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Rheinisch-Deutsches Kaltblut

aus Wikipedia, der freien EnzyklopÀdie
Rheinisch-Deutsches Kaltblut
Rheinisch-Deutsche Kaltblutstute

Rheinisch-Deutsche Kaltblutstute

Wichtige Daten
Ursprung: Nordrhein-Westfalen
Hauptzuchtgebiet: Westfalen
Verbreitung: vereinzelt
Stockmaß: 158–170 cm
Farben: Grundfarben und Schimmel
Haupteinsatzgebiet: Zug- und Arbeitspferd

Das Rheinisch-Deutsche Kaltblut, fÀlschlich oft als Rheinisch-WestfÀlisches Kaltblut bezeichnet, ist ein krÀftiges, breit gebautes Zug- und Arbeitspferd aus Nordrhein-Westfalen. Es ist heute vom Aussterben bedroht und steht auf der Roten Liste der gefÀhrdeten einheimischen Nutztierrassen in Deutschland. Hintergrundinformationen zur Pferdebewertung und -zucht finden sich unter: Exterieur, Interieur und Pferdezucht.

Im Allgemeinen sind Rheinisch-Deutsche KaltblĂŒter mittelgroße, praktische KaltblĂŒter, die gewisse Ähnlichkeiten zum Brabanter aufweisen. Ihr Körperbau ist mĂ€chtig, dabei tief und breit. Aufgrund ihrer großen Körperkraft und hohen ZugstĂ€rke gelten Rheinisch-Deutsche KaltblĂŒter als Schwerathleten unter den deutschen Zugpferderassen.[1][2]

Das Rheinisch-Deutsche Kaltblut weist einen relativ schweren, dabei großen Kopf mit geradem Profil und ansprechendem, trockenem Gesichtsausdruck auf, der mit kleinen, gutmĂŒtigen und ausdrucksvollen Augen sowie eher kleinen, breit angesetzten Ohren versehen ist. Der sehr stark bemuskelte Hals von kurzer LĂ€nge, aber hoher Breite, ist wohlangesetzt, -geformt und -getragen und entspringt einer muskelbepackten, langen Schulter, die schrĂ€g gelagert ist. Die Brust zeigt eine hohe Breite und Tiefe, der Rumpf ist tonnig gerundet. Der knappe Widerrist erscheint gĂ€nzlich in die starke Bemuskelung eingebettet und geht in einen breiten, teils etwas matten RĂŒcken, eine normalerweise geringe, selten auch zu hohe LĂ€nge aufweisend, mit stark ausgeprĂ€gter Muskulatur ĂŒber. Die gewölbte, kurze Nierenpartie schließt sich gut an eine kompakte Hinterhand an. Diese weist eine rund, abfallend und breit geformte, stets leichte Spaltkruppe auf, welche gĂŒnstige Winkelungen und eine enorme Bemuskelung zeigt. Das stĂ€mmige und starke, dabei korrekt gestellte Fundament von trockener Textur, einen krĂ€ftigen Behang besitzend, ist mit breiten, derben Gelenken, krĂ€ftigen Sehnen sowie kurzen und starken Röhrbeinen versehen. Die Hufe sind hart, von guter Gesundheit, mittlerer GrĂ¶ĂŸe und runder Form. Die reichlich ausgebildete MĂ€hne fĂ€llt in der Regel beidseitig (DoppelmĂ€hne), wĂ€hrend der tief angesetzte Schweif dicht behaart ist und buschig wirkt. FrĂŒher stets kupiert, wird er heute lang gelassen.[1][2][3]

Im Rassestandard wird eine Widerristhöhe von mindestens 158 cm gefordert.[4] Die Durchschnittswerte fĂŒr das Stockmaß belaufen sich sowohl bei Stuten als auch bei Hengsten auf rund 165 cm.[5] Ferner legt der Rassestandard einen Mindeströhrbeinumfang von 24 cm fĂŒr Stuten und 25 cm fĂŒr Hengste fest,[4] wobei die Werte beider Geschlechter in der Regel von 25 bis 29 cm reichen. Die Körpermasse eines Rheinisch-Deutschen Kaltbluts betrĂ€gt meist zwischen 720 und 850 Kilogramm.[6]

BezĂŒglich der Farbgebung finden sich in der Population Braun-, Fuchs- und Rappschimmel sowie Braune, FĂŒchse und Rappen,[1][2] wobei helle Braune in letzter Zeit den höchsten Anteil des Bestands stellen.[6] Erkennbar ist ein Trend zu klaren Farben und eine Abkehr von der Schimmelzucht.[3] FrĂŒher herrschten in westdeutschen Zuchten besonders FĂŒchse mit hellem Langhaar vor, wĂ€hrend im ostdeutschen Raum indessen insbesondere die verschiedenen Schimmelvariationen (Braun-, Fuchs- und Rappschimmel) ĂŒberwogen. Dunkelbraune und rappfarbene Pferde sowie die einst sehr gesuchten Rappschimmel sind heutzutage nur noch sporadisch zu finden.[6] Schecken treten nicht auf.[7]

Bewegungsstudie (Trab)

GrundsĂ€tzlich zeichnet sich das Rheinisch-Deutsche Kaltblut durch freie, fleißige, fließende und raumgreifende Grundgangarten aus. Der Bewegungslauf ist harmonisch und ökonomisch. Im Schritt zeigen Rassevertreter einen guten Schub aus der Hinterhand sowie eine hohe SchrittlĂ€nge. Besonders der Trab, auf den die ZĂŒchter viel Wert legen, zeichnet sich durch seinen hohen Schwung und Schub aus der aktiven Hinterhand sowie einen hohen Raumgriff aus. Die Galoppbewegungen sind ebenfalls bodendeckend.[1][2][3][6][8]

Das Rheinisch-Deutsche Kaltblut weist einen generell guten, dabei gutmĂŒtigen, ausgeglichenen und freundlichen Charakter sowie ein frommes, ruhiges und friedliches Temperament und eine hohe FeinfĂŒhligkeit aus. Ferner zeigen Rassevertreter eine hohe Leistungsbereitschaft und einen großen Arbeitswillen sowie eine hohe NervenstĂ€rke. Im Umgang zeigen sich die KaltblĂŒter energisch und beweglich. Des Weiteren sind sie leichtfuttrig und zeigen eine hohe Futterverwertung.[1][2][3][6][7][8]

Das Rheinisch-Deutsche Kaltblut wird insbesondere als Arbeitspferd im land- und forstwirtschaftlichen Bereich verwendet, daneben auch als Fahr- und Freizeitpferd sowie zu ReprÀsentations- und Werbezwecken und im Showgewerbe.[7][8]

Zuchtgeschichte

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Rheinisch Deutsche KaltblĂŒter im LandgestĂŒt Wickrath bei der Heuernte um 1900
Rheinisch-Deutscher Kaltbluthengst, geboren 1904

Bei dem Rheinisch-Deutschen Kaltblut handelt es sich um eine verhĂ€ltnismĂ€ĂŸig junge Pferderasse,[1] die ab 1850 entstand, als man im Rheinland mit Brabantern und belgischen Ardennern die Zucht eines Wirtschaftspferdes fĂŒr klein- und mittelstĂ€ndische Betriebe begann.[7] Von etwa 1920 an kann man von einer eigenstĂ€ndigen Pferderasse sprechen.[9]

Pferdezucht im Rheinland vor 1850

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Im Mittelalter wurden im Gebiet des heutigen Rheinlands drei lokale PferdeschlĂ€ge gezĂŒchtet, die als GelderlĂ€nder, Bergisches und Eifeler Pferd bezeichnet wurden.[2] In diese wurden die britischen Kaltblutpferderassen Shire Horse und Clydesdale eingekreuzt, gleichzeitig wurden der Population aber auch Arabische VollblĂŒter sowie Berber zugefĂŒhrt, sodass man zu Beginn des 19. Jahrhunderts von einer weitgehend ungeordneten und planlosen Pferdezucht im Rheinland sprechen muss. Dies Ă€nderte sich ab 1833 mit der GrĂŒndung des Landwirtschaftlichen Vereins Rheinpreußen, der dazu beitrug, die Landwirtschaft und Tierzucht zu verbessern.[3]

Bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts hinein wurde im Rheinland noch ein leichtes bis mittelschweres Pferd gezĂŒchtet. Auch als im Jahr 1839 das LandgestĂŒt Wickrath gegrĂŒndet wurde, erhielt es noch fĂŒnfzig Warmbluthengste.[1]

Beginn der Kaltblutzucht

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Als ab 1850 die Modernisierung der bis zu diesem Zeitpunkt ziemlich zurĂŒckgebliebenen deutschen Landwirtschaft begann, verursachte die hiermit einhergehende verbesserte, intensivere Bodenbearbeitung – und nebstdem auch der zunehmende GĂŒtertransport, verursacht durch die voranschreitende Industrialisierung –, dass Pferde mit stĂ€rkerer und effektiverer Zugkraft nötig wurden, sprich KaltblĂŒter und schwere Arbeitspferde, die in Deutschland allerdings gar nicht gezĂŒchtet wurden. Darum folgte im gesamten deutschen Sprachraum die Aufstellung verschiedener auslĂ€ndischer kaltblĂŒtiger Gebrauchs- und Zugpferderassen, besonders aus Belgien (Brabanter und Ardenner), den Niederlanden (NiederlĂ€ndisches Kaltblut), Frankreich (unterschiedliche Rassen), Großbritannien (Shire Horses, Clydesdales und Suffolk Punches) sowie DĂ€nemark (JĂŒtlĂ€nder).[3][6][9]

Im Rheinland setzten die bĂ€uerlichen Privatzuchten bereits seit Anfang des 19. Jahrhunderts stark auf den Einfluss des belgischen Ardenners. Die preußische GestĂŒtsverwaltung, die anfangs großen Widerstand gegen den seit der Mitte des 19. Jahrhunderts zunehmenden Import von Brabantern und der damit verbundenen VerdrĂ€ngungszucht mit der Kaltblutrasse geleistet und stattdessen wenig erfolgreiche Versuche mit diversen schweren WarmblĂŒtern sowie Kaltblutrassen aus England durchgefĂŒhrt hatte, kam schließlich 1876 den Forderungen der Bauern und der Wirtschaft nach und erklĂ€rte zum einen das Rheinland zur Kaltblutprovinz, was die völlige Einstellung der Warmblutzucht bedeutete, und zum anderen schwenkte sie um auf die Zucht des Brabanters, fĂŒr den die Ă€hnlichen Aufzuchtbedingungen und Futtergrundlagen in Belgien und im Rheinland sprachen. Noch im Jahr 1876 wurden erste Hengste dieser Rasse im LandgestĂŒt Wickrath aufgestellt, vier Jahre spĂ€ter deckten dort bereits 50 BeschĂ€ler ĂŒber 2500 Stuten. Ebenfalls auf DrĂ€ngen der ZĂŒchter wurden von 1893 nur noch Zuchthengste belgischer und rheinisch-belgischer Herkunft in Wickrath aufgestellt.[1][2][3][6][9]

Verglichen mit dem Rheinland, waren die anderen LĂ€nder im deutschen Sprachraum deutlich langsamer bezĂŒglich der Aufstellung belgischer BeschĂ€ler. In Westfalen beispielsweise wurden erst 1881, als in Wickrath schon 50 belgische Hengste im Deckeinsatz waren, die ersten beiden Brabanter in Warendorf in den Deckeinsatz gestellt. Die GestĂŒtsleitung gab hierbei offensichtlich dem Druck der ZĂŒchter nach, ohne dabei große Hoffnungen in die belgischen KaltblĂŒter zu setzen. Der Prozess beschleunigte sich aber mit den ersten Erfolgen und so waren um die Jahrhundertwende in Warendorf schon 50 Kaltbluthengste belgischer Herkunft im Zuchteinsatz.[6]

Die wachsende Zahl belgischer und belgisch geprĂ€gter Zuchtpferde – auch die ZĂŒchter selbst importierten in großem Umfang belgisches Stutenmaterial – fĂŒhrte 1880 zu einer Neufassung der Körordnung und ferner wuchs aus diesem Grund die Notwendigkeit der GrĂŒndung eines Zuchtverbands nach belgischem Vorbild. Die dortige GrĂŒndung eines Stutbuchs im Jahr 1885 hatte auch fĂŒr die rheinlĂ€ndische Zucht entscheidende Impulse gebracht und so kam es schließlich 1892 zur GrĂŒndung des Rheinischen Pferdestammbuchs mit 148 Zuchtstuten, das sich zu einer wirksamen Zucht- und Vermarktungsorganisation entwickelte und als Zuchtziel festsetzte: „Ein krĂ€ftiges, gut gebautes, tiefes Pferd kaltblĂŒtigen Schlages mit starken Knochen und freien Bewegungen“.[1][2][2][3][6][9]

Insgesamt nahm die rheinische Zucht durch ihre frĂŒhen Erfolge auf großen Landwirtschaftsausstellungen um die Jahrhundertwende großen Einfluss auf die Kaltblutzuchten des gesamten deutschen Sprachraums, mit Ausnahme der Gebiete sĂŒdlich des Rheins (Baden-WĂŒrttemberg und Bayern, wo sich jeweils die eigenen Kaltblutrassen SchwarzwĂ€lder Fuchs und SĂŒddeutsches Kaltblut entwickelten).[6]

BlĂŒtezeit wĂ€hrend der ersten HĂ€lfte des 20. Jahrhunderts

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Entwicklungen hin zur EigenstÀndigkeit der Rheinisch-Deutschen Kaltblutzucht

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Bis zum Ersten Weltkrieg war die Zucht noch stark von importierten belgischen Hengsten abhĂ€ngig – so waren 1912 noch 60 Prozent der 200 BeschĂ€ler in Wickrath in Belgien gezogen –, was sich erst gegen Ende des Ersten Weltkriegs auf Grund der eingeschrĂ€nkten Importmöglichkeiten Ă€ndern sollte. So kam es dazu, dass sich die ZĂŒchter stĂ€rker dem im eigenen Land gezogenen Zuchtmaterial hinwandten. 1917 wurde deswegen das Rheinische Pferdestammbuch neugefasst und es fand eine Umorientierung von der Rheinisch-Belgischen Kaltblutzucht auf die Rheinisch-Deutsche Kaltblutzucht statt.[1][2]

Entwicklung der Bestandszahlen

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Das Ende des Ersten Weltkriegs lĂ€utete einen Boom dieser Kaltblutzucht im Originalzuchtgebiet, aber auch in den Nachzuchtgebieten, ein, der in den 1930er-Jahren zu einem ĂŒber 50%igen Anteil dieser Rasse am gesamten deutschen Pferdebestand fĂŒhrte.[1] Insgesamt wird erste HĂ€lfte des 20. Jahrhunderts, manchmal auch nur die 1930er-Jahre, als BlĂŒtezeit der Rasse bezeichnet.[7]

Die Bestandszahlen der Zucht fanden ihren Höhepunkt im Jahr 1946, als diese sich auf fast 27.000 Stuten beliefen. Den grĂ¶ĂŸten Bestand Rheinisch-Deutscher KaltblĂŒter nach Zuchtprovinz wies um diese Zeit herum das damalige Ostpreußen auf, eigentlich oft mit seiner Warmblutzucht edler Trakehner in Verbindung gebracht und in der Kaltblutzucht nach unterschiedlichsten Kreuzungsversuchen auf Belgische KaltblĂŒter beziehungsweise im Rheinland und der Provinz Sachsen gezogene Zugpferde umgeschwenkt, mit 83.000 Stuten, die im Jahr 1944 allein von den 1600 sich in Privat- oder Genossenschaftsbesitz befindenden Hengsten gedeckt wurden – diejenigen Stuten, die von staatlichen Hengsten gedeckt wurden, sind hierbei nicht einmal eingerechnet.[6]

Entwicklung des Typs

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Die damalige Zucht war von großrahmigen Pferden geprĂ€gt, die teils ĂŒber 170 cm Stockmaß besaßen und deren Körpergewicht eine Tonne nicht selten ĂŒberschritt. In allen Zuchtgebieten besaßen raumgreifende Bewegungen einen hohen Stellenwert, aber auch bezĂŒglich Typ und GrĂ¶ĂŸe gab es zwischen den einzelnen Regionen nur Unterschiede von geringem Ausmaß. Dennoch erwĂ€hnenswert ist, dass insbesondere in Sachsen-Anhalt sowie im Rheinland KaltblĂŒter von hoher GrĂ¶ĂŸe und Gewicht gezĂŒchtet wurden, wĂ€hrend im benachbarten Westfalen sowie in den sĂŒdlich gelegenen Gegenden des Zuchtgebiets – Hessen, Sachsen und ThĂŒringen –, welchen ihr Mittelgebirgscharakter und ihre hohe Bewaldung gemein ist, ein wenig kleinere Tiere bevorzugt wurden, wenngleich auch in diesen Regionen sehr krĂ€ftige und große Hengste als BeschĂ€ler aufgestellt wurden.[3] So wurde beispielsweise in Westfalen die Hengste Espoir der Melsele und Christal de Baele als Zuchthengste eingesetzt, zwei BeschĂ€ler mit einem Gewicht von ĂŒber einer Tonne, die dennoch sehr erfolgreiche Nachzucht brachten.[6]

WĂ€hrend dieser Periode lĂ€sst sich aber auch erkennen, dass, bestĂ€rkt durch das erfolgreiche Abschneiden sehr schwer gebauter Pferde, die im Rheinland und Sachsen-Anhalt gezogen worden waren, auch die anderen Zuchtgebiete in ihren Population die Zucht ebenfalls so schwerer KaltblĂŒter forcierten, weil die Arbeitspferde nach und nach immer mehr in der Konkurrenz mit den ersten Ackerschleppern und -raupen standen. Die Entwicklungen zum Zweiten Weltkrieg hemmten allerdings die Zucht, sodass umfassende Erfolge ausblieben.[6]

ZĂŒchterische Entwicklung

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Kennzeichnend nicht nur fĂŒr die belgische Kaltblutzucht, sondern auch fĂŒr die des Rheinisch-Deutschen Kaltbluts in allen seinen Verbreitungsgebieten, ist eine genetische Verengung auf eine kleine Anzahl von StammvĂ€tern, so war eine begrenzte Inzucht auf hochwertige Vatertiere verbreitet, die dafĂŒr sorgte, dass die Populationen in einem vergleichsweise kurzen Zeitraum konsolidiert werden konnten.[6]

In diesem Zusammenhang besonders erwĂ€hnenswert ist der Hengst Lothar III, der im Rheinland zu Beginn der 1920er-Jahre eine weitverzweigte Hengstlinie aufbaute. Insgesamt 57 sowohl seiner direkten als auch indirekten mĂ€nnlichen Nachkommen waren als BeschĂ€ler in Wickrath aufgestellt. Ebenfalls ein Beispiel fĂŒr die praktizierte Inzucht ist der Hengst Gregor, der aus einer Enkelin von Albion d’Hor und dem sachsen-anhaltischen Albion d’Hor-Sohn Gaulois du Monceau stammt und somit 2x3 auf Albion d’Hor ingezĂŒchtet ist. Im Gegensatz zur gĂ€ngigen Lehrmeinung zeigte sich der Hengst trotz seiner Inzucht als einer der widerstandsfĂ€higsten und konstitutionell besten Hengste aus dem Zuchtgebiet SĂŒdhannover. Ein anderer bedeutender ingezĂŒchteter Hengst Ă€hnlicher Abstammung ist Avenir d’Herse, der in Belgien als wichtigster direkter Nachkomme von Albion d’Hor angesehen wird und genauso wie mehrere andere bedeutende belgische Hengste einer Halbgeschwisterpaarung entstammt. Somit ist Avenir d’Herse 2x2 auf den Vater von Albion d’Hor, Conquerant de Terhaegen, ingezĂŒchtet.[6]

Ferner hatte die Jupiter I-Linie des Brabanters, begrĂŒndet durch den Hengst Orange I,[10] großen Einfluss auf die Rheinisch-Deutsche Kaltblutzucht, insbesondere ĂŒber den Urenkel des Orange I, den BeschĂ€ler Indig'ene du Fosteau, und dessen mĂ€nnliche Nachkommen. So lassen sich beispielsweise die bedeutenden Hengste Gaulois du Monceau, der in Sachsen-Anhalt wirkte, und Avenir de Salmonsart, welcher in Westfalen zĂŒchterisch eingesetzt wurde, auf diese Linie zurĂŒckfĂŒhren.[6]

WĂ€hrend des Zweiten Weltkriegs

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WĂ€hrend des Zweiten Weltkriegs selbst erstarkte die Vorrangstellung des Arbeitspferdes, allerdings erlitt die Rasse sehr große Verluste.[3][9]

Nach dem Zweiten Weltkrieg

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Nach dem Zweiten Weltkrieg lebte die Zucht kurz auf,[3] verlor jedoch rasch durch die zunehmende Mechanisierung, ausgelöst durch politische und wirtschaftliche Vorgaben, und die Hinwendung zur Zucht warmblĂŒtiger Sportpferde sehr schnell an Bedeutung, so dass in den 1950er- und 1960er-Jahren die Zahl von einst 26.000 Mutterstuten in sehr raschem Tempo fast gegen Null zu laufen drohte.[1][9]

Als das Wickrather LandgestĂŒt 1956 aufgelöst wurde, wurden die verbliebenen Zuchttiere ins LandgestĂŒt Warendorf ĂŒberstellt, wo von diesem Zeitpunkt an eine reine Erhaltungszucht einsetzte. Vermutlich aufgrund dieser Überstellung ist das Rheinisch-Deutsche Kaltblut heute fĂ€lschlich auch als Rheinisch-WestfĂ€lisches Kaltblut bekannt. Ebenfalls aufgelöst wurden die LandgestĂŒte Darmstadt in Hessen, Kreuz in Sachsen-Anhalt und Traventhal in Ostholstein. In vielen anderen GestĂŒten (Dillenburg, Moritzburg, Neustadt/Dosse, Redefin) mussten die kaltblĂŒtigen BeschĂ€ler Warmbluthengsten weichen.[1]

Den absoluten Tiefststand erreichte die Zucht des Rheinischen Pferdestammbuchs im Jahr 1975, als 13 Mitglieder lediglich elf eingetragene Stuten und zwei Privathengste hielten, es lediglich drei Bedeckungen gab und fĂŒnf Neueintragungen erfolgten.[3] Besonders hartnĂ€ckigen ZĂŒchtern, insbesondere aus Westfalen und Niedersachsen, ist das Überleben der westdeutschen Zucht zu verdanken.[9]

Mit dem Ende der 1970er-Jahre folgte gewissermaßen eine Renaissance der KaltblĂŒter, deren zunehmender Einsatz in der Forstwirtschaft und im Freizeitbereich die BestĂ€nde allmĂ€hlich anstiegen ließ.[3]

Allerdings waren in nahezu allen westdeutschen Zuchten die BestĂ€nde aufgrund ihres geringen Umfangs nicht regenerationsfĂ€hig. Allein in Westfalen gab es eine genĂŒgend große Population Rheinisch-Deutscher KaltblĂŒter, die sich durch den begrenzten Einsatz von niederlĂ€ndischen und belgischen Zuchttieren erholen konnte, sodass es im Jahr 1985 wieder 81 Stuten und neun Hengste im Zuchteinsatz gab.[3]

Auch Ostdeutschland, wo die Motorisierung spĂ€ter eingesetzt hatte, war ebenfalls von einem drastischen PopulationsrĂŒckgang betroffen, aber die RestbestĂ€nde waren noch ausreichend umfassend – und ĂŒberdies auch sehr qualitĂ€tsvoll, insbesondere in der Altmark sowie Sachsen und ThĂŒringen –, um sich aus sich selbst heraus zu erhalten. In Sachsen-Anhalt beispielsweise war die Zucht 1978 mit 151 Zuchtstuten an ihrem Tiefpunkt angelangt, wuchs danach aber wieder an und so waren in den Folgejahren jeweils zwischen 200 und 400 Stuten registriert.[3][9]

Nach der Deutschen Wiedervereinigung

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WĂ€hrend der Teilung Deutschlands war fĂŒr ĂŒber 50 Jahre kein Austausch zwischen dem Bestand in Ost- und dem in Westdeutschland möglich. WĂ€hrend dieser Zeit entwickelten sich in Ostdeutschland drei regionale Subpopulationen, das AltmĂ€rkische Kaltblut, das Mecklenburger Kaltblut und das SĂ€chsisch-ThĂŒringische Kaltblut, die sich genetisch zwar nicht untereinander, aber aufgrund der erwĂ€hnten Isolation von der westdeutschen Rheinisch-Deutschen Kaltblutpopulation unterscheiden.[11]

Dies erwies sich als gĂŒnstig fĂŒr die ZĂŒchter, die teils die sehr guten Möglichkeiten des RĂŒckgriffs auf bewĂ€hrte Rheinisch-Deutsche Grundlagen auf der jeweils anderen Seite der ehemaligen innerdeutschen Grenze nun nutzen konnten. Dies gab der Zucht neue Impulse und erhöhte die QualitĂ€t.[9]

Gleichzeitig zogen die politischen VerÀnderungen, die die Wiedervereinigung mit sich brachte, eine weitere Bestandsreduktion in Ostdeutschland mit sich.[3]

Im Jahr 2004 wurden alle Subpopulationen zu einem gemeinsam gefĂŒhrten Zuchtbuch zusammengefĂŒhrt, damit der BestandsrĂŒckgang sich nicht weiter verstĂ€rkt.[8] Auf ein gemeinsames Ursprungszuchtbuch haben sich die einzelnen regionalen ZuchtverbĂ€nde nicht einigen können, sodass die FN-Abteilung Zucht als ĂŒbergeordnetes Organ fungiert.[3]

Derzeitige Situation

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Heute findet man Rheinisch-Deutsche KaltblĂŒter nur noch vereinzelt in der Land- und Forstwirtschaft und zu ReprĂ€sentationszwecken in Brauereien.

Die PopulationsgrĂ¶ĂŸe belĂ€uft sich Stand 2022 auf rund 1000 Zuchtstuten und 130 Zuchthengste. Die Rasse wird in den LĂ€ndern Berlin, Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Sachsen, Sachsen-Anhalt und ThĂŒringen staatlich finanziell gefördert.[12]

Commons: Rheinisch-Deutsches Kaltblut – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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  1. 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 Jasper Nissen: Die EnzyklopĂ€die der Pferderassen. Band 1. Franckh-Kosmos-Verlag, ISBN 3-440-07137-5, S. 218–220.
  2. 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 Martin Haller: Der neue Kosmos-PferdefĂŒhrer. Franckh-Kosmos-Verlag, ISBN 3-440-09059-0, S. 174.
  3. 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 16 17 Dr. Reinhard Scharnhölz und GEH: Rheinisch Deutsches Kaltblut. In: GefĂ€hrdete Nutztierrassen – Schwerpunkt Pferde und Esel, GEH 2017. Gesellschaft zur Erhaltung alter und gefĂ€hrdeter Haustierrassen e. V. (GEH), 2017, abgerufen am 19. Mai 2024.
  4. 1 2 Rheinisches Pferdestammbuch e. V.: Zuchtprogramm fĂŒr die Rasse Rheinisch-Deutsches Kaltblut. Abgerufen am 19. Mai 2024.
  5. ↑ Rheinisch Deutsches Kaltblut / Germany (Horse). In: Domestic Animal Diversity Information System. ErnĂ€hrungs- und Landwirtschaftskommission der Vereinten Nationen, abgerufen am 19. Mai 2024 (englisch).
  6. 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 16 Mathias Vogt: Rheinisch-Deutsches Kaltblut – Ein erhaltenswertes Kulturgut. In: Gesellschaft zur Erhaltung alter und gefĂ€hrdeter Haustierrassen e. V. (GEH). Abgerufen am 19. Mai 2024.
  7. 1 2 3 4 5 Gesellschaft zur Erhaltung alter und gefÀhrdeter Haustierrassen e. V. (GEH): Rheinisch-Deutsches Kaltblut. Abgerufen am 19. Mai 2024.
  8. 1 2 3 4 Das Rheinisch-Deutsche Kaltblut. SĂ€chsisches Landesamt fĂŒr Umwelt, Landwirtschaft und Geologie, 2023, abgerufen am 19. Mai 2024.
  9. 1 2 3 4 5 6 7 8 9 Kaltblutzucht Faßbender – Rassegeschichte "Rheinisch Deutsches Kaltblut". Abgerufen am 14. Juni 2024.
  10. ↑ Jasper Nissen: EnzyklopĂ€die der Pferderassen. Band 1. Franckh-Kosmos, ISBN 3-440-07137-5, S. 291–297.
  11. ↑ K. S. Aberle, H. Hamann, C. DrögemĂŒler und O. Distl: Genetic diversity in German draught horse breeds compared with a group of primitive, riding and wild horses by means of microsatellite DNA markers. Institute of Animal Breeding and Genetics, School of Veterinary Medicine Hannover, 2004, abgerufen am 9. Juni 2024 (englisch).
  12. ↑ Genetik Detaildarstellung. Abgerufen am 9. Juni 2024.