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Web.de

aus Wikipedia, der freien EnzyklopÀdie
Web.de
Portal, Suchmaschine und E-Mail-Dienst
Sitz Brauerstraße 48, 76135 Karlsruhe
Betreiber 1&1 Mail & Media GmbH
Online seit 1995
https://web.de/

Web.de ist ein 1995 gegrĂŒndetes deutsches Internetportal, das als redaktionell betreutes Webverzeichnis gestartet war und kontinuierlich vorwiegend um Kommunikationsdienstleistungen erweitert wurde. Das Unternehmen gehört zusammen mit dem ehemaligen Konkurrenten GMX zur 1&1 Mail & Media GmbH, die wiederum eine Tochtergesellschaft des United-Internet-Konzerns ist. Trotz leichten RĂŒckgangs des Marktanteils auf dem Bereich der E-Mail-Providern in den letzten Jahren ist Web.de Stand 2024 nach GMX der anteilsstĂ€rkste E-Mail-Provider in Deutschland.[1]

GeschÀftsmodell

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Das GeschĂ€ftsmodell von Web.de basiert auf den beiden SĂ€ulen Onlinewerbung und digitale Dienstleistungen. Zu letzterem gehört der Web.de Club, ein Abonnement fĂŒr Kommunikationsdienste. Im Rahmen der StĂ€rkung der SĂ€ule Onlinewerbung wurde 2004 mit Ad Europe ein Netzwerk mehrerer Webportale gegrĂŒndet, das mittlerweile Mitglieder in 60 LĂ€ndern umfasst. Die Onlinewerbung wird jedoch vor allem in E-Mails platziert.

Bekanntestes Produkt von Web.de ist der kostenlose E-Mail-Dienst FreeMail, der dann kostenpflichtig mit dem genannten Web.de Club erweitert werden kann und bereits frĂŒh Unified-Messaging-Funktionen enthielt. Neben E-Mails können unter anderem auch Faxe und Sprachnachrichten ĂŒber eine eigene Rufnummerngasse (mit der Vorwahl 03212) empfangen und versendet werden.

Die BrĂŒder Matthias und Michael Greve grĂŒndeten in den 1990er Jahren die Cinetic Medientechnik GmbH. Aus dem Unternehmen fĂŒr Kino-Medientechnik wurde im Januar 1999 Web.de ausgegliedert; im Februar 2000 erfolgte der Börsengang. Im Juni gliederte Web.de die Werbeagentur Websolute New Media AG zu 100 % ein und erweiterte das Angebot um E-Commerce und Dienstleistungen fĂŒr den B2B-Bereich.[2] Zu den Kunden gehörten Siemens, BASF und das Wirtschaftsministerium Baden-WĂŒrttemberg. Die Agentur-GrĂŒnder Urs Keller und Lars Bauer, zunĂ€chst Manager in der Firma, verließen Web.de 2004, um die Solute GmbH zu grĂŒnden.[3] Diese betreibt das Preisvergleichsportal Billiger.de.

1995 ging das Deutsche Internet Verzeichnis mit 2500 redaktionell bearbeiteten Eintragungen online. In den folgenden Jahren wurde das Portal um weitere Dienste erweitert, wobei einige (wie ein „Trustcenter“ fĂŒr kostenpflichtige Mail-Adressen) auch wieder eingestellt wurden. Im Oktober 2002 fĂŒhrte die Web.de AG den Internettelefoniedienst Com.Win ein, um „das Telefonieren zu revolutionieren“. MĂ€ĂŸige Abonnentenzahlen und ein weit hinter den Erwartungen zurĂŒckgebliebener Umsatz fĂŒhrten dazu, dass Com.Win nach zwei Jahren nicht mehr weiterentwickelt und mit dem Design eines Nachfolgeprodukts begonnen wurde. Dieses Nachfolgeprodukt ComBOTS ist im Juli 2006 der Öffentlichkeit vorgestellt worden.

Im Mai 2005 genehmigte das Bundeskartellamt die Übernahme des Webportals in Form der Web.de GmbH, einer vollstĂ€ndigen Tochter der Web.de AG, durch die United Internet AG. Der Kaufpreis betrug 330 Millionen Euro, davon 130 Millionen in Aktien. Mit Wirkung zum 31. Oktober 2005 vollzogen die United Internet AG und Web.de AG die angekĂŒndigte Transaktion.

Die Web.de AG als alte Besitzerin firmiert – nach Intermezzi als ComBOTS AG und Kizoo AG – mittlerweile als Atevia AG. Deren Aktien befinden sich nach einem Squeeze-out seit August 2016 zu 100 % im Besitz der Cinetic Gesellschaft zur Entwicklung und Vertrieb von Medientechnik GmbH, was mit einem RĂŒckzug der AG von der Börse einherging.

Am 8. Dezember 2006 kĂŒndigte Web.de die Einstellung des Internettelefoniedienstes Web.de Freephone zum 22. Dezember an. Den Kunden wurde nahegelegt, zum hauseigenen Pendant von GMX zu wechseln.[4]

Im August 2010 firmierte die Web.de GmbH in die 1&1 Mail & Media GmbH um, unter deren Dach auch GMX gefĂŒhrt wird. Die Marke Web.de blieb erhalten.

2013 wurde Web.de durch das Bundesamt fĂŒr Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) als Diensteanbieter fĂŒr De-Mail akkreditiert.[5]

Im August 2015[6] integrierte Web.de die Möglichkeit einer sicheren Ende-zu-Ende-VerschlĂŒsselung der E-Mail-Kommunikation, basierend auf dem anerkannten PGP-Standard. Um die Verwendung möglichst einfach und zugĂ€nglich zu halten, wird die VerschlĂŒsselung auf dem Desktop-PC durch eine angepasste Version der freien OpenPGP-Software Mailvelope realisiert. FĂŒr die Nutzung auf mobilen GerĂ€ten verfĂŒgt die Web.de Mail App fĂŒr iOS und Android automatisch ĂŒber die PGP-Erweiterung, so dass der Nutzer mit allen gĂ€ngigen EndgerĂ€ten ver- und entschlĂŒsseln kann.

Im Sommer 2016[7] wurde Web.de gemeinsam mit den anderen De-Mail-Diensten von United Internet als erster europĂ€ischer Dienste-Anbieter durch TÜViT und die Bundesnetzagentur nach der eIDAS-Verordnung der EuropĂ€ischen Union zertifiziert. Seitdem ist Web.de qualifizierter Vertrauensdiensteanbieter fĂŒr elektronische Zustelldienste in Europa.

Ende 2017[8] erweiterte Web.de auch seinen Online-Speicher um eine Möglichkeit zur sicheren Ende-zu-Ende-VerschlĂŒsselung. Daten werden dabei auf dem EndgerĂ€t des Nutzers verschlĂŒsselt und ĂŒber einen gesicherten Transportweg in den Online-Speicher ĂŒbertragen, wo sie als unlesbare Zeichenfolge in einem speziellen Tresor-Ordner abgelegt werden. Die VerschlĂŒsselung erfolgt nach dem Advanced Encryption Standard (AES) mit einer SchlĂŒssellĂ€nge von 256 Bit. Realisiert werden Ver- und EntschlĂŒsselung auf dem EndgerĂ€t des Nutzers. FĂŒr die Verwendung auf dem PC wird dazu eine eigene Tresor-Software installiert. Dabei handelt es sich um eine individuell angepasste Version des quelloffenen Programms Cryptomator. Auch in die Web.de Mail App fĂŒr iOS und Android ist die Tresor-FunktionalitĂ€t integriert, um dem Nutzer auch unterwegs Zugriff auf seine sicher verschlĂŒsselten Daten zu geben. Bei der Entwicklung der Tresor-Software arbeitete Web.de eng mit Skymatic, dem Hersteller von Cryptomator, zusammen.

Im Mai 2019 veröffentlichte die Stiftung Warentest in der Zeitschrift test unter dem Titel „Cloud-Dienste: Der bequeme Weg“ einen Test von insgesamt elf kostenfreien Cloud-Angeboten. Mit dem Gesamturteil „Gut (2,0)“ wurde der Web.de Online-Speicher als Testsieger ausgezeichnet. Besonders hoben die PrĂŒfer im Ergebnisbericht die einwandfreien und transparenten Nutzungs- und GeschĂ€ftsbedingungen, eine kostenlose Ende-zu-Ende-VerschlĂŒsselung und Datenhaltung ausschließlich in deutschen Rechenzentren hervor.[9][10][11]

Im Mai 2019 wurde das Logo aktualisiert; statt des bisherigen Ovals bildet nun ein einfarbiges Quadrat mit gerundeten Ecken den Hintergrund fĂŒr die Silhouette des Brandenburger Tors.[12]

Ende Juli 2020[13] startete Web.de gemeinsam mit der Schwestermarke GMX in Kooperation mit der Deutschen Post AG den Service „BriefankĂŒndigung“. Registrierte Nutzer können sich vorab per E-Mail ĂŒber eingehende Briefpost informieren lassen. Im Anhang der Benachrichtigungs-E-Mail wird ein Foto des Briefumschlags mitgesendet. So erhalten Nutzerinnen und Nutzer zusĂ€tzlich eine Information darĂŒber, welche Post sie erhalten. Der Service ist kostenfrei und kann in den Einstellungen des eigenen E-Mail-Kontos aktiviert werden.

Im April 2022 erhielt Web.de als erstes deutsches Online-Angebot eine Zertifizierung nach den Standards der „Journalism Trust Initiative“ (JTI) von Reporter ohne Grenzen.[14] Die JTI-Zertifizierung soll eine Unterscheidung zwischen vertrauenswĂŒrdigen Nachrichtenquellen und Desinformation erleichtern.

Im Oktober 2023 gewann die Redaktion von Web.de News den ersten „Nachhaltigkeitspreis Medien Bayern“ der Bayerischen Landeszentrale fĂŒr Neue Medien.[15]

Im Mai 2024 kĂŒndigte die United-Internet AG an, ihre De-Mail-Dienste innerhalb eines Jahres einzustellen. Dies wurde im Mai 2025 auch fĂŒr WEB.DE realisiert.[16]

Im August 2025 wurde WEB.DE vom Bundesamt fĂŒr Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) im Rahmen der Initiative „E-Mail-Sicherheitsjahr“ ausgezeichnet. Der Anbieter erhielt den Status „Gold“, da er alle relevanten Sicherheitsfeatures (z. B. SPF, DKIM und DMARC) vollumfĂ€nglich implementiert hat.[17]

Die als Geschenkaktion angepriesene dreimonatige kostenlose Web.de-Club-Mitgliedschaft wurde Web.de wegen irrefĂŒhrender Blickfangwerbung mit sich nahtlos anschließendem, kostenpflichtigem Abonnement untersagt: Am 18. MĂ€rz 2009 gab das Oberlandesgericht Koblenz einer Klage des Verbraucherzentrale Bundesverbands (VZBV) gegen Web.de statt.[18] Das Urteil wurde rechtskrĂ€ftig.[19] Einer weiteren Klage vor dem Landgericht Koblenz in einem weitgehend identischen Fall wurde am 25. Juni 2009 ebenfalls stattgegeben.[20]

Im August 2012 sprach der Verbraucherzentrale Bundesverband eine Abmahnung gegen Web.de aus, weil der Verband die Button-Lösung (gemĂ€ĂŸ § 312g BGB) nicht korrekt umgesetzt sah. Web.de hatte zwar die Bezeichnung „zahlungspflichtige Bestellung“ fĂŒr den Bestellknopf ĂŒbernommen, wichtige Vertragsbestandteile waren aber nicht direkt daneben platziert, so dass Kunden nicht ĂŒber die Folgen der Bestellung informiert wurden. Die Abmahnung richtete sich auch an die Marke GMX.[21]

Bekannt wurde im Herbst 2010 die Einschaltung eines InkassobĂŒros zur Beitreibung einer Forderung gegen eine MinderjĂ€hrige, die angeblich ein Abonnement abgeschlossen hatte.[22] Die Methoden von Web.de, offene Rechnungen von Mitgliedern einzutreiben, bewegen sich laut einigen AnwĂ€lten und VerbraucherschĂŒtzern am Rande der LegalitĂ€t.[23]

  • B.TV (Privater Fernsehsender, eingestellt)

Einzelnachweise

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  1. ↑ E-Mail-Provider nach Nutzeranteilen in Deutschland 2024. In: statista.com. Abgerufen am 7. Oktober 2025.
  2. ↑ Web.de ĂŒbernimmt Websolute New Mediaa. 30. Juni 2000, archiviert vom Original (nicht mehr online verfĂŒgbar); abgerufen am 23. September 2023.
  3. ↑ Ingrid Weidner: „Wir waren alle so naiv“. In: Computerwoche. 9. August 2001, abgerufen am 4. August 2012.
  4. ↑ Web.de stellt VoIP-Dienst FreePhone ein. In: Teltarif. 8. Dezember 2006, abgerufen am 28. Januar 2008.
  5. ↑ Detlef Borchers: Fortschritte bei De-Mail. In: heise.de. Abgerufen am 11. Februar 2019.
  6. ↑ Axel Kossel: Web.de und GMX fĂŒhren PGP-VerschlĂŒsselung fĂŒr Mail ein. In: heise online. 20. August 2015, abgerufen am 11. Februar 2019.
  7. ↑ Detlef Borchers: Elektronische Signaturverordnung eIDAS ist gestartet – wie geht es weiter? In: heise online. 2. Juli 2016, abgerufen am 11. Februar 2019.
  8. ↑ Detlef Berger: GMX und Web.de bieten verschlĂŒsselten Cloud-Speicher. In: heise online. 27. November 2017, abgerufen am 11. Februar 2019.
  9. ↑ Stiftung Warentest: Cloud-Dienste im Test - Der Testsieger kommt aus Deutschland - Stiftung Warentest. Abgerufen am 26. April 2019.
  10. ↑ Matthias Kremp: Stiftung Warentest: Die besten Clouds kommen aus Deutschland. In: Spiegel Online. 24. April 2019 (spiegel.de [abgerufen am 26. April 2019]).
  11. ↑ WEB.DE Online-Speicher ist Testsieger bei Stiftung Warentest. 24. April 2019, abgerufen am 26. April 2019.
  12. ↑ Brand-Refresh fĂŒr WEB.DE: Klare Formen, frisches Design. 21. Mai 2019, abgerufen am 21. Mai 2019.
  13. ↑ heise online: Neuer Service: Post und 1&1 kĂŒndigen Briefe per E-Mail an. Abgerufen am 11. November 2020.
  14. ↑ Torben Heine: GMX und Web.de als vertrauenswĂŒrdige Nachrichtenquellen zertifiziert. In: Meedia. 8. April 2022, abgerufen am 28. April 2022.
  15. ↑ Nachhaltigkeitspreis Medien Bayern. Abgerufen am 7. November 2023.
  16. ↑ heise online: United Internet steigt bei De-Mail aus. 28. Mai 2024, abgerufen am 3. Februar 2026.
  17. ↑ Hall of Fame. In: Bundesamt fĂŒr Sicherheit in der Informationstechnik (BSI). Abgerufen am 3. Februar 2026.
  18. ↑ OLG Koblenz, Urteil vom 18.03.2009 - 4 U 1173/08. Abgerufen am 23. September 2023.
  19. ↑ IrrefĂŒhrende Geschenkwerbung fĂŒr web.de Club-Mitgliedschaft. In: Verbraucherzentrale. 18. MĂ€rz 2009, archiviert vom Original (nicht mehr online verfĂŒgbar); abgerufen am 23. September 2023.
  20. ↑ Web.de erneut wegen irrefĂŒhrender Treueaktion verurteilt. In: Verbraucherzentrale. 25. Juni 2009, archiviert vom Original (nicht mehr online verfĂŒgbar); abgerufen am 23. September 2023.
  21. ↑ Urs Mansmann: VerbraucherschĂŒtzer mahnen GMX und Web.de ab. In: Heise Online. 28. August 2012, abgerufen am 29. August 2012.
  22. ↑ Verkehrte Welt – Vertrag mit einer MinderjĂ€hrigen. In: c't. 11. September 2010, abgerufen am 22. November 2010.
  23. ↑ Geburtstagsgeschenk von web.de – Erst lesen, dann auspacken! (Memento vom 3. MĂ€rz 2007 im Internet Archive)

Koordinaten: 48° 59â€Č 59,5″ N, 8° 23â€Č 8,6″ O