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Courlevon

aus Wikipedia, der freien EnzyklopÀdie
Courlevon
Wappen von Courlevon
Staat: Schweiz Schweiz
Kanton: Kanton Freiburg Freiburg (FR)
Bezirk: Seew
Gemeinde: Murteni2
Postleitzahl: 1795 Courlevon
1795 Coussiberlé
frĂŒhere BFS-Nr.: 2251
Koordinaten: 575103 / 193385Koordinaten: 46° 53â€Č 28″ N, 7° 6â€Č 43″ O; CH1903: 575103 / 193385
Höhe: 556 mÂ ĂŒ. M.
Höhenbereich: 501–628 m ĂŒ. M.
FlĂ€che: 3,26 kmÂČ
Einwohner: 343 (31. Dezember 2022)
Einwohnerdichte: 105 Einw. pro kmÂČ
Website: www.courlevon.ch
Alte KĂ€serei von Courlevon
Alte KĂ€serei von Courlevon
Karte
Courlevon (Schweiz)
Courlevon (Schweiz)
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Gemeindestand vor der Fusion am 1. Januar 2016

Courlevon [kuʁləvɔ̃] war bis am 31. Dezember 2015 eine politische Gemeinde im Seebezirk (französisch: District du Lac) des Kantons Freiburg in der Schweiz. Trotz der Lage an der Sprachgrenze und der heute mehrheitlich deutschsprachigen Bevölkerung besitzt die Gemeinde im offiziellen Sprachgebrauch keinen deutschen Namen. Am 1. Januar 2016 fusionierte Courlevon zusammen mit Jeuss, Lurtigen und Salvenach mit der Gemeinde Murten.

Courlevon liegt auf 556 mÂ ĂŒ. M., vier Kilometer sĂŒdlich des Bezirkshauptortes Murten (Luftlinie). Das Bauerndorf erstreckt sich auf einem Hochplateau sĂŒdlich des Murtensees, westlich der Waldhöhe Oberholz, im nördlichen Freiburger Mittelland.

Die FlĂ€che des 3,3 kmÂČ grossen ehemaligen Gemeindegebiets umfasst einen Abschnitt der vom eiszeitlichen Rhonegletscher ĂŒberformten Molassehöhen zwischen dem Murtensee und dem Saanetal. Der westliche Gemeindeteil wird vom Plateau von Courlevon eingenommen, das vom Dorfbach von Courgevaux nach Norden entwĂ€ssert wird. Im Westen reicht die GemeindeflĂ€che in die WĂ€lder Ausserholz und Coillonet und bis in das Einzugsgebiet des Chandon. Östlich des Dorfes erstreckt sich der Gemeindeboden ĂŒber das Oberholz (629 mÂ ĂŒ. M.) und den Sattel von CoussiberlĂ© bis auf die Höhe von Boulary, wo auf dem Signal mit 630 mÂ ĂŒ. M. der höchste Punkt von Courlevon erreicht wird. Von der GemeindeflĂ€che entfielen 1997 3 % auf Siedlungen, 37 % auf Wald und Gehölze und 60 % auf Landwirtschaft.

Zu Courlevon gehören der Weiler CoussiberlĂ©, der bis 1974 eine selbstĂ€ndige Gemeinde bildete, sowie einige Einzelhöfe. Nachbargemeinden von Courlevon waren Cressier, Wallenried, Villarepos und Courgevaux im Kanton Freiburg sowie MĂŒnchenwiler im Kanton Bern.

Mit 293 Einwohnern (Stand 31. Dezember 2015) gehörte Courlevon zu den kleinen Gemeinden des Kantons Freiburg. Die Bevölkerungszahl von Courlevon belief sich 1850 auf 210 Einwohner, 1900 auf 270 Einwohner. Im Verlauf des 20. Jahrhunderts nahm die Bevölkerung bis 1980 um rund 25 % auf 207 Personen ab. Seither wurde wieder ein leichtes Bevölkerungswachstum verzeichnet.

Einwohnerzahlen: VolkszÀhlungsdaten[1][2]

Von den Bewohnern sind 92,7 % deutschsprachig, 4,6 % französischsprachig, und 1,2 % sprechen Portugiesisch (Stand 2000). Damit ist Courlevon heute fast ausschliesslich deutschsprachig. In der ursprĂŒnglich französischsprachigen Gemeinde hat sich das MehrheitsverhĂ€ltnis zwischen Französisch und Deutsch im Lauf des 19. Jahrhunderts gewendet.

Courlevon war bis in die zweite HÀlfte des 20. Jahrhunderts ein vorwiegend durch die Landwirtschaft geprÀgtes Dorf. Ackerbau, Obstbau und Viehzucht hatten einen wichtigen Stellenwert in der Erwerbsstruktur der Bevölkerung. Bis 2005 hatte das Dorf eine eigene DorfkÀserei. ArbeitsplÀtze sind heute noch im lokalen Kleingewerbe und im Dienstleistungssektor vorhanden, unter anderem in Betrieben wie Plattenleger, KundengÀrtner und einer Fensterschreinerei. In den letzten Jahrzehnten hat sich das Dorf auch zu einer Wohngemeinde entwickelt. Viele ErwerbstÀtige sind deshalb Wegpendler, die hauptsÀchlich in den Regionen Murten und Freiburg arbeiten.

Courlevon liegt an der Hauptstrasse von Freiburg nach Murten und ist von Montag bis Freitag mit der TPF-Linie 546 Murten - Courtepin an das Netz des öffentlichen Verkehrs angeschlossen.[3] Seit Herbst 2016 gibt es in Courlevon, das nie an ein Bahnnetz angeschlossen war, das Eisenbahn- und Sammler-Museum Courlevon (ESMC).[4]

Die erste urkundliche ErwĂ€hnung des Ortes erfolgte 1214 unter dem Namen Curlivin; von 1428 ist die Bezeichnung Curlevon ĂŒberliefert. Der Ortsname setzt sich aus dem lateinischen Wort cortis (Hof) und dem Personennamen Livinus zusammen.

Seit dem Mittelalter gehörte Courlevon zur Herrschaft Murten. Im Krieg der Freiburger gegen die Savoyer wurde das Dorf 1448 schwer in Mitleidenschaft gezogen. 1475 gelangte Courlevon als Teil der Landvogtei Murten unter die gemeinsame Verwaltung der StÀnde Bern und Freiburg. Bei einer Feuersbrunst wurden 1790 zahlreiche HÀuser zerstört. Nach dem Zusammenbruch des Ancien Régime (1798) kam das Dorf an den Kanton Freiburg. WÀhrend der Helvetik und der darauf folgenden Zeit gehörte es zum Distrikt Murten, bevor es 1848 mit der neuen Kantonsverfassung in den Seebezirk eingegliedert wurde.

Ab Mitte des 18. Jahrhunderts sprach die Bevölkerung in Courlevon zunehmend Deutsch und wollte daher ihre Kinder nicht mehr nach Courgevaux zur französischen Schule schicken. Da die Schulen aber den Pfarreien zugeteilt waren, bedeutete dies auch einen Wechsel des Pfarreibezirkes von Gurwolf (Courgevaux) nach Merlach (Meyriez). So unterstĂŒtzte der deutschsprachige Berner Pfarrer Sigmund Bitzius (der Vater von Albert Bitzius, alias Jeremias Gotthelf) von der Pfarrei Murten den Wechsel. Schliesslich gab Bern 1797, ĂŒber den Statthalter Joh. Vissaula, im Schloss Murten die Bewilligung fĂŒr den Bau einer Schule und damit fĂŒr den Wechsel des Pfarrei- und Schulkreises. Trotz fehlendem SchulgebĂ€ude wurde mit dem deutschsprachigen Schulbetrieb sofort begonnen. Der Lehrermeister Jakob KrĂ€uchi unterrichtete ab 1797 fĂŒr ein Jahr in einem gemieteten Lokal bei Daniel Poncet in CoussiberlĂ©, und anschliessend unterrichtete der Aargauer Schulmeister HĂ€feli bis 1801 in einem Lokal in Courlevon bei Hans Helfer.[5]

Am 5. Oktober 1797 kauften die Gemeinden Courlevont (Courlevon) und Coursiberlez (CoussiberlĂ©) ein GrundstĂŒck zur Errichtung eines eigenen SchulgebĂ€udes von Besitzer Abraham Tronçon zum Preis von 200 Freiburger Kronen. Als Zeugen waren u. a. anwesend der Pfarrer Sigmund Bitzius und der neue Schulmeister Jacob KrĂ€uchi. Am 21. September 1799 arrondierte die Gemeinde das GrundstĂŒck mit einem weiteren Zukauf von 1 Mass von Johannes Leib.

Aufgrund der Revolutionswirren mit der neuen ZustĂ€ndigkeit unter der Helvetik konnte das Schulhaus erst von 1800 bis 1801 erstellt werden. Die Gemeinde bezahlte fĂŒr den Bau mit Garten 359 Kronen. Sie sah fĂŒr die Entlöhnung des Lehrers aufgrund der Wirren der Zeit keinen fixen Betrag vor, versprach aber am Schulexamen ein Zeichen ihrer Zufriedenheit zu leisten. Der Schulmeister hatte sich, vertraglich festgelegt, neben dem Unterricht auch um ObstbĂ€ume und Felder zu kĂŒmmern. Bei AmtsĂŒbergabe wurde ein halbes Jucharte angesĂ€tes Wintergetreide, Heu und Emd erwartet. Abraham Lehmann nahm als Schulmeister 1806 die Geschenke der wohledelgeborenen Frau Landvögtin von Graffenried, Oberherrin zu MĂŒnchenweiler (MĂŒnchenwiler) fĂŒr die neue Schule entgegen: 1 dreibĂ€ndige Bibel, 6 Testamente mit grobem Druck und 4 Testamente mit feinem Druck, 4 Gellertsche LiederbĂŒcher. Allerdings war die Gemeinde offenbar mit dem Schulmeister nicht zufrieden und wurde dafĂŒr beim Kirchenrat zu Murten vorstellig, «...bey diesen betrĂŒbten UmstĂ€nden ... Euch hochgeehrteste Herren zu erflehen ... diese Gemeinde mit einem anderwĂ€rtigen Schullehrer bestellen wolle». In der dokumentierten Zeit von 1830 bis 1840 gingen bei einem angestellten Lehrer zwischen 35 und 61 Kinder pro Jahr zur Schule. Es wurde denn auch zunehmend beklagt, dass die Schulstube schon zu eng geworden war. Der Bau einer grösseren, neuen Schule weiter sĂŒdwĂ€rts der Dorfstrasse wurde beschlossen und realisiert.

In Courlevon wollte sich Mitte des 19. Jahrhunderts eine Gesellschaft fĂŒr die KĂ€seproduktion formieren und suchte ein geeignetes GebĂ€ude (siehe dazu auch den Roman Die KĂ€serei in der Vehfreude aus dem Jahre 1850 von Jeremias Gotthelf). Die Gemeinde stellte daher das alte SchulgebĂ€ude ab dem 15. Mai 1854 gegen 60 eidgenössische Franken pro Jahr zur VerfĂŒgung. Verschiedene Verbesserungen rechtfertigten eine Erhöhung des Mietzinses bis 75 Franken pro Jahr. So wurden im Keller auf dem Erdboden Platten verlegt. MĂ€use und Ratten bedienten sich offenbar gerne und oft am KĂ€se, und durch das Ausbessern der Kellermauern hoffte man den Schaden zumindest einzudĂ€mmen.

Am 9. Februar 1875 beschloss die Gemeindeversammlung das alte Schulhaus fĂŒr 4000 Franken der KĂ€sereigesellschaft zu verkaufen. Im Preis inbegriffen waren Baumaterial fĂŒr verschiedene Reparaturarbeiten und fĂŒr den neu zu erstellenden Keller. Die Feuerkommission kontrollierte den Plan fĂŒr den Teilabbruch und Neuaufbau auf Übereinstimmung mit dem Feuerreglement und gab ihre Zustimmung am 26. MĂ€rz 1875. 1892 stellte die KĂ€sereigesellschaft nach einem Kaminbrand ein Gesuch, den (offenen) hölzernen Feuerherd in einen Backsteinkamin umbauen zu dĂŒrfen.

Bis 1717 gehörte auch Coussiberlé zu Courlevon, danach bildete es eine eigene Gemeinde, war 1832 bis 1871 mit Courgevaux vereinigt und anschliessend wieder selbstÀndig. Schon seit 1871 besassen Courlevon und Coussiberlé eine gemeinsame Verwaltung. Am 15. Februar 1974 wurde Coussiberlé schliesslich nach Courlevon eingemeindet. Courlevon hat einen eigenen Friedhof und ist Teil der Pfarrei Meyriez.

SehenswĂŒrdigkeiten

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Commons: Courlevon – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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  1. ↑ Martin Schuler: Kanton Freiburg - Die Bevölkerungszahlen auf lokaler Ebene vor 1850. (CSV; 15 kB) Bundesamt fĂŒr Statistik, NeuchĂątel, 16. Juni 2023, abgerufen am 5. September 2025.
  2. ↑ Daten der Eidgenössischen VolkszĂ€hlungen ab 1850 nach Gemeinden. (XLSX; 10 MB) Bundesamt fĂŒr Statistik, NeuchĂątel, 12. Juli 2024, abgerufen am 5. September 2025 (Öffnung in Excel nur ĂŒber "Anhang/Excel-Datensatz" möglich).
  3. ↑ 20.546 Murten - Courlevon - Courtepin. 16. September 2024, abgerufen am 11. Juli 2025.
  4. ↑ Museumsdirektor mit zehn. BZ Berner Zeitung, 7. Oktober 2016, abgerufen am 6. Juli 2017.
  5. ↑ Dieser Abschnitt stĂŒtzt sich auf Dokumente im Gemeindearchiv der Gemeinde Courlevon.