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Scheuern (Gernsbach)

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Scheuern
Stadt Gernsbach
Wappen von Scheuern
Koordinaten: 48° 45â€Č N, 8° 21â€Č OKoordinaten: 48° 45â€Č 20″ N, 8° 20â€Č 51″ O
Höhe: 215 m
Einwohner: 2038 (31. Dez. 2022)[1]
Eingemeindung: 1. April 1936
Postleitzahl: 76593
Vorwahl: 07224

Scheuern ist ein Wohnplatz der Stadt Gernsbach im Landkreis Rastatt, Land Baden-WĂŒrttemberg. Bis 1936 war Scheuern eine eigenstĂ€ndige Gemeinde, heute ist es der nach Bevölkerungszahl grĂ¶ĂŸte Ort Gernsbachs außerhalb der Kernstadt.[1]

Geographische Lage

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Scheuern erstreckt sich am sĂŒdlichen Ortsausgang von Gernsbach entlang des rechten Talhangs der Murg, im Volksmund auch Scheuerner Buckel genannt. Die historischen Gemarkungen von Scheuern und Gernsbach wurden durch den Igelbach getrennt, wobei kleine FlĂ€chen links des Bachlaufs noch zu Gernsbach gehören.[2][3] Der Untergrund besteht aus ackergĂŒnstigem Lehmboden auf Forbachgranit.[4] Aufgrund der seit den spĂ€ten 1950er Jahren einsetzenden Bebauung der ehemals ĂŒberwiegend zum Schloss Eberstein gehörenden WiesenflĂ€chen[5] ist Scheuern inzwischen auch mit dem Stadtteil Obertsrot zusammengewachsen. Ein weiterer Nachbarort ist der östlich gelegene Stadtteil Lautenbach.

Die Blasonierung lautet: In Silber ein grĂŒner Weinstock mit zwei blauen Trauben, darunter ein linkshin liegendes Rebmesser in natĂŒrlicher Farbe.

Der Ort Scheuern geht wohl auf einen Hof zurĂŒck, der 1267 als „zu der Schuren“ erstmals urkundlich erwĂ€hnt wird. Er befand sich damals im Besitz des Gernsbacher Vogts Heinrich Schurbrand oder Scheuerbrand (die Schreibweise wechselt). Ein Dorf Scheuern wird erstmals 1327 genannt.[6] Orts- und Familienname hĂ€ngen offenbar zusammen, doch bleibt unklar, welcher Name Ă€lter ist.[7] Scheuern gehörte von Anfang an zur Grafschaft Eberstein und teilt mit dem Hauptort Gernsbach die Herrschaftsgeschichte.[8] 1387 gelangte mit dem Verkauf der halben Grafschaft Eberstein an den Markgrafen von Baden auch Scheuern zur HĂ€lfte an Baden, so dass es seither badische und ebersteinische Leibeigene in Scheuern gab. Mit der Errichtung einer gemeinschaftlichen Verwaltung der Grafschaft Eberstein durch den Einwurfvertrag von 1505 wurden die Einwohner von Scheuern Gemeinuntertanen beider Herrschaften, so dass sie nun wieder ohne EinschrĂ€nkung untereinander heiraten und GeschĂ€fte abschließen konnten. 1556 fĂŒhrten die damaligen Landesherren Wilhelm IV. von Eberstein und Philibert von Baden die Reformation ein. Beim Erbstreit zwischen den Grafen von Eberstein und den mit ihnen verschwĂ€gerten HĂ€usern Gronsfeld und Wolkenstein blieb Scheuern aufgrund des Rufacher Vertrags von 1624 ebersteinisch. Als das Haus Eberstein 1660 im Mannesstamm ausstarb, fiel der Ebersteiner Anteil an Scheuern an das Hochstift Speyer. Die badisch-speyerische Gemeinherrschaft endete 1803 mit dem Reichsdeputationshauptschluss, als Baden den speyerischen Anteil an der Grafschaft Eberstein zugesprochen erhielt. Gerichtsort war Gernsbach, doch bildete Scheuern stets eine eigene Gemeinde mit Schultheiß oder BĂŒrgermeister.[9] Kirchlich gehörte Scheuern dagegen immer zu Gernsbach. Es verfĂŒgte weder ĂŒber eine eigene Kirche noch ĂŒber einen Friedhof. Da Scheuern aufgrund des Rufacher Vertrags im Einflussbereich der Grafen von Eberstein blieb, konnte sich hier der evangelische Glaube behaupten. 1683 waren von 29 Familien 24 protestantisch und nur fĂŒnf katholisch.[10]

Scheuern galt in der ersten HĂ€lfte des 18. Jahrhunderts als „traditionell armes Dorf“.[11] Haupterwerbszweige in der vorindustriellen Zeit waren Acker- und Weinbau. Auf letzteren weist auch das Wappen hin. Ein 1754 unternommener Versuch, Eisenerz zu gewinnen, schlug fehl.[12] Zwischen dem 16. und 18. Jahrhundert unterhielt die Murgschifferschaft bis zu fĂŒnf SĂ€gemĂŒhlen auf Scheuerner Gemarkung, womit man sich die WasserkrĂ€fte von Igelbach und Lautenbach sowie der Murg im Gewann Fröschau zunutze machte. 1792 werden die SĂ€gewerke alle als „niedergefallen“ bezeichnet.[13] Im 19. Jahrhundert waren als Nebengewerbe holzverarbeitende TĂ€tigkeiten wie Besenbinden, Rechenmachen, Schnefeln und Schindelmachen bedeutend.[14] Im letzten Viertel des 19. Jahrhunderts vollzog sich mit der Industrialisierung des Murgtals der Übergang zur Fabrikarbeit bei gleichzeitiger Beibehaltung einer Nebenerwerbslandwirtschaft,[15] wobei besonders der Obstanbau einen Aufschwung erlebte.[16] Seit 1904 verfĂŒgte Scheuern ĂŒber eine zentrale Wasserversorgung.[17] Der Anschluss an die Versorgung mit ElektrizitĂ€t erfolgte 1910 von Gernsbach aus.[18] Seit 1908 bestand in Scheuern ein Kinderschwester-Erholungsheim des Diakonissenmutterhauses Karlsruhe sowie seit 1912 ein Genesungsheim der Allgemeinen Ortskrankenkasse Karlsruhe.[19]

1931 stellte die Stadt Gernsbach beim badischen Innenministerium den Antrag, die Gemeinde Scheuern aufgrund ihrer rĂ€umlichen NĂ€he mit der Stadt zu vereinen. Scheuern wehrte sich vier Jahre lang gegen den Verlust der SelbstĂ€ndigkeit, bis der badische Innenminister Karl Pflaumer und der Reichsstatthalter Robert Wagner den Zusammenschluss zum 1. April 1936 per Erlass verfĂŒgten.[20]

Seit der Gebietsreform der 1970er Jahre wird Scheuern vom Land Baden-WĂŒrttemberg als Wohnplatz gefĂŒhrt.[21] Eine eigene Scheuerner Gemarkung gibt es heute nicht mehr.[22] WĂ€hrend Scheuern in der Gernsbacher Hauptsatzung nicht unter den Stadtteilen genannt wird,[23] behandelt die Stadt das Quartier in der öffentlichen PrĂ€sentation den Stadtteilen gleichgestellt.[24]

Durch Scheuern fĂŒhrt die Straße von Gernsbach nach Lautenbach (heute Kreisstraße 3703). Die bereits im Mittelalter existierende Alte Weinstraße, erstmals 1087 im Reichenbacher Schenkungsbuch als via communis quae ducit per silvam erwĂ€hnt, fĂŒhrt von Gernsbach am Ortsrand von Scheuern vorbei ĂŒber den Hohloh nach Besenfeld, wo es AnschlĂŒsse nach Osten, SĂŒden und Westen gibt.[25]

Öffentlicher Personennahverkehr

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Die Buslinie 247 des Karlsruher Verkehrsverbundes fĂŒhrt von Gernsbach ĂŒber Scheuern nach Lautenbach; in verkehrsschwachen Zeiten wird der Bus durch ein Anruf-Linientaxi ersetzt. Von 1894 bis zum 1. Februar 1924 besaß Scheuern eine eigene Haltestelle der Murgtalbahn.[26] NĂ€chstgelegener Haltepunkt der S-Bahnlinien des Karlsruher Verkehrsverbundes ist heute die Station Gernsbach-Mitte.

Kindergarten Scheuern

Scheuern verfĂŒgt ĂŒber eine einzĂŒgige Grundschule und einen evangelischen Kindergarten. Beide Einrichtungen werden auch von den Kindern aus Lautenbach besucht.[27]

Scheuern ist Sitz der Firma Burster PrĂ€zisionsmesstechnik, eigenen Angaben zufolge einer der international fĂŒhrenden Anbieter von PrĂ€zisionsmesstechniken,[28] sowie der Firma Casimir Kast, die Verpackungen und Displays herstellt.[29]

Es bestehen an Vereinen:

  • Förderverein der Grundschule Scheuern e.V., am 7. MĂ€rz 2017 gegrĂŒndet
  • Scheuerner Fasnachtsclub.[30]
  • Dorfgemeinschaft 750 Jahre Scheuern, anlĂ€sslich des 750-jĂ€hrigen OrtsjubilĂ€ums im Jahr 2017 im Oktober 2016 gegrĂŒndet.
  • FC Gernsbach mit Sportplatz auf Scheuerner Gebiet (Gewann Fröschau).

Die SĂ€ngervereinigung Freundschaft Scheuern hat sich nach 132 Jahren Bestehen aufgelöst. Im August 2020 fand die letzte Vereinssitzung statt. GrĂŒnde fĂŒr die Vereinsauflösung waren Überalterung sowie die Tatsache, dass zuletzt der Verein nur noch 13 aktive Mitglieder zĂ€hlte und das Corona-Virus das gemeinsame Musizieren erschwerte.

Personen mit Bezug zu Scheuern

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Commons: Scheuern – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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  1. 1 2 Gernsbach in Zahlen, Stadt Gernsbach, abgerufen am 19. April 2023.
  2. ↑ Gemarkungsplan Hilpertsau und Scheuern 1877–1879. In: Landesarchiv Baden-WĂŒrttemberg, Generallandesarchiv Karlsruhe. Abgerufen am 29. Januar 2023.
  3. ↑ Rainer Hennl: Gernsbach im Murgtal. Strukturen und Entwicklungen bis zum Ende des badisch-ebersteinischen Kondominats im Jahre 1660, Stuttgart 2006, S. 51 f. (online).
  4. ↑ Rudolf Metz: Mineralogisch-landeskundliche Wanderungen im Nordschwarzwald, 2. Aufl., Lahr 1977, S. 406 und Karte im Anhang.
  5. ↑ Uwe A. Oster: FĂŒrstlicher Wohnsitz, Museum, Gutshof. Schloss Eberstein im 19. und 20. Jahrhundert, in: Schloss Eberstein. Menschen, Geschichte, Architektur, hrsg. von Wolfgang Froese und Martin Walter, Gernsbach 2009, S. 118.
  6. ↑ Hennl, S. 32.
  7. ↑ Vgl. Der Landkreis Rastatt, hrsg. von der Landesarchivdirektion Baden-WĂŒrttemberg in Verb. mit dem Landkreis Rastatt und dem Landesmedienzentrum Baden-WĂŒrttemberg (= Kreisbeschreibungen des Landes Baden-WĂŒrttemberg), Stuttgart 2002, Bd. 2, S. 111, gegen die Ă€ltere Auffassung, dass die Familie Schurbrand/Scheuerbrand ihren Namen von Scheuern abgeleitet habe.
  8. ↑ Vgl. Hennl, S. 85 ff.; Kreisbeschreibung Rastatt, Bd. 2, S. 95 ff., S. 111 f.
  9. ↑ Kreisbeschreibung Rastatt, Bd. 2, S. 111.
  10. ↑ Kreisbeschreibung Rastatt, Bd. 2, S. 112.
  11. ↑ Kreisbeschreibung Rastatt, Bd. 2, S. 112.
  12. ↑ Wolfgang Froese: Badisch-speyerischer Streit: Eisenerzsuche am Schwannkopf, in: Phönix. Kindergartenzeitung des evangelischen Kindergartens Scheuern, Nr. 1/2012, S. 15.
  13. ↑ Max Scheifele: Die Murgschifferschaft. Geschichte des Floßhandels, des Waldes und der Holzindustrie im Murgtal, Gernsbach 1988, S. 317; vgl. Hennl, S. 68 Anm. 101
  14. ↑ Kreisbeschreibung Rastatt, Bd. 2, S. 128.
  15. ↑ Wolfgang Froese: Wie Scheuern zu einer Wasserleitung kam. RĂŒckblick ins Jahr 1904, in: Gernsbacher Bote, Nr. 4/2008, S. 5.
  16. ↑ Kreisbeschreibung Rastatt, Bd. 2, S. 131 f.
  17. ↑ Froese, Wasserleitung.
  18. ↑ Kreisbeschreibung Rastatt, Bd. 2, S. 144.
  19. ↑ Wolfgang Froese: Schwestern, Patienten und Agenten. Das „Genesungsheim“ in Scheuern, in: Gernsbacher Bote, Nr. 4/2014, S. 9 f.
  20. ↑ Veronika Gareus-Kugel: Alles andere als eine freiwillige Fusion. Scheuern seit 75 Jahren Stadtteil von Gernsbach, in: Badisches Tagblatt, Ausgabe Murgtal vom 1. April 2011.
  21. ↑ Scheuern – Wohnplatz. In: LEO-BW, Landesarchiv Baden-WĂŒrttemberg; abgerufen am 19. April 2023.
  22. ↑ Verzeichnis der Gemarkungen. Landesamt fĂŒr Geoinformation und Landentwicklung Baden-WĂŒrttemberg, abgerufen am 29. Januar 2023.
  23. ↑ Hauptsatzung der Stadt Gernsbach. Abgerufen am 19. April 2023.
  24. ↑ Stadtteile. Stadt Gernsbach, abgerufen am 19. April 2023.
  25. ↑ Markus Bittmann/Meinrad Bittmann: Das Murgtal. Geschichte einer Landschaft im Nordschwarzwald, Gernsbach 2009, S. 145 f.; Metz, Nordschwarzwald, S. 114.
  26. ↑ Wolfgang Froese: Bahnhof Scheuern – Haltepunkt der Murgtalbahn. In: Phönix. Kindergartenzeitung des evangelischen Kindergartens Scheuern 2/2011, S. 14 f; Reichsbahndirektion in Mainz (Hg.): Amtsblatt der Reichsbahndirektion in Mainz vom 9. Februar 1924, Nr. 6. Bekanntmachung Nr. 148, S. 89.
  27. ↑ Grundschule Scheuern. Stadt Gernsbach, abgerufen am 29. Januar 2023.
  28. ↑ Burster PrĂ€zisionsmesstechnik
  29. ↑ Casimir Kast Verpackung und Display
  30. ↑ Scheuerner Fasnachtsclub