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Willi Walter Puls

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Willi-Walter-Puls-Medaille des Verbandes Deutscher Schulgeographen

Willi Walter Puls (* 9. Januar 1908 in Hamburg; † 5. Dezember 1980 ebenda) war ein deutscher Geograph und PĂ€dagoge. WĂ€hrend des Zweiten Weltkriegs arbeitete er in fĂŒhrenden Positionen im SS-Hauptamt Volksdeutsche Mittelstelle.

Willi Walter Puls war der Ă€lteste Sohn des Volksschullehrers Willy Puls. Er besuchte von 1914 bis 1917 die Volksschule und bis 1926 den Realschulzweig des Hamburger Gymnasiums Johanneum. Nach dem Abitur im MĂ€rz 1926 studierte er bis zum Februar 1931 Mathematik und Naturwissenschaften an der UniversitĂ€t Hamburg und UniversitĂ€t Jena. Er legte am 27. Februar 1931 die PrĂŒfung fĂŒr das Lehramt an höheren Schulen in den FĂ€chern Erdkunde, Chemie und Mathematik ab. Vom 1. April 1931 bis zum 31. MĂ€rz 1933 war er Referendar an der Aufbauschule, der Deutschen Oberschule und der Lichtwarkschule in Hamburg. Am 20. April 1932 promovierte er zum Dr. rer. nat. bei Albrecht Burchard zum Thema Die natĂŒrlichen Bedingungen an der bulgarischen KĂŒste des Schwarzen Meeres und ihr Einfluss auf Wirtschaft und Verkehr. Am 10. Januar 1933 bestand er die PĂ€dagogische PrĂŒfung. Er leistete anschließend zunĂ€chst sechs Monate freiwilligen Arbeitsdienst und unterrichtete vom 1. Oktober 1933 an als Studienassessor an der Deutschen Höheren Privatschule in GrĂ„sten, dem ehemaligen Gravenstein, in Aabenraa (Apenrade) und TĂžnder (Tondern).

WĂ€hrend der Weimarer Republik hat sich Puls dem rechtsnationalen Jungnationalen Bund angeschlossen. Er gehörte auch den FolgebĂŒnden Freischar junger Nation und Großdeutscher Bund bis zur Auflösung an. Zum 1. Mai 1933 trat er der NSDAP (Mitgliedsnummer 3.002.614), spĂ€ter auch der SS bei. Seit 1934 war er zudem Hitlerjugend-FĂŒhrer in DĂ€nemark, 1935/36 stellvertretender LandesfĂŒhrer.

Puls wurde zum 1. Oktober 1937 als Dozent fĂŒr Erdkunde und Methodik des Heimat- und Erdkundeunterrichts an die Hochschule fĂŒr Lehrerbildung in Elbing berufen. Er wurde Beauftragter der NSDAP fĂŒr das volksdeutsche Schulwesen und wirkte seit 1938 beim SS-Hauptamt Volksdeutsche Mittelstelle als Kolonial- und Osteuropaexperte.

Im August 1939 wurde Puls eingezogen. Als Feldwebel d. Res nahm er mit der 228. Infanterie-Division (Wehrmacht) am deutschen Überfall auf Polen teil. Er war als Besatzungssoldat in Warschau stationiert, als er im FrĂŒhjahr 1940 UK gestellt wurde. Er ĂŒbernahm am 1. Mai 1940 die Leitung der Schulabteilung beim Volksbund fĂŒr das Deutschtum im Ausland (VDA) in Berlin. Zugleich war er vom 1. April 1941 bis zum Mai 1945 als Dozent und Studienrat an der Lehrerinnenbildungsanstalt Elbing angestellt. Von seinen Lehrverpflichtungen war er jedoch weitgehend freigestellt.

Das genaue Datum seines Eintritts in die SS lĂ€sst sich nicht mehr feststellen. Zu Kriegsbeginn jedenfalls wechselte Puls von der Allgemeinen SS zur Waffen-SS. Am 30. Januar 1943 erhielt Puls den Rang eines SS-UntersturmfĂŒhrers. Er ĂŒbernahm die Leitung des Amtes V der Volksdeutschen Mittelstelle. Diese Abteilung war fĂŒr die Deutschtumserziehung verantwortlich und ĂŒbernahm die Schulungs-, Kultur- und Erziehungsarbeit unter den Minderheiten, die zuvor der VDA geleistet hatte. Am 21. Juni 1944 wurde er zum SS-ObersturmbannfĂŒhrer mit dem FachfĂŒhrer-Dienstrang (Volkstumsarbeit) SturmbannfĂŒhrer befördert. Er leitete das Hauptamt Deutscher Osten im Außenpolitischen Amt der NSDAP und wurde am 13. Dezember 1942 außerdem zum kommissarischen BundesfĂŒhrer des Bundes Deutscher Osten bestellt, den er bis zum 23. Juni 1943 liquidierte.[1]

GrabstÀtte auf dem Friedhof Ohlsdorf im Planquadrat Q 12

Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs arbeitete Puls zunĂ€chst als Bauhilfsarbeiter und ließ sich wohl auch wegen seiner erheblichen politischen Belastung erst 1948 entnazifizieren (Kat. IV). Er war GrĂŒndungsmitglied des Freideutschen Kreises Hamburg, einer ĂŒberbĂŒndischen Sammelbewegung ehemaliger Angehöriger der bĂŒndischen Jugendbewegung, 1952 bis 1956 Vorstandsmitglied und Sprecher, seit 1973 Obmann. Von 1949 bis 1973 unterrichtete er, zunĂ€chst als Studienrat am Gymnasium Lerchenfeld in Hamburg-Uhlenhorst, dann als Oberstudienrat und schließlich als Leiter des gymnasialen Zweiges an der Peter-Petersen-Gesamtschule (heute Irena Sendler-Stadtteilschule) in Hamburg-WellingsbĂŒttel. Puls profilierte sich als Schulbuchautor, war Mitglied der deutsch-polnischen Schulbuchkommission und Schriftleiter der Zeitschrift Gegenwartskunde.

Puls war von 1966 bis 1978 Erster Vorsitzender des Verbandes Deutscher Schulgeographen und anschließend bis zu seinem Tod EhrenprĂ€sident. Der Verband Deutscher Schulgeographen vergibt in seinem Andenken seit 1983 die Willi-Walter-Puls-Medaille. Er verstarb 72-jĂ€hrig in seiner Geburtsstadt und wurde auf dem dortigen Friedhof Ohlsdorf beigesetzt.

  • Die natĂŒrlichen Bedingungen an der Bulgarischen KĂŒste des Schwarzen Meeres und ihr Einfluss auf Wirtschaft und Verkehr. Jena, Math.-naturwiss. Diss., 1930., Darmstadt 1932.
  • Nordschleswig. Der abgetrennte Teil der Nordmark. Klinkhardt, Leipzig 1937.
  • Der koloniale Gedanke im Unterricht der Volksschule. Ein Lehrerhandbuch. Quelle & Meyer, Leipzig 1938.
  • Die deutschen Kolonien. Hillger, Berlin, Leipzig 1939.
  • (Hrsg.): Unsere Kolonien. Velhagen & Klasing, Bielefeld 1941.
  • (Hrsg.): Erdkunde fĂŒr höhere Schulen. Hrsg. von Emil Hinrichs. Diesterweg, Frankfurt am Main, Bonn 1953.
  • mit Hans Lippold und Emil Hinrichs: Wirtschafts- und Kulturgeographie Deutschlands, Mensch und Erde. 2. Auflage. Diesterweg, Frankfurt am Main 1954.
  • Schleswig-Holstein. Wirtschaftskundliche Betrachtungen im Unterricht. Hirt, Kiel 1955.
  • mit Emil Hinrichs und Fritz Baer: Die Erde. 2. Auflage. Diesterweg, Frankfurt am Main 1959.
  • Willi Walter Puls (Hrsg.): Beihefte des Instituts fĂŒr Film und Bild in Wissenschaft und Unterricht, MĂŒnchen. Heering, Seebruck am Chiemsee 1963.
  • mit Hans Carstensen: Raumordnung und Landesplanung. Methoden und Arbeitsweise dargestellt am Beispiel Schleswig-Holstein. Diesterweg, Frankfurt am Main 1967.
  • mit Adolf Karger: Die Sowjetunion als Wirtschaftsmacht. Diesterweg, Frankfurt am Main 1967.
  • Lacq, ein Schwerpunkt der Wirtschaft SĂŒdfrankreichs. In: Geographische Rundschau. 19, Nr. 11, 1967, S. 420–425.
  • Neue Forschungen der USA in der Antarktis. In: Geographische Rundschau. Braunschweig, Jg. 20 (1968), H. 10, S. 395–396.
  • Lernmittelfreiheit und Schulbuchzensur. In: Gegenwartskunde. 19, 1970, S. 399–406.
  • (Hrsg.): Fischer-LĂ€nderkunde. Fischer-Taschenbuch-Verlag, Frankfurt am Main 1970ff.
  • Cabora Bassa. Aufbau oder Zerstörung? Kraftwerk am Sambesi in Moçambique. In: Geographische Rundschau. 23, Nr. 3, 1971, S. 95–99.
  • Umwelt. Gefahren und Schutz. Bundeszentrale f. Polit. Bildung, Bonn 1971.
  • Gastarbeiter oder Einwanderer? In: Geographische Rundschau. 27, Nr. 2, 1975, S. 49–60.
  • Lateinamerika. 26. Auflage. Fischer-Taschenbuch-Verl, Frankfurt a. M. 1975, ISBN 3436014346.
  • Willi Walter Puls (Hrsg.): Umweltfragen als Thema des Geographie-Unterrichts. Westermann, Braunschweig 1975.
  • (Hrsg.): Quantitative Methoden in Forschung und Didaktik der Geographie. Westermann, Braunschweig 1977.
  • Zum Stand der internationalen Schulbuchrevision. Erster West-Ost-Dialog in Schulbuchfragen Juni 1976. In: Geographische Rundschau. 29 (1977), S. 205–206.
  • Alexander Hesse: Die Professoren und Dozenten der preussischen PĂ€dagogischen Akademien (1926–1933) und Hochschulen fĂŒr Lehrerbildung (1933–1941). Weinheim 1995, S. 588 f.
  • Ann-Katrin Thomm: Alte Jugendbewegung, neue Demokratie. Der Freideutsche Kreis in Hamburg in der frĂŒhen Bundesrepublik Deutschland. Wochenschau Verlag, Schwalbach/Ts. 2010.
  1. ↑ Valdis O. Lumans: Himmler's Auxiliaries. The Volksdeutsche Mittelstelle and the German National Minorities of Europe, 1933–1945. The Univ. of North Carolina Press, Chapel Hill 1993, S. 143, identifiziert den Leiter des Amtes V als „Dr. Adolf Puls“. Seine weiteren biographischen Informationen beschrĂ€nken sich auf die Angabe, Adolf Puls sei zwar Parteigenosse gewesen, habe aber bis 1944 eine Mitgliedschaft in der SS vermieden. (Ebd., S. 54) Dabei hat Lumans aber wohl nicht die SS-FĂŒhrerpersonalakten ausgewertet, sondern seine Behauptung zur SS-Mitgliedschaft offenbar lediglich aus dem Vergleich der GeschĂ€ftsplĂ€ne der Mittelstelle von 1943 und 1944 abgeleitet. (Ebd., S. 267 Anm. 42). Ann-Katrin Tomm dagegen stĂŒtzt ihre biographischen Angaben zu Willi Walter Puls auf dessen SSO/SS-FĂŒhrerpersonalakten und die Entnazifizierungsakten. (Alte Jugendbewegung, S. 88f., 381.) Sie sind deshalb als zutreffend anzusehen. Auf Willi Walter Puls’ NS-Vergangenheit wies gestĂŒtzt auf dessen Personalakten bereits hin: Alfred Pokrandt: „Die westdeutschen Schulatlanten im Dienste des Bonner Staates“, in: Jahrbuch fĂŒr Erziehungs- und Schulgeschichte 9 (1969), S. 226.