach Paris emigrierten Komponisten Bert Reisfeld und Rolf Marbot komponierten 1934 die Melodie fĂŒr den französischen Schlager Jâaime une Tyrolienne (âIch liebe eine Tirolerinâ), Louis Poterat verfasste hierzu den Text.[1][2] Reisfeld schrieb unter dem Pseudonym Hans Herda einen deutschen Text (Mein kleiner grĂŒner Kaktus) auf die Melodie des französischen Liedes, was wenig spĂ€ter von den Comedian Harmonists aufgenommen wurde.[2][3] Das Arrangement des Liedes fĂŒr die Gruppe stammte von deren Mitglied Harry Frommermann. Die Aufnahme erfolgte zusammen mit dem StĂŒck Lebe wohl, gute Reise am 15. November 1934, bereits in der Endphase des Ensembles, das zwischenzeitlich in Deutschland mit einem Auftrittsverbot belegt war.[4] Bei der Veröffentlichung der deutschen Version wurde und wird teilweise fĂŒr Rolf Marbot dessen Geburtsname, Albrecht Marcuse, genannt, auch wurden als Autoren des Liedes hĂ€ufig die Alias âHerda/Dorianâ (letzteres ebenfalls fĂŒr Marbot) angegeben.[3]
Im Dezember 1934 erschien die Aufnahme, die heute zu den prominentesten Liedern der Comedian Harmonists zÀhlt. Allerdings wurde sie nicht hÀufiger als andere Schlager der Zeit verkauft und ab 1938 war die entsprechende Platte in Deutschland nicht mehr zu erwerben.[5]
Inhalt und Interpretation
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Im Liedtext prĂ€feriert das Lyrische Ich einen Kaktus gegenĂŒber anderen Blumen und betont dessen VorzĂŒge. Es wird auf die Ăhnlichkeit von Frauen mit Blumen hingewiesen, wovon das lyrische Ich allerdings Abstand nimmt. Gegen Ende des Lieds stĂŒrzt der Kaktus vom Balkon auf den Nachbarn, âHerrn Krauseâ, herunter, der infolgedessen dem lyrischen Ich empfiehlt, den Kaktus andernorts, und nicht mehr auf dem Balkon, aufzubewahren.
FĂŒr den Literaturwissenschaftler Hans-Peter Ecker handelt es sich bei dem StĂŒck um keinen âdadaistischen Nonsens-Schlager im Stil der âgoldenen' 1920er Jahreâ, vielmehr wird der Typus der âNeuen Frauâ[4] beziehungsweise das Thema einer âNeubestimmung der Weiblichkeitâ behandelt. Der Kaktus wird hier im Gegensatz zu âRosen, Tulpen und Narzissenâ als ein neues Symbol fĂŒr diese Weiblichkeit eingefĂŒhrt, demnach handelt es sich bei dem lyrischen Ich um eine Frau.[6] Sie lebt selbstbestimmt in einer eigenen Wohnung und interessiert sich nicht fĂŒr bestehende Konventionen (âDas will ich alles gar nicht wissenâ). GegenĂŒber anderen MĂ€nnern kann sie sich zur Wehr setzen (âUnd wenn ein Bösewicht was ungezogânes spricht, dann holâ ich meinen Kaktus und der stichtâ).[6] Die Schlussfolgerung von Lieblingsblumen auf den Charakter einer Frau will sie nicht auf sich selbst anwenden â bei einem Kaktus wĂ€re dies alles andere als schmeichelhaft (âwas sollân die Leutâ sonst von mir sagenâ).[4] Allerdings wird gemÀà Dirk von Petersdorff durch den Kaktus das Entziehen von bestehenden Schönheitsidealen verdeutlicht, denn Kakteen gelten im Vergleich zu anderen Blumen als ânicht schönâ.[6] Mit der Aussage des Nachbarn am Ende ist dessen Forderung verbunden, dass die Frau gegenĂŒber ihrem Umfeld zukĂŒnftig weniger âkratzbĂŒrstigâ auftreten soll.[4]
Sonstiges
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Durch zahlreiche Neuinterpretationen, beispielsweise durch Max Raabe, besitzt Mein kleiner grĂŒner Kaktus auch heute noch einen hohen Bekanntheitsgrad.[4]
Eines von Otto Waalkesâ Elementen bei vielen seiner BĂŒhnenprogramme seit den 1970er Jahren ist die spaĂhaft-mimische Begleitung zur Musik von Mein kleiner grĂŒner Kaktus. Eine entsprechende Szene findet sich auch in Otto â Der Film.
Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- â Peter Mayer: Deutsche UnterhaltungskĂŒnstler im Pariser Exil - Beim Erbfeind auf der BĂŒhne. In: Deutschlandfunk Kultur. 21. MĂ€rz 2020, abgerufen am 18. April 2023.
- 1 2 Institut fĂŒr kunst-und musikhistorische Forschungen: Reisfeld, Bert. 2002, abgerufen am 18. April 2023.
- 1 2 Peter Czada, GĂŒnter GroĂe: Comedian Harmonists â Ein Vokalensemble erobert die Welt. Hentrich, Berlin 1993, S. 80, 179.
- 1 2 3 4 5 Hans-Peter Ecker: Liebe geht durch die Botanik. Zu âMein kleiner grĂŒner Kaktusâ von den Comedian Harmonists. In: Deutsche Lieder. Bamberger Anthologie. 22. September 2014, abgerufen am 18. April 2023.
- â Fakten & Kuriosa â Comedian Harmonists. Abgerufen am 18. April 2023 (deutsch).
- 1 2 3 Dirk von Petersdorff: In der Bar zum Krokodil. Lieder und Songs als Gedichte. Wallstein, Göttingen 2017, S. 52 f.