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Weidbuche

aus Wikipedia, der freien EnzyklopÀdie
Weidbuche zwischen der Bergstation der Schauinslandbahn und dem Museumsbergwerk auf dem Schauinsland
Weidbuche aus 13 StĂ€mmen. Bei genauer Betrachtung erkennt man, dass die „Äste“ nicht durch Verzweigung entstanden sind, sondern eigenstĂ€ndige StĂ€mme darstellen

Eine Weidbuche ist ein Hutebaum der Gattung Buche. Sie wuchsen frĂŒher auf einer Weide oder in einem Hutewald und besitzen deshalb die charakteristische Form eines Hutebaumes. Meistens handelt es sich bei Weidbuchen um Rotbuchen.

„Die Lebensgeschichte einer Weidbuche besteht vor allem aus einem zĂ€hen Überlebenskampf. Neben Gras und KrĂ€utern fressen Rinder auch BlĂ€tter und junge Triebe von BĂ€umen und StrĂ€uchern.“

– Arbeitsgruppe „Natur und Landschaft“ des Naturparks SĂŒdschwarzwald: Weidfelder – Weidbuchen – WĂ€ldervieh, Eine Wanderung von der Vergangenheit in die Zukunft, 2011 (siehe Weblinks)

Die jungen Buchen werden immer wieder von Weidetieren angefressen, weshalb sie zunĂ€chst eher buschförmig wachsen. Erst spĂ€ter, wenn die Tiere ihre Mitte nicht mehr erreichen können, kann der Baum dort ungestört wachsen und die einzelnen Triebe verwachsen ab einem Alter von ungefĂ€hr 100 Jahren zu einem einzigen Stamm. Bei diesem Zusammenwuchs können HohlrĂ€ume entstehen, die oft von HöhlenbrĂŒtern genutzt werden. Daher sind die Weidbuchen im Alter von 200 bis 300 Jahren oft hohl.[1]

Erscheinungsform

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Durch die extensive Weidenutzung vergangener Jahrhunderte sind sie entstanden. Inzwischen wird Milchvieh vor allem in StĂ€llen gehalten. Deshalb ist die Entwicklung von verbissenen Jungbuchen (Kuhbusch) gefĂ€hrdet. Um das Landschaftsbild mit den zerklĂŒfteten StĂ€mmen der Weidbuchen zu erhalten, mĂŒhen sich nun HeimatverbĂ€nde um ihre Existenz. Die Weidbuchen sind auf Weidfeldern an manchen Stellen SĂŒddeutschlands 250 Jahre alt.

Im SĂŒdschwarzwald gibt es noch 10.000 Hektar Weidfelder. Durch die intensive landwirtschaftliche Nutzung werden sie aber zurĂŒckgedrĂ€ngt.

„[Sie sind] komplexe GefĂŒge vielfĂ€ltiger Lebensgemeinschaften. Sie sind in der Regel sehr struktur- und artenreich. HĂ€ufig sind verschiedene Pflanzengesellschaften auf engem Raum miteinander verzahnt. In die WeideflĂ€chen eingestreut finden sich immer wieder Feuchtbiotope, Felsen und Steinrasseln, Gehölze und EinzelbĂ€ume wie die stattlichen Weidbuchen.“

– Arbeitsgruppe „Natur und Landschaft“ des Naturparks SĂŒdschwarzwald: Weidfelder - Weidbuchen - WĂ€ldervieh, Eine Wanderung von der Vergangenheit in die Zukunft, 2011 (siehe Weblinks)

Schweizer Löwenzahn, Scheuchzers Glockenblume, Gold-Fingerkraut und Gelber Enzian kommen auf den Weidfeldern vor. Wegen des vorherrschenden Grases werden diese Pflanzengesellschaften Borstgrasrasen genannt. Auch Silberdistel, FlĂŒgelginster und Hundsveilchen kommen vor. Unter den Vögeln sind Zippammer, Kolkrabe, Wanderfalke, Wasserpieper, Zitronengirlitz und Ringdrossel vertreten. Der Warzenbeißer, eine Heuschreckenart, die man frĂŒher zum „Abzwicken“ von Warzen einsetzte ist in der Lebensgemeinschaft der Weidfelder ebenfalls vertreten.

Die vorherrschende Kuhrasse in der Weidfelder-Vegetation sind die HinterwĂ€lder-Rinder. Zur Erhaltung der Rasse wurde 1987 der Förderverein HinterwĂ€ldervieh e. V. gegrĂŒndet.

„Extensiver Weidebetrieb wird von den meisten Landwirten im Nebenerwerb geleistet und setzt viel Engagement und Idealismus voraus.“

– Arbeitsgruppe „Natur und Landschaft“ des Naturparks SĂŒdschwarzwald: Weidfelder - Weidbuchen - WĂ€ldervieh, Eine Wanderung von der Vergangenheit in die Zukunft, 2011 (siehe Weblinks)

Landwirtschaftliche Betriebe sind immer mehr sinkenden Erzeugerpreisen ausgesetzt. Sie mĂŒssen sich vergrĂ¶ĂŸern und kleinere Betriebe bleiben auf der Strecke. Die beste Art, die Weidfelder zu schĂŒtzen ist die Aufrechterhaltung der Beweidung – am besten durch die hier heimischen Rinder. Deshalb setzen sich Heimatvereine fĂŒr sie ein. Die Weidfelder im SĂŒdschwarzwald haben nicht nur fĂŒr die Landwirtschaft eine Bedeutung, sondern auch fĂŒr Naturschutz und Tourismus.

Weidbuchen im SĂŒdschwarzwald

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Mit UnterstĂŒtzung durch den Naturpark SĂŒdschwarzwald wurden die BĂ€ume im Wiesental und um die beiden Berge Schauinsland und Belchen (Schwarzwald) erfasst. Auch im Großtal des Freiburger Stadtteils Kappel gibt es Weidbuchen. Die BefĂŒrchtung, dass es nur noch wenige Exemplare dieser bizarren Schönheiten gĂ€be, hat sich nicht bestĂ€tigt. Dennoch will der Schwarzwaldverein die Zukunft der BĂ€ume sichern helfen und kartiert den Bestand in ganz SĂŒdbaden.[2]

„Man fand 1600 Stellen, an denen Weidbuchen wachsen: als „Kuhbusch“, als aufstrebender Jungbaum, als beeindruckender, mĂ€chtiger Baum oder als zusammenbrechender Greis.“

– Naturpark SĂŒdschwarzwald: Weidbuchen Stolze Zeitzeugen der Natur (siehe Weblink)

Weidbuchen (eine besondere Erscheinung der Rotbuche) haben als Erscheinungsform der extensiven Weidewirtschaft im SĂŒdschwarzwald nicht nur einen hohen touristischen Wert, sie bieten auch Lebensraum fĂŒr teilweise seltene Moose, Flechten, Vögel und Insekten. Deshalb mĂŒssen sie fachgerecht gepflegt werden, wenn es sie in der Zukunft weiterhin geben soll.[1]

Einzelnachweise

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  1. 1 2 Dagmar Betting u. a.: Weidbuchen erhalten, Jungwuchs fördern, Eine Pflegeempfehlung. (Memento vom 3. April 2014 im Internet Archive) Merkblatt.
  2. ↑ Jelka Louisa Beule: Die knorrigen Weidbuchen bei Freiburg-Kappel sollen erhalten bleiben. Badische Zeitung, 1. Oktober 2020, abgerufen am 1. Oktober 2020.
  • Dagmar Betting u. a.: Weidbuchen erhalten, Jungwuchs fördern, Eine Pflegeempfehlung. Merkblatt hrsg. vom RegierungsprĂ€sidium Freiburg
  • Angelika Schwabe-Braun: Eine pflanzensoziologische Modelluntersuchung als Grundlage fĂŒr Naturschutz und Planung. Weidfeld-Vegetation im Schwarzwald: Geschichte der Nutzung – Gesellschaften und ihre Komplexe – Bewertung fĂŒr den Naturschutz. (= Urbs et Regio. 18). Kassel 1980, ISBN 3-88122-056-9.