Minden-Ravensberg



Minden-Ravensberg war eine von 1719 bis 1807 bestehende preuĂische Verwaltungseinheit im nordĂśstlichen Westfalen. Sie fasste die Reichsterritorien FĂźrstentum Minden und Grafschaft Ravensberg zusammen. Verwaltungssitz war Minden, grĂśĂte Stadt und wirtschaftliches Zentrum Bielefeld. Der Begriff war bis ins 20. Jahrhundert, und ist vereinzelt bis heute, als Regionalbezeichnung fĂźr das nĂśrdliche Ostwestfalen lebendig.
Geografie
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Innerhalb PreuĂens bildete Minden-Ravensberg im 18. Jahrhundert eines der in Westdeutschland abseits der Kernlande isoliert liegenden, kleineren Territorien (wie etwa Kleve, Mark und Tecklenburg). Nachdem PreuĂen diese Besitzungen 1815 arrondieren konnte, lag das Gebiet im Nordosten der neugebildeten Provinz Westfalen. Gegenwärtig verteilt es sich auf die nordrhein-westfälischen Kreise GĂźtersloh (nĂśrdliches Drittel), Herford, Minden-LĂźbbecke und die Stadt Bielefeld. Naturräumlich hatte es im Norden am Norddeutschen Tiefland (Mindener Land), zentral an der Ravensberger Mulde (Ravensberger Land) und im SĂźden an der Emssandebene Anteil.
Im Jahre 1806 hatte Minden-Ravensberg eine Fläche von 2.113 km² und 1800 160.301 Einwohner.[1] Seine Nachfolgekreise ab 1815 (deren Zahl und Zuschnitt Veränderungen unterworfen war, welche aber bis 1969 die historischen Grenzen Minden-Ravensbergs nicht betrafen) umfassten zusammen circa 2.170 km² und zählten im Jahre 1910 478.749 Einwohner, 1969 ca. 927.400 Einwohner.
Geschichte
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Die Reichsterritorien Ravensberg (nebst der Stadt Herford) und Minden waren im 17. Jahrhundert an die KurfĂźrsten von Brandenburg gelangt. Die brandenburgischen Herrscher, die seit 1701 KĂśnige in PreuĂen waren, bemĂźhten sich, ihren zwischen Niederrhein und OstpreuĂen verstreuten Territorialbesitz zu einem einheitlichen Staatswesen zusammenzuschweiĂen und umfassend zu modernisieren. In diesem Zusammenhang erfolgte auch die Bildung Minden-Ravensbergs 1719.
1722 wurden die Verwaltungsaufgaben einer gemeinsamen Regierung, der Kriegs- und Domänenkammer zu Minden, Ăźbertragen. Formal bestanden zwar beide Territorien mitsamt ihrer Gliederung in Ămter und Vogteien weiter, verwaltungstechnisch bedeutsamer wurden aber die sich nach 1722 herausbildenden vier landrätlichen Bezirke (jeweils zwei fĂźr Ravensberg und Minden), denen jeweils ein Landrat vorstand. Der preuĂische Staat fĂśrderte Leinenherstellung und -handel, so dass sich das Gebiet rasch zu einer dichtbesiedelten, protoindustriellen Gewerberegion mit Bielefeld als Wirtschaftszentrum entwickelte.
1807 geriet das Gebiet in den napoleonischen Machtbereich und hĂśrte als Verwaltungseinheit auf zu bestehen. Bis 1810 lag das Gebiet vollständig im KĂśnigreich Westphalen (Departement der Weser), ab 1811 gehĂśrte der Norden Minden-Ravensbergs zum Kaiserreich Frankreich (Departement der Oberen Ems). Bereits 1813/15 wieder an PreuĂen gelangt, fand es nach einer Ăbergangszeit im Zivilgouvernement zwischen Weser und Rhein im Regierungsbezirk Minden, nun unter Einschluss sĂźdostwestfälischer Gebiete um Paderborn, seinen Nachfolger. Dabei wurden im Gebiet Minden-Ravensbergs folgende Kreise gebildet: Bielefeld, BĂźnde, Halle (Westf.), Herford, Minden (Stadt Minden bis 1817 eigener Stadtkreis) und Rahden.
Der Raum Minden-Ravensberg blieb als Teilregion Westfalens mit eigenem Charakter auch weiterhin erkennbar, der Name geläufig. Neben der intensiven wirtschaftlichen Entwicklung trug dazu die lutherische Erweckungsbewegung bei, die etwa zwischen 1750 und 1950 in der Region ein vertieftes christliches Lebensgefßhl hervorbrachte.
Wirtschaftlich und sozial stĂźrzte Minden-Ravensberg um 1830 in eine schwere Krise, als das hiesige, sich auf Heimarbeit grĂźndende Leinengewerbe infolge der Mechanisierung sich als nicht mehr konkurrenzfähig erwies. GroĂe BevĂślkerungsteile wurden arbeitslos und litten bittere Not, viele wanderten nach Amerika aus. Der umfassende Ausbau des Eisenbahnnetzes, besonders der Bau der KĂśln-Mindener Eisenbahn 1847 mitten durch das Gebiet, leitete eine umfassende, breitgefächerte Industrialisierung ein, welche die zahlreichen Arbeitslosen bald integrieren konnte. Wichtige Sparten sind bis heute Textilindustrie, Maschinenbau, MĂśbel-, Nahrungsmittel-, zeitweilig auch Zigarrenindustrie. Auch gab es Steinkohlen- und Eisenstein-Bergbau.[2]
Die Prägung durch Religion einerseits und Industrialisierung andererseits zeigte sich auch im politischen Leben Minden-Ravensbergs. Bei den Reichstagswahlen ab 1867 konnten die Sozialdemokraten erst kurz vor dem Ersten Weltkrieg zu den lange dominierenden Christlich-Konservativen aufschlieĂen. Bis dahin war das konservative Milieu bestimmend, was auch die antisemitische Agitation mit einschloss.[3] Politisch aktiv war auch der die Interessen der GroĂagrarier vertretende Bund der Landwirte, der auch gegen die Christlich-Konservativen agitierte.[4] Das konservative Wählerpotential bescherte 1930â33 den Nationalsozialisten Ăźberdurchschnittliche Wahlerfolge. Nach dem Zweiten Weltkrieg schlieĂlich blieb das Gebiet rund 50 Jahre lang unangefochtene SPD-Domäne.
Nach 1945 kam der Begriff Minden-Ravensberg zunehmend auĂer Gebrauch. GrĂźnde waren zum einen die weitergehende Modernisierung, welche die bisherigen traditionellen und religiĂśsen Bindungen abschwächte. Hinzu kam, dass das hiesige Regionalbewusstsein immer in Konkurrenz mit anderen Identitäten stand und daher vergleichsweise schwach ausgeprägt war. Die Minden-Ravensberger waren schon sehr frĂźh zu (Brandenburg-)PreuĂen gekommen und konnten sich als Protestanten problemlos mit der Erfolgsgeschichte dieses Staates identifizieren, desgleichen seit 1871 mit dem preuĂisch dominierten Deutschen Kaiserreich. In katholischen Gegenden Westfalens (MĂźnsterland, Paderborn) dagegen wurde die regionale Identität als Abgrenzung gegen das ungeliebte PreuĂen bewusst gepflegt.
Eine gewisse Zäsur stellte die nordrhein-westfälische Gebietsreform 1969â74 dar, welche die preuĂische Verwaltungseinteilung wesentlich veränderte und infolge derer sich die historischen Grenzen Minden-Ravensbergs auch nicht mehr wie bisher vollständig in den Kreisgrenzen wiederfinden lassen. Etwa seit 1980 besteht das BemĂźhen, im Rahmen des Regierungsbezirks Detmold mit Ostwestfalen-Lippe ein neues Regionalbewusstsein zu schaffen, womit bezeichnenderweise die Minden-Ravensberger am wenigsten Probleme zu haben scheinen. Damit hat der Begriff Minden-Ravensberg heute praktisch nur noch historischen Charakter.
Kammerpräsidenten 1723â1807
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Die Kammerpräsidenten der Kriegs- und Domänenkammer waren:[5]
- 1723â1725: Heinrich Wennemar von Merode
- 1725â1738: Friedrich Wilhelm von Borcke
- ? â1745: Alexander Samuel von Loeben
- 1758â1761: Valentin von Massow
- 1763â1771: Karl Friedrich von DacherĂśden
- 1771â1794: Franz Traugott Friedrich Wilhelm von Breitenbauch
- 1796â1803: Heinrich Friedrich Karl vom und zum Stein
- 1805â1807: Friedrich von HĂśvel
Weitere Verwendung des Namens
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Der Minden-Ravensberger, Periodikum zur Heimatkunde und Regionalgeschichte
- Verkehrsbetriebe Minden-Ravensberg (VMR)
- BKK Herford Minden Ravensberg.
- historisch: Elektrizitätswerk Minden-Ravensberg (EMR)
- Johanniter-Unfall-Hilfe e. V. (JUH), Regionalverband Minden-Ravensberg
- Kommunales Rechenzentrum Minden-Ravensberg/Lippe
Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Quellen
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- â Alwin Hanschmidt: Das 18. Jahrhundert (1702â1803). In: Wilhelm Kohl (Hrsg.): Geschichte Westfalens, Bd. 1., S. 605â686; Monika Lahrkamp: Die franzĂśsische Zeit. In: Wilhelm Kohl (Hrsg.): Geschichte Westfalens, Bd. 2, S. 1â44.
- â Gregor Gehrke: Bergbau in Minden-Ravensberg. Aus einem Bericht des Bergmeisters Brassert von 1862 Ăźber den Bergbau im Regierungsbezirk Minden. Mitteilungen des Mindener Geschichtsvereins, Jahrgang 62 (1990), S. 163â170.
- â Karl Friedrich Watermann: Politischer Konservatismus und Antisemitismus in Minden-Ravensberg 1879â1914. Mitteilungen des Mindener Geschichtsvereins, Jahrgang 52 (1980), S. 11â64.
- â Karl Friedrich Watermann: Der âBund der Landwirteâ in Minden-Ravensberg 1893â1914. Mitteilungen des Mindener Geschichtsvereins, Jahrgang 54 (1982), S. 7â19.
- â ArchiveNRW: Findbuch A 200 I Kriegs- und Domänenkammer Minden ( des vom 4. März 2014 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprĂźft. Bitte prĂźfe Original- und Archivlink gemäà Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.
Koordinaten: 52° 10â˛Â N, 8° 40â˛Â O