Verwaltungsgerichtsordnung
| Basisdaten | |
|---|---|
| Titel: | Verwaltungsgerichtsordnung |
| AbkĂŒrzung: | VwGO |
| Art: | Bundesgesetz |
| Geltungsbereich: | Bundesrepublik Deutschland |
| Rechtsmaterie: | Rechtspflege, Verwaltungsprozessrecht |
| Fundstellennachweis: | 340-1 |
| UrsprĂŒngliche Fassung vom: | 21. Januar 1960 (BGBl. I S. 17) |
| Inkrafttreten am: | 1. April 1960 |
| Neubekanntmachung vom: | 19. MĂ€rz 1991 (BGBl. I S. 686) |
| Letzte Ănderung durch: | Art. 9 G vom 20. Mai 2026 (BGBl. 2026 I Nr. 152 vom 26. Mai 2026) |
| Inkrafttreten der letzten Ănderung: |
1. Oktober 2026 (Art. 18 Abs. 1 G vom 20. Mai 2026) |
| GESTA: | E007 |
| Bitte den Hinweis zur geltenden Gesetzesfassung beachten. | |
Die Verwaltungsgerichtsordnung, kurz VwGO, ist ein deutsches Bundesgesetz, welches das Gerichtsverfahren in der deutschen Verwaltungsgerichtsbarkeit (Verwaltungsprozessrecht) bundeseinheitlich regelt.[1]
Die VwGO gliedert sich in die Teile:
- Gerichtsverfassung (I.),
- Verfahren (II.),
- Rechtsmittel und Wiederaufnahme des Verfahrens (III.),
- Kosten und Vollstreckung (IV.),
- Schluss- und Ăbergangsbestimmungen (V).
Alle LĂ€nder haben in AusĂŒbung der konkurrierenden GesetzgebungszustĂ€ndigkeit eigene AusfĂŒhrungsgesetze zur VwGO erlassen (siehe #Weblinks).
EinschrĂ€nkungen des verwaltungsgerichtlichen Rechtsschutzes enthĂ€lt das Sechste Gesetz zur Ănderung der Verwaltungsgerichtsordnung vom 1. November 1996, das am 7. November 1996 im Bundesgesetzblatt verkĂŒndet wurde und am 1. Januar 1997 in Kraft trat. Mit diesem Ănderungsgesetz wurde die allgemeine Berufung gegen erstinstanzliche Urteile ausgeschlossen und die Zulassungsberufung eingefĂŒhrt. Zu einem Berufungsverfahren kommt es seitdem nur noch, wenn das Verwaltungsgericht oder das Oberverwaltungsgericht â letzteres auf Antrag eines Beteiligten â die Berufung zugelassen hat. Sobald der im schriftlichen Verfahren ohne mĂŒndliche Verhandlung zu beschlieĂende Antrag abgelehnt ist, wird das Urteil in erster Instanz rechtskrĂ€ftig.
AuĂerdem wurde zur gleichen Zeit der zuvor nicht bestehende Vertretungszwang vor den Oberverwaltungsgerichten eingefĂŒhrt. Zuvor konnte sich jeder Beteiligte ohne anwaltlichen Beistand an das Oberverwaltungsgericht wenden. Nun muss bereits der Antrag auf eine Zulassung der Berufung von einem Rechtsanwalt oder von einer ihm gleichgestellten Person (siehe § 67 Abs. 4 Satz 2 VwGO) gestellt werden.
BegrĂŒndet hat die Bundesregierung den Gesetzentwurf zur Ănderung der Verwaltungsgerichtsordnung mit dem Hinweis auf die Asylproblematik, die durch eine hohe Zahl an Asylverfahren die Verfahrensdauer nachhaltig erhöht habe. Die EinschrĂ€nkung des verwaltungsgerichtlichen Verfahrens sollte eine Verfahrensbeschleunigung zur Absicherung des âRechtsschutzgewĂ€hrleistungsanspruchesâ bewirken.[2]
Mit Wirkung vom 1. Januar 2002 wurde den Verwaltungsgerichten die Möglichkeit gegeben, die Berufung im erstinstanzlichen Urteil selbst zuzulassen (§ 124 Abs. 1 VwGO). Das Oberverwaltungsgericht muss dann ein normales Berufungsverfahren durchfĂŒhren. Hiervon wird in der Praxis jedoch nur selten Gebrauch gemacht.
Geschichte
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Gesetzliche VorlÀufer waren verschiedene LÀndergesetze aus der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg,[3] nachdem der Alliierte Kontrollrat mit Kontrollratsgesetz Nr. 36 vom 31. Oktober 1946 die Verwaltungsgerichte in den einzelnen Besatzungszonen und in Berlin wieder errichtet hatte.[4]
Die Verwaltungsgerichtsordnung geht in ihren wesentlichen Teilen auf den sog. Heidelberger Entwurf Walter Jellineks zurĂŒck, der als Vorsitzender eines auf Anregung der US-amerikanischen MilitĂ€rregierung gegrĂŒndeten Ausschusses den Entwurf eines Verwaltungsgerichtsgesetzes unterbreitete.[5]
Um das Jahr 1980 gab es Ăberlegungen, die VwGO, das Sozialgerichtsgesetz und die Finanzgerichtsordnung in einer gemeinsamen "Verwaltungsprozessordnung" zusammenzufassen. Vertreter dieser drei Zweige der Gerichtsbarkeit nahmen an Beratungen teil. Es hĂ€tte sich etwa angeboten, zunĂ€chst einen Allgemeinen Teil, der fĂŒr alle drei Zweige der Gerichtsbarkeit gelte, voranzuschicken und sodann mit drei weiteren Teilen, die jeweils auf die Besonderheiten des Zweigs der jeweiligen Gerichtsbarkeit zugeschnitten wĂ€ren, fortzufahren. Letzten Endes kamen die Beratungen aber nie ĂŒber das Planungsstadium hinaus.[6]
In der DDR gab es seit 1952 keine Verwaltungsgerichte mehr. Stattdessen sah das Gesetz ĂŒber die Bearbeitung der Eingaben der BĂŒrger eine informelle Konfliktbeilegung vor.
Literatur
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Erich Eyermann (BegrĂŒnder): Verwaltungsgerichtsordnung Kommentar, 17. Auflage, C.H. Beck, MĂŒnchen 2026, ISBN 978-3-406-84156-9.
- Ferdinand O. Kopp, Wolf-RĂŒdiger Schenke: Verwaltungsgerichtsordnung Kommentar, 31. Auflage, MĂŒnchen 2025, ISBN 978-3-406-82724-2.
- Konrad Redeker, Hans-Joachim von Oertzen: Verwaltungsgerichtsordnung Kommentar, 17. Auflage, Stuttgart 2021, ISBN 978-3-17-038090-5. (18. Auflage angekĂŒndigt fĂŒr Juni 2026)
- Friedrich Schoch, Jens-Peter Schneider: Verwaltungsrecht, Verwaltungsgerichtsordnung: VwGO Kommentar, 48. Auflage, MĂŒnchen Juli 2025, ISBN 978-3-406-39184-2.
- Helge Sodan, Jan Ziekow: Verwaltungsgerichtsordnung, GroĂkommentar, 6. Auflage, Baden-Baden 2025, ISBN 978-3-7560-0856-8.
Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Text der Verwaltungsgerichtsordnung (PDF; 175Â kB)
AusfĂŒhrungsbestimmungen der LĂ€nder:[7]
 BW: AGVwGO (2008)
 BY: AGVwGO (1960)
 BE: JustG Bln (2021)
 BB: BbgVwGG (1992)
 HB: AGVwGO (1960)
 HH: AGVwGO (1960)
 HE: HessAGVwGO (1997)
 MV: GerStrukG (1991); GerStrukGAG (1992)
 NI: NJG (2014)
 NW: JustG NRW (2010)
 RP: GerOrgG (1977); AGVwGO (1960)
 SL: AGVwGO (1960)
 SN: SÀchsJG (2000)
 ST: AG VwGO LSA (1992)
 SH: LJG (2018)
 TH: ThĂŒrAGVwGO (1991)
Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- â vgl. Entwurf einer Verwaltungsgerichtsordnung (VwGO), BT-Drs. III/55 vom 5. Dezember 1957, S. 24 f (PDF; 2,6 MB).
- â BT-Drs. 13/3993, S. 1, abgerufen am 17. Dezember 2012 (PDF, 1,41 MB).
- â Vgl. die AufzĂ€hlung in § 195 Abs. 1 Nr. 3â6 VwGO in der Fassung vom 1. April 1960, BGBl. I S. 17
- â Kontrollratsgesetz Nr. 36 vom 10. Oktober 1946. In: Amtsblatt des Kontrollrats in Deutschland, Nummer 11 vom 31. Oktober 1946, S. 183, urn:nbn:de:101:1-201301315086.
- â Vgl. Walter Jellinek, Richard Naumann, Die Verwaltungsgerichtsbarkeit: In welcher Weise empfiehlt es sich, die Gesetzgebung ĂŒber die Verwaltungsgerichtsbarkeit zu vereinheitlichen? Verhandlungen des Deutschen Juristentags, TĂŒbingen: Mohr (Siebeck) 1951.
- â Joachim Martens, Der Entwurf einer VerwaltungsprozeĂordnung, Zeitschrift fĂŒr Rechtspolitik, 1979, S. 114â119, (zugangsbeschrĂ€nktes Digitalisat via JSTOR findet sich hier, zuletzt abgerufen am 25. November 2023).
- â vgl. auch saarheim.de: AusfĂŒhrungsgesetze zur Verwaltungsgerichtsordnung