METRA
| Metra | |
|---|---|
| Basisinformationen | |
| Unternehmenssitz | Chicago |
| Webpräsenz | metra.com |
| Eigentümer | Stadt Chicago und Countys Cook, Lake, McHenry, Kane, DuPage und Will |
| Gründung | 1984 |
| Geschäftsführung | James M. Derwinski |
| Linien | |
| Eisenbahn | 11 |
| Statistik | |
| Fahrgäste | 37,95 Mio. (2025)[1] |
| Einzugsgebiet | Metropolregion Chicago |
| Einwohner im Einzugsgebiet |
9,6 Mio. |
| Länge Liniennetz | |
| Eisenbahnlinien | 145 km |
Metra (auch METRA) ist ein System des Schienennahverkehrs in der Metropolregion Chicago im Nordosten des US-Bundesstaats Illinois. Mit elf Linien und über 200 Stationen bildet Metra das Rückgrat des öffentlichen Nahverkehrs zwischen Chicago und den Vororten (Pendlergemeinden).
Der Name Metra, angelehnt an Metropolitan Rail,[2] besteht seit 1985 als Marke der Northeast Illinois Regional Commuter Railroad Corporation, die eine öffentlich-rechtliche Eisenbahngesellschaft ist. Metra ist dabei der einheitliche Markenname für zuvor unterschiedlich benannte Verkehre mehrerer Eisenbahngesellschaften.
Den regionalen Eisenbahn-Nahverkehr organisiert seit 1983 die Betriebsorganisation Commuter Rail Division, bis 2026 unter dem Dach der 1974 gegründeten Regional Transportation Authority und ab 2026 unter dem Dach der Northern Illinois Transit Authority. Die Regional Transportation Authority wurde als Zweckverband der beteiligten Countys und der Stadt Chicago eingerichtet.
Die Commuter Rail Division lässt einen Großteil der Metra-Verkehrsleistungen durch In-House-Vergabe an die Northeast Illinois Regional Commuter Railroad Corporation erbringen und vergibt einen kleineren Teil an die private BNSF Railway.
Kennzahlen
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
Im Jahr 2025 gab es knapp 38 Millionen Fahrgäste,[1] im Jahr 2023 rund 31,9 Millionen[3]. Vor einem Einbruch der Fahrgastzahlen durch die Corona-Krise ab 2020 beförderten 2019 die Metra-Züge rund 74,04 Millionen Fahrgäste, 2017 78,62 Millionen, 2015 81,63 Millionen und 2013 82,26 Millionen Fahrgäste. In den 1990er-Jahren wurden jeweils um 70 Millionen Fahrgäste pro Jahr befördert, im Jahr 1983 56,5 Millionen.[4][5]
Geschichte
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]In den 1970er Jahren war absehbar, dass die privaten Eisenbahngesellschaften ihre Vorortverkehre um Chicago einstellen würden. Ähnliche Entwicklungen infolge von Massenmotorisierung und Suburbanisierung fanden auch in den anderen Ballungsräumen insbesondere des früheren Manufacturing Belt der Vereinigten Staaten statt und führten dort zum Ende bisheriger, zumeist eigenwirtschaftlich erbrachter öffentlicher Verkehrsangebote.
Die Illinois General Assembly, der Gesetzgeber des Bundesstaates Illinois, schuf 1974 die Grundlage für die Gründung der Regional Transportation Authority (RTA) als eine Körperschaft öffentlichen Rechts. Durch ein erfolgreiches Referendum 1974 genehmigte das Stimmvolk in der Stadt Chicago, im Cook County und den fünf das Cook County wie ein Kragen umgebenden Collar Counties Lake, McHenry, Kane, DuPage und Will die Gründung und eine teilweise Finanzierung der RTA durch örtlich zu erhebende Steuern. Die Regional Transportation Authority sollte die verschiedenen Formen des öffentlichen Verkehrs konsolidieren, sie mit Steuer- und anderen Mitteln aufrechterhalten und die Fahrpreise festlegen. In den Verwaltungsrat Commuter Rail Board der RTA wurden nach einem im RTA-Gesetz festgelegten Verteilungsschlüssel elf Vertreter der beteiligten Countys und der Stadt Chicago entsandt.[6]
Die vom Commuter Rail Board geleitete Commuter Rail Division der RTA kaufte ab den 1970er Jahren die Verkehrsleistungen bei den privaten Bahngesellschaften ein, die aber weiter unter ihren bekannten Firmennamen fuhren. Teile des Rollmaterials trugen in dieser Zeit das RTA-Logo. Die Bahngesellschaften waren die Chicago and North Western Transportation (kurz North Western), die Chicago, Milwaukee, St. Paul and Pacific Railroad (kurz Milwaukee Road), die Chicago, Rock Island and Pacific Railroad (kurz Rock Island), die Illinois Central Gulf Railroad und die Burlington Northern Railroad.
Die RTA gründete 1980 zusätzlich die Northeast Illinois Regional Commuter Railroad Corporation (NIRCRC), um ab 1. Juni 1981 die Nahverkehre der unterdessen bankrotten privaten Gesellschaften Milwaukee Road und Rock Island in Eigenregie weiter zu betreiben.
Die finanzielle Lage und die Zuständigkeit der RTA war seit ihrer Gründung nicht zufriedenstellend geklärt. Mit dem RTA Amendatory Act im Jahre 1983 stellte der Bundesstaat zusätzliche Mittel bereit und reformierte 1985 die RTA zu einer Organisation, die die in drei Betriebsorganisationen (englisch „Service Boards“) aufgeteilten Nahverkehrssysteme beaufsichtigen und mit öffentlichen Mitteln finanzieren sollte:
- Die Commuter Rail Division (CRD),
- die Chicago Transit Authority (CTA) als Betreiberin der Chicago Elevated und von Stadtbussen in Chicago und der unmittelbaren Umgebung,
- Pace Suburban Bus (PACE) mit Busverkehren in den Vororten.
Aus diesem Anlass registrierte die Northeast Illinois Regional Commuter Railroad Corporation 1985 die Marke Metra, die sie seitdem gemeinsam mit dem Commuter Rail Division führt und die bei den Vorortverkehren die bisherige RTA-Kennzeichnung ablöste.[2] Die Verwaltungsräte der beiden Körperschaften Commuter Rail Division und NIRCRC wurden personell identisch besetzt.
Durch den 2025 verabschiedeten Northern Illinois Transit Authority (NITA) Act änderte der Gesetzgeber die Organisation des Nahverkehrs insbesondere im nordöstlichen Illinois. An die Stelle der Regional Transportation Authority trat ab 2026 die Northern Illinois Transit Authority. Die drei Betriebsorganisationen wurden nicht verändert.
Betrieb
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Das Metra-Netz besteht aus Eisenbahnstrecken der BNSF Railway, der Union Pacific Railroad und solchen im Eigentum der Metra. Die Verkehrsstationen gehören den Kommunen oder Metra.[7]
Ab der Gründung der Metra hatten Union Pacific und BNSF bzw. deren Vorgängergesellschaften die Verkehrsleistungen auf den eigenen Strecken im Auftrag der Metra erbracht, während Metra auf anderen Strecken die Verkehre selbst betrieb. Die Frachteisenbahnen gaben mit der Zeit viele ihrer Verkehre an Metra ab. Mit einem seit 2023/2024 geltenden Verkehrsvertrag gingen alle Leistungen der Union Pacific an Metra über.[8] Mit einem 2026 für zunächst fünf Jahre abgeschlossenen Verkehrsvertrag bleibt BNSF Railway nur auf der als „BNSF Line“ bekannten Verbindung Betreiber im Auftrag der Metra.[9]
Metra ist Eigentümer des Rollmaterials.[7] Die Eigentümerkennzeichnung (AAR-reporting mark) lautet METX.
Linien
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Es finden sich vier zentrale Knotenpunkte in der Innenstadt von Chicago, die die jeweiligen Endhaltestellen des METRA-Systems darstellen:
Heritage Corridor
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Union Station – Joliet
BNSF Railway Line
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Union Station – Aurora

Milwaukee District/West Line
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Union Station – Big Timber Road
Milwaukee District/North Line
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Union Station – Fox Lake
Southwest Service
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Union Station – Manhattan
North Central Service
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Union Station – Antioch
Metra Electric Line
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Die Metra Electric ist im zentralen Abschnitt viergleisig ausgebaut und wird mit Doppelstockzügen des Typs Highliner mit Gallery-Innenraumaufteilung betrieben.
- Millennium Station – South Chicago
- Millennium Station – Blue Island
- Millennium Station – University Park
Rock Island District
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]LaSalle Street Station – Joliet
Metra hat 2024 für diese Strecke Akkutriebzüge des Typs Flirt Akku bei Stadler Rail bestellt.
Union Pacific/North Line
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Ogilvie Transportation Center – Kenosha (Bundesstaat Wisconsin)
Union Pacific/Northwest Line
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Ogilvie Transportation Center – Harvard, McHenry
Union Pacific/West Line
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Ogilvie Transportation Center – Elburn
Fahrzeuge
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wie für den Vorortverkehr der USA typisch, setzt Metra vor allem mit Diesellokomotiven bespannte Doppelstock-Wendezüge ein. Die Lokomotiven sind mehrheitlich EMD F40PH und EMD F59PH in verschiedenen Varianten. In den 2000er Jahren wurden zudem 27 MP36PH von MotivePower beschafft. Die letzte Beschaffung von 42 überholten Lokomotiven des Typs EMD SD70MACH erfolgte 2022 und 2023. Diese von Progress Rail aufgearbeiteten Fahrzeuge, ursprünglich von Kansas City Southern stammend, wurden beschafft, um hauptsächlich die ältesten Lokomotiven des Typs F40PH mit schlechten Umweltwerten zu ersetzen.[10] Dadurch ist Metra wieder eine von wenigen Eisenbahngesellschaften im Personenverkehr, die sechsachsige Lokomotiven einsetzt.
Die Doppelstockwagen sind nach dem „Gallery“-Konzept gebaut, bei dem sich das Obergeschoss links und rechts über dem Mittelgang befindet. Diese Gestaltung des Fahrgastraums wurde primär in den 1950er Jahren bei diversen Vorgängerunternehmen von Metra zur Verringerung von Personalkosten eingeführt, so dass durch den Durchbruch im Boden der oberen Etage die Fahrscheine der Passagiere von der unteren aus kontrolliert werden können.
Auf den Strecken von Metra Electric werden Doppelstock-Elektrotriebwagen des Typs Highliner in zwei Generation eingesetzt. Die neuere Generation wurde ab 2005 von Nippon Sharyo im Stil der Gallery-Wagen gefertigt. Diese Züge verkehren teilweise auf der Interurban der South Shore Line.
Für die Rock Island Division beschafft Metra Akkutriebzüge des Typs Flirt Akku bei Stadler Rail. Acht Zweiwagenzüge mit zusätzlichen Technikwagen in der Mitte sollen ab 2027 den Betrieb aufnehmen.[11]
Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Metra (Offizielle Website)
Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- 1 2 Public Transportation Ridership Report Fourth Quarter 2025. (PDF; 1,1 MB) In: apta.com. American Public Transit Association, 20. Februar 2026, S. 5, abgerufen am 7. Mai 2026 (englisch).
- 1 2 About Metra. In: metra.com. 2026, archiviert vom am 26. März 2026; abgerufen am 30. Mai 2026 (englisch).
- ↑ PUBLIC TRANSPORTATION RIDERSHIP REPORT. Juli 2024, abgerufen am 20. November 2024 (englisch).
- ↑ Ridership Trends December 2019. (PDF; 692 KB) METRA, Januar 2020, abgerufen am 17. September 2020 (englisch).
- ↑ Commuter Rail System Ridership Trends Annual Report 2015. (PDF; 1610 KB) METRA, 2016, S. 2, abgerufen am 17. September 2020 (englisch).
- ↑ https://www.dupagecounty.gov/government/county_board/metra.php
- 1 2 What is Metra? In: metrarail.com. METRA, 2020, archiviert vom (nicht mehr online verfügbar) am 8. März 2019; abgerufen am 17. September 2020 (englisch): „Under those contracts, the carriers use their employees and own or control the rights-of-way and most of the other facilities required for operations. Metra owns the rolling stock and in conjunction with local municipalities is responsible for most stations“
- ↑ Justin Franz: Union Pacific to Transfer Commuter Service to Metra. In: Railfan & Railroad Magazine. 31. März 2023, abgerufen am 13. Mai 2026 (englisch).
- ↑ Justin Franz: BNSF, Metra Ink Commuter Service Agreement. In: Railfan & Railroad Magazine. 17. April 2026, abgerufen am 13. Mai 2026 (englisch).
- ↑ New Metra locomotive debuts. 12. Oktober 2022, abgerufen am 27. Juni 2024 (englisch).
- ↑ Chicago’s Metra places $154m order for eight Stadler BEMUs. In: Railway Technology. Abgerufen am 23. Februar 2024 (englisch).
