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Suzanne Lacore

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Suzanne Lacore, 1936

Suzanne Marie Lacore (* 30. Mai 1875 in Beyssac (CorrĂšze); † 6. November 1975 in Milhac-d’Auberoche (Dordogne)) war eine französische Politikerin.

Familie und Beruf

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Suzanne Lacores Mutter wurde 1882 Witwe und zog mit ihren sechs Kindern nach Ajat in der Dordogne. 1886 heiratete sie Paul Laganne, einen Gutsbesitzer und Kaufmann. Aus dieser Ehe gingen drei Kinder hervor. In dieser Patchwork- und Großfamilie sorgte Paul Laganne, der zunĂ€chst Beigeordneter und spĂ€ter BĂŒrgermeister von Ajat war, fĂŒr eine gute Ausbildung seiner Kinder. Suzanne besuchte ab 1887 ein von Nonnen geleitetes Internat, in dem MĂ€dchen auf das Grundschullehramt vorbereitet wurden. Anschließend legte sie die AufnahmeprĂŒfung fĂŒr die École normale primaire[A 1] ab, wo sie nach dreijĂ€hriger Ausbildung (1891–1894) das höhere Lehrpatent erwarb.[1]

Sie war von 1894 bis zu ihrer Pensionierung im Jahr 1930 Lehrerin in der Dordogne, zunÀchst von 1894 bis 1900 als Referendarin in Thenon, dann von 1900 bis 1903 als Lehrerin in Fossemagne und von 1903 bis 1930 in Ajat.[2] Neben ihrem Beruf betrieb sie ihre politische AktivitÀten.

Sie starb hundertjĂ€hrig am 6. November 1975 in Milhac-d’Auberoche in der Dordogne.[2]

Inschrift am Wohnhaus Lacores in Ajat

Als sie 1906 der Section française de l’Internationale ouvriĂšre (SFIO) beitrat, wurde sie zur sozialistischen Aktivistin. Zu dieser Zeit war sie die einzige Frau in der Dordogne, die Mitglied der Sozialistischen Partei war. Ab 1906 schrieb sie unter dem Pseudonym Suzon engagierte Artikel gegen das kapitalistische Regime und fĂŒr die soziale Revolution fĂŒr lokale, regionale und ĂŒberregionale Zeitungen. Innerhalb der SFIO war sie Teil der guesdistischen Fraktion.[3]

Nach der Spaltung in Tours (Dezember 1920) blieb sie der SFIO treu und bewegte sich zwischen dem dogmatischen Sozialismus von Jules Guesde und dem humanistischeren Sozialismus von Jean JaurĂšs. Sie engagierte sich fĂŒr den Wiederaufbau der Partei, insbesondere in der Frauenfrage, und beteiligte sich 1931 an der GrĂŒndung des ComitĂ© national des femmes socialistes (CNFS), zu dessen fĂŒhrenden Persönlichkeiten sie zĂ€hlte.

Am 4. Juni 1936 wurde sie neben CĂ©cile Brunschvicg und IrĂšne Joliot-Curie als erstes weibliches Mitglied in einer französischen Regierung Sous-secrĂ©taire[A 2] der Volksfrontregierung.[4] Zu dieser Zeit durften Frauen weder wĂ€hlen noch gewĂ€hlt werden.[5] Sie amtierte als UnterstaatssekretĂ€rin fĂŒr KinderfĂŒrsorge unter Gesundheitsminister Henri Sellier und wĂ€hlte die Reformerin Alice Jouenne zu ihrer Kabinettschefin.[6] Suzanne Lacore ĂŒbte dieses Amt bis zum 21. Juni 1937 aus. WĂ€hrend ihrer Amtszeit als Sous-secrĂ©taire entwickelte Suzanne Lacore neben einer Reform der öffentlichen FĂŒrsorge ein umfassendes Maßnahmenpaket fĂŒr behinderte und benachteiligte Kinder sowie fĂŒr die Freizeitgestaltung. Sie fĂŒhrte Sozialbesucherinnen und Ausbildungskurse fĂŒr junge Arbeiterinnen ein. Außerdem setzte sie Maßnahmen zur UnterstĂŒtzung verlassener Kinder durch.[5]

Suzanne Lacore veröffentlichte weiterhin BroschĂŒren, schrieb Zeitungsartikel und hielt Reden. Darin hob sie besonders die Vorteile der Vorschule (École maternelle) hervor und betonte, wie wichtig es sei, dass ein Kind von Anfang an Bildung erhalte. Am Ende ihres Lebens war das Kind ihr wichtigstes Anliegen. Ihm widmete sie ihr letztes Buch „Enfance d'abord !“, das sie im Alter von 85 Jahren veröffentlichte.

Suzanne Lacore widmete ihr ganzes Leben der Verteidigung u. a. der Rechte von Frauen und Kindern. Ihre sozialistischen Ideen legte sie in Reden, Zeitungsartikeln und mehreren BĂŒchern dar.

In Bezug auf die Gleichberechtigung von Frauen und MĂ€nnern war Suzanne Lacore keine Feministin im herkömmlichen Sinne. Vielmehr engagierte sie sich fĂŒr die sozialistische Frauenbewegung und Frauenbildung und war der Ansicht, dass die Emanzipation der Frau durch die Emanzipation des gesamten Proletariats erreicht werden mĂŒsse. So schrieb sie: „FĂŒr uns bleibt die Befreiung der Frau abhĂ€ngig von der revolutionĂ€ren Lösung, die das Arbeiterproletariat emanzipiert.“[7] und: „Die Minderwertigkeit der Frau ist ein von MĂ€nnern erfundener Begriff; sie ist nicht das Echo eines Naturgesetzes.“[8]

Im Bereich der JugendfĂŒrsorge ebnete sie mit ihren BemĂŒhungen um eine bessere Betreuung straffĂ€llig gewordener Jugendlicher den Weg fĂŒr die 1945 erfolgte Abschaffung der Erziehungsheime, in denen Kinder und Jugendliche misshandelt wurden. Sie pflegte zu sagen: „Das Kind ist nicht schuldig. Schuldig ist die Gesellschaft, die dem – oft misshandelten – Kind nicht die Hilfe zukommen lĂ€sst, die es braucht.“

Esplanade Suzanne Lacore (Auxerre)

In einer Vielzahl französischer Orte sind Straßen oder PlĂ€tze nach Lacore benannt. Insbesondere wurden aber viele Bildungseinrichtungen wie Écoles primaires, Écoles maternelles, KindertagesstĂ€tten oder Hochschulen nach ihr bezeichnet (beispielsweise die École primaire in Saint-Denis, die École maternelle in Lille oder die Hochschule im 19. Arrondissement von Paris).

Neben vielen Zeitungsartikeln veröffentlichte Lacore eine Reihe von Schriften:

  • Socialisme et fĂ©minisme, Paris, Ă©ditions de l’ÉquitĂ©, 1914.
  • Le RĂŽle de l’institutrice, Cahors, Ă©ditions de la FĂ©dĂ©ration fĂ©ministe du Sud-Ouest, 1919.
  • Femmes socialistes, Paris, Ă©ditions de la SFIO, 1932.
  • La Femme dans l’agriculture, Cahiers des « Amis de Jacquou le Croquant », Paris, 1938.
  • L’Émancipation de la Femme, Paris et Limoges, Ă©ditions de la Perfrac, Les Cahiers de la DĂ©mocratie, 1945.
  • Espoir et lutte, PĂ©rigueux, Éditions Fanlac, Cahiers d’éducation socialiste fĂ©minine, 1951.
  • Enfance d’abord ! (prĂ©face de Guy Mollet), PĂ©rigueux, Ă©ditions Fanlac, 1960.
  • Bernard Dougnac und Anne-Marie Cocula: Suzanne Lacore, biographie 1875–1975 – Le socialisme-femme. Ă©ditions Fanlac Institut aquitain d’études sociales, PĂ©rigueux 1996.
  • JoĂ«lle Dusseau: Suzanne Lacore, militante. Institut aquitain d'Ă©tudes sociales, vol. 57, 1991, S. 12–15.
  • Pascale Laguionie-Lagauterie: Suzanne Lacore (1875–1975) : À travers une sĂ©lection d'articles du « Travailleur » (1907–1913). Les Ă©ditions du Roc de Bourzac, Bayac 1996.
Commons: Suzanne Lacore – Sammlung von Bildern
  1. ↑ Eine École normale primaire (Grundschullehranstalt) ist eine Einrichtung, die fĂŒr die Ausbildung von Lehrern und Lehrerinnen zustĂ€ndig ist. Siehe hierzu weiterfĂŒhrend in der französischsprachigen WikipĂ©dia fr:École normale primaire.
  2. ↑ Das Amt des UnterstaatssekretĂ€rs wurde in Frankreich wĂ€hrend der Hundert Tage mit den ersten beiden UnterstaatssekretĂ€ren geschaffen, die in der Regierung der Hundert Tage zu StaatssekretĂ€ren fĂŒr auswĂ€rtige Angelegenheiten ernannt wurden. Diese Institution wurde durch die Verordnung vom 9. Mai 1816 verallgemeinert, die vorsah, dass einem Minister bei Bedarf ein (oder mehrere) UnterstaatssekretĂ€r(e) beigegeben werden konnte, wobei jeder Minister den Titel eines Ministers als StaatssekretĂ€r trug (z. B. Minister als StaatssekretĂ€r fĂŒr Inneres). Die Aufgabe des UnterstaatssekretĂ€rs erstreckt sich dann auf die gesamte Verwaltung des Ministeriums, wobei er vom Minister beauftragt wird. Siehe hierzu auch weiterfĂŒhrend fr:Sous-secrĂ©taire d'État in der französischsprachigen WikipĂ©dia.

Einzelnachweise

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  1. ↑ Michel Dreyfus, Justinien Raymond: Lacore Suzanne (Lacore Marie, Suzanne, dite Suzon). In: Maitron. Abgerufen am 5. August 2023 (französisch).
  2. 1 2 Guy Penaud: Dictionnaire biographique du PĂ©rigord. Éditions Fanlac, PĂ©rigueux 1999, ISBN 2-86577-214-4, S. 523–524.
  3. ↑ Les droits des femmes. À PĂ©rigueux, PĂ©rigueux 2015, S. 11.
  4. ↑ Christine Bard: « Les premiĂšres femmes au Gouvernement (France, 1936-1981) », Histoire@Politique – Politique, culture, sociĂ©tĂ©. (revue Ă©lectronique du Centre d’histoire de Sciences Po), no 1, 2007 (französisch, histoire-politique.fr (Memento vom 8. August 2007 im Internet Archive)).
  5. 1 2 La conquĂȘte de la citoyennetĂ© politique des femmes. In: AssemblĂ©e nationale. Abgerufen am 5. August 2023 (französisch).
  6. ↑ Simone Pierre: Figures et portraits de femmes : mme Alice Jouenne, chef de cabinet. (PDF) In: e-periodica.ch. Abgerufen am 5. August 2023 (französisch).
  7. ↑ Suzanne Lacor: Socialisme et fĂ©minisme. Ă©ditions de l'ÉquitĂ©, Paris 1914.
  8. ↑ Suzanne Lacor: L’Émancipation de la Femme. Ă©ditions de la Perfrac, (Les Cahiers de la DĂ©mocratie), Paris, Limoges 1945.
VorgÀngerAmtNachfolger

Louis Nicolle
Sous-secrétaire im Bildungsministerium
04.06. 1936 – 21.06. 1937

Marc Rucart