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Wolfgang Gerke

aus Wikipedia, der freien EnzyklopÀdie

Wolfgang Gerke (* 3. Februar 1944 in Cuxhaven) ist ein emeritierter deutscher Hochschullehrer fĂŒr Bank- und Börsenwesen und seit 2006 als PrĂ€sident des „Bayerischen Finanz Zentrums“ tĂ€tig. Gerke wird in Print-Medien, Hörfunk und Fernsehen hĂ€ufig als Experte fĂŒr Bank- und Börsenthemen herangezogen und ist dadurch einer breiteren Öffentlichkeit bekannt geworden.

Ausbildung und Beruf

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Gerke studierte in SaarbrĂŒcken. Er promovierte 1972 und habilitierte sich 1978 an der UniversitĂ€t Frankfurt. Anschließend hatte er LehrstĂŒhle fĂŒr Bankbetriebslehre und Finanzwirtschaft an der UniversitĂ€t Passau (1978 bis 1981), der UniversitĂ€t Mannheim (1981 bis 1992) und der UniversitĂ€t Erlangen-NĂŒrnberg (1992–2006) inne. Daneben nahm er die Position eines Forschungsprofessors am Zentrum fĂŒr EuropĂ€ische Wirtschaftsforschung (ZEW) in Mannheim wahr und war Mitherausgeber der Zeitschrift Die Betriebswirtschaft (DBW).

Seit seiner Emeritierung im Jahr 2006 ist Wolfgang Gerke gemeinsam mit Elmar Helten als PrĂ€sident des „Bayerischen Finanz Zentrums“ tĂ€tig, das zum Ziel hat, Unternehmen aus dem Finanzsektor in Bayern mit der Wissenschaft zu vernetzen und damit zur StĂ€rkung des Finanzplatzes Bayerns beizutragen. Neben dieser Aufgabe war Wolfgang Gerke bis 2007 Academic Director, wissenschaftlicher Leiter der Frankfurt School of Finance & Management und ist seit 2008 Honorarprofessor am Department „Finance, Accounting & Real Estate“ an der EBS UniversitĂ€t fĂŒr Wirtschaft und Recht International University Schloss Reichartshausen in Oestrich-Winkel. DarĂŒber hinaus ist Wolfgang Gerke Mitglied des MĂŒnchner Finance Forum e. V.[1]

Seine hĂ€ufigen Auftritte in Hörfunk und Fernsehen als Experte fĂŒr Bank- und Börsenwesen haben ihm einen hohen Bekanntheitsgrad in der deutschsprachigen Bevölkerung verschafft.[2][3] Kritik erntete er fĂŒr sein Engagement bei der Firma Solar Millennium Invest (SMI), einer Tochtergesellschaft der börsennotierten Solar Millennium AG; ĂŒber letztere wurde im Februar 2012 das Insolvenzverfahren eröffnet, zusĂ€tzlich begann die Bundesanstalt fĂŒr Finanzdienstleistungsaufsicht mit Ermittlungen wegen Insiderhandel.[4]

Öffentliche Kritik

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Durch sein Engagement bei Solar Millennium, einem Unternehmen, das auf die Projektierung und Realisierung solarthermischer Kraftwerke spezialisiert ist, ist Wolfgang Gerke zuletzt in die öffentliche Kritik geraten. Gerke trat im Jahr 2005 zum ersten Mal als Gastredner bei der Hauptversammlung des Unternehmens auf.[5] Kurze Zeit spĂ€ter ging Solar Millennium an die Börse. Gerke lobte die Aussichten des Unternehmens und hob die Chancen des Börsengangs fĂŒr die Solar Millennium AG und ihre AktionĂ€re hervor. In der zugehörigen Pressemitteilung im Vorfeld des Börsengangs wird Gerke mit den Worten zitiert: „Aktien der Solar Millennium AG wĂŒrden sich prinzipiell aufgrund der internationalen Marktorientierung des Unternehmens auch fĂŒr langfristige Engagements eignen, da der Markt solarthermischer Stromerzeugung nicht direkt abhĂ€ngig von politischen VerĂ€nderungen auf deutscher Bundesebene sei.“[6] Bis heute hat die Aktie ausgehend vom ersten Kurs an der Börse MĂŒnchen bei 10,00 Euro annĂ€hernd 99 Prozent ihres Wertes eingebĂŒĂŸt (Stand: MĂ€rz 2012). Im Dezember des Jahres 2011 meldete die Gesellschaft Insolvenz an.[7] Gerke sieht sich nun mit dem Vorwurf konfrontiert, die Werbetrommel fĂŒr das Unternehmen gerĂŒhrt zu haben. Bei der Insolvenz des Konzerns haben rund 30.000 Anleger und AktionĂ€re mutmaßlich einen dreistelligen Millionenbetrag verloren.

Kritisch betrachtet wird auch ein Vorgang, der in Zusammenhang mit einem Termin im Jahr 2010 stehen soll. Im MĂ€rz 2010 wurde Gerke Teilhaber der Firma Solar Millennium Invest, die fĂŒr die Muttergesellschaft Solar Millennium AG Unternehmensanleihen, Genussrechte und Fondsanteile an Anleger verkaufen sollte. Der renommierte Hochschullehrer kommentierte den Zweck der neuen Gesellschaft zum damaligen Zeitpunkt mit den Worten: „FĂŒr mich ist dies eine innovative und zukunftstrĂ€chtige Antwort auf die Finanzmarktkrise und Kreditklemme.“ Er hielt ĂŒber eine Vorschaltgesellschaft 45 Prozent der Unternehmensanteile.[8] Einem Bericht der SĂŒddeutschen Zeitung vom 17. MĂ€rz 2012 zufolge soll Gerke das notwendige Kapital fĂŒr diese Beteiligung nicht aus eigenen Mitteln aufgebracht haben. Vielmehr soll ihm von Solar Millennium ein Vorschuss auf Provisionen in Höhe von 500.000 Euro bewilligt worden sein. ZusĂ€tzlich soll Gerke 275.000 Euro als Darlehen erhalten haben.[9] Im August 2011 schließlich verkaufte Gerke seine Beteiligung an die Solar Millennium AG.[10] In Zusammenhang mit diesem Deinvestment soll Gerke im Rahmen eines Vergleichs eine Abfindung in Höhe von 400.000 Euro erhalten haben. Solar-Millennium-Insolvenzverwalter Volker Böhm möchte diesen Vorgang nun genau prĂŒfen. Wolfgang Gerke ist nach wie vor Aufsichtsratsmitglied bei der Solar Millennium Invest AG.[11]

In seiner Zeit als Mitglied des Aufsichtsrats der WGF AG hat Gerke deren Unternehmensstrategie und die zur Refinanzierung begebenen Anleihen durchweg positiv beschieden. Im Jahr 2012 meldete die WGF AG Insolvenz an.[12]

Reaktion auf Börseneinbruch Januar 2008

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„Wir haben das Ende der Fahnenstange lĂ€ngst noch nicht erreicht. 2008 wird ein schlechtes Börsenjahr.“ „Man dachte, dass Deutschland ungeschoren davonkommt. Aber die Delle in der Konjunktur kommt“, so Gerke – auch wenn davon bisher in den realwirtschaftlichen Daten kaum etwas zu sehen sei.[13]

Werke (Auswahl)

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  • Börsenlexikon, Gabler, Wiesbaden 2002
  • Strukturen und Regulierung von Investment- und Pensionsfonds in ausgewĂ€hlten LĂ€ndern (Gutachten fĂŒr die Enquete-Kommission „Globalisierung der Weltwirtschaft“ des Deutschen Bundestages), 2001
  • BeschĂ€ftigungsperspektiven im Finanzsektor, 2001 (Co-Autor)
  • Finanzierung – Grundlagen fĂŒr die Investitions- und Finanzierungsentscheidungen in Unternehmen, 1998 (Co-Autor)
  • Der falsch abdiskontierte Tote. ErzĂ€hlungen. Mit ausgewĂ€hlten Abb. von Alfred Kubin, Verlag Passavia, Passau, 1981.
  1. ↑ Die Mitglieder des MĂŒnchner Finance Forum e. V. (Memento vom 11. MĂ€rz 2014 im Internet Archive)
  2. ↑ „Millionen Deutsche vor der Pleite? maybritillner vom 6. September 2007“
  3. ↑ report MÜNCHEN vom 2. April 2007 (Memento vom 21. April 2007 im Internet Archive)
  4. ↑ Uwe Ritzer: Gerke und Solar Millennium - Fragen an die Fliege. In: sueddeutsche.de. 17. MĂ€rz 2012, abgerufen am 28. Januar 2024.
  5. ↑ http://www.solarmillennium.de/deutsch/presse/meldungen/archiv-2005/hauptversammlung-2005-zustimmung-in-allen-punkten.html
  6. ↑ http://www.solarmillennium.de/deutsch/presse/meldungen/archiv-2005/solar-millennium-aktien-bald-handelbar.html
  7. ↑ http://www.solarmillennium.de/deutsch/presse/meldungen/2011-12-21-insolvenzantrag.html
  8. ↑ http://www.solarmillennium.de/deutsch/presse/meldungen/archiv-2010/2010_03_16_andasol-invest-gerke.html
  9. ↑ Uwe Ritzer: Gerke und Solar Millennium - Fragen an die Fliege. In: sueddeutsche.de. 17. MĂ€rz 2012, abgerufen am 28. Januar 2024.
  10. ↑ http://www.solarmillennium-invest.de/unternehmen/meldungen/2011_08_29-integration-invest.html
  11. ↑ http://www.solarmillennium-invest.de/unternehmen/aufsichtsrat/
  12. ↑ Guido Hartmann: Es begann mit einem Kiosk. In: welt.de. 30. Mai 2010, abgerufen am 7. Oktober 2018.
  13. ↑ Anna Eckert: Bulle, BĂ€r oder eine andere MĂ€r. Die EinschĂ€tzung der Experten. SĂŒddeutsche Zeitung, 22. Januar 2008, abgerufen am 3. Oktober 2010.