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Zeugenberg

aus Wikipedia, der freien EnzyklopÀdie
Der 668 Meter hohe Ipf, ein Zeugenberg der Schichtstufe der SchwÀbischen Alb

Ein Zeugenberg (auch Ausliegerberg) ist ein Einzelberg in einer Schichtstufenlandschaft, der durch ErosionsvorgĂ€nge vom Schichtstufenplateau, dem er ursprĂŒnglich angehörte, isoliert wurde.

Grundlegendes und Abgrenzung

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Schichtstufenlandschaften zeichnen sich durch eine Wechsellagerung von Schichtpaketen aus erosions- und verwitterungsresistenten (kompetenten) Gesteinen und Schichtpaketen aus deutlich weniger erosions- und verwitterungsresistenten (inkompetenten) Gesteinen aus. Die kompetenten Gesteine werden als Stufenbildner, die inkompetenten als Hang- oder Sockelbildner bezeichnet. Ein Zeugenberg weist in aller Regel eine flache, aber steilwandige Kappe aus Stufenbildner-Gestein auf, den Oberhang, der die unterlagernden Gesteine aus Sockelbildner, den Unterhang, vor rascher Erosion schĂŒtzt. Man spricht hierbei auch von einer Armierung des Unterhang-Gesteins durch das Oberhang-Gestein.

Zeugenberge sind nicht gleichzusetzen mit Inselbergen, bei denen es sich um isolierte Berge auf (oft geologisch sehr alten) RumpfflĂ€chen handelt. Tektonische Klippen sind zwar ebenfalls Bereiche, die von dem Gesteinsverband, dem sie ursprĂŒnglich angehörten, durch Erosion isoliert wurden, doch dieser Gesteinsverband ist eine tektonische Decke in einem Deckengebirge, das heißt, auch die Bildung tektonischer Decken findet in einem geologisch völlig anderen Umfeld als die Bildung von Zeugenbergen statt.

Im Folgenden werden zwei Szenarien beschrieben, nach denen Zeugenberge entstehen.

Bei flach einfallenden Schichtstufen

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Klassische Zeugenberge entstehen in Schichtstufenlandschaften mit flach einfallenden Schichten durch die ErosionstĂ€tigkeit parallel zum Streichen verlaufender FlĂŒsse (sogenannte subsequente FlĂŒsse). Diese isolieren den topographisch höchsten und exponierten Teil einer Schichtstufe, den Stufenfirst und zukĂŒnftigen Oberhang, durch Eintiefung in den unterlagernden Hangbildner vom topographisch niedrigeren und noch teilweise von jĂŒngeren Schichten ĂŒberdeckten Teil der Schichtstufe. Quer zum Streichen fließende FlĂŒsse oder BĂ€che (die sogenannten obsequenten und resequenten FlĂŒsse) sorgen gleichzeitig fĂŒr die Quergliederung des alten Stufenfirstes. Das Ergebnis sind Zeugenberge, die vor der neuen Stufenstirn der Hauptstufe stehen bleiben.[1] Solange der Oberhang noch mit der Hauptstufe verbunden ist, spricht man von einem Ausleger, einem Sporn, einem Vorsprung oder einer „Berghalbinsel“. Die umliegenden TĂ€ler werden als Stufenrandbuchten, StufenrandtĂ€ler oder StirnseitentĂ€ler bezeichnet. Erst nach einer deutlichen Trennung von der Hauptstufe redet man von einem Zeugenberg. Innerhalb des Hangbildner-Horizontes kann aber noch lange eine Verbindung zur zurĂŒckweichenden Hauptstufe bestehen. Solche Zeugenberge bilden sich nur bei einem Fallwinkel der Schichten von 1 bis 2°. Fallen die Schichten steiler ein, ist der Höhenunterschied zwischen altem und neuem Stufenfirst so groß, dass der alte Stufenfirst und potenzielle Oberhang bereits erodiert ist, bevor die FlĂŒsse ihn vom Rest der Schichtstufe isoliert haben.[1]

Durch Reliefumkehr in tektonischen GrÀben

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Eine andere Möglichkeit der Zeugenbergentstehung ist die Lage auf einer Grabenscholle durch sogenannte Reliefumkehr. Ein Stufenbildner auf einer tektonisch abgesenkten Scholle wird weit weniger von Erosion angegriffen als in den nicht-abgesenkten Bereichen, zum einen, da flĂ€chenhaft wirkende Erosionsformen höher liegendes Terrain stets stĂ€rker angreifen als tiefer liegendes und zum anderen, da im nicht-abgesenkten Bereich der Schichtkontakt zum unterlagernden Sockelbildner ebenfalls topographisch höher liegt und von den sich einschneidenden FlĂŒssen schneller erreicht wird. Haben sich die FlĂŒsse im nicht-abgesenkten Bereich erst bis in diesen unterlagernden Horizont eingetieft, verbreitern sich die FlusstĂ€ler dort u. a. durch Quellerosion relativ schnell, sodass das eigentlich relativ erosionsresistente Gestein des Stufenbildners dort nun zĂŒgig ausgerĂ€umt wird. Schließlich ist der Stufenbildner im nicht-abgesenkten Bereich komplett abgetragen. Da der Sockelbildner deutlich weniger erosionsresistent ist als der auf der tektonisch abgesenkten Scholle noch gut erhaltene Stufenbildner, wird das GelĂ€nde des nicht-abgesenkten Bereiches deutlich schneller tiefergelegt als das des abgesenkten Bereiches und der dort erhaltene Stufenbildner wird als Zeugenberg aus der Landschaft herausmodelliert.[2]

Monument Valley

Die isolierten Berge „bezeugen“ somit die frĂŒhere zusammenhĂ€ngende Verbreitung bestimmter Schichten weit ĂŒber das heutige Hauptverbreitungsgebiet hinaus. Bei der StufenrĂŒckverlegung bzw. Stufenzersetzung kann sich eine ganze Zeugenberglandschaft ausbilden. Ein bekanntes Beispiel hierfĂŒr ist das Monument Valley.

Bekannte Zeugenberge der Jura-Schichtstufen zwischen Coburg und Basel

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Zwischen Coburg im Nordosten und Basel im SĂŒdwesten erstrecken sich ungefaltete, leicht schrĂ€g gestellte Jura-Schichten. Sie gehören zur SĂŒdwestdeutschen Schichtstufenlandschaft bzw. zum Juragebirge im weiteren Sinn und sind vor allem im Bereich des Weißjura (in der Schweiz vor allem im Braunjura) zu mĂ€chtigen Schichtstufen ausgebildet. Im gesamten Stufenbereich haben sich Zeugenberge und teilweise auch Zeugenberglandschaften entwickelt.

Die wichtigsten Zeugenberge der FrĂ€nkischen Alb sind (zunĂ€chst von Nord nach SĂŒd, weiter dann Richtung (SĂŒd-)West):

Die Drei Kaiserberge bei Göppingen, eine typische Zeugenberglandschaft in Deutschland

Wichtige Zeugenberge der SchwĂ€bischen Alb (ohne „Pseudo-Zeugenberge“, das heißt (teil-)freistehende Berge vulkanischen Ursprungs wie die Limburg) sind (von Nordost nach SĂŒdwest):

Der Bereich des Baarjura stellt fast vollstĂ€ndig eine Zeugenberglandschaft dar. Zu ihr gehören (ohne „Pseudo-Zeugenberge“):

  • Hohenkarpfen (912 m)
  • Lupfen (976 m)
  • Möhringer-Berg-Lindenberg-Scholle (949 m)
  • FĂŒrstenberg (918 m)
  • LĂ€nge (921 m)
  • Eichberg (914 m)
  • Buchberg (880 m)

Wichtigste Zeugenberge des sogenannten Tafeljura der Schweiz zwischen Bad Zurzach und Pfeffingen sind (von Ost nach West, auch hier hat sich die Schichtstufe bereits zu einem großen Teil zu Zeugenberg- und Ausliegerlandschaften umgebildet):

  • Geissberg (700 m)
  • Heuberg (558 m)
  • Schinberg (722 m)
  • Frickberg (650 m)
  • Farnsberg (758 m)
  • Sunnenberg (632 m)
  • Chienberg (741 m, mit Sissacher und Rickenbacher Flue)

Zeugengebirge der Mittelgebirgsschwelle

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Die Leuchtenburg steht auf einer Kuppe aus Muschelkalk, der umliegende Buntsandstein ist nicht reliefbildend

Auch innerhalb der eher durch Bruchschollen mit herausgehobenem Grundgebirge geprĂ€gten, nördlich der eigentlichen Schichtstufenlandschaften gelegenen Mittelgebirgsschwelle spielen lokal Zeugenberge eine Rolle. Speziell im ThĂŒringer Becken (mit Randplatten), welches eine in sich mehr oder weniger geschlossene Schichtstufenlandschaft darstellt, und seinem Umland liegen viele markante Zeugenberge der Muschelkalk-Stufe.

Westlich und nördlich der nordwestlichen Randplatte sind vor allem die Gobert und das Ohmgebirge nebst Bleicheröder Bergen zu nennen, die von ihrem Umfang her schon als Zeugengebirge bezeichnet werden können und höhere Höhen erreichen als die eigentliche Randplatte. DarĂŒber hinaus finden sich zahlreiche kuppenartige Einzel-Zeugenberge westlich des Ohmgebirges und nördlich von Gobert und Obereichsfeld.

SĂŒdöstlich der Ilm-Saale-Platte, welche zusammen mit der sich sĂŒdwestlich anschließenden Ohrdrufer Platte die SĂŒdost-Randplatte des Beckens darstellt, tauchen Zeugenberge eher vereinzelt auf, wie z. B. Leuchtenburg und Dohlenstein bei Kahla oder der Kulm bei Saalfeld. Streng genommen stellt auch der Singer Berg, der oft als höchster Berg der Ilm-Saale Platte aufgefĂŒhrt wird, einen Zeugenberg der Reinsberge im Osten der Ohrdrufer Platte dar.

SĂŒdwestlich des ThĂŒringer Beckens sind die beiden nördlichsten Kuppen der Rhön, Dreienberg und Landecker Berg, keine Basaltschlote, sondern Zeugenberge der dortigen Muschelkalk-Stufe.

Ein markanter Zeugenberg der Buntsandstein-Stufe ist der Muppberg bei Neustadt bei Coburg. Er ist Zeugenberg der sĂŒdöstlichen Buntsandstein-Abdachung des Schalkauer Plateaus. Ähnlich verhĂ€lt es sich am nördlichen Rand des Spessarts. Hier wird die Landschaft um Hailer, Meerholz und LĂŒtzelhausen geprĂ€gt durch die drei Zeugenberge: den Niedermittlauer- und den Meerholzer Heiligenkopf sowie den Rauenberg[3].

Die Buttes des Monument Valley sind verteilte Zeugenberge.

  • Lexikon der Geographie I. 2001, S. 108.
  • Lexikon der Geographie III. 2002, S. 189–190.
  • Lexikon der Geowissenschaften IV. 2001, S. 400–403.
  • Harald Zepp: Geomorphologie. 2. Auflage. Paderborn 2003, Kapitel 12.3 und 14.3.
Wiktionary: Zeugenberg – BedeutungserklĂ€rungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise

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  1. 1 2 Lars Wartenberg: Bruchstufen und Schichtstufen. GRIN Verlag, 2003, S. 8, ISBN 978-3-640-35670-6
  2. ↑ Gottfried Hofbauer, unter Mitarbeit von Rudolf Biemann, Norgard MĂŒhldorfer, Werner Straußberger, Hans Stuhlinger und Barbara Thies: Die EhrenbĂŒrg (das „Walberla“): Aspekte zur Entstehung eines Zeugenbergs vor der Nördlichen Frankenalb. www.gdgh.de/Berichte/B12, 2007 (PDF 2,7 MB)
  3. ↑ Zeugenberge, aufgerufen am 22. Dezember 2021