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Quantenobjekt

aus Wikipedia, der freien EnzyklopÀdie

Quantenobjekt (oder Mikroobjekt) ist ein Begriff, der in der Quantentheorie verwendet wird, um die durch Observable beschriebenen experimentellen Ergebnisse auf ein Objekt im Sinne der klassischen Physik (wie „Teilchen“ und „Welle“) beziehen zu können. Dies betrifft insbesondere Elementarteilchen und andere Objekte vergleichbarer Masse, also Objekte in der Atom- und Kernphysik, aber auch grĂ¶ĂŸere Teilchen wie MolekĂŒle, wenn diese niedrige kinetische Energie und damit eine große De-Broglie-WellenlĂ€nge haben.

Begriffsproblematik

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Quantenobjekte zeigen im Experiment Ergebnisse, die nach den Vorstellungen der klassischen Physik darauf schließen lassen, dass es sich bei diesen Quantenobjekten zugleich um Teilchen und um Wellen handeln muss.

Bei Quantenobjekten treten PhĂ€nomene auf, die in Widerspruch zu unserer Erfahrung stehen, die durch makroskopische Objekte geprĂ€gt wurde. Solche PhĂ€nomene sind beispielsweise, dass ein Objekt im Doppelspaltexperiment zugleich durch zwei Spalte zu gehen scheint und dabei „mit sich selbst interferiert“ (Dirac), der Kollaps der Wellenfunktion bei Beobachtung, QuantenverschrĂ€nkung und damit zusammenhĂ€ngend die Quantenteleportation, der Quantenradierer oder die Bose-Einstein-Kondensation.

Dieses erkenntnistheoretische Problem beruht innerhalb des quantentheoretischen Formalismus darauf, dass dem Quantenobjekt nicht alle möglichen Messwerte, z. B. Ort und Impuls, gleichzeitig zugeschrieben werden können, was fĂŒr ein Objekt der klassischen Physik, also der Alltagserfahrung, selbstverstĂ€ndlich war. Man sagt, gewisse Observable sind in der Quantenphysik nicht gleichzeitig objektivierbar.

Interpretationen

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Seit den 1920er Jahren war es ĂŒblich, dieses Problem im Sinne der Kopenhagener Interpretation zu umgehen, indem man in der Quantenphysik auf eine Objektivierung, also auf die Vorstellung von Objekten in der „mikroskopischen Quantenwelt“, verzichtet und diese mit einer instrumentalistischen Sprache so beschreibt, wie sie uns bei der Untersuchung mit klassischen Messinstrumenten erscheint.[1]

Die kommunistische Ideologie, die auf eine Objektivierbarkeit von Messergebnissen nicht verzichten konnte, lehnte die Kopenhagener Deutung als agnostizistisch ab und verstand die sich im Experiment zeigenden unterschiedlichen Erscheinungsformen der Quantenobjekte als physikalische BestĂ€tigung des dialektischen Materialismus. Demnach enthĂ€lt die real existierende Materie einen widersprĂŒchlichen Charakter, der im Fall der Quantenobjekte als „Welle-Teilchen-Dualismus“ bezeichnet wurde.[2]

Nicht zuletzt das VerstĂ€ndnis der SupraleitfĂ€higkeit und der SuprafluiditĂ€t mit Hilfe der Quantentheorie fĂŒhrte dazu, dass – abweichend von der Kopenhagener Deutung – nun auch die fĂŒr quantenmechanische Messungen benötigten GerĂ€te mit Hilfe der Quantentheorie beschrieben wurden. Es wurde eine Theorie des quantenmechanischen Messprozesses entwickelt, die aber weiterhin nur das Verhalten der Observablen beschrieb.[3]

In der zweiten HĂ€lfte des 20. Jahrhunderts wurde eine rationale Interpretation der Quantenmechanik entwickelt, wobei der von Immanuel Kant entwickelte klassische Objektbegriff so modifiziert wurde, dass unter Verwendung der Quantenlogik im Rahmen einer eigens dazu entwickelten formalen Sprache die Quantenobjekte widerspruchsfrei als Bestandteile einer realen Außenwelt verstanden werden können. Im Rahmen dieser Methodik werden Quantenobjekte auf der Grundlage einer „Quantenontologie“ derart konstituiert, dass die scheinbar widersprĂŒchlichen experimentellen Ergebnisse keiner „Interpretation“ mehr bedĂŒrfen, sondern unmittelbar verstĂ€ndliche Folgen dieser Ontologie sind.[4]

  • Brigitte Falkenburg: Language and Reality. In: Foundation of Physics 40 (2010), S. 1171–1188, hier insbes. S. 1181–1184: The Constitution of Quantum Objects.
  • Peter Mittelstaedt: Sprache und RealitĂ€t in der modernen Physik. Mannheim 1986. ISBN 3-411-00650-1.
  • Peter Mittelstaedt: Der Objektbegriff bei Kant und in der gegenwĂ€rtigen Physik. In: D. H. Heinemann, K. Engelhard: Warum Kant heute? Systematische Bedeutung und Rezeption seiner Philosophie in der Gegenwart. Berlin 2004. ISBN 3-11-017477-4.
  • Peter Mittelstaedt: Rational Reconstructions of Modern Physics. 2. Aufl. Doordrecht 2013. ISBN 978-94-007-5592-5.

Einzelnachweise

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  1. ↑ Mittelstaedt: Rational Reconstructions of Modern Physics. S. 118–119.
  2. ↑ Philosophisches Wörterbuch. 10. Aufl., Berlin 1976, ISBN 3-920303-35-0, S. 358–361.
  3. ↑ Mittelstaedt: Rational Reconstructions of Modern Physics. S. 120.
    Mittelstaedt: The Interpretation of Quantum Mechanics and the Measurement Process.
  4. ↑ Mittelstaedt: Rational Reconstructions of Modern Physics. S. 121–122.
    Mittelstaedt: Sprache und RealitĂ€t in der modernen Physik. Insbes. S. 70–117.
    Falkenburg: Language and Reality. S. 1181–1184.
    Mittelstaedt: Der Objektbegriff bei Kant und in der gegenwÀrtigen Physik. Eine gut verstÀndliche Zusammenfassung.