Velvets Theater

Das Velvets Theater oder auch âDie Velvetsâ ist ein Ensemble fĂŒr Schwarzes Theater, das seit 1967 besteht und seit 1996 in Wiesbaden ein Repertoiretheater mit 130 PlĂ€tzen betreibt.[1]
Geschichte
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]1958 grĂŒndeten Absolventen des Fachbereichs Figurentheater der Akademie der Musischen KĂŒnste (DAMU) in Prag das erste Schwarze Theater. Bedrich HĂĄnyĆĄ hatte gerade sein erstes Semester an der Akademie absolviert, Dana BufkovĂĄ sich fĂŒrs Studium eingeschrieben. So lernten sich die beiden KĂŒnstler kennen. Sie waren von der neuen Theaterform mit den Effekten fasziniert und traten noch wĂ€hrend ihrer Ausbildung dem Ensemble des Schwarzen Theaters bei. Die junge Gruppe hatte mit ihrer Kunst Erfolg. Internationale Gastspiele und Tourneen fĂŒhrten sie nach London, Paris und Las Vegas, auf Theater- und RevuebĂŒhnen und ins Fernsehen. Nach einer Spielzeit an der Avantgarde-BĂŒhne Laterna magika grĂŒndeten Dana BufkovĂĄ und Bedrich HĂĄnyĆĄ 1967 ihre eigene Theatergruppe und nannten diese âVelvetsâ (die âSamtenenâ), weil die Spieler in schwarzen Samt gekleidet vor schwarzem Samt agieren.
Als im August 1968 der âPrager FrĂŒhlingâ von den Panzern des Warschauer Paktes niedergeschlagen wurde, verlieĂen die Velvets ihre Heimat. Es folgten Aufenthalte in Italien, Frankreich, England, der Schweiz und auf den Bahamas.

SchlieĂlich fand die Truppe 1970 in Wiesbaden ein neues Zuhause. Dort ergab sich die Möglichkeit, neben den BĂŒhnenproduktionen auch fĂŒr das Fernsehen zu arbeiten. So entstanden Trickfilme fĂŒr ARD und ZDF. Von 1975 bis 1984 konnten die Velvets als eigenstĂ€ndige Sparte am Stadttheater Mainz agieren und entwickelten ein breites Repertoire. Seit 1984 hatten die Velvets den Status einer freien Theatergruppe.
1996 eröffneten die Velvets in der SchwarzenbergstraĂe in Wiesbaden die erste feste BĂŒhne mit Schwarzem Theater in Deutschland. Weiterhin gaben die Velvets Gastspiele, unternahmen Tourneen in Taiwan und nahmen an internationalen Festivals teil. Es folgten Auftritte in Israel, Polen und Bulgarien.
Nach Umbau und Renovierung der SpielstĂ€tte hielt das Ehepaar 2011 mit dem StĂŒck âGrenzen-Losâ nicht nur autobiografisch RĂŒckschau, sondern ĂŒbergab in diesem Jahr auch die Theaterleitung an seine Tochter Barbara Naughton. Die Musicaldarstellerin gab dem Theater neue Impulse mit zusĂ€tzlichen Schauspiel-, Gesangs- und Tanzelementen. Das Repertoireprogramm aus eigenen Inszenierungen wird durch Gastspiele, Lesungen und Konzerte mit unter anderem Renate Kohn, Christine Urspruch, Ulrich Cyran und Stephan Bieker ergĂ€nzt.
Inszenierungen
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]als freie Gruppe:
- 1971: Kontraste
als eigene Sparte am Staatstheater Mainz:
- 1975: Momentaufnahmen, Menschliche Komödie
- 1978: Der Kleine Prinz
- 1979: Nur keine Angst Bubu
- 1980: Alice im Wunderland
- 1982: Sommerliches Intermezzo, Die Verwandlung
- 1983: Der Zauberer von Oz
- 1984: Der Zauberlehrling
als freie Gruppe:
- 1988: Die Zauberflöte
- 1992: Hoffmanns ErzÀhlungen
- 1995: Die kleine Meerjungfrau Rusalka
als Privattheater in Wiesbaden:
- 2000: Der Sturm
- 2003: Spiel in Schwarz
- 2011: Grenzen-Los
- 2012: Schneewittchen
- 2013: Momo
- 2014: Die Zauberlampe
- 2017: Der blaue Vogel, nach Maurice Maeterlinck[2]
Festivals (Auswahl)
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- 1973: Internationales Festival der Union Internationale de la Marionette in Charleville-MéziÚres, Frankreich
- 1975: Theaterfestival Spectrum 75 in Klagenfurt-Villach, Ăsterreich
- 1978: Festival Spring in Jerusalem, Israel
- 1980: Festival Atti Unici in Arezzo, Italien
- 1989: Internationale Maifestspiele in Wiesbaden, Internationale Festspiele in Bergen, Norwegen
- 1991: Internationales Theaterfestival in ToruĆ, Polen
- 1993: Internationales Figurentheaterfestival in Porto, Portugal
- 2003: Internationales Festival der Union Internationale de la Marionette in Charleville-MéziÚres, Frankreich
TV-Auftritte
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Dana BufkovĂĄ und BedĆich HĂĄnyĆĄ hatten in tschechoslowakischen Trick-, Puppen- und MĂ€rchenspielfilmen sowie in Bing Crosbys Fernsehshow âThe Hollywood Palaceâ und der Peter-Alexander-Show mitgewirkt, als sie 1970 in Wiesbaden ankamen. Es folgten Showbiz-Einlagen bei Ilja Richter, Katja Ebstein ("Katja & Co."; 1976[3]) und Harald Juhnke. ZDF, SWR und andere dritte Programme der ARD zeichneten in den siebziger und achtziger Jahren auch ganze Produktionen der âVelvetsâ auf, so zum Beispiel âSpĂ€Ăe aus dem Dunkelnâ, âDer kleine Prinzâ, âNur keine Angst Bubuâ und âDer Zauberlehrlingâ. FĂŒr die ZDF-Produktion âDer Prozess des Reineke Fuchsâ (1990) wurden die pantomimischen Hauptrollen mit den Velvets besetzt.[4] Viermal lief die komplette Velvets-Inszenierung der âZauberflöteâ im ZDF, danach noch neunmal im ZDFtheaterkanal. Zahlreiche Trickfilm-Animationen fĂŒr Kindersendungen wie âSesamstraĂeâ (NDR), âRappelkisteâ (ZDF), âLemmi und die Schmökerâ (WDR) und âDie Sendung mit der Mausâ (WDR) ĂŒbernahmen die âVelvetsâ ebenfalls. Es gab mehrere TV-Reportagen ĂŒber die Velvets; auch als TalkgĂ€ste waren sie eingeladen.
Preise und Auszeichnungen
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- 1980/2017:[1] Mainzer Pfennig fĂŒr Verdienste im kulturellen Leben der Stadt Mainz
- 1980: 1. Preis beim Festival Atti Unici in Arezzo, Italien
- 1991: 1. Preis beim Internationalen Theaterfestival in ToruĆ, Polen
- 2009: Kulturpreis der Landeshauptstadt Wiesbaden[5]
- 2017: Bronzene Stadtplakette der Stadt Wiesbaden zum 50-jÀhrigen Bestehen[1]
Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Website des Theaters
- Velvets Theater bei IMDb
- Die Velvets auf der Website der Stadt Wiesbaden
- Das Ende einer langen Odyssee ( vom 4. MĂ€rz 2016 im Internet Archive) In: Wiesbadener Kurier. 6. MĂ€rz 2015.
Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- 1 2 3 Velvets-Theater feiert 50-jÀhriges Bestehen. In: Allgemeine Zeitung. 26. September 2017, abgerufen am 13. MÀrz 2021.
- â Suche nach dem GlĂŒck. In: Frankfurter Rundschau. 28. Mai 2017, abgerufen am 13. MĂ€rz 2021.
- â Auftritt bei "Katja & Co." auf youtube(ab 3:52)
- â Der Prozess des Reineke Fuchs bei crew united, abgerufen am 12. MĂ€rz 2021.
- â Kulturpreis der Landeshauptstadt Wiesbaden