Polizeisprecher Sabri Yorgun sagte, man erwarte sich von der Tatrekonstruktion in der Schule Erkenntnisse zum genauen Hergang und möglicherweise auch zum Motiv. Dann könnte man Näheres dazu sagen, wo im und außerhalb des Gebäudes Schüsse abgegeben wurden und wie oft und auf wen der Täter schoss, bevor er sich selbst tötete.
„Das kann noch Tage dauern, es müssen noch viele Schülerinnen und Schüler befragt werden“, so der Sprecher. Auch die Auswertung von Spuren und Datenträgern könnte über die nächsten Tage und Wochen hinweg andauern. Eine Hausdurchsuchung am Dienstag hatte bisher laut dem Generaldirektor für die öffentliche Sicherheit, Franz Ruf, kein Hinweis auf ein Motiv erbracht. Man habe dabei neben einem Abschiedsbrief und -video auch eine nicht funktionsfähige Rohrbombe gefunden, so Ruf am Mittwoch im Ö1-Morgenjournal.
Auch Pläne für Sprengstoffanschlag gefunden
Wie die Landespolizeidirektion am Mittwochnachmittag zudem berichtete, seien am Wohnsitz des 21-jährigen Täters neben einer nicht funktionstüchtigen Rohrbombe auch Pläne für einen Sprengstoffanschlag gefunden worden. Der Anschlag habe sich dabei ebenfalls auf das Gymnasium bezogen, wie die APA mit Verweis auf die steirische Landespolizeidirektion berichtete. Über den Täter ist noch sehr wenig bekannt, da er sich weder in Vereinen engagiert noch Kontakte in seinem Heimatort nahe Graz gepflegt haben soll.
Medienberichte darüber, dass der Mann in der Vergangenheit gemobbt worden sein soll, wollte die Landespolizeidirektion auch am Mittwoch weiter genauso wenig bestätigen wie Berichte über seinen Ausbildungsstatus. Als gesichert gilt laut Polizei nur, dass der Mann den Wohnsitz bei seiner alleinerziehenden Mutter in Graz-Umgebung hatte. Sein aus Armenien stammender Vater hatte nach der Trennung nicht mehr im Haushalt gelebt.
Zustrom zu Kriseninterventionszentrum
Gegenüber der bis kommende Woche geschlossenen Schule wurde in der Helmut-List-Halle ein Kriseninterventionszentrum für Schülerinnen und Schüler sowie Angehörige eingerichtet. Viele nahmen das Angebot an, einige kamen in Begleitung ihrer Eltern. Außenstehende und Medien haben keinen Zutritt zur Halle – mehr dazu in steiermark.ORF.at.
Rotkreuz-Sprecher: „Es ist ein Bild von Leid“
Nach dem tödlichen Amoklauf in Graz werden die Schülerinnen und Schüler des betroffenen BORG Dreierschützengasse von einem Team des Roten Kreuzes betreut. Rotkreuz-Pressesprecher Stefan Loseries sprach von einem „Bild von Leid“.
Eine Lehrerin, neun Jugendliche getötet
Laut Bildungsdirektion Steiermark fielen die Schüsse während der laufenden mündlichen Maturaprüfungen. Wie die Polizei am Mittwoch bestätigte, waren neun Todesopfer Jugendliche zwischen 14 und 17 Jahren. Jene Frau, die am Dienstagnachmittag im Krankenhaus ihren schweren Verletzungen erlag, war Lehrerin. Eines der Opfer war polnischer Staatsbürger, alle anderen Österreicherinnen und Österreicher.
Cobra-Kommandant mit Details zum Einsatz
Laut Kurt Kornberger, Standortkommandant des Einsatzkommandos Cobra Süd, erfolgte um 10.00 Uhr die Alarmierung über eine mögliche Amoklage. Sechs Minuten später seien die Einsatzkräfte bei der Schule gewesen, wie Kornberger am Mittwoch im Rahmen eines Hintergrundgesprächs im Innenministerium weiter mitteilte.
Um 10.08 bzw. 10.09 Uhr waren die Streifen laut Kornberger im Gebäude. Schüsse habe man zu diesem Zeitpunkt „keine mehr wahrgenommen“. Wenig später entdeckten die Einsatzkräfte in einer Klasse Schwerverletzte und Tote. Beamte durchsuchten in der Folge die nächstgelegenen Räumlichkeiten und stießen um 10.13 Uhr auf der Toilette auf den Täter, der Suizid begangen hatte – mehr dazu in steiermark.ORF.at.
„Wir warten nicht“
Die Wiener Polizei betont in diesem Zusammenhang, dass man für Einsätze wie den Amoklauf in Graz gerüstet sei. Es gebe seit vielen Jahren spezielle Trainings, die sich zuletzt beim Terroranschlag im November 2020 bewährt hätten. „Wir warten nicht“ laute das Motto der Exekutive – mehr dazu in wien.ORF.at.
Vier Verletzte noch auf Intensivstation
Laut KAGes befinden sich im LKH-Universitätsklinikum insgesamt noch sechs Patientinnen und Patienten im Alter zwischen 15 und 26 Jahren. Vier von ihnen sind noch auf der Intensivstation, zwei konnten bereits auf die Normalstation verlegt werden. Eine Person, die am Dienstag noch in kritischem Zustand war, befindet sich nun wie die anderen in stabilem Zustand.
Im LKH Graz II/West wird eine verletzte Person betreut. Dieser gehe es gut, sie sei stabil, aber weiterhin auf der Intensivstation. Im UKH Graz werden vier Patienten versorgt. Sie alle sind ebenfalls in stabilem Zustand. Viele Menschen folgten seit Mittwoch dem Aufruf des Roten Kreuzes, Blut zu spenden. Bis tief in die Nacht kamen etwa 600 Blutkonserven zusammen – mehr dazu in steiermark.ORF.at.
Gedenken mit Trauerminute
Am Vormittag gedachten Menschen im ganzen Land mit einer Trauerminute der Opfer. Die heimischen Kirchen beteiligten sich mit Trauergeläut. In Wien wurde auch die Trauerglocke des Stephansdoms geläutet. Am Nachmittag fand vor dem Stephansdom ein Lichtermeer statt – mehr dazu in wien.ORF.at.
Im Ministerrat wurde zu Beginn ebenfalls eine Trauerminute abgehalten. Die Bundesregierung kam zwar zusammen, die geplanten Beschlüsse wurden jedoch verschoben, und es gab keine Medienstatements. Bereits am Dienstag war der Nationale Sicherheitsrat einberufen worden, der am Donnerstag um 14.00 Uhr im Parlament zusammenkommt. Bis Freitag gilt eine dreitägige Staatstrauer, schwarze Fahnen wurden gehisst und die österreichische Flagge auf allen öffentlichen Gebäuden auf halbmast gesetzt.
Staatstrauer: Viele Veranstaltungen abgesagt
Drei Tage lang herrscht in Österreich Staatstrauer – der politische und gesellschaftliche Betrieb ist auf ein Minimum zurückgefahren. Viele Veranstaltungen von Parteien aber auch in der Kultur sind abgesagt worden. Am Vormittag wurde eine österreichweite Trauerminute abgehalten.
Trauerfeier am Sonntag auf Grazer Hauptplatz
Die Stadt Graz und das Land Steiermark haben am Mittwoch die Termine für die offiziellen Trauerfeierlichkeiten bekanntgegeben. Die Stadt Graz lädt am Sonntag um 18.00 Uhr zu einer Trauerfeier auf dem Hauptplatz – mehr dazu in steiermark.ORF.at.