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Harald Weyel

aus Wikipedia, der freien EnzyklopÀdie
Harald Weyel, 2022

Harald Weyel (* 30. August 1959 in Herborn) ist ein deutscher Ökonom und Politiker (AfD, zuvor Freie WĂ€hler). Er war von 2017 bis 2025 Mitglied des Deutschen Bundestages. Seit Juni 2022 gehört er als stellvertretender Bundesschatzmeister dem Bundesvorstand der AfD an.

Leben und beruflicher Werdegang

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Weyel ist Sohn eines afroamerikanischen GIs und einer Köchin aus dem Westerwald. Ein Jahr nach seiner Geburt verließ der Vater die Familie und kehrte nach Raleigh in North Carolina zurĂŒck.[1]

Weyel wuchs in Herborn auf, begann eine Mechanikerlehre und legte dann das Abitur in Marburg an der Lahn ab. Er studierte in West-Berlin, Marburg und Oldenburg Geographie, Romanistik, Wirtschafts- und Sozialwissenschaften. 1987 schloss er sein Studium als Diplom-Ökonom ab und arbeitete dann im Öffentlichen Dienst. 1993 wurde er mit einer Dissertation ĂŒber die Dekolonisierung Belizes[2] an der UniversitĂ€t Oldenburg zum Dr. rer. pol. promoviert und vertrat von 1997 bis 2000 eine Professur fĂŒr „Allgemeine Betriebswirtschaftslehre, Außenwirtschaft und englische Fachsprache“ an der FH Köln. Dort erhielt er anschließend eine Professur fĂŒr Betriebswirtschaft.[3]

Weyel wurde vorgeworfen, in Lehrveranstaltungen EU-feindliche Positionen vertreten, die Bedeutung des Holocausts relativiert und politisch einseitige LösungsvorschlĂ€ge zur BewĂ€ltigung der Eurokrise dargestellt zu haben; die Hochschule kam zu dem Ergebnis, Aussagen und zur AufklĂ€rung herangezogene Materialien hĂ€tten „teilweise AuffĂ€lligkeiten“ bestĂ€tigt, aber kein Dienstvergehen. Weyel gab an, er sehe sich bestĂ€rkt, „junge Menschen durch das Aufzeigen von alternativen Sichtweisen zum selbststĂ€ndigen Denken zu erziehen“.[4]

Harald Weyel ist geschieden und hat ein Kind.[1]

Politik und Mitgliedschaften

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Vor der Europawahl 2009 trat er in die Partei „Freie WĂ€hler“ ein, deren Landesvorstand in Nordrhein-Westfalen er von 2011 bis 2012 angehörte und fĂŒr die er bei der NRW-Landtagswahl 2012 kandidierte.[5] 2013 trat er zur AfD ĂŒber.[3]

Weyel zog bei der Bundestagswahl 2017 ĂŒber die AfD-Landesliste NRW (Listenplatz Nr. 3) in den 19. Deutschen Bundestag ein.[6] Als seine Politikfelder nannte er beim WDR fĂŒr die kommende Legislaturperiode die „Außenwirtschaftspolitik, inklusive EU und Entwicklungshilfe“.[7] Weyel war Obmann und Ordentliches Mitglied im Ausschuss fĂŒr die Angelegenheiten der EuropĂ€ischen Union sowie Stellvertretendes Mitglied im Ausschuss fĂŒr wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung des 19. Deutschen Bundestages.[5] Er war Stellvertretender Vorsitzender der Parlamentariergruppe USA im Deutschen Bundestag.[8] Ab 2019 war Harald Weyel Mitglied der Deutsch-Französischen Parlamentarischen Versammlung.

Nach seiner Wahl in den Deutschen Bundestag 2017 schrieb die Wochenzeitung Die Zeit: „Innerhalb der AfD ist Harald Weyel bislang kaum aufgefallen. Umso drastischer inszeniert er sich bei Facebook.“ Er teile sexistische BeitrĂ€ge, in denen Frauen ein genetisch bedingter Mangel an Intelligenz unterstellt wird. Die Betonbarrieren, mit denen Veranstaltungen vor TerroranschlĂ€gen geschĂŒtzt werden sollen, nannte Weyel ein „Mahnmal fĂŒr noch nicht getötete Deutsche und ihre Freunde“.[9]

Weyel wurde im Januar 2018[10] und erneut im November 2018[11] die ImmunitĂ€t entzogen, um die DurchfĂŒhrung eines Disziplinarverfahrens zu ermöglichen, das im Juni 2020 eingestellt wurde.[12]

Weyels Mitarbeiter Erik Lehnert ist GeschĂ€ftsfĂŒhrer des Instituts fĂŒr Staatspolitik, einer Denkfabrik der Neuen Rechten, und Kuratoriumsmitglied der neurechten Titurel-Stiftung, deren Geldgeber ein Haus fĂŒr die IdentitĂ€ren in Halle erworben hat.[13]

Harald Weyel ist Mitglied im Kuratorium der Desiderius-Erasmus-Stiftung.

Von der AfD-Fraktion im Deutschen Bundestag wurde er am 13. November 2020 fĂŒr die Wahl zum BundestagsvizeprĂ€sidenten vorgeschlagen.[14] Jedoch erreichte er im ersten Wahlgang am 26. November 2020 mit 104 nicht die erforderliche Anzahl an Stimmen der Abgeordneten.[15]

Im Juni 2022 grĂŒndete Weyel gemeinsam mit aktiven und ehemaligen AfD-Bundestagsabgeordneten in Chemnitz die „Vereinigung zur Abwehr der Diskriminierung und der Ausgrenzung Russlanddeutscher sowie russischsprachiger MitbĂŒrger in Deutschland“ (Vadar e.V.). Zu den GrĂŒndungsmitgliedern von Vadar gehören laut Vereinsregister der Berliner AfD-Abgeordnete Gunnar Lindemann, der AfD-Bundestagsabgeordnete Eugen Schmidt, der ehemalige Bundestagsabgeordnete Ulrich Oehme sowie Wladimir Sergijenko und Olga Petersen. Der Verein finanzierte laut eigenen Angaben die rechtliche Vertretung der pro-russischen Influencerin Alina Lipp und wendet sich gegen das deutsche Verbot des Z-Symbols.[16][17] Der Verein leugnet auf Telegram die von russischer Seite begangenen Kriegsverbrechen im Russisch-Ukrainischen Krieg.[18][19]

Auf dem 13. Bundesparteitag der AfD im Juni 2022 wurde Weyel in der Rolle als stellvertretender Bundesschatzmeister in den Bundesvorstand der Partei gewÀhlt.[20]

Im September 2022 erregte eine Äußerung Weyels Aufsehen, die er im Glauben getan hatte, sein Mikrofon wĂ€re bereits ausgeschaltet. Bei einer Diskussionsrunde zur drohenden Gaskrise im Winter 2022/23 hatte Weyel auf die Meinung, die Lage werde dramatisch werden, erwidert: „Man muss sagen hoffentlich. Wenn’s nicht dramatisch genug wird, geht’s so weiter wie immer.“ Dies wurde von dem CDU-Abgeordneten Johannes Steiniger auf Twitter als Beleg fĂŒr den mangelnden Patriotismus der AfD gewertet. Weyel dagegen wollte diese Äußerung lediglich als Ausdruck seiner „BefĂŒrchtung“ verstanden wissen.[21]

Bei der Bundestagswahl 2025 kandidierte Weyel im Wahlkreis Rheinisch-Bergischer Kreis, wo er 12,4 % der Erststimmen erzielte, sowie auf Platz 27 der Landesliste. Da fĂŒr die AfD 26 Abgeordnete aus Nordrhein-Westfalen in den Bundestag einzogen, schied er im MĂ€rz 2025 aus.

Schriften (Auswahl)

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  • Weltmarkt und Dekolonisierung, das Beispiel Belize. Eine Analyse der Möglichkeiten nationaler und regionaler ökonomischer Emanzipation auf dissoziativen und integrativen Wegen im postsozialistischen Zeitalter, 1993 (= Oldenburg, Univ., Diss., 1993).
  • Internationale Betriebswirtschaftslehre und kulturelle Evolution. InternationalitĂ€t, Wirtschaft und Kultur im 21. Jahrhundert, Lohmar/Köln: Josef Eul Verlag 2003.
  • Gemeinsam mit Helmut Bujard, Lothar Cerny und Walter Gutzeit: Wirtschaft und Kultur, Berlin/Boston: de Gruyter 2011.
  • Die Verdammten Europas. Bemerkungen zur deutschen Lage, LĂŒdinghausen/Neuruppin: Manuscriptum 2021.
Commons: Harald Weyel – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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  1. 1 2 Mariam Lau: ZurĂŒck ins Kaiserreich (Memento vom 21. November 2017 im Webarchiv archive.today), Zeit Online, 15. November 2017; erschienen in: Die Zeit 47/2017 vom 16. November 2017.
  2. ↑ Katalog der Deutschen Nationalbibliothek. Abgerufen am 20. Januar 2019.
  3. 1 2 Prof. Dr. Harald Weyel - Alternative fĂŒr Deutschland. Archiviert vom Original (nicht mehr online verfĂŒgbar) am 27. Mai 2019; abgerufen am 3. Oktober 2017.
  4. ↑ „Hochschule stellt Disziplinarverfahren gegen Weyel ein“, welt.de, 5. Juni 2020, abgerufen am 13. November 2020
  5. 1 2 Deutscher Bundestag - Prof. Dr. Harald Weyel. In: Deutscher Bundestag. Abgerufen am 22. Februar 2018.
  6. ↑ Der Bundeswahlleiter: GewĂ€hlte auf Landeslisten der Parteien in Nordrhein-Westfalen - Der Bundeswahlleiter. Abgerufen am 8. November 2017.
  7. ↑ Kandidat Harald Weyel (AfD), Landesliste. In: Westdeutscher Rundfunk. 25. September 2017, abgerufen am 3. Oktober 2017.
  8. ↑ Deutscher Bundestag - Weltweit vernetzt - die Parlamentariergruppen. Abgerufen am 15. Juni 2020.
  9. ↑ Kai Biermann, Astrid Geisler, Christina Holzinger, Paul Middelhoff, Karsten Polke-Majewski: AfD-Fraktion: Rechts bis extrem im Bundestag. In: Die Zeit. 26. September 2017, abgerufen am 4. Oktober 2017.
  10. ↑ ImmunitĂ€t zweier Abgeordneter aufgehoben. In: Deutscher Bundestag. 18. Januar 2018, abgerufen am 18. Januar 2018.
  11. ↑ Beschlussempfehlung zum Antrag auf Aufhebung der ImmunitĂ€t vom 22.11.2018. In: Deutscher Bundestag. 22. November 2018, abgerufen am 23. November 2018.
  12. ↑ SĂŒddeutsche Zeitung: Hochschule stellt Disziplinarverfahren gegen Weyel ein. Abgerufen am 15. Juni 2020.
  13. ↑ Kai Biermann, Astrid Geisler, Johannes Radke, Tilman Steffen: AfD-Abgeordnete beschĂ€ftigen Rechtsextreme und Verfassungsfeinde. In: Zeit online. 21. MĂ€rz 2018.
  14. ↑ Bundestag.de
  15. ↑ Dagmar Ziegler zur neuen Bundestags-Vize gewĂ€hlt. 26. November 2020, abgerufen am 26. November 2020 (deutsch).
  16. ↑ Verein mit AfD-BezĂŒgen: Gemeinsam fĂŒr Russland auf tagesschau.de vom 16. Dezember 2022.
  17. ↑ Lara Schultz: Ein dubioser Verein beansprucht, fĂŒr russigsprachige Menschen einzutreten auf Jungle.world vom 22. Dezember 2022.
  18. ↑ Maik BaumgĂ€rtner, Alexander Chernyshev, Roman Lehberger, Ann-Katrin MĂŒller, Roman Höfner, Wolf Wiedmann-Schmidt: Moskaus Mann im Bundestag, in Der Spiegel 29/2023 und auf Spiegel.de vom 13. Juli 2023.
  19. ↑ Maik BaumgĂ€rtner, Christo Grozev, Roman Höfner, Roman Dobrokhotov, Roman Lehberger, Ann-Katrin MĂŒller, Fidelius Schmid, Wolf Wiedmann-Schmidt: (S+) AfD: Kremlfreund im Bundestag – Geheime Nachrichten dokumentieren Kontakte nach Moskau. In: Der Spiegel. 4. August 2023 (spiegel.de [abgerufen am 4. August 2023]).
  20. ↑ AfD-Parteitag: Chrupalla und Weidel neue Doppelspitze. 18. Juni 2022, abgerufen am 10. August 2023.
  21. ↑ Gareth Joswig: AfD-Vorstand hofft auf Gaskrise. In: taz vom 8. September 2022, S. 6.