Kanadisch-GĂ€lische Sprache
| Kanadisch-GĂ€lisch | ||
|---|---|---|
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Gesprochen in |
Kanada (in Neuschottland; noch sehr wenige Sprecher) | |
| Sprecher | 500â1.000 | |
| Linguistische Klassifikation |
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| Offizieller Status | ||
| Amtssprache in | â | |
| Sprachcodes | ||
| ISO 639-1 | gd (Schottisch-gÀlische Sprache) | |
| ISO 639-2 | gla (Schottisch-gÀlische Sprache) | |
| ISO 639-3 | gla (Schottisch-gÀlische Sprache) | |
Die kanadisch-gĂ€lische Sprache (gĂ€lisch GĂ idhlig Chanada, A' GhĂ idhlig ChanĂšideanach, GĂ idhlig Cheap Bhreatainnis) ist eine aus dem Schottisch-GĂ€lischen entstandene Sprache, die ĂŒber mehr als 200 Jahre durchgehend auf der Kap-Breton-Insel und in abgeschiedenen Exklaven auf dem Festland Neuschottlands gesprochen wurde. In geringerem AusmaĂ wird die Sprache auch auf der nahegelegenen Prince Edward Island (PEI) und von in groĂen kanadischen StĂ€dten wie Toronto lebenden, emigrierten Schotten gesprochen. Auf seinem Höhepunkt um die Mitte des 19. Jahrhunderts war das GĂ€lische â nach Englisch und Französisch â die dritthĂ€ufigste in Kanada gesprochene Sprache.[1] Seither nahm ihr Gebrauch drastisch ab, bis sie heute nahezu ausgestorben ist. Obschon die Sprache teilweise als Dialekt der schottisch-gĂ€lischen Sprache angesehen wird, wird das Kanadisch-GĂ€lische mehrheitlich als eigenstĂ€ndige Sprache betrachtet.
Kanadisches GÀlisch wird in Neuschottland nach vorsichtigen SchÀtzungen von etwa 500 bis 1.000 vorwiegend Àlteren Menschen gesprochen.
Die ersten Sprecher
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Im Jahre 1621 gestattete König James VI. von Schottland dem Freibeuter William Alexander, die erste schottische Kolonie in Ăbersee zu grĂŒnden. Eine Gruppe HochlĂ€nder â alle gĂ€lischsprachig â siedelten sich in einem Gebiet im Westen Neuschottlands an, das heute als Port Royal bezeichnet wird. Innerhalb eines Jahres brach die Kolonie jedoch zusammen. SĂ€mtliche Versuche, die Kolonie zu retten, scheiterten, da im Vertrag von Saint-Germain-en-Laye (1632) Neuschottland französisch wurde.
Fast ein halbes Jahrhundert spĂ€ter, im Jahre 1670, wurden der Hudsonâs Bay Company exklusive Handelsrechte in ganz Nordamerika zugesprochen, die bis weit ĂŒber die Hudson Bay reichten (ungefĂ€hr 3,9 Millionen kmÂČ). Viele der HĂ€ndler stammten aus dem schottischen Hochland, die das GĂ€lische ins Landesinnere trugen. Diejenigen, die unter der ortsansĂ€ssigen indianischen Bevölkerung einheirateten, gaben ihre Sprache an die folgenden Generationen weiter. Die Auswirkung dieser Heiratspraxis war, dass Mitte des 18. Jahrhunderts eine deutliche Bevölkerung von MĂ©tis (Mischlingen) schottischer und eingeborener Herkunft existierte, die Handel betrieb und gĂ€lischsprachig war.[2][3]
Die Besiedlung
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Kap Breton blieb französisches Hoheitsgebiet bis 1758, obwohl seit 1713 der gröĂte Teil Neuschottlands bereits in britischem Besitz war, als Fort Louisbourg einschlieĂlich der restlichen Gebiete Neufrankreichs in der Schlacht in den Ebenen von Abraham britisch wurde. 1770 landeten die ersten schottischen Siedler in St. Johnâs Island auf Prince Edward Island. Viele gĂ€lischsprachige Familien waren im Zuge der Vertreibungen aus dem schottischen Hochland (Fuadaich nan GĂ idheal/Highland Clearances, ab 1762) gezwungen, ihr europĂ€isches Heimatland fĂŒr immer zu verlassen. 1784 waren Prince Edward Island und Neuschottland ĂŒberwiegend gĂ€lischsprachig. SchĂ€tzungsweise mehr als 50.000 gĂ€lischsprachige Siedler wanderten in Neuschottland und Cape Breton Island zwischen 1815 und 1870 ein.
Die Red-River-Kolonie
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]1812 erhielt Thomas Douglas, 5. Earl of Selkirk, 300.000 Quadratkilometer Land, um eine Kolonie an der Flussgabelung des Red River zu errichten (das spĂ€tere Manitoba). Mit Hilfe seines Angestellten und Freund, Archibald McDonald, schickte Selkirk mehr als 70 schottische Siedler in das Gebiet, um dort eine kleine von Landwirtschaft lebende Kolonie zu grĂŒnden. Viele dieser Siedler sprachen GĂ€lisch. Die Siedlung zog im Laufe der Zeit viele einheimische IndianerstĂ€mme an und fĂŒhrte zu einem engen Handelskontakt zwischen Schotten (aus den Lowlands, den Highlands und den Orkney-Inseln), EnglĂ€ndern, Franzosen, Cree, Ojibwe, Saulteaux und MĂ©tis. Als Ergebnis dieses einzigartigen Sprachkontakts entstand das sogenannte Bungee, eine Mischsprache aus GĂ€lisch, Englisch mit vielen Begriffen aus den unterschiedlichen örtlichen Indianersprachen. Es ist allerdings strittig, ob es sich um eine voll entwickelte Mischsprache (Kreol) oder um ein Pidgin handelte. Heute ist der schottische MĂ©tis-Dialekt in der dominanten französischen MĂ©tis-Kultur aufgegangen. Der Bungee-Dialekt ist mit groĂer Wahrscheinlichkeit ausgestorben.[4][5]
In den 1840er Jahren wurde der anglikanische Priester Dr John Black aus Toronto in die Siedlung am Red River geschickt, um das Wort Gottes zu predigen. Die Gemeinde reagierte auf seine Anwesenheit allerdings mit groĂer EnttĂ€uschung, da er keine GĂ€lischkenntnisse besaĂ. Im Verlauf der Zeit wuchs die Bevölkerung auf 300 Personen an, aber in den 1860ern gab es mehr französischsprachige MĂ©tis als gĂ€lischsprachige Schotten und die Spannungen zwischen den beiden Gruppen fĂŒhrten letztlich zur Red-River-Rebellion.[3]
Das 19. Jahrhundert
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Um 1850 war GĂ€lisch nach Englisch und Französisch die dritthĂ€ufigste Muttersprache im britischen Teil Nordamerikas. Es wird angenommen, dass es von mehr als 200.000 britischstĂ€mmigen Nordamerikanern gesprochen wurde.[6] Ein groĂer Teil der irisch-gĂ€lischsprachigen Bevölkerung immigrierte in die schottisch-gĂ€lischsprachigen Gemeinden und die irischen Siedlungen in Neufundland. Auf Prince Edward Island und in Cape Breton gab es groĂe Gebiete mit einsprachiger schottisch-gĂ€lischsprechender Bevölkerung.[7] GĂ€lischsprachige Gemeinden gab es um Pictou und Antigonish im Nordosten Neuschottlands; weitere Gemeinen fanden sich in Glengarry, Stormont, Grey und Bruce Counties in Ontario; im Codroy Valley in Neufundland; in Winnipeg, Manitoba und dem östlichen QuĂ©bec.[1]
1867 war die am weitesten verbreitete Muttersprache unter den GrĂŒndern der kanadischen Konföderation GĂ€lisch.[8] 1890 stellte Thomas Robert McInnes, ein Senator von British Columbia fest, dass 10 Senatoren schottisches und 8 irisches GĂ€lisch sprachen und weitere 32 Mitglieder des House of Commons entweder schottisches oder irisches GĂ€lisch beherrschten. Sein Versuch, GĂ€lisch bei offiziellen AnlĂ€ssen zu verwenden, scheiterte jedoch. Dennoch ist bekannt, dass ein Gerichtsverfahren in Baddeck ganz in GĂ€lisch gefĂŒhrt wurde.[6]
GrĂŒnde fĂŒr den RĂŒckgang des GĂ€lischen
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Trotz der langen Tradition des GĂ€lischen in Kanada ging der tĂ€gliche Gebrauch und die Anzahl der Sprecher, die die Sprache flieĂend beherrschten, nach 1850 stetig zurĂŒck. Der RĂŒckgang war das Ergebnis von Vorurteilen auĂerhalb, aber auch innerhalb der gĂ€lischsprachigen Gemeinschaft. Des Weiteren wurde GĂ€lisch seitens der Regierung und der Bildungsbehörde aggressiv bekĂ€mpft, der Gebrauch des Englischen dagegen wurde massiv gefördert.
Gegen GĂ€lisch gab es in GroĂbritannien seit Generationen groĂe Vorurteile, da die Sprecher der gĂ€lischen Sprache in Irland wie auch in Schottland zu Unrecht mit Armut, Mangel an Bildung und Kultur, Trinksucht, Gewalt, Schmutz und Krankheit sowie Faulheit in Verbindung gebracht wurden. Es galt weithin die Meinung, dass diese Menschen nur mit Hilfe der englischen Sprache und Kultur zu zivilisieren seien. Diese Meinung wurde auch von vielen armen Landbewohnern des schottischen Hochlands geteilt, die im Erlernen des Englischen den einzigen Ausweg sahen, ihrer wirtschaftlichen Misere zu entrinnen. GĂ€lisch war auf diesem Weg nur hinderlich und wurde bewusst nicht an die Folgegenerationen weitergegeben. Der Status der gĂ€lischen Sprache war auf den britischen Inseln sehr niedrig. Es verwundert daher nicht, dass diese negativen Einstellungen gegenĂŒber der Sprache auch in die Neue Welt ĂŒbernommen wurden. Das schottisch-amerikanische Journal berichtete spöttisch, dass âdie vorbereitenden UnerlĂ€sslichkeitenâ fĂŒr das Erlernen des GĂ€lischen folgende Aspekte seien: âeine ordentliche Auswahl von Nussreiben zu schlucken, eine chronische Bronchitis zu bekommen, die Nasenlöcher hermetisch zu verstopfen oder sich einer Kieferverschiebung zu unterziehenâ.[9]
Dass GĂ€lisch in seinem Mutterland keinen offiziellen Status erhalten hatte, machte es der kanadischen Regierung leicht, die Belange der heimischen Sprecher zu ignorieren. So war die allgemeine Meinung, dass die Sprache bestenfalls geeignet sei fĂŒr die Dichtkunst und das ErzĂ€hlen von MĂ€rchen.
Mit dem Ausbruch des Zweiten Weltkriegs unternahm die kanadische Regierung den Versuch, GĂ€lisch im öffentlichen Gebrauch zu unterdrĂŒcken. Die Regierung glaubte, dass GĂ€lisch von UmstĂŒrzlern, die mit Irland in Verbindung gebracht wurden, genutzt wurde. Irland war zwar ein neutrales Land, doch war man sich in London der Fremdherrschaft in Nordirland bewusst und tolerierte gerne die Nationalsozialistische Herrschaft in Europa. In Prince Edward Island und Cape Breton, wo die Hochburgen des GĂ€lischen waren, wurde der aktive Gebrauch durch körperliche ZĂŒchtigung in den Schulen entmutigt. Die Kinder wurden mit dem maide-crochaidh (HĂ€ngestock) geschlagen, wenn sie beim GĂ€lischsprechen erwischt wurden.[6]
ArbeitsplĂ€tze fĂŒr einsprachige GĂ€len waren sehr eingeschrĂ€nkt und in den schrumpfenden gĂ€lischsprachigen Gemeinden meist auf schwere Minenarbeit und die Fischerei beschrĂ€nkt. Der einzige Weg fĂŒr den gesellschaftlichen Erfolg in Kanada war das Erlernen der englischen Sprache. Die gĂ€lischsprachigen Eltern hörten massenweise auf, GĂ€lisch mit ihren Kindern zu sprechen. Dieser plötzliche Einbruch in der Vermittlung der gĂ€lischen Sprache aufgrund von Vorurteilen und Scham ist der Hauptgrund fĂŒr den RĂŒckgang der gĂ€lischen Sprache im 20. Jahrhundert.[6]
GĂ€lischsprecher in Kanada
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| Jahr | Sprecher |
|---|---|
| 1850 | 200.000 |
| 1900 | 80.000 |
| 1930 | 30.000 |
| 2000 | 500 - 1.000 |
Vereinzelt gibt es noch Nischen fĂŒr Sprecher der Sprache in Cape Breton und in den traditionellen Hochburgen in Christmas Island, North Shore und Baddeck.
Orte in Kanada mit Kanadisch-GĂ€lischen Namen
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Orte auf Cape Breton Island (Eilean Cheap Breatainn)
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Broad Cove: An Caolas Leathann
- Glendale: BrĂ igh na h-Aibhneadh
- Inverness: Baile Inbhir Nis or An Sithean
- Judique: SiĂčdaig
- Mabou: MĂ bu or An Drochaid
- Southwest Margaree: BrĂ igh na h-Aibhne
- Whycocomagh: Hogamah
- Baddeck: Badaig
- Iona: Sanndraigh
- The North Shore: An Cladach a Tuath
- St. Annâs: Baile Anna
- Christmas Island: Eilean na Nollaig
- Big Beach: An TrĂ igh MhĂČr
- Grand Mira: A' Mhira MhĂČr
- Big Pond: Am PĂČn MĂČr
- Loch Lomond: Loch Laomainn
- Marion Bridge: Drochaid Mhira
- Sydney: Baile Shidni
- Grand River: Abhainn MhĂČr
- Port Hastings: CĂČbh a' PhlĂ stair
- Port Hawkesbury: Baile a' Chlamhain or An Gut
Orte auf Nova Scotia (TĂŹr MĂłr na h-Albann Nuaidh)
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Antigonish Am Baile MĂČr
- Arisaig Ărasaig
- Giantâs Lake: Loch an Fhamhair
- Halifax Halafacs
- New Glasgow Am Baile Beag oder Glaschu Nuadh
Sonstiges Kanada
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Glengarry County, Ontario Siorrachd Gleanna Garadh
- Bruce County, Ontario Siorramachd Bhruis
- Nova Scotia Alba Nuadh or Alba Ăr
- Neufundland und Labrador Talamh an Ăisg or Eilein a' Trosg
- Prince Edward Island: Eilean EĂČin or An t-Eilean Dearg; Eilean a' Phrionnsa
- Lewes, Prince Edward Island An Tuirc
- Calgary, Alberta Calgarraidh
- Stornoway, Quebec SteĂČrnabhagh
Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- 1 2 J.M. Bumstead: Scots. In: Multicultural Canada. 2006, archiviert vom (nicht mehr online verfĂŒgbar) am 5. November 2006; abgerufen am 30. August 2006.
- â N. E. S. Griffiths, John G. Reid: New Evidence on New Scotland, 1629. 1992 JSTOR Online Journal Archive.
- 1 2 Olive P. Dickason: Métis. In: Multicultural Canada.
- â The Canadian EncyclopĂŠdia. Abgerufen am 30. August 2006.
- â Anne Matheson Henderson: The Lord Selkirk Settlement at Red River. The Manitoba Historical Society, 1968.
- 1 2 3 4 Michael Kennedy: Gaelic Economic-impact Study. Nova Scotia Museum, 2002.
- â John Shaw: Gaelic in Prince Edward Island: A Cultural Remnant. Gaelic Field Recording Project 1987.
- â National Flag of Canada Day February 15. Department of Canadian Heritage. Abgerufen am 26. April 2006.
- â Michael Newton: This Could Have Been Mine. Scottish Gaelic Learners in North America. Center for Celtic Studies, University of Wisconsin-Milwaukee 2004, abgerufen am 18. Oktober 2006.