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Miniatur (Musik)

aus Wikipedia, der freien EnzyklopÀdie
Vexations – eine bekannte Miniatur von Eric Satie, die durch 840-malige Wiederholung zu einem Monumentalwerk wird.

Miniatur bezeichnet in der klassischen Musik ganz allgemein ein kurzes MusikstĂŒck fĂŒr ein oder wenige Instrumente. Miniatur wird undifferenziert und je nach stilistischem Zusammenhang als Synonym fĂŒr Begriffe wie musikalische Skizze (engl. musical sketch),[1] musikalische Ekloge (franz. Ă©glogue musicale),[2] Impromptu, Bagatelle, Rhapsodie oder EtĂŒde verwendet.[3]

Miniatur ist keine Musikgattung. Neben der undifferenzierten Verwendung wird der Begriff vornehmlich fĂŒr kurze ÜbungsstĂŒcke und auch fĂŒr lĂ€ngere Werke verschiedener musikalischer Gattungen mit mehreren Instrumenten und/oder Gesang verwendet – beispielsweise Oper oder Pastorale – wenn diese Werke deutlich kĂŒrzer sind, als es ĂŒblicherweise der Fall ist.

Geschichte und Begriffsverwendung

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Metzler Musik Chronik beschreibt die CharakterstĂŒcke der französischen Lautenisten im 17. Jahrhundert sowie die „ProgrammstĂŒcke“ der französischen Komponisten François Couperin (1668–1733) und Jean-Philippe Rameau (1683–1764) als frĂŒhe Miniaturen. Auch einige Werke von Carl Philipp Emanuel Bach (1714–1788) und Ludwig van Beethovens (1770–1827) Bagatellen werden diesem Begriff zugeordnet.[4]

Bei den Romantikern ist die Miniatur Ausdruck fĂŒr „das Laut-werden-Lassen eines lyrischen GefĂŒhls“, „das Festhalten eines musikalischen Augenblicks des GlĂŒcks“, so beispielsweise bei Felix Mendelssohn Bartholdy (1809–1847) (Lieder ohne Worte), Robert Schumann (1810–1856) (Kinderszenen, Bunte BlĂ€tter) und Johannes Brahms (1833–1897) (die spĂ€ten Intermezzi).[4]

Aus der Sicht des Musiktheoretikers Theodor W. Adorno waren es die Veröffentlichungen Robert Schumanns, „die eigentlich die musikalische Miniatur, das >kleine StĂŒck< in die Welt brachten“.[5]

ÜbungsstĂŒck

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Als Miniaturen werden beispielsweise ÜbungsstĂŒcke (EtĂŒden) fĂŒr Tasteninstrumente (z. B. Klavier, Orgel)[6][7], Saiteninstrumente (z. B. Gitarre, Stössel-Laute)[8][9] und Blasinstrumente (z. B. Flöte, Klarinette)[10][11] bezeichnet. ÜbungsstĂŒcke fĂŒr rein rhythmische Schlaginstrumente werden nicht als Miniaturen bezeichnet.

KĂŒnstlerische Komposition

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Im 20. Jahrhundert in Frankreich findet sich die Miniatur in der Musik besonders bei Komponisten mit „einem Ideal, das das Kleine gegenĂŒber dem Großen, die Miniatur gegenĂŒber dem Monumentalen, in den Vordergrund stellt“.[12] Eric Satie (1866–1925), ein Vorreiter der Minimal Music, schrieb etwa um das Jahr 1893 die Miniatur Vexations[13], die einmal gespielt etwa zwei Minuten dauert, die aber – nach Saties Vorgabe – 840 Mal gespielt zu einem etwa 24-stĂŒndigen Monumentalwerk wird.

Das Werk des Österreichers Anton Webern (1883–1945) umfasst viele Miniaturen, deren Anlage und AusfĂŒhrung – und was darin nicht ausgefĂŒhrt wird – intensiv untersucht wurde.[14][15][16]

Auch in der klassischen Musik der Neuzeit ist die Bezeichnung Miniatur nicht unĂŒblich.[17]

Kurzform einer bestimmten Musikgattung

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Die Voranstellung von „Miniatur-“ (franz. (en) miniature) oder die im Zusammenhang alleinige Verwendung von „Miniatur“ bei ĂŒblicherweise lĂ€ngeren Kompositionen verschiedener Musikgattungen deutet an, dass ein so bezeichnetes Werk erheblich kĂŒrzer ist, als es sonst Werke dieser Musikgattung sind. Beispiele sind die „Miniatur-Oper“ (franz. opĂ©ra miniature),[18] die „Miniatur-Gavotte“[19] und die „Miniatur-Pastorale“[20].

Einzelnachweise und ErlÀuterungen

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  1. ↑ Patricia Hall und Friedemann Sallis: A Handbook to Twentieth-Century Musical Sketches. Cambridge University Press, 2004, ISBN 978-0-521-80860-6 (englisch, google.com).
  2. ↑ Marie-Claire Le Moigne-Mussat, Herbert Schneider und Jean Gribenski: D'un opĂ©ra l'autre: hommage Ă  Jean MongrĂ©dien. Presses Paris Sorbonne, 1996, ISBN 978-2-84050-063-6, S. 38 (englisch, google.com).
  3. ↑ Jim Samson: The Cambridge Companion to Chopin. Cambridge University Press, 1994, ISBN 978-0-521-47752-9, S. 131 (englisch, google.com).
  4. 1 2 Arnold Feil: Metzler Musik Chronik: Vom frĂŒhen Mittelalter bis zur Gegenwart. Springer-Verlag, ISBN 978-3-476-00145-0, S. 595 (google.com).
  5. ↑ Theodor W. Adorno: Musikalische Schriften. Suhrkamp Verlag, 1984, ISBN 978-3-518-57696-0, S. 701 (google.com).
  6. ↑ 13 Miniaturen: fĂŒr Klavier. Möseler, 1980 (google.com).
  7. ↑ 8 Miniaturen: fĂŒr Klavier. Wolfgang G. Haas, 1998 (google.com).
  8. ↑ Rudolf Wagner-RĂ©geny: FĂŒnf Miniaturen fĂŒr Gitarre. Mitteldt. Verlag, 1951 (google.com).
  9. ↑ Carsten Timpe: 5 Miniaturen fĂŒr die Stössel-Laute - in französischer Lautentabulatur und moderner Notation (Gitarre, Klavier). epubli, 2014, ISBN 978-3-7375-0123-1 (google.com).
  10. ↑ Yoram Paporisz: Sieben Miniaturen: fĂŒr Flöte. Gerig, 1974 (google.com).
  11. ↑ 12 Miniaturen: fĂŒr Solo Bassklarinette in B. Musik- und Buchverlag W. Feja, 1991 (google.com).
  12. ↑ Paul Sacher Stiftung (Basel, Switzerland). Internationales Symposion: Die klassizistische Moderne in der Musik des 20. Jahrhunderts. Amadeus-Verlag, 1997, ISBN 978-3-905049-73-2, S. 105 (google.com).
  13. ↑ Richard Skinner: Vade Mecum: Essays, Reviews & Interviews. John Hunt Publishing, 2015, ISBN 978-1-78535-025-2, S. 99 (englisch, google.com).
  14. ↑ Hartmut Krones: Anton Webern: Persönlichkeit zwischen Kunst und Politik. Böhlau Verlag Wien, 1999, ISBN 978-3-205-99072-7, S. 227 (google.com).
  15. ↑ Dieter Rexroth: Opus Anton Webern, Quadriga-Verlag, 1983, S. 38 (Google Buch).
  16. ↑ Eva-Maria Houben: Die Aufhebung der Zeit: zur Utopie unbegrenzter Gegenwart in der Musik des 20. Jahrhunderts. Franz Steiner Verlag, 1992, ISBN 978-3-515-05847-6, S. 44 (google.com).
  17. ↑ Annette Kreutziger-Herr: Ein Traum vom Mittelalter: die Wiederentdeckung mittelalterlicher Musik in der Neuzeit. Böhlau Verlag Köln Weimar, 2003, ISBN 978-3-412-15202-4, S. 234 (google.com).
  18. ↑ Leon Meyer: Bilder Der Musik. Hulton Getty picture, 1996, ISBN 978-3-89508-216-0, S. 62 (google.com).
  19. ↑ Clavier. Instrumentalist Company, 1974, S. 26 (englisch, google.com).
  20. ↑ Benjamin G. Cohrs: Weihnachtskantaten – einmal anders, Klassik heute, 2. Dezember 2002; abgerufen am 23. MĂ€rz 2017.