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Belagerung von Löwen

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Belagerung von Löwen
Teil von: DreißigjĂ€hriger Krieg
Französisch-Spanischer Krieg (1635–1659)

Stadtplan von Löwen von 1649, Joan Blaeu
Datum 24. Juni bis 4. Juli 1635
Ort Löwen, spanische Niederlande, heutiges Belgien
Ausgang Entscheidender spanischer Sieg, ZurĂŒckschlagung der französisch-niederlĂ€ndischen Invasion in die spanische Niederlande[1]
Konfliktparteien

Spanien 1506 Spanien
Romisches Reich Heiliges 1400 Heiliges Römisches Reich

Frankreich Konigreich 1791 Frankreich
Republik der Vereinigten Niederlande Vereinigte Niederlande

Befehlshaber

Spanien 1506 Anthonie Schetz
Spanien 1506 Ferdinand von Spanien
Romisches Reich Heiliges 1400 Ottavio Piccolomini

Republik der Vereinigten Niederlande Friedrich Heinrich
Frankreich Konigreich 1791 Urbain de Maillé-Brézé
Frankreich Konigreich 1791 Marschall de ChĂątillon

TruppenstÀrke

Garnison: 4.000 Mann[2][3][4]
Entsatzarmee: 11.000 Mann

56.000 Mann[5]

Verluste

310 Mann

Wenigstens 18.000 Mann[6]

Die Belagerung von Löwen (24. Juni – 4. Juli 1635) war eine bedeutsame Belagerung im DreißigjĂ€hrigen Krieg. Eine französisch-niederlĂ€ndische Armee unter Friedrich Heinrich von Oranien und den französischen MarschĂ€llen Urbain de MaillĂ©-BrezĂ© und Gaspard III. de Coligny, die von zwei Seiten in die spanischen Niederlande eindrangen, belagerten die spanisch-niederlĂ€ndische Stadt Löwen, die von 4.000 flĂ€mischen Zivilisten, Wallonen, Spaniern und Iren unter Anthonie Schetz verteidigt wurde.[4] Schlechte Organisation und Logistik und die Ausbreitung von Krankheiten unter den französischen Belagerungstruppen, sowie das Eintreffen eines Entsatzheeres unter Ottavio Piccolomini (1599–1656) zwangen die Belagerungstruppen, die Belagerung aufzugeben.[7][8] Der Fehlschlag der Belagerung erlaubte es spanischen Truppen, die Initiative zu ergreifen, mit der die Belagerungstruppen zu einem eiligen RĂŒckzug gezwungen wurden.[1]

Karte von Brabant von 1645 von Joan Blaeu

1635 ging die niederlĂ€ndische Republik eine Allianz mit Frankreich ein, die zum Ziel hatte, die spanische Armee von Flandern von zwei Seiten anzugreifen, um so die strategische Pattsituation im AchtzigjĂ€hrigen Krieg zu Gunsten der Niederlande zu verĂ€ndern und die Spanischen Niederlande zwischen den beiden Parteien der Allianz aufzuteilen. Die Franzosen drangen von SĂŒden in die Spanischen Niederlande ein und schlugen die spanische Armee in der Schlacht bei Les Avins am 20. Mai, um sich sodann mit Truppen von Friedrich Heinrich von Oranien in Maastricht zu vereinigen, der die niederlĂ€ndische Republik an der Spitze eines 20.000 Mann starken Heeres, zu dem noch 6.000 Mann Kavallerie kamen, verlassen hatte.[9] Unterdessen verlegte Kardinalinfant Ferdinand, der sich in Löwen aufhielt, spanische Tercios nach Tienen und sandte den Grafen von Fuenclara nach Deutschland, um die Reichsarmee zu Hilfe zu rufen.[9] Die vereinigte Armee der Franzosen und der NiederlĂ€nder, die nun aus 56.000 Mann bestand[5] und sich aus französischen, niederlĂ€ndischen, deutschen und englischen Soldaten zusammensetzte, marschierte nach Tienen, das von einer kleinen Garnison unter KapitĂ€n MartĂ­n de los Alarcos verteidigt wurde. Das Dorf wurde im Sturm erobert, drei Tage lang geplĂŒndert und schließlich niedergebrannt.[9] Die spanische Garnison und der Großteil der Bevölkerung wurde massakriert.[9] Diese Verzögerung gab Ferdinand Zeit, die Befestigungen von Löwen auszubauen und seine Armee in einer befestigten Stellung nahe der Stadt in Stellung zu bringen. Bald darauf erschien die französisch-niederlĂ€ndische Armee und schlug ihr Lager in einer Entfernung von zwei Meilen zu Ferdinands Hauptquartier auf. Nichtsdestoweniger blieben sie acht Tage lang untĂ€tig, was der Bevölkerung des ganzen Landes, insbesondere der von BrĂŒssel, wo die Nachrichten der PlĂŒnderung Tienens große BestĂŒrzung hervorgerufen hatte, Gelegenheit gab, sich in Sicherheit zu bringen.[9]

Erste Operationen

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Am 20. Juni brach die französisch-niederlĂ€ndische Armee ihr Lager ab und verschob ihre Linien an das östliche Ufer des Flusses Dijle. Francisco de Moncada, der die spanischen Tercios des Marquis de Celada befehligte, weitere Einheiten Tercios und die Kavallerie unter Johann zu Nassau-Siegen, rĂŒckten vor, um die deutsche Garnison einer befestigten BrĂŒcke ĂŒber die Dijle zu verstĂ€rken, da sie befĂŒrchteten, die Invasionsarmee könnte diese BrĂŒcke benutzen, um an das andere Ufer zu gelangen.[10] Die spanischen Truppen verbrachten zwei Stunden damit, die französisch-niederlĂ€ndischen Truppenbewegungen ĂŒber die HĂŒgel auf der gegenĂŒberliegenden Flussseite zu beobachten, bevor sie bemerkten, dass ihre Gegner die Dijle ĂŒber eine unverteidigte FußgĂ€ngerbrĂŒcke ĂŒberquerten, die eine Meile entfernt von der bewachten lag.[10] Ohne noch weitere kostbare Zeit zu verlieren, wurde der Herzog von Lerma mit dem Befehl ausgesandt, die Überquerung unter allen UmstĂ€nden zu verhindern. Unter seinem Befehl standen ein Teil der Kavallerie unter Juan de Vivero und 300 Musketiere von den Einheiten Celadas, die von KapitĂ€n Antonio de Velandia angefĂŒhrt wurden. Als sie an der BrĂŒcke ankamen, hatten bereits mehr als 4000 gegnerische Soldaten den Fluss ĂŒberquert und gute Verteidigungsstellungen eingenommen, da sie dieses Manöver bereits in der MorgendĂ€mmerung desselben Tages begonnen hatten.[10] Als der Herzog von Lerma dessen gewahr wurde, befahl er Celada, sich zurĂŒckzuziehen und warnte ihn ĂŒber KapitĂ€n Diego de Luna, dass er ihm nicht zu Hilfe eilen könne, falls dessen MĂ€nner angegriffen wĂŒrden, da die Kavallerie unter Johann von Nassau-Siegen zurĂŒckgefallen war.[10]

Belagerung an sich

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In der Nacht wurde die gesamte Artillerie sowie der Tross zurĂŒck nach BrĂŒssel gebracht, am kommenden Tag folgte der Kardinal-Infante mit seinem Lager.[11] Somit wurde die Verteidigung Löwens allein dem Veteranen Anthonie Schetz, dem Baron von Grobbendonck ĂŒberlassen. Er konnte an regulĂ€ren Truppen ĂŒber die Tercios seines Sohnes, des Barons von Wezemaal, die wallonischen Tercios von Ribacourt, die irischen Tercios unter Thomas Preston, und einige Kavalleriereiter verfĂŒgen. Daneben hatten sich fĂŒnf Regimenter bewaffnete BĂŒrger und Studenten der UniversitĂ€t zu Löwen zur VerfĂŒgung gestellt.[3] Nachdem die französisch-niederlĂ€ndischen Soldaten die Dijle vollstĂ€ndig ĂŒberquert hatten, plĂŒnderten sie zunĂ€chst das Dorf Tervuren, die Sommerresidenz der Herzöge von Brabant, und erreichten sodann die Außenbereiche von BrĂŒssel. Bald kehrten sie nach Löwen zurĂŒck, um die Stadt zu belagern. Die Belagerung wurde kurz nach dem Eintreffen der Truppen aufgenommen, wĂ€hrend die alliierte Artillerie ĂŒber die Befestigungsanlagen von Löwen schoss und Pioniere die Wehrmauern mit GrĂ€ben und Minen zu beschĂ€digen versuchten. Am stĂ€rksten betroffen von den Unterminierungsversuchen war das Tor von Vilvoorde, das von Preston und seinem irischen Tercios verteidigt wurde, die durch ihre zahlreichen AusfĂ€lle die Belagerungsarbeiten behinderten und die schlecht ausgerĂŒsteten französischen Soldaten schnell demoralisierten.[12] Wallonische Truppen und Studenten unternahmen ebenso einige AusfĂ€lle, sodass die Grabungsarbeiten regelmĂ€ĂŸig nachts zerstört werden konnten.[12] Die Belagerer entschlossen sich, verĂ€rgert durch die Behinderung ihrer Arbeiten, die Mauern im Sturm zu nehmen und ihre zahlenmĂ€ĂŸige Überlegenheit so auszunutzen, obwohl sie so dem feindlichen Feuer schutzlos ausgeliefert sein wĂŒrden.[12] Drei Regimenter ĂŒberfielen des Nachts die Mauern und Bollwerke der vordersten Schanzungsanlagen, wurden aber von den wachsamen Verteidigern blutig zurĂŒckgeschlagen.[12] In der folgenden Nacht fĂŒhrte Friedrich Heinrich höchstpersönlich einen Angriff auf das Ravelin, das das Tor von Mechelen schĂŒtzte und nur von einer Handvoll Iren verteidigt wurde. Trotz anfĂ€nglicher Erfolge konnte die Attacke von den Iren, unterstĂŒtzt von einigen Deutschen und BĂŒrgern, zurĂŒckgeschlagen und Friedrich Heinrich und seinen MĂ€nnern empfindliche Verluste zugefĂŒgt werden.[12] Zum Scheitern der Attacke maßgeblich beigetragen hatte, dass die Manöver der Armee von einem gut befestigten Turm zwischen den Toren von Mechelen und Vilvoorde (im Volksmund bekannt als Verlooren-Kost) aus beobachtet werden konnte.[13] Dieser Turm diente dem Baron von Grobbendonck sowohl als Artilleriestellung wie auch als Ausguck. Als die Franzosen die Bedeutung des Verlooren-Kost erkannten, nahmen sie ihn unter schweren Beschuss, konnten die 9 Meter dicken Mauern jedoch nicht ĂŒberwinden.[13]

Am 29. Juni, dem Peter-und-Pauls-Fest, blieb die französisch-niederlĂ€ndische Seite untĂ€tig. Unterdessen befahl Grobbendonck 250 speziell ausgewĂ€hlten Verteidigern, einen Ausfall zu unternehmen. Die MĂ€nner verließen die Stadt durch verschiedene Tore und trafen sich vor dem Verlooren-Kost wieder.[13] Darauf erstĂŒrmten sie in einem Überraschungsangriff die Stellungen der Belagerer, die sie völlig unvorbereitet antrafen. Um die 400 Mann, darunter eine große Anzahl an Offizieren, wurden hierbei getötet. Trotz dieses RĂŒckschlages konnte Friedrich Heinrich Grobbendonck noch am selben Tag zur Aufgabe drĂ€ngen, indem er ein Massaker an den Bewohnern der Stadt androhte.[13] FĂŒnf Tage spĂ€ter traf in den Vororten von Löwen eine kaiserlich-spanische Entsatzarmee unter Ottavio Piccolomini ein, bestehend aus 8000 Kavalleristen und den Tercios von Alonso LadrĂłn und Sigismondo Sfondrati, die in Namur stationiert gewesen waren, um die Niederlage von Les Avins zu begrenzen. Hinzu kam eine Nachhut von 3000 Mann Infanterie und ein wenig Kavallerie.[11] Das Eintreffen der Armee veranlasste die Franzosen und NiederlĂ€nder, die Belagerung aufzugeben und sich nach Norden in die Vereinigten Provinzen zurĂŒckziehen. Beim RĂŒckzug desertierte eine große Anzahl der Soldaten oder wurde von der spanischen Kavallerie und von flĂ€mischen Bauern getötet.[11] Kurz darauf erschien auch der Kardinalinfant mit 22.000 Mann Infanterie und 14.000 Mann Kavallerie auf der BildflĂ€che.[11][1]

Das Belagerungsheer hatte zum Ende der Belagerung zusĂ€tzlich auch unter einer Typhusepidemie und unter Problemen mit der Nahrungsversorgung gelitten. Am Ende des Monats Juni waren von den anfĂ€nglich 29.000 Söldnern der Belagerungstruppen nur noch 17.000 ĂŒbrig, eine Zahl, die sich bis zum RĂŒcktransport der verbliebenen ehemaligen Belagerungstruppen per Schiff im FrĂŒhjahr 1636 noch auf 9.000 verringerte.[14]

Das französisch-niederlĂ€ndische Scheitern vor den Mauern Löwens ermöglichte es den Spaniern, die Initiative zu ergreifen.[1] Ein Gegenstoß des Kardinal-Infante drĂ€ngte die französisch-niederlĂ€ndische Armee zurĂŒck an die niederlĂ€ndische Grenze. Er unternahm einen nordöstlichen Vorstoß an den Rhein in Richtung Kleve, wobei Diest und Tienen zurĂŒckerobert werden konnten.[1] Eine Gruppe von 500 deutschen Söldnern unter Oberstleutnant Eyndhouts, die sich an der linken Flanke der Armee herumtrieb, konnte in der Nacht vom 27. auf den 28. Juli die niederlĂ€ndische Festung Schenkenschans ĂŒberraschen und einnehmen, die zu dieser Zeit lediglich eine Garnison von 120 Soldaten hatte. Eine große Anzahl an MĂ€nnern wurde sodann in der Festung stationiert, zuerst unter dem Befehl von Eyndhouts. Die NiederlĂ€nder rĂŒckten sofort mit VerstĂ€rkungen nach, konnten aber nicht verhindern, dass eine spanische 20.000 Mann starke Armee das Herzogtum Kleve im August und September besetzte.[15] Dies hatte zu Ziel, die Feste von Shenck mit den Hauptlanden der Spanischen Niederlande zu verbinden.[15] Durch diese Besatzungsarmee drohte eine Invasion in das niederlĂ€ndische Landesinnere, weshalb es unumgĂ€nglich war, dieser Bedrohung zu begegnen. Friedrich Heinrich selbst begann die Belagerung von Schenkenschans, bereits wenige Tage nach dessen Fall, ĂŒbertrug das Kommando aber bald auf seinen Cousin Johann Moritz von Nassau-Siegen. Die Festung fiel nach einer langen und kostspieligen Belagerung, die sogar ĂŒber die Wintermonate aufrechterhalten wurde.[1] Die Spanier legten ihr Hauptaugenmerk nun auf die Franzosen und wandten sich gegen den Norden Frankreichs in Richtung der Somme. Die Invasion wurde erst bei Corbie gestoppt.[16]

  • Ruby Mildred Ayres: A Popular History of Ireland. BiblioBazaar, LLC, 2008, ISBN 978-0-554-33033-4 (englisch).
  • Jacques Albin Simon Collin de Pancy: Fastes militaires des Belges, ou Histoire des guerres, siĂšges, conquĂȘtes, expĂ©ditions et faits d’armes qui ont illustrĂ© la Belgique depuis l’invasion de CĂ©sar jusqu'Ă  nos jours. Au Bureau des fastes militaires, BrĂŒssel 1836 (französisch).
  • William P. Guthrie: The later Thirty Years War: from the Battle of Wittstock to the Treaty of Westphalia. Greenwood Publishing Group, Westport 2001, ISBN 978-0-313-32408-6 (englisch).
  • Jonathan Irvine Israel: Conflicts of empires: Spain, the low countries and the struggle for world supremacy, 1585–1713. Continuum International Publishing Group, London 1997, ISBN 978-1-85285-161-3 (englisch).
  • David Parrott: Richelieu’s army: war, government, and society in France, 1624–1642. Cambridge University Press, Cambridge UK 2001, ISBN 978-0-521-79209-7 (englisch).
  • Diego Luna y Mora: RelaciĂłn de la campaña del año 1635. in ColecciĂłn de documentos inĂ©ditos para la historia de España. LXXV. Auflage. Impr. de la Viuda de Calero, Madrid (spanisch, 1842–1895).
  • Peter H. Wilson: The Thirty Years War: Europe’s tragedy. Harvard University Press, 2009, ISBN 978-0-674-03634-5 (englisch).

Einzelnachweise

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  1. 1 2 3 4 5 6 Israel S. 70
  2. ↑ Guthrie S. 181
  3. 1 2 Collin de Plancy S. 128
  4. 1 2 Ayres S. 127
  5. 1 2 Wilson S. 555–560
  6. ↑ Wilson S. 560
  7. ↑ Parrott S. 74
  8. ↑ Israel S. 69
  9. 1 2 3 4 5 de Luna y Mora S. 392
  10. 1 2 3 4 de Luna y Mora S. 393
  11. 1 2 3 4 de Luna y Mora S. 394
  12. 1 2 3 4 5 Collin de Plancy S. 129
  13. 1 2 3 4 Collin de Plancy S. 130
  14. ↑ Lothar Höbelt: Von Nördlingen bis Jankau. Kaiserliche Strategie und KriegfĂŒhrung 1634-1645. In: Republik Österreich, Bundesminister fĂŒr Landesverteidigung (Hrsg.): Schriften des Heeresgeschichtlichen Museums Wien. Band 22. Heeresgeschichtliches Museum, Wien 2016, ISBN 978-3-902551-73-3, S. 52–54.
  15. 1 2 Israel S. 71
  16. ↑ Israel S. 76