Kempten (AllgÀu)
| Wappen | Deutschlandkarte | |
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| Basisdaten | ||
| Koordinaten: | 47° 44âČ N, 10° 19âČ O | |
| Bundesland: | Bayern | |
| Regierungsbezirk: | Schwaben | |
| Höhe: | 674 m ĂŒ. NHN | |
| FlĂ€che: | 63,28 kmÂČ | |
| Einwohner: | 67.916 (31. Dez. 2025)[1] | |
| Bevölkerungsdichte: | 1073 Einwohner je kmÂČ | |
| Postleitzahlen: | 87435, 87437, 87439 | |
| Vorwahl: | 0831 | |
| Kfz-Kennzeichen: | KE | |
| GemeindeschlĂŒssel: | 09Â 7Â 63Â 000 | |
| NUTS: | DE273 | |
| Stadtgliederung: | 155 Ortsteile | |
| Adresse der Stadtverwaltung: |
Rathausplatz 29 87435 Kempten (AllgÀu) | |
| Website: | www.kempten.de | |
| OberbĂŒrgermeister: | Christian Schoch (FW) | |
| Lage der Stadt Kempten (AllgÀu) in Bayern | ||





Kempten (AllgÀu) (schwÀbisch ) ist eine kreisfreie Mittelstadt mit rund 67.645 Einwohnern (Stand: MÀrz 2026)[2] im AllgÀu im bayerischen Regierungsbezirk Schwaben. Sie ist das Ober-, Schul- und Verwaltungszentrum der umliegenden Wirtschafts-, Urlaubs- und Planungsregion AllgÀu mit rund 480.000 Einwohnern.[3]
Kempten ist die sĂŒdlichste kreisfreie Stadt Deutschlands und nach Augsburg die zweitgröĂte Stadt des Regierungsbezirks. Sie gilt als eine der Ă€ltesten StĂ€dte Deutschlands, da sie bereits in der Antike in einem schriftlichen Dokument genannt wurde. Kempten wird seit den 1930er-Jahren verstĂ€rkt als AllgĂ€uer Ort genannt, dennoch wird dort mehr ein schwĂ€bischer als ein AllgĂ€uer Dialekt gesprochen; letzterer kann erst sĂŒdlich von Immenstadt im AllgĂ€u in erkennbarem MaĂe festgestellt werden.[4]
Das Stadtbild ist durch das jahrhundertelange Nebeneinander zweier Stadtkerne geprĂ€gt: zum einen die sogenannte Stiftsstadt der FĂŒrstabtei Kempten, zum anderen die Reichsstadt Kempten. Die noch heute erkennbare gegensĂ€tzliche Grund- und Aufrissstruktur macht Kempten zur Doppelstadt.
Seit 1977 befindet sich in Kempten die Hochschule Kempten, in der fast 6000 Studenten eingeschrieben sind und die somit eine der gröĂten Fachhochschulen Bayerns ist.
Kempten liegt am Grenzgebiet zu den österreichischen BundeslĂ€ndern Tirol und Vorarlberg sowie zu Baden-WĂŒrttemberg.
Geographie
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Topographie
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Kempten liegt 646 m bis 915 mÂ ĂŒ. NHN am Alpennordrand an den Ufern der Iller, etwa 35 km nördlich von Oberstdorf. Die bayerische Landeshauptstadt MĂŒnchen ist etwa 110 km von Kempten entfernt, die Regierungsbezirkshauptstadt Augsburg etwa 90 km.[5] Vororte und nahe gelegene Ortschaften von Kempten sind Durach, Waltenhofen, Buchenberg, Wiggensbach, Lauben, Haldenwang, Wildpoldsried und Betzigau.
Von den deutschen StĂ€dten mit ĂŒber 50.000 Einwohnern ist Kempten mit 672 mÂ ĂŒ. NHN (Altstadt) nach Villingen-Schwenningen (704 m) die am zweithöchsten gelegene.
Der Hausberg der Stadt, der Mariaberg, ist mit 915 m die höchste Erhebung im Stadtgebiet. Weitere landschaftliche Akzente setzen schmale HöhenrĂŒcken und Kuppen wie die des Haubenschlosses (759 m), des Reichelsberges, der Halde (700 m) in nordsĂŒdlicher Richtung sowie die Erhebungen der Burghalde (690 m) und des Lenzfrieder HöhenrĂŒckens (762 m) in ostwestlichem Verlauf. Im SĂŒden beherrscht die Alpenkette das Panorama.[6]
Das HauptflieĂgewĂ€sser ist die Iller; Erosionsrinnen, BĂ€che und die NebenflĂŒsse sind Rottach, Kollerbach, Bachtelbach, Durach und Leubas, Ursulasrieder Bach sowie weitere kleinere, oft unbenannte BachlĂ€ufe. Sie fĂŒhren das Wasser von HöhenrĂŒcken und HĂ€ngen in zum Teil tobelÂĂ€hnliche Einschnitte (Kalbsangsttobelbach) in nordöstlicher bzw. in nordwestlicher FlieĂrichtung der Iller zu. Die GesamtlĂ€nge der FlieĂgewĂ€sser in Kempten betrĂ€gt ĂŒber 176 km, die Iller selbst macht davon lediglich 13 km aus. Die gröĂeren stehenden GewĂ€sser in Kempten sind Bachtelweiher, Herrenwieser Weiher, Schwabelsberger Weiher und Stadtweiher; kleinere sind der Steufzger Weiher und der Weiher im Engelhaldepark. Sie alle sind kĂŒnstlich aufgestaut, in der Regel bereits vor mehreren hundert Jahren.[7]
Geologie
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]NaturrĂ€umlich betrachtet gehört Kempten zum Voralpinen Moor- und HĂŒgelland â genauer zur Naturraumeinheit Iller-Vorberge, die in der Ă€lteren Literatur auch als Iller-JungmorĂ€nenland bezeichnet wurde.[8]
Im Untergrund verlĂ€uft strukturgeologisch betrachtet die Grenze zwischen den gefalteten Gesteinen, die zum Nordrand der AllgĂ€uer Alpen gezĂ€hlt werden, und den ungefalteten Sedimenten des Molassebeckens.[9] Die nördlichste tektonische Einheit der Alpen in diesem Raum, die Faltenmolasse, nimmt den Untergrund des SĂŒdteils des Stadtgebietes ein, wĂ€hrend im Norden der Stadt Sedimente der ungefalteten Vorlandmolasse abgelagert wurden, die jedoch im Stadtbereich eine Aufbiegung der Schichten zu den Alpen hin aufweisen (Aufgerichtete Vorlandmolasse).
Im TertiĂ€r, vor etwa 35 Millionen Jahren, begannen im SĂŒden die Alpen, sich erneut stark zu heben, wĂ€hrend sich gleichzeitig nördlich des Gebirges eine Sedimentsenke bildete.[10] Dieses Becken war Teil eines Festlandes mit FlĂŒssen und SĂŒĂwasserseen. Die aus den Alpen kommenden FlĂŒsse wie die Iller transportierten Schotter, Kiese, Sande und Tone in dieses Becken (SĂŒĂwassermolasse) und lagerten das Material in Form von groĂen AlluvialschuttfĂ€chern wieder ab. Zeitweilig wurde das Becken auch vom Meer ĂŒberflutet, und es kam zur Ablagerung von marinen Sedimenten wie glaukonithaltigen Sandsteinen (Meeresmolasse).
WĂ€hrend des QuartĂ€rs, einer Zeit mit starken KlimaverĂ€nderungen in Mitteleuropa, wurde das Gebiet um Kempten von den AllgĂ€uer Alpen aus mehrfach wĂ€hrend der Kaltzeiten vom sogenannten Illergletscher ĂŒberfahren. WĂ€hrend der WĂŒrm-Kaltzeit vor etwa 20.000 Jahren lag der Eisrand des Illergletschers etwa 2,5 km sĂŒdöstlich von Grönenbach. Das Gebiet von Kempten war zu dieser Zeit völlig von Eis bedeckt. Zahlreiche groĂe Findlinge wie der Dengelstein bei Kempten[11] zeugen heute von der ehemaligen Eisbedeckung. Besonders östlich von Kempten sind auf den HochflĂ€chen in Form von Drumlins weitere Relikte der eiszeitlichen Bedeckung erhalten. Die LĂ€ngsachsen der Drumlins sind dabei in Richtung der EisflieĂrichtung ausgerichtet. In den Warmzeiten schmolzen die Gletscher weit in die Alpen zurĂŒck und hinterlieĂen GletschermĂŒhlen.
In der Folgezeit schnitten sich die vorwiegend mĂ€andrierenden FlĂŒsse tief in die tertiĂ€ren Terrassensedimente ein. Aus der Umgebung von Kempten sind Erdbeben historisch belegt, die in Zusammenhang mit den tektonischen Bewegungen der Alpen stehen. Eines der Ă€ltesten in Deutschland belegten Erdbeben fand am 24. Februar 1478 mit einer StĂ€rke von etwa 5,5 auf der Richterskala statt.[12][13]
Landschaftsschutzgebiete, NaturdenkmÀler und Geotope
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Als Landschaftsschutzgebiete sind die Schwabelsberger Weiher, der Rottachtobel, das Betzigauer Moos sowie die Iller verzeichnet. Im Stadtgebiet von Kempten sind rund 70 BĂ€ume als NaturdenkmĂ€ler sowie der Lenzfrieder HöhenrĂŒcken als flĂ€chenhaftes Naturdenkmal ausgewiesen.[14]
Als Geotope sind der Illerdurchbruch bei Oberkottern,[15] die Schlucht am Mariaberg bei Thingers, das Drumlinfeld östlich von Kempten bei Wettmannsberg,[16] der ehemalige Steinbruch sĂŒdlich von Tannen[17] sowie PrallhĂ€nge der Iller nördlich Kempten[18] eingetragen.
Stadtgliederung
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Das Stadtgebiet besteht aus den Gemarkungen Kempten, Sankt Lorenz und Sankt Mang.
Zur Stadt gehören die Ortsteile Adelharz, Ajen, Aschen, Atzenried, Bachen, BachtelmĂŒhle, Bachtelsteig, Bahnholz, Batzen, BezachmĂŒhle, Binzenried, Birken, Bockarten, Borstadels, Breiten, Bremberg, Bucharts, BĂŒhl, BĂŒhls, Burkarts, Dolders, Dorns, Dottenried, Dreifaltigkeit, Eggen, Eich, Ellatsberg, Ellharten, Elmatried, Eppenried, Feigen, Felben, Greinats, Grub, Hafenthal, Halden, HĂ€rtnagel, HĂ€rtnagel am Mariaberg, HasenbĂŒhl, Haslach, HaĂberg, Haubensteig, Heiligkreuz, Hinterbach, Hinteregg, Hinterholz, Hinterrottach, Hirschdorf, HochstraĂ, Höflings, Hohenrad, Hub, JĂ€gers, Johannisried, Kargen, Kaurus, Kempten (AllgĂ€u), Kindo, Klingen, Kniebos (siehe Burg Kniebos), Kollerbach, Kornangers, LĂ€mmlings, Lauben o.d.Bruck, Lauben u.d.Bruck, Leinschwenden, Lenzfried, Letten, Leubas, Leupolz, Leupratsried, Lochbruck, Lotterberg, Lugemanns, Mariaberg, Mayrhof, MollenmĂŒhle, Moos, Moosers, Motzen, MĂŒhlbach, Neuhausen, OberbĂŒhl, ObergrĂŒnenberg, Oberheggers, Oberried, Oberschmieden, Oberwang, Oberwies, Oberwittleiters, Ohnholz, Ăschberg, Prestlings, Rappenscheuchen, Rauhen, Reichelsberg, Reinharts, ReisachmĂŒhle, Reiters, Ried, Riederau, Ringlers, Rockhöflings, RöĂlings, Rothkreuz, Rottach, RottachmĂŒhle, Sankt Mang, Schatten, Schelldorf, Schlatt, Schnattern, Schwabelsberg, Schwarzen, Seeangers, Segger, SeibĂ€umen (siehe auch Franzosenbauer), Sommers, Stadtallmey, Stadtweiher, Staudach, Staudach bei Mariaberg, Steig, Steinberg, Sterklings, Steufzgen, Stiftallmey, Stiftbleiche, Stöcken, Stockers, Stoffels, Stölzlings, StĂŒrmers, Tannach, Tannen, Thingers (I u. II), UnterbĂŒhl, UntergrĂŒnenberg, Unterheggers, Unterried, Unterschmieden, Unterwang, Unterwies, Unterwittleiters, Ursulasried, Voglsang, Vorderhalden, Vorderwaldmanns, Wegflecken, Weidach, WeidachsmĂŒhle, Weihers, Wettmannsberg, Wies, Zollhaus, Zur Rottach
Insgesamt gibt es 155 Ortsteile. Viele der oben genannten Orte sind mit Kempten zusammengewachsen, andere weisen eine eher lÀndliche Struktur auf.
Klima
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Kempten liegt bei der mittleren Jahresdurchschnittstemperatur im deutschen Durchschnitt, jedoch befindet sich die Niederschlagsmenge im oberen Bereich. Mit 1272 Millimeter durchschnittlichem Niederschlag und einer Durchschnittstemperatur von 6,9 Grad Celsius im Jahr (von 1961 bis 1990) fĂ€llt die Stadt nicht aus dem Rahmen der gemĂ€Ăigten Klimazone.
Wie im gesamten Voralpenland kommt es öfter im Jahr zu Föhn und durch den Wolkenstau vor den Alpen zu ergiebigen NiederschlĂ€gen in Form von Regen oder Schnee. Aufgrund von Ăberschwemmungen der Iller wurde die Hochwasserschutzmauer nach dem Pfingsthochwasser 1999 auf dem linken Illerufer verlĂ€ngert. Die MaĂnahme hat sich beim Alpenhochwasser 2005 erstmals bewĂ€hrt.

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Monatliche Durchschnittstemperaturen und -niederschlĂ€ge fĂŒr Kempten
Quelle: wetterkontor.de | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
Ortsname
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Kempten wird in Medien gelegentlich auch als Hauptstadt des AllgÀus, AllgÀu-Metropole[20] oder Illerstadt[21] bezeichnet.
In einer Schrift erwĂ€hnte der Geograph Strabon um Christi Geburt einen Ort ÎαΌÎČÎżÎŽÎżÏ ÎœÎżÎœ (KambĂłdounon) bzw. Kandobounon (Manuskriptvariante, wohl ein Schreibfehler) als Stadt (polis) der keltischen Estionen. Auf einem Budapester Grabstein aus dem 2. Jahrhundert ist der Name Camboduno ĂŒberliefert, in der gleichen Form findet sich der Name auf der Peutingerschen Tafel wieder. Campoduno ist im Itinerarium Antonini belegt. In der Notitia Dignitatum ist das spĂ€trömische Cambidano erwĂ€hnt. Im 8. bis zum 9. Jahrhundert wurde das heutige Kempten als Campidona genannt. Beispiele hierfĂŒr sind Campidonensis cenobium (733) oder das monasterium quod dicitur Campidona (889). Die deutsche Form erschien erstmals als Kemptun im Jahr 1263, Kemtun 1287, KemptĆŻn 1293, Kempton 1295. Die Form Kemptun trat noch im 14. Jahrhundert auf, Kempten erstmals 1338.[22]
Die Ă€ltere Herleitung des Ortsnamens aus dem MĂ€nnernamen Cambo gilt als widerlegt. Das gallische Namenelement *kambo-, latinisiert Cambo-, bedeutet entweder âKrĂŒmmungâ, âBuchtungâ oder âHalbinselâ, vom Adjektiv *kambos mit der Bedeutung âkrummâ. Das Element *dĆ«non mit der Bedeutung âBurgâ oder âFesteâ, latinisiert -dĆ«num, ist regelmĂ€Ăig zu -tun, -ten entwickelt. Die ursprĂŒngliche Namensform bezeichnet also etwa eine âBurg an der KrĂŒmmung oder auf einer Halbinselâ.[23]
Geschichte
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Antike: Cambodunum
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Kempten zĂ€hlt neben Speyer, Worms, Trier, Köln und Augsburg zu den Ă€ltesten StĂ€dten Deutschlands. Die Geschichte Kemptens reicht mindestens bis in die Zeit der römischen Eroberung des Alpenvorlandes um 15 v. Chr. zurĂŒck. In dem vor 18 n. Chr. verfassten vierten Buch der Erdbeschreibung des griechischen Geografen Strabon ist die keltische Siedlung Kambodounon erstmals schriftlich bezeugt. Allerdings fehlen bislang sichere archĂ€ologische Zeugnisse fĂŒr eine gröĂere Siedlung aus vorrömischer Zeit. Als gesichert gilt dagegen die Existenz der römischen Stadt Cambodunum seit etwa der Zeit der besagten römischen Eroberung des Alpenvorlandes durch Drusus und Tiberius. Wahrscheinlich war Cambodunum im ersten und zweiten Jahrhundert die Hauptstadt der Provinz RĂ€tien, bevor das neugegrĂŒndete Augsburg seit dem spĂ€teren 2. Jahrhundert diese Funktion ĂŒbernahm.[24]
Die BlĂŒtezeit der Stadt war das 1. und 2. Jahrhundert. Im spĂ€teren 3. Jahrhundert wurde Kempten durch die Anlage des Donau-Iller-Rhein-Limes zur römischen Grenzstadt. Auf und bei dem heute als Burghalde bezeichneten HĂŒgel im Flusstal entstand eine ummauerte spĂ€trömische Kastellsiedlung; sie trug den Namen Cambidanum und erstreckte sich von der Burghalde nach Norden bis zu der Kuppe, auf der heute die St.-Mang-Kirche steht. Eine Abteilung der 3. Italischen Legion war dort dauerhaft stationiert.[25]
Mittelalter: Zwei StÀdte
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Die mittelalterliche Siedlungsgeschichte Kemptens ist komplex; die stadtgeschichtliche Literatur bietet etliche einander widersprechende Versionen. Intensive archĂ€ologische Forschungen seit GrĂŒndung der StadtarchĂ€ologie 1982 konnten viele IrrtĂŒmer ausrĂ€umen.
Seit der Mitte des 8. Jahrhunderts bestand auf der linken Illerhochterrasse ein Kloster in Kempten, als dessen Abt und erster GrĂŒnder fĂŒr das Jahr 752 Audogar genannt ist. Wahrscheinlich diente als Klosterkirche eine wenige Jahre zuvor entstandene, vom Augsburger Bischof Wikterp geweihte Marienkirche. Ihr Erbauer war der St. Galler Mönch Theodor, der zusammen mit dem Heiligen Magnus ins AllgĂ€u gekommen war. Das frĂŒhmittelalterliche Kloster stand im Bereich des OstflĂŒgels der heutigen Residenz und nicht am St.-Mang-Platz oder auf der Burghalde, wie in der Ă€lteren Literatur gemutmaĂt wurde.
Die beiden alten Kemptener Pfarrkirchen St. Mang und St. Lorenz haben frĂŒhmittelalterliche VorlĂ€ufer: Es wurden unter bzw. neben beiden Kirchen Reste der VorgĂ€ngerbauten sowie umfangreiche GrĂ€berfelder archĂ€ologisch untersucht, die bei beiden Kirchen bis ins spĂ€te 7. Jahrhundert zurĂŒckreichen.[26] Damit ist die Existenz einer frĂŒhmittelalterlichen Siedlung vor der GrĂŒndung des Klosters belegt.
Ab 773 förderte angeblich Königin Hildegard, die Ehefrau Karls des GroĂen, das Kloster Kempten. Sie wurde seitdem als (zweite) GrĂŒnderin und Stifterin verehrt. Ebenfalls angeblich bestĂ€tigte Karl 774 die Rechte und den Besitz des Klosters. 777 soll Papst Hadrian I. das Kloster in Kempten geweiht haben, doch ist kein Aufenthalt dieses Papstes nördlich der Alpen belegt.[27]
Durch die Förderung der Karolinger â nach Hildegard und Karl auch durch ihren Sohn Ludwig den Frommen â stieg das Kloster Kempten zum flĂ€chenmĂ€Ăig gröĂten und bedeutendsten HerrschaftstrĂ€ger im AllgĂ€u auf. Dem FĂŒrstabt (Titel seit dem 12. Jahrhundert belegt) gelang es, aus der Siedlung am FlussĂŒbergang eine Stadt zu entwickeln. Kloster und Stadt waren bis in die zweite HĂ€lfte des 13. Jahrhunderts durch die Iller getrennt, die erst kurz vor 1300 in ihr heutiges Bett verlegt wurde.[28] Die Iller war zugleich die Grenze zwischen den BistĂŒmern Konstanz und Augsburg; die alte Grenzlinie wurde nach der Flussverlegung noch bis 1827 beibehalten.

Der Stauferkönig Friedrich II. belehnte 1213 den Abt des FĂŒrststiftes mit der Grafschaft Kempten. Ein Privileg König Rudolfs von Habsburg im Jahre 1289 war der erste Schritt auf dem langen Weg der Reichsstadt aus dem Hoheitsbereich des Abtes. Die Privilegien des 14. Jahrhunderts festigten Kemptens Status als Reichsstadt.
Doch erst im sogenannten âGroĂen Kaufâ von 1525 gab der FĂŒrstabt seine immer noch umfangreichen Besitz- und Nutzungsrechte innerhalb der Reichsstadt auf. Die wirtschaftliche Grundlage Kemptens bildeten der vom Reich geschĂŒtzte Fernhandel mit Salz sowie der Handel mit lokal gefertigten Leinenstoffen und Schmiedeerzeugnissen.
Der Status Kemptens als reichsunmittelbare Stadt inmitten des Herrschaftsgebietes des gleichermaĂen reichsunmittelbaren FĂŒrststifts fĂŒhrte zu stĂ€ndigen Auseinandersetzungen zwischen den BĂŒrgern der Reichsstadt und dem FĂŒrstabt des FĂŒrststifts Kempten. So nutzten 1363 Kemptener BĂŒrger die alljĂ€hrliche Einladung des Abtes zum Martinsessen zur Eroberung der Stadtburg auf der Burghalde, die dem Abt gehörte und mit einem Vogt besetzt war. Der Bau einer eigenen Schule (1358) und die Stiftung einer Kirchenbibliothek fĂŒr die Stadtprediger (1437) unterstrichen die EigenstĂ€ndigkeit der Stadt.
An der Iller entstand 1477 mit den ersten beiden PapiermĂŒhlen ein neuer Wirtschaftszweig.
Durch Kaiser Friedrich III. erhielt die Reichsstadt Kempten im Jahr 1488 das Recht, den Reichsadler mit der Kaiserkrone in ihrem Stadtwappen zu fĂŒhren. Ein Kemptener Truppenkontingent hatte sich bei der Befreiung des in BrĂŒgge gefangenen jungen Königs Maximilian besonders ausgezeichnet. Der Reichsadler ziert heute noch die vom TrĂ€ger aus rechte HĂ€lfte des Stadtwappens.
Reformation und Religionskriege
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Vor den Toren der evangelischen Reichsstadt befanden sich das katholische Kloster und sein Umland mit Bediensteten, ZĂŒnften und Bauern. Die harte Haltung der FĂŒrstĂ€bte gegenĂŒber ihren Untertanen und damit verbunden die Bauernkriege sowie die GlaubensĂŒberzeugungen der Reformation und das neue Selbstbewusstsein der BĂŒrgerschaft brachten Stadt und Kloster in eine schwierige Situation. Immerhin erlangte die Reichsstadt durch das Ausnutzen einer misslichen Situation des FĂŒrstabts eine weitestgehende UnabhĂ€ngigkeit vom Kloster. Der Weg zu einer religiösen Reformation in der Reichsstadt war geebnet. Nach der Entwicklung zu einer protestantischen Reichsstadt war die Situation zwischen Reichsstadt und Kloster angespannter als jemals zuvor.
âGroĂer Kaufâ und neue religiöse Strömungen
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Die vollstĂ€ndige UnabhĂ€ngigkeit vom FĂŒrststift erwarb die Reichsstadt 1525 im âGroĂen Kaufâ, der noch bis zum Ersten Weltkrieg als âJubilĂ€um Seutterianumâ gefeiert wurde. Zu Anfang des Deutschen Bauernkriegs kam es nach der erfolglosen Ăbergabe einer formulierten Beschwerde der Bauern zur PlĂŒnderung des Klosters durch stiftkemptische Bauern, die gegen das besonders harte Regiment des FĂŒrstabts Sebastian von Breitenstein und die immensen vom Stift auferlegten Lasten â er verlangte von seinen Untertanen stĂ€ndig weitere Abgaben â rebellierten. Die AufstĂ€ndischen wurden zwar vorerst niedergeschlagen, aber 1525 musste der FĂŒrstabt aus seiner von den Bauern belagerten Burg Liebenthann flĂŒchten. Er suchte heimlich Asyl in der Reichsstadt, wo ihn der damalige AltbĂŒrgermeister Gordian Seuter erkannte und die Situation nutzte, den FĂŒrstabt zur Unterzeichnung des mit ihm lĂ€ngst ausverhandelten Vertrags ĂŒber die Abtretung seiner verbliebenen Rechte in der Reichsstadt zu bewegen: Der Abt wurde so lange nicht aus der Stadt gelassen, bis er den Vertrag unterzeichnet hatte, der dann auch von Kaiser und Papst bestĂ€tigt wurde und somit Rechtskraft erlangte. Der auf Bargeld angewiesene Sebastian von Breitenstein verkaufte am 6. Mai 1525 fĂŒr 30.000 Gulden seine verbliebenen herrschaftlichen Rechte in der Stadt an die BĂŒrger. Um diesen immensen Geldbetrag aufwenden zu können, wurden die BĂŒrger der Reichsstadt mit einer zusĂ€tzlichen Abgabe besteuert. Da sie evangelisch gesinnt waren, verkauften sie die als entbehrlich angesehenen KirchenschĂ€tze. Darunter fallen Reliquiare, Kelche und Monstranzen.[29]
Damit war zugleich der Weg fĂŒr den Wechsel der Reichsstadt zur Reformation geebnet. Die Reichsstadt gehörte 1529 zu den Vertretern der protestantischen Minderheit (Protestation) auf dem Reichstag zu Speyer fĂŒr Martin Luthers Lehre. 1530 unterzeichnete die Reichsstadt Kempten die Confessio Augustana (Augsburger Bekenntnis). Ihre BĂŒrgerschaft forderte die ungehinderte Ausbreitung des evangelischen Glaubens.
So wie in vielen evangelischen StĂ€dten SĂŒddeutschlands kam es auch in Kempten zu Auseinandersetzungen zwischen Lutheranern und Reformierten. Im Jahr 1527 wurde Jakob Haystung erster protestantischer Prediger der St.-Mang-Kirche; er war AnhĂ€nger von Huldrych Zwingli und predigte offensiv seine Lehren. Zum Dreikönigstag lieĂ der Rat die BĂŒrger ĂŒber die Bilderfrage abstimmen: 500 forderten die Zerstörung jeglichen Kirchenschmucks, 174 setzten sich fĂŒr den Erhalt ein. Daraufhin kam es zum Bildersturm in der reformierten St.-Mang-Kirche. Die Leinwandmacher wollten die Fresken mit TĂŒchern abdecken, konnten sich aber gegen die AnhĂ€nger Zwinglis nicht durchsetzen. Die Fresken wurden ĂŒbermalt, die Ausstattung zerstört. Die 1480 von einer reichen Patrizierfamilie gestiftete Orgel blieb erhalten, wurde aber 40 Jahre lang nicht verwendet.[29][30]
Die Dominanz von Zwinglis Lehre dauerte jedoch nur kurz. 1553 kam der slowenische Reformator und AnhĂ€nger Martin Luthers PrimoĆŸ Trubar als Prediger in die St.-Mang-Kirche. Ihm gelang es, die konfessionellen Spannungen zu mindern, und er legte das Augsburger Bekenntnis als Basis fĂŒr die Kirchenordnung fest. In seiner Zeit in Kempten ĂŒbersetzte er das Neue Testament ins Slowenische. Die lutherische Lehre dominierte wieder.[31]
Der protestantische Pfarrer Ottmar Stab unterzeichnete die lutherische Konkordienformel noch im August 1577, der BĂŒrgermeister Paulus Röhr folgte 1579 mit seiner Unterschrift im Namen des Stadtrates.[32] Weitere wichtige Personen der Reformationszeit waren Matthias Waibel sowie der Pfarrer Sixtus Rummel von St. Mang. An der religiösen Position des Klosters Ă€nderte sich nichts; als reichsunmittelbares FĂŒrstentum blieb es dem vom Kaiser gestĂŒtzten Katholizismus verbunden.
DreiĂigjĂ€hriger Krieg, AufklĂ€rung und letzter Hexenprozess auf deutschem Boden
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Im DreiĂigjĂ€hrigen Krieg gehörten die katholische FĂŒrstabtei und die evangelische Reichsstadt den beiden einander feindlich gesinnten Konfessionsparteien an und unterstĂŒtzten ihre jeweiligen BĂŒndnispartner bei der BekĂ€mpfung ihres Nachbarn. So wurde das Kloster auf Anstiftung der Reichsstadt 1632 durch die Schweden zerstört, worauf am 12. Januar 1633 katholische kaiserliche und bayerische Truppen unter Joachim Christian von der Wahl Kempten im Sturmangriff eroberten und groĂe SchĂ€den anrichteten. Dabei töteten sie ĂŒber 300 BĂŒrger. Hinzu kamen zwei PestzĂŒge, so dass die Bevölkerung der Reichsstadt von 6000 Einwohnern vor dem Krieg auf 900 im Jahre 1635 einbrach.[33][34]
Kurz vor dem Ende des DreiĂigjĂ€hrigen Krieges begann FĂŒrstabt Roman Giel von Gielsberg mit der Planung fĂŒr den Neubau des zerstörten Klosters. Als Zentrum waren die Klosterkirche und die fĂŒrstĂ€btliche Residenz vorgesehen, an die eine Planstadt anschlieĂen sollte. Die frĂŒhbarocke Kirchen- und Klosteranlage wurde zwischen 1651 und 1674 errichtet. FĂŒrstabt Rupert von Bodman erwirkte fĂŒr die stĂ€dtische Siedlung beim Kloster im Jahre 1728 die Erhebung zur Stadt. Unter FĂŒrstabt Anselm Reichlin von Meldegg wurde die Residenz mit einer monumentalen, verschwenderischen Rokokoausstattung versehen. 1773 scheiterte der Versuch, die FĂŒrstabtei als eigenes Bistum von Konstanz und Augsburg zu eximieren.
Von 1421 bis 1775 gerieten in Kempten 19 Personen in Hexenprozesse.[35] 1775 war Kempten Schauplatz des letzten Hexenprozesses in Deutschland. Anna Maria Schwegelin wurde als Hexe zum Tode durch das Schwert verurteilt, jedoch nicht hingerichtet, sondern begnadigt. Sie starb 1781 im Stockhaus, dem stiftkemptischen GefĂ€ngnis. An der SĂŒdostseite der ehemaligen fĂŒrstĂ€btlichen Residenz wurde 2002 zu ihrem Gedenken ein Brunnen errichtet. Seit Dezember 2018 informiert eine Stele vor Ort ĂŒber das Leben von Anna Maria Schwegelin und den Prozessverlauf.[36]
Neue bayerische Herrschaft
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Das 19. Jahrhundert markierte in Kempten einen kompletten Umbruch der historischen Struktur aus zwei StĂ€dten. Das moderne Kempten ist in einem langwierigen Verschmelzungsvorgang aus einer freien Reichsstadt und einem fĂŒrstlichen Benediktinerkloster mit eigener Stadt entstanden. Das im Grunde traditionell schwĂ€bische Kempten ist erst seit dem 19. Jahrhundert bayerisch. Mit der Anbindung an Bayern waren auch kulturelle Verluste zusammenhĂ€ngend. Zahlreiche BesitztĂŒmer des Klosters wurden von Bayern beschlagnahmt und verkauft, die prunkvolle Residenz wurde zu einem Verwaltungssitz der bayerischen Herrschaft.
Besetzung durch Bayern und Vereinigung der Doppelstadt
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âHauptstadt des Illerkreisesâ
Im Jahre 1802, noch vor dem Reichsdeputationshauptschluss vom 25. Februar 1803, marschierten kurfĂŒrstlich bayerische Truppen ins AllgĂ€u ein und vollzogen die Mediatisierung der Reichsstadt und die SĂ€kularisation der FĂŒrstabtei; beide wurden dem bayerischen Staatsgebiet angeschlossen. Die bisherigen Selbstverwaltungsrechte von Kloster und Reichsstadt mit eigenen Herrschafts- und Verfassungsformen waren als ânebenstaatlicheâ Existenzen in die schematische Verwaltungsgliederung Bayerns nicht integrierbar.
Die bayerische Verwaltung beschloss die Vereinigung der Reichsstadt und der Stiftsstadt. Die Verwaltungsakte dafĂŒr erforderten wenige Jahre, doch die kulturellen und gesellschaftlichen Folgeprobleme waren noch im 20. Jahrhundert zu spĂŒren. Kempten wurde 1806 Hauptstadt des neu entstandenen Illerkreises, der anfangs bis nach Dornbirn reichte. 1809 gab es von der Vorarlberger Bevölkerung aus wiederholte Versuche, nahe bayerische StĂ€dte zu besetzen, um sich vom neuen Herrscher Bayern zu lösen. Dazu gehörte auch Kempten. Hier gab es mehrere Versuche einer Besetzung. SĂ€mtliche AufstĂ€nde von Vorarlbergern wurden niedergeschlagen; hierbei erlitt die ehemals österreichische Seite hohe Verluste. Ein Zeugnis hiervon sind die Vorarlberger GrĂ€ber im SĂŒdwesten von Kempten. 1817 erfolgten die Auflösung des Illerkreises und seine Angliederung an den Oberdonaukreis. Am 17. Mai 1818 wurde die Vereinigung der Reichsstadt und der Stiftsstadt offiziell vollzogen, wobei die lĂ€ndlichen Orte des Umlandes abgetrennt und zu den beiden Ruralgemeinden Sankt Mang und St. Lorenz zusammengefasst wurden.
Industrialisierung und erster gewerblich genutzter Dieselmotor
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Den Beginn der Industrialisierung markiert der Bau der König-Ludwig-BrĂŒcke im Jahr 1847. Der erste Bahnhof, damals noch ein Kopfbahnhof und wenige Meter vor den Stadtmauern gelegen, wurde 1852 mit der Einfahrt des ersten Zuges feierlich eingeweiht. Es entstanden entlang der Iller zahlreiche Fabriken. Zwischen 1852 und 1853 wurde in Kempten am rechten Illerufer eine groĂe siebenstöckige mechanische Baumwollspinnerei und -weberei erbaut, in der Ende der 1850er Jahre bereits 566 WebstĂŒhle von fast 1000 Arbeiterinnen und Arbeitern bedient wurden. Der Betrieb wurde erst 1992 eingestellt; das ursprĂŒngliche GebĂ€ude aus der Mitte des 19. Jahrhunderts steht unter Denkmalschutz und wurde zu einer Wohnanlage umgebaut.[37] Einen weiteren AnstoĂ fĂŒr die Urbanisierung und Industrialisierung setzte der BĂŒrgermeister Adolf Horchler; wĂ€hrend seiner Amtszeit von 1881 bis 1919 wuchs die Bevölkerung Kemptens von 12.000 auf 21.000 Einwohner. Insbesondere die vielen ArbeitsplĂ€tze lieĂen aus dem Umland viele bisher in der Landwirtschaft beschĂ€ftigte Menschen nach Kempten ziehen. Das Ăberangebot an billigen ArbeitskrĂ€ften ergab fĂŒr Fabrikanten die Möglichkeit, neue Fabriken zu erbauen. Die geringen Lohnkosten machten den Nachteil des damals schlechten Standortes â abseits von sĂ€mtlichen Ballungszentren â wieder wett.[38]

Am 15. MĂ€rz 1898 wurde der erste gewerblich genutzte Dieselmotor der Welt von der Maschinenfabrik Augsburg in der ZĂŒndholzfabrik Kempten in Betrieb genommen,[39][40] ein Jahr spĂ€ter fuhr zum ersten Mal ein Automobil durch die Stadt[41], und kurz vor dem Ersten Weltkrieg flog ĂŒber Kempten erstmals ein Flugzeug. Um die Jahrhundertwende wuchs die Stadt in Richtung SĂŒden. Grund dafĂŒr war unter anderem der Kopfbahnhof der Stadt.
Kempten im 20. Jahrhundert
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Otto Merkt wurde 1919 Nachfolger von BĂŒrgermeister Adolf Horchler. Die Zeit Merkts ist gekennzeichnet durch den Ausbau der Stadt zur âHauptstadt des AllgĂ€usâ. So kamen unter Merkt erste PlĂ€ne fĂŒr einen Mittleren Ring auf, der damals schon als mehrspurige Umfahrung der Stadt geplant war. Diese stĂ€dtischen Entwicklungskonzepte wirken bis in die Gegenwart.
Die Zeit des Flachsanbaus im AllgĂ€u war schon zu Ende. Merkt war bemĂŒht, die Region zur GrĂŒnlandwirtschaft und damit zur industriellen KĂ€seproduktion umzustrukturieren. Die Weberei verĂ€nderte sich unter Nutzung des vorhandenen Know-hows und der Wasserkraft der Iller vom Manufakturwesen hin zur industriellen Baumwollverarbeitung. Die benötigte Technik fĂŒhrte zur Entwicklung feinmechanischer Maschinenbaufabriken. Relativ frĂŒh entwickelte sich im AllgĂ€u dazu der Tourismus als weiteres Standbein der Wirtschaft.[42]
Zeit des Nationalsozialismus
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Unter Otto Merkt wurde die Stadt Kempten 1935 zum Stadtkreis (kreisfreie Stadt) erhoben; in diesem Zuge wurden zahlreiche benachbarte Weiler und Einöden der bis 1972 existierenden Gemeinde Sankt Lorenz zu Kempten ergĂ€nzt und der Zusatz (AllgĂ€u) eingefĂŒhrt.
Die Stadt rĂŒckte seitdem von einer Kleinstadt zu zentraler Bedeutung und Funktion in der Region auf. Im Nationalsozialismus entwickelte sich in der Stadt mit der Prinz-Franz-Kaserne (1936) und Scharnhorstkaserne (1937) eine groĂe Garnison. 1942 wurde Otto Merkt als OberbĂŒrgermeister abgesetzt und durch den radikaleren Anton BrĂ€ndle ersetzt.
Von Herbst 1943 bis April 1945 wurden zwei KZ-AuĂenlager des Konzentrationslagers Dachau fĂŒr 1500 bis 2000 HĂ€ftlinge betrieben. Die KZ-HĂ€ftlinge des KZ-AuĂenlagers Kempten waren unter anderem in der sonst fĂŒr Viehhandel genutzten Tierzuchthalle am Bahnhof untergebracht. In der KeselstraĂe 14 arbeiteten etwa 800 bis 1000 Zwangsarbeiter und mindestens 650 bis 850 KZ-HĂ€ftlinge fĂŒr die Helmuth Sachse KG, diese war einer der wichtigsten Zulieferer fĂŒr BMW (KommandogerĂ€tefertigung fĂŒr den 801-Motor). Die 750, teilweise ĂŒber 1000 HĂ€ftlinge des KZ-AuĂenlagers Kottern-Weidach mussten fĂŒr Messerschmitt Zwangsarbeit in der Produktion von Teilen fĂŒr Kriegsflugzeuge verrichten.[43] Die Produktion von kriegswichtigen Teilen war nach Kempten verlagert worden, da GroĂstĂ€dte wie MĂŒnchen durch Luftangriffe eher bedroht waren als das lĂ€ndlichere AllgĂ€u.[44]
Auch die wenigen Juden in Kempten wurden nicht verschont. JĂŒdische GeschĂ€fte wurden boykottiert und geschlossen, fast alle Juden in Konzentrationslager deportiert und dort ermordet. Das Kriegsende erlebten in Kempten nur zwei JĂŒdinnen sowie acht sogenannte âHalbjudenâ.[45]
Bombenangriffe auf Kempten von Alliierten gab es in den Jahren 1942 bis einschlieĂlich 1945. Am 23. Oktober 1942 warfen britische und US-amerikanische Flugzeuge 200 Brandbomben auf den Bahnhof Kempten-Hegge ab. SĂŒdwestlich von Kempten kĂ€mpften alliierte und deutsche Flugzeuge am 18. Juli 1944, am Folgetag griffen die Alliierten Kempten an. Bombardiert wurden Fabrikhallen, in denen die Produktion von Messerschmitt untergebracht war. 29 Menschen wurden getötet und einige HĂ€user zerstört.
Am 3. August 1944 griffen Bomber die Oberen IllerbrĂŒcken sowie die nahe gelegene Spinnerei und Weberei an. Neben zerstörten HĂ€usern gab es auch Todesopfer. Am 22. Februar, 12. und 16. April 1945 griffen die Alliierten das BahnhofsgelĂ€nde sowie Wehrmachts- und RĂŒstungsanlagen an; unter anderem wurde auch die Scharnhorstkaserne zerstört. Die gröĂte Zahl an Bombenopfern war im Juli bzw. August 1944 zu vermelden: Es gab bei diesen Angriffen 146 Tote und 79 Schwerverletzte. Noch heute erinnern im wenig bebauten SĂŒden von Kempten zahlreiche Bombentrichter beim Ortsteil Adelharz an diese BombenabwĂŒrfe. 1,8 Prozent der Bausubstanz Kemptens wurde wĂ€hrend der Bombenangriffe zerstört.[46] (Zum Vergleich: WĂ€hrend der Luftangriffe auf MĂŒnchen waren rund 50 Prozent der Stadt zerstört.)
Am 27. April 1945 besetzten von Norden kommende US-amerikanische Truppen die Stadt und befreiten in Kempten samt Umgebung ĂŒber 4000 Zwangsarbeiter und politische HĂ€ftlinge. Der nationalsozialistischen Herrschaft wurde damit ein Ende gesetzt. Der BĂŒrgermeister Anton BrĂ€ndle versuchte, in einer Mönchskutte auf einem Fahrrad vor den Truppen zu fliehen, wurde aufgefangen und in der Stadt auf einer Lkw-Pritsche vorgefĂŒhrt.
OberflÀchliche Entnazifizierung
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Unter der US-amerikanischen Besatzung wurde Captain Hulin Webb als Leiter der MilitĂ€rregierung in Kempten und Landkreis ab 30. April 1945 eingesetzt. Ein weiterer Teil des Landkreises war französisch besetzt. Diverse Persönlichkeiten Kemptens schlugen den frĂŒheren BĂŒrgermeister Otto Merkt aushilfsweise als OberbĂŒrgermeister vor. Trotz Vorbehalten wurde ihm am 24. Mai dieses Amt zugesprochen. Fast tĂ€glich musste Merkt zum Rapport erscheinen. WĂ€hrend im Landkreis durch den Landrat Adolf Schmidt, einen alten Gegenspieler Merkts, die Entnazifizierung rigoros durchgefĂŒhrt wurde, wollte Merkt als AnhĂ€nger der autarken kommunalen Selbstverwaltung seine geliebte BĂŒrokratie mit den ihm lange bekannten VerwaltungskrĂ€ften erhalten. Er blockierte die deutlichen Befehle der MilitĂ€rregierung und versuchte, dieser zusammen mit LandgerichtsprĂ€sident Rudolf Flach zu verdeutlichen, dass die Beamten lediglich wegen des Drucks der NSDAP zur Anpassung genötigt worden seien. Auch die beiden Kirchen trugen zu diesem Prozess bei. Dennoch setzte sich die MilitĂ€rregierung durch und suspendierte fast alle stĂ€dtischen Verwalter oder versetzte sie in niedrigere Positionen. Die Entlassung im Rahmen der Entnazifizierung traf auch LandgerichtsprĂ€sident Flach.
Merkt gelang es, einen vorlĂ€ufigen Stadtrat aus Vertretern verschiedener Berufe zusammenzusetzen. Dieser scheiterte bereits bei der ersten Sitzung, da alle frĂŒher NSDAP-Mitglieder waren. Merkt selbst wurde, weil auch NSDAP-Mitglied, am 21. Juli 1945 von seinem Amt entfernt und durch Alfred Weitnauer, der jedoch ebenfalls NSDAP-Mitglied gewesen war, ersetzt. Es folgte der StadtkĂ€mmerer Bernhard StirnweiĂ, ein unbelasteter stĂ€dtischer Beamter, der kein NSDAP-Mitglied gewesen war und 1935 Repressalien wegen eines Einkaufs in einem âjĂŒdischen Kaufhausâ erfahren hatte.[47]
Zum Jahreswechsel 1946/47 nahm in Kempten eine Hauptspruchkammer zur Entnazifizierung ihre Arbeit auf. Bis 1949 wurden ĂŒber 3000 FĂ€lle behandelt in der Abstufung Hauptschuldige, Belastete, Minderbelastete, MitlĂ€ufer und Entlastete. Bald wurden jedoch Amnestiegesetze veranlasst: Galten anfangs rund 500 Personen als Belastete, lag diese Zahl 1949 bei nur noch 70 Personen. Von anfangs 42 Hauptschuldigen sank die Zahl bis 1949 auf neun Personen. Hierauf wirkten wie vielerorts auch angeblich entlastende, fantasievolle ErklĂ€rungen deutscher BĂŒrger ein, die mittlerweile als Persilschein bezeichnet werden. Dazu kamen noch Lockerungen der amerikanischen Entnazifizierungregeln zugunsten Beschuldigter. Die Spruchkammer entwickelte sich zu einer MitlĂ€uferfabrik, die unter Aufarbeitung des Nationalsozialismus ein promptes WeiĂwaschen von braunen Nazipersönlichkeiten verstand.[48]
Zum Jahresende 1945 wurden schrittweise politische Parteien (zunĂ€chst CSU, spĂ€ter Kommunistische Partei und SPD) seitens der MilitĂ€rregierung mit einer gewissen Skepsis erlaubt. SpĂ€ter wurden auch wieder Vereine, ĂŒberwiegend mit Berufung auf die Tradition der gescheiterten Weimarer Republik, gegrĂŒndet. Auch Gewerkschaften entstanden wieder. Die KPD hatte UnterstĂŒtzung durch eine Betreuungsstelle fĂŒr politisch Verfolgte, wurde aber spĂ€ter bundesweit mit Zuspitzung des Kalten Kriegs verboten (siehe KPD-Verbot). 1946 verzeichnete die CSU groĂe Erfolge, scheiterte 1948 erheblich und musste Stimmen an die Bayernpartei abgeben. Diese hatte bei den nĂ€chsten Wahlen weiterhin Bedeutung, verlor aber in den 1950er Jahren zunehmend an Bedeutung. Die Teilung des konservativen Lagers war bald darauf aufgehoben. Hinzu kamen 1947 die GrĂŒndung der FDP und die Aufhebung des ParteigrĂŒndungverbots fĂŒr Ausgewiesene und Vertriebene, deren genaue NS-Vergangenheit in ihrer neuen Heimat weitgehend unbekannt war.
Mit der ersten Stadtratswahl im Mai 1946 verlor die MilitĂ€rregierung bewusst an Bedeutung. BestĂ€rkt wurde diese Entwicklung durch den als freundlich geltenden neuen US-Kommandanten Richard F. Wagner. Damit wurde die Selbstverwaltung gestĂ€rkt. BĂŒrgermeister StirnweiĂ war lediglich kommissarisch eingesetzt, sodass der Stadtrat auf neue, unbelastete Personen fĂŒr das OberbĂŒrgermeisteramt aus war. Am 23. August wurde dann der unbelastete Jurist Anton Götz aus MĂŒnchen gewĂ€hlt. Sein Vertreter wurde Albert Wehr (SPD). Insgesamt war die Verwaltung mit der Nachkriegszeit ĂŒberfordert: Es fehlten Lebensmittel und Wohnraum. Die Betreuung von Displaced Persons und Ausgewiesenen, Befolgung der amerikanischen Richtlinien und Aufbau kommunaler AktivitĂ€ten waren arbeitsintensiv. Eine Zuspitzung erfuhr die Situation mit einer amerikanischen Wohnungsbeschlagnahme im FrĂŒhjahr 1948; all dies fĂŒhrte zu einer Stadtratskrise. Nachfolger von Götz wurde der frĂŒhere Kaufbeurer OberbĂŒrgermeister Georg Volkhardt, der mit seiner kommunalen Erfahrung die BĂŒrokratie sanierte. Insgesamt litt die Stadtverwaltung bis 1947 wegen der Entnazifizierung an einem FachkrĂ€ftemangel. Da sich diese Politik Ă€nderte, konnten viele im Hauptspruchkammerverfahren als MitlĂ€ufer/Belastete in ihre BĂŒrokratiekarriere zurĂŒckkehren â jedoch schieden zeitgleich auch zahlreiche Verfolgte des Naziregimes aus,[49] womit ehemalige NSDAP-Mitglieder sich als âSaubermĂ€nnerâ profilieren und gegenseitig decken konnten, sodass sie bis in die 1980er-Jahre Posten in der Stadtverwaltung bekleideten. Die BemĂŒhungen der halbherzigen Entnazifizierung gelten unter Historikern im 21. Jahrhundert als misslungen. Viele Urteile der MitlĂ€ufer und weiterer gelten als oberflĂ€chlich und leichtfertig.
Noch 1945 wurden die nach NS-GröĂen benannten StraĂen umbenannt. So wurde als Beispiel aus dem Adolf-Hitler-Platz der Audogarplatz, aus dem Platz des FĂŒhrers wieder der Königsplatz. Dennoch wurde 1973 eine StraĂe nach dem hochrangigen Nazi Eduard Dietl benannt, die trotz Protesten ab 1986 erst 1993 umbenannt worden ist. Auch 1973 erfolgte die Benennung einer StraĂe nach Richard Knussert, die erst ab 2018 einem gesellschaftlichen Diskurs unterzogen wurde. Zahlreiche weitere FĂ€lle weisen auf eine fehlende Aufarbeitung des lokalen Nationalsozialismus hin. Diese sind zum Beispiel StraĂen, die nach den NSDAP-Mitgliedern Ferdinand Porsche, Alfred Weitnauer, Else Eberhard-Schobacher, Joseph Freundorfer, Franz WeiĂ, Willy Messerschmitt und auch Otto Merkt benannt sind. Die lokale Geschichtsschreibung weist ĂŒberwiegend LĂŒcken und Schönungen auf. Noch 1952 wurde mit August Fischer wieder ein NSDAP-Mitglied als OberbĂŒrgermeister gewĂ€hlt und ein Platz nach ihm benannt.
Nachkriegszeit und Wirtschaftswunder
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Am 29. September 1946 veranstalteten amerikanische Soldaten im Illerstadion in Kempten ein Fest fĂŒr die vom Zweiten Weltkrieg und der Nachkriegszeit geprĂ€gten Kinder. Beim Illersteg-UnglĂŒck stĂŒrzte die BrĂŒcke in die Iller. Etwa 800 Personen standen auf der BrĂŒcke. Sechs Menschen starben bei diesem Unfall, rund 200 wurden verletzt.
Der Zuzug von 10.000 Vertriebenen, Abgeschobenen, GeflĂŒchteten und Aussiedlern aus Mittel- und Osteuropa brachte einen raschen Bevölkerungsanstieg, aber auch einen akuten Wohnplatzmangel. Mit der vom OberbĂŒrgermeister August Fischer gegrĂŒndeten Sozialbau-Gesellschaft (Sozialbau Kempten) kam es zu regen BaumaĂnahmen. Diese befriedigten zwar die Nachfrage nach Wohnraum, die ĂŒbereilte und intensive Sanierungswelle reduzierte aber auch die wertvolle historische Bausubstanz. Kempten war Teil eines Pilotprojekts des Bundes fĂŒr AltstadtsanierungsmaĂnahmen. Die in Kempten gemachten Erfahrungen â auch die schlechten â flossen in andere Stadtsanierungen ein. Im Mittelpunkt der Verkehrspolitik standen der Bau des Mittleren Ringes und der neue Hauptbahnhof an anderer Stelle, welcher den alten Kopfbahnhof ersetzte. Die Randlage in Bayern und die vergleichsweise groĂe Vielfalt in der Wirtschaft sowie das rege Bauen sorgen seitdem fĂŒr ein allmĂ€hliches, aber stetes Wachstum sowie moderate Auswirkungen von Kriegen und Krisen bis heute. 1977 wurde unter OberbĂŒrgermeister Josef Höà die Errichtung der Fachhochschule Kempten beschlossen, die heute als Hochschule fĂŒr angewandte Wissenschaften Kempten auftritt. UrsprĂŒngliches Ziel war die Ansiedlung einer UniversitĂ€t in Kempten.
Deutschlandweit bekannt wurde Kempten als Sitz der tĂŒrkischen rechtsextremen Gruppierung âGraue Wölfeâ. Am 9. April 1973 wurde offiziell beim Ordnungsamt ein lokaler Verein der MHP (Milliyetçi Hareket Partisi, dt. Partei der Nationalistischen Bewegung) gegrĂŒndet und ohne Widerspruch genehmigt.[50] Zu Beginn der 1990er-Jahre hat sich in Kempten zusĂ€tzlich zu den bestehenden italienischen Mafiastrukturen der 1950er/60er auch die Russenmafia einen wichtigen strategischen Punkt aufgebaut.[51]
Entwicklungen seit den 1990er-Jahren
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Als Nachfolger von Höà wurde 1990 mit Wolfgang RoĂmann das erste Stadtoberhaupt Kemptens gewĂ€hlt, das von der SPD gestellt wurde. Er strebte den Neubau der Justizvollzugsanstalt Kempten an und lieĂ den öffentlichen Personennahverkehr modernisieren. Mit dem Einkaufszentrum Forum AllgĂ€u, das RoĂmann an Stelle des ehemaligen Bahnhofes vorschlug, wurde die ĂŒber Jahrzehnte brachliegende FlĂ€che im Zentrum wiederbelebt.
1996 wurde Ulrich Netzer gewĂ€hlt. Die letzten Jahre von Netzers Amtszeit waren von SparmaĂnahmen und âoffenen Baustellenâ der Finanzkrise ab 2007 und Eurokrise geprĂ€gt. Die erste langwierige Baustelle war der Neubau eines XXXLutz-Wohnkaufhauses im SĂŒden. Die Frage wurde durch einen BĂŒrgerentscheid im Oktober 2007 geklĂ€rt, in dem sich eine Mehrheit der BĂŒrger fĂŒr den Bau entschloss. Eröffnet wurde das Kaufhaus im Juli 2015. 2007 begannen die GesprĂ€che fĂŒr ein GeschĂ€ftshaus namens August-Fischer-Haus in der Innenstadt. Die tiefe Baustelle des Hauses lag seit 2011 brach und wurde mehrere Male vor Gerichten behandelt: Im Sommer 2015 wurde die Tiefgarage fertiggestellt, dennoch ist das âGroĂe Lochâ (Stand: MĂ€rz 2018) nach wie vor nicht fertigbebaut worden. Das architektonisch herausgehobene Wasserkraftwerk KeselstraĂe wurde 2010 fertiggestellt und ersetzte damit den Bau aus den spĂ€ten 1950er-Jahren. Zu einem weiteren BĂŒrgerentscheid kam es im April 2011, als sich eine Mehrheit gegen die PlĂ€ne der CSU, den Bau einer Tiefgarage unter dem Hildegardplatz, aussprach.
Koksskandal und Mafiastrukturen
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Anfang 2014 wurde der Leiter der Drogenfahndung der Kriminalpolizei des PolizeiprĂ€sidiums Schwaben SĂŒd/West mit Sitz in Kempten festgenommen; spĂ€ter fanden Polizeibeamte auf Hinweis der Ehefrau in seinem Spind in der Kripo-Dienststelle in der HirnbeinstraĂe 1,85 Kilogramm Kokain[52] im Marktwert von ĂŒber 250.000 Euro, das er angeblich zu Ăbungszwecken dort aufbewahrte. Bei den Ermittlungen wurde klar, dass der seit 2000 als Leiter der Drogenfahndung tĂ€tige Beamte mindestens seit 2007 selber kokainsĂŒchtig war und das Rauschmittel regelmĂ€Ăig konsumierte. Das gefundene Rauschgift stammte aus der Asservatenkammer; der leitende und fĂŒr DrogenkriminalitĂ€t zustĂ€ndige Oberstaatsanwalt hatte es fĂŒr Schulungszwecke an die Polizei freigegeben. Die eigentliche Herkunft des Kokains blieb ungeklĂ€rt, nachdem der Staatsanwalt nach einer ersten Befragung Suizid begangen hatte und ein zweiter Termin zur Befragung nicht mehr hatte durchgefĂŒhrt werden können.[53] Der Beamte wurde zu einer Haftstrafe von sechseinhalb Jahren verurteilt.[54][55][56][57] Der Drogenskandal in Kempten war 2014 auch Thema in einem Innenausschuss des Bayerischen Landtags.[58]
Die Presse stellte im Nachhinein einen Zusammenhang des Skandals zur italienischen Mafia dar: 1998 wurde der Mafioso und Auftragskiller Giorgio Basile der Mafiaorganisation âNdrangheta am Hauptbahnhof in Kempten festgenommen. Davor versuchte ein italienischer Clan, eine Schreibkraft als Spionin in die Kemptener Staatsanwaltschaft einzuschleusen, was rechtzeitig entdeckt wurde. 1992 schrieb Der Spiegel ĂŒber die Mafia umfangreich, auch ĂŒber die Herkunft der kriminellen Strukturen. Im Bericht âDie Mafia spricht SchwĂ€bischâ vom MĂ€rz 2014 berichtete die SĂŒddeutsche Zeitung ĂŒber mafiöse Strukturen der âNdrangheta, Camorra und Cosa Nostra in Schwaben, insbesondere in Kempten mit Umkreis. Mit dem Eintreffen zahlreicher italienischer Gastarbeiter aus dem Gebiet um Adrano in Sizilien sei in den 1950er- und 1960er-Jahren in Schwaben, insbesondere in Kempten, ein Zentrum dieser Organisationen in SĂŒddeutschland entstanden. 1992 hatten Kemptener Ermittler 130 mutmaĂliche Mafiosi im Visier.[59] In den 1980er- und 1990er-Jahren wurden zahlreiche Mafiamitglieder verhaftet. Nach einer Razzia verkĂŒndete der PrĂ€sident des bayerischen Landeskriminalamts, Heinz Lenhard, dass die Region um Kempten nicht nur als RĂŒckzugsgebiet fĂŒr organisierte Kriminelle diene, denen es in Italien zu riskant geworden ist, mittlerweile sei die Region Drehscheibe fĂŒr den mitteleuropĂ€ischen Drogenhandel.
Salafismus und Dschihadismus
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]GroĂe Medienaufmerksamkeit erzeugten auch mehrere jĂŒngere MĂ€nner aus Kempten, die sich öffentlich zum Salafismus und Dschihadismus bekannten. Der Deutsche David G. besuchte mit seiner christlich geprĂ€gten Familie regelmĂ€Ăig Gottesdienste. Mit 18 Jahren konvertierte er zum Islam und studierte seither den Koran. Bereits davor hatte er Kontakt zu einem TĂŒrken, der mit Internetseiten fĂŒr einen radikalen Islam und Heiligen Krieg Propaganda betrieb. Im Lauf der Zeit radikalisierte sich der junge Mann, der sich mittlerweile DÄwĆ«d nannte, und ĂŒbernahm weitere Verantwortung beim Erstellen von Propaganda-Inhalten. Im August 2013 versuchte er, in die TĂŒrkei zu reisen, was ihm durch Polizeibeamte in Deutschland verwehrt wurde. Im September gelang ihm schlieĂlich die Flucht in die TĂŒrkei ĂŒber eine GrĂŒne Grenze in Bulgarien. Im Dezember war er in einem Terrorcamp an der tĂŒrkisch-syrischen Grenze, um sich fĂŒr den âHeiligen Kriegâ vorzubereiten. Im Januar 2014 kamen Meldungen ĂŒber den Tod des Mannes; als wahrscheinlich gilt sein Tod in der NĂ€he von Aleppo. Die ARD berichtete im Report MĂŒnchen ĂŒber die Ereignisse.[60]
Ein weiterer Mann, der sich der islamistischen Terrororganisation Islamischer Staat anschloss und vom Verfassungsschutz beobachtet wurde, war der mit zwei Jahren aus der TĂŒrkei nach Kempten mit seinen Eltern umgesiedelte, 1992 geborene Erhan A. Er radikalisierte sich trotz erfolgreichem Abitur und Studium an der Hochschule Kempten im Bereich Wirtschaft. Erhan A. propagierte seinen Glauben zunĂ€chst durch das regelmĂ€Ăige Beten in Richtung Mekka auf öffentlichen PlĂ€tzen, woraufhin ihm die Polizei wĂ€hrend der AllgĂ€uer Festwoche Platzverbote erteilte. Er versuchte mehrfach eine Ausreise nach Syrien, um sich dort als KĂ€mpfer dem IS anzuschlieĂen. Ihm wurden der Pass abgenommen und ein Ausreiseverbot erteilt, dennoch schaffte er es in die TĂŒrkei, wurde kurz vor der Ăberquerung der tĂŒrkisch-syrischen Grenze jedoch von tĂŒrkischen Beamten aufgehalten und zurĂŒck nach Deutschland gebracht. Im Oktober 2014 wurde Erhan A. durch die bayerische Landesregierung in einem Eilverfahren durch den Bayerischen Innenminister Joachim Herrmann aus Deutschland in sein Geburtsland TĂŒrkei abgeschoben.[61][62] Im August 2016 teilte das Innenministerium mit, dass Erhan A. tot sei.[63]
Bevölkerungszuwachs und Wohnungsmangel
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Mit dem Umbau und damit verbundenen Modernisierungen vieler GeschĂ€ftshĂ€user rund um den AllgĂ€u Tower wurde die nördliche BahnhofstraĂe in der Innenstadt wiederbelebt. Mit der SchlieĂung der Artillerie-Kaserne im Jahr 2016 ist auch die letzte militĂ€rische Einrichtung in der Stadt geschlossen worden, nachdem 1992 die Prinz-Franz-Kaserne aufgelöst wurde. Das GelĂ€nde der ehemaligen Artillerie-Kaserne, das dem Bund gehört, will die Stadt erwerben und fĂŒr eine Gewerbeansiedlung nutzen. Der Bund plant dort ab 2019 die Einrichtung einer Erstaufnahme- und Ăbernachtungseinrichtung fĂŒr etwa 1000 Migranten und FlĂŒchtlinge. DafĂŒr soll eine gleiche Einrichtung in Donauwörth geschlossen werden. Ende 2016 lebten laut Bundesamt fĂŒr Migration und FlĂŒchtlinge in Kempten 1313 Asylsuchende (siehe auch FlĂŒchtlingskrise in Deutschland ab 2015), der GroĂteil davon stammte aus Nigeria mit 103 und aus Afghanistan mit 129 Personen.[64]
2017 steuerte die Stadt nach stetigem Wachstum die 70.000 Einwohner an, was im November erlangt war. In Kempten ist der Wohnungsmarkt angespannt, was teilweise durch den Bedarf der ĂŒber 6000 Studenten der Hochschule verstĂ€rkt wird, jedoch auch durch die stĂ€ndig steigende Einwohnerzahl. Dieser Bedarf kann durch Neubaugebiete kaum gedeckt werden. Beim geplanten Neubaugebiet âAuf der Haldeâ wurde der Baubeginn ab 2014 durch stĂ€ndige PlanĂ€nderungen aufgeschoben, zudem wurde der Umfang von 2014 geplanten 500 Wohneinheiten bis 2017 auf 350 reduziert.[65]
Im Mai 2017 beschloss der Stadtrat die kostspielige Sanierung der maroden König-Ludwig-BrĂŒcke von 1851 fĂŒr 5,2 Millionen Euro, woraufhin diese demontiert und auf einem nahegelegenen Parkplatz zur Instandsetzung aufgestellt wurde. Im Juli 2018 waren die Arbeiten beendet. Dabei wurden auch die hölzernen BrĂŒckenteile mit mehreren SchwerlastkrĂ€nen erneut in die Pfeiler eingefĂŒgt, wobei die vierspurigen Oberen IllerbrĂŒcken zwei Wochen lang gesperrt werden mussten.
Anfang 2018 fand mit der Fertigstellung der Sanierung und dem Umbau an der historischen Fasshalle die langjĂ€hrigen Baustelle auf der frĂŒheren ProduktionsflĂ€che des AllgĂ€uer Brauhauses im Zentrum ein langsames Ende. Das Jahr 2018 wurde vom 200-jĂ€hrigen JubilĂ€um des vereinten Kemptens geprĂ€gt. Dies wurde aber durch die verspĂ€tete Fertigstellung des neuen Stadtmuseums im Zumsteinhaus getrĂŒbt, das nach den ursprĂŒnglichen PlĂ€nen zum JubilĂ€um hĂ€tte wiedereröffnen sollen; die Arbeiten wurden jedoch erst Ende 2019 abgeschlossen.
Abtrennungen und Eingemeindungen
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Nachdem Kempten im Jahr 1802 der Verwaltungssitz des Illerkreises wurde, verlegte man den Verwaltungssitz im Jahr 1817 von Kempten nach Augsburg. Hierbei entstanden 1818 auch die beiden Ruralgemeinden Sankt Mang und St. Lorenz, die von Kempten abgetrennt wurden. Diese beiden selbststĂ€ndigen Gemeinden waren keine geschlossenen Einheiten, sondern lĂ€ndliche Vereinigungen. Namensgebend fĂŒr diese zwei Siedlungsverbunde waren nicht der jeweils gröĂte Gemeindeteil, sondern die Kemptener Stadtpfarreien Sankt Lorenz und Sankt Mang. Die Stadtpfarrkirchen standen aber nicht in den Gemeinden, sondern weiterhin in der Stadt Kempten.[66]
Mit der am 15. Dezember 1971 gefallenen Entscheidung ĂŒber eine am 1. Januar 1972[67] fertigzustellende Gebietsreform wurde der langgehegte Wunsch einer Wiedervereinigung von Kempten RealitĂ€t. St. Lorenz und Sankt Mang gehören Seitdem zu Kempten. Der Landkreis Kempten (AllgĂ€u) wurde am 1. Juli 1972 aufgelöst. Er wurde mit dem Landkreis Sonthofen zum neuen, gröĂeren Landkreis OberallgĂ€u zusammengelegt.[68]
St. Lorenz
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Die erste erfolgreiche Wiedervereinigung erfolgte im Jahr 1869 durch den Anschluss von Schwaighausen, Anwanden und dem Fischerösch von St. Lorenz. Ab 1904 erfolgten kleinere Eingemeindungen.
Eine groĂe Gebietsabtretung erfolgte am 1. Oktober 1934. Hierbei verlor die Gemeinde gut ein Drittel ihrer GesamtflĂ€che. Das waren die Flure Lotterberg, Reichelsberg, Haubensteig, Stiftallmey, Stadtweiher, Eggen, Haslach, Moos, SeibĂ€umen, Letten, Ellharten, Steufzgen, Stadtallmey, Bucharts, Steinberg, Kaurus, Adelharts, Eich, Moosers, Breiten, Lugemanns, Rottach sowie Teile der Flure Oberwang, Unterwang und Halden.
Ein Jahr spĂ€ter wurden durch eine gesetzliche Neuregelung die Gebiete Thingers, Rauhen, Ober- und Unterheggers, Staudach, Lauben ob und unter der Bruck, Kindo, Mariaberg, JĂ€gers, Johannisried, Ober- und Unterried, Zur Rottach, Wittleiters sowie einige Reste von nicht eingemeindeten Fluren von 1934 zu Kempten hinzugefĂŒgt.[69] Kempten wurde daraufhin zum Stadtkreis erhoben.[70]
Sankt Mang
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Als 1900/01 ein Ausgemeindungsversuch durch Einwohner von Sankt Mang scheiterte, folgten in den darauffolgenden Jahren verschiedene, geringfĂŒgige Gebietswechsel â vor allem aus strategisch-wirtschaftlichen GrĂŒnden. Im Zweiten Weltkrieg bemĂŒhte sich Kempten mehrfach um eine Eingemeindung, jedoch ohne Erfolg. Kleine Bereiche kamen zwischen 1869 und 1909 sowie 1937 zu Kempten.[71]
Einwohnerentwicklung
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Dank dem Bahnanschluss der Stadt im Jahr 1852 und der damit verbundenen Industrialisierung verzeichnet Kempten seit dem 19. Jahrhundert ein schnelles Bevölkerungswachstum. Die Aufnahme von FlĂŒchtlingen und Vertriebenen aus den ehemaligen Gebieten des Deutschen Reiches in den Nachkriegsjahren ergab wiederum einen raschen Anstieg der Bevölkerungsanzahl. Ein ebenso groĂer Anstieg der Bevölkerung wurde 1972 durch die Eingemeindungen der Ortschaften Sankt Mang und St. Lorenz erzielt.
2011 kam es zu 496 Geburten, 690 SterbefĂ€llen, 4225 ZuzĂŒgen und 3824 WegzĂŒgen. Somit kam es zu einem Wachstum von 207 Personen. Die EheschlieĂungen halten sich konstant bei etwa 300, 2011 waren es 307. Am 31. Dezember 2011 lebten in Kempten 64.300 Einwohner, davon waren 31.190 oder 47,7 Prozent mĂ€nnlich.
Die Anzahl der AuslÀnder in Kempten lag zum Stichtag 31. Dezember 2011, fortgeschrieben auf der Basis des Zensus 2011, bei 7310, was 11,4 Prozent der Gesamteinwohnerzahl entspricht.[72]


Der Zensus 2011 ergab, dass fĂŒr Kempten deutschlandweit im Vergleich mit allen 402 kreisfreien StĂ€dten und Landkreisen die gröĂte prozentuale Korrektur der Einwohnerzahl nach oben vorzunehmen war. Demnach wohnten in Kempten am 31. Dezember 2011 (Bevölkerungsfortschreibung erstmals auf der Basis des Zensus 2011) insgesamt 64.300 Einwohner, was gegenĂŒber der Bevölkerungsfortschreibung zum gleichen Stichtag auf der bisherigen Basis (VolkszĂ€hlung 1987) ein Plus von 2060 oder 3,3 Prozent ergab. Die Stadtverwaltung hatte aufgrund des Melderegisters eine Bevölkerung von 64.487 Einwohnern zum gleichen Stichtag ermittelt.[74] Zum 30. Juni 2015 hatte Kempten 67.198 Einwohner. Ende MĂ€rz 2017 vermeldete die Stadtverwaltung 69.442 Einwohner, noch im gleichen Jahr, am 2. November 2017, wurde mit der Geburt eines MĂ€dchens der Meilenstein von 70.000 Einwohnern erreicht.[75]
Zwischen 1988 und 2018 wuchs die kreisfreie Stadt von 60.052 auf 68.907 um 8.855 Einwohner bzw. um 14,8Â %.
| Jahr | Einwohner | Jahr | Einwohner | Jahr | Einwohner | Jahr | Einwohner | |||
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| 1798 | * 6.192 | 1900 | 18.864 | 1960 | 44.156 | 2008 | 65.272 | |||
| 1840 | 7.780 | 1910 | 21.001 | 1970 | 44.844 | 2011 | 64.300 | |||
| 1852 | 7.856 | 1919 | 20.498 | 1972 | 57.315 | 2014 | 66.037 | |||
| 1855 | 9.424 | 1930 | 23.498 | 1980 | 57.376 | 2015 | 67.198 | |||
| 1861 | 10.370 | 1940 | 28.016 | 1990 | 62.282 | 2016 | 67.529 | |||
| 1885 | 14.368 | 1950 | 40.357 | 1998 | 61.469 | 2017 | 69.443 | |||
| 2023 | 65.933 |
- * Summe aus 3.192 (Reichs- bzw. Altstadt) und rund 3.000 (Stifts- bzw. Neustadt) Einwohnern
Sagen und Legenden
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Sagen und Legenden haben naturgemÀà einen minimalen oder keinen Wahrheitsgehalt. Die meisten dieser Sagen haben Bezug auf KönigshĂ€user oder auf Heilige. Zu den Legenden der Stadt gehört die Person Heinrich von Kempten als mutiger Retter des Kaisers. Zu den Legenden gehört die KlostergrĂŒndung durch Hildegard und ihren Gatten Karl dem GroĂen, mit denen auch zahlreiche weitere Legenden ĂŒberliefert sind. Magnus von FĂŒssen soll nach Kempten gekommen sein und einen Ort voller Schlangen und Drachen vorgefunden haben, doch durch die Vernichtung des Drachens sollen jegliches Ăbel aus der Stadt verschwunden und Kempten christianisiert worden sein. Die Georgsinsel in der Iller als einzige Insel der Stadt soll den versteinerten Drachen darstellen. Die angebliche Vollstreckung des Todesurteils der Anna Maria Schwegelin, der letzten Hexe Deutschlands, gilt ebenso als Legende. Lange Zeit wurde angenommen, dass die letzte Hexe vor der Kempter Residenz verbrannt wurde. Schwegelin verstarb wohl eines natĂŒrlichen Todes in einem stiftkemptischen GefĂ€ngnis.
Dem letzten Hofnarren, heute als Hofzwerg im Zumsteingarten dargestellt, sollen die HĂ€nde wegen angeblichen Silberdiebstahls abgetrennt worden sein.[78]
Religionen
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Konfessionsstatistik
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Laut dem Zensus 2011 waren 48,7 % römisch-katholisch und 17,9 % der Einwohner evangelisch; 33,4 % waren konfessionslos, gehörten einer anderen Glaubensgemeinschaft an oder machten keine Angabe.[79] Der Anteil der evangelischen und katholischen Kirchenmitglieder an der Gesamtbevölkerung sinkt seitdem jÀhrlich um zirka 1 Prozentpunkt, wÀhrend der Anteil der Sonstige jÀhrlich um zirka 1 Prozentpunkt steigt. Ende 2024 hatte Kempten 72.288 Einwohner, davon 33,4 % katholisch und 13,3 % evangelische; und 53,4 % die keiner oder einer anderen Glaubensgemeinschaft angehörten.[80]
Geschichte
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Bis 1525 war Kempten rein römisch-katholisch. Seit dem im Jahr 1525 erfolgten âGroĂen Kaufâ war die Stadt in zwei Glaubensrichtungen geteilt. Somit standen sich die katholische Stiftsstadt und die protestantische Reichsstadt stets feindlich gegenĂŒber. KirchengebĂ€ude in der Reichsstadt wurden nach einem Bildersturm protestantisch. Der Glaube trennte die Stadt, auch lange Zeit nach der SĂ€kularisation. Erst 1888 gab es einen ersten Impuls zu einer Zusammenarbeit von Katholiken und Protestanten in einer Kindergartenkapelle. So galten bis dahin gemischtkonfessionelle Ehen als ein Skandal. Dies trug auch zu regionalem Klatsch unter den Leuten bei. Dieser religiöse Dualismus endete nach dem Zweiten Weltkrieg. Bei dem groĂen Stadtausbau seit den 1950er Jahren war der Kirchenneubau von groĂer Bedeutung. So half man sich gegenseitig mit Notkirchen, um die Raumnot der jeweiligen Kirchengemeinde kurzfristig zu bewĂ€ltigen.[81]
Durch Zuzug aus dem katholischen Umland gerieten die Protestanten wie auch in Augsburg und anderen ehemaligen ReichsstĂ€dten zunehmend in die Minderheit. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts gab es etwa 15.000 Katholiken und 4.000 Protestanten. Eine kleine Rolle spielten die 234 Alt-Katholiken, 68 Juden und 49 AndersglĂ€ubigen. Im 20. Jahrhundert schwankte der Anteil der katholischen Bevölkerung zwischen 76 und 82 Prozent, der Anteil der Protestanten lag zwischen 15 und 20 Prozent. Das VerhĂ€ltnis verschob sich jedoch durch die Aufnahme von rund 10.000 Heimatvertriebenen und FlĂŒchtlingen nach dem Zweiten Weltkrieg. So stieg der evangelische Bevölkerungsanteil innerhalb von kurzer Zeit von 4.500 auf 10.000 GlĂ€ubige. Zwischen 1935 und 1955 stieg der Anteil der Katholiken in der Stadt um etwa ein Viertel auf 6.600. Im gleichen Zeitraum vervierfachte sich die Zahl der Protestanten. Die Neuapostolische Gemeinde verringerte sich in dieser Zeit von 450 auf 330 Mitglieder.[82]
1971 predigte erstmals seit 1525 ein katholischer Geistlicher in der evangelisch-lutherischen St.-Mang-Kirche. 1998 wurde im Rahmen einer Landesausstellung ein ökumenischer Gottesdienst an der Freitreppe, dem Symbol der vereinigten StÀdte Kemptens, mit Protestanten und Katholiken gehalten.[81]
Eine eigene jĂŒdische Gemeinschaft gibt es heute nicht mehr, auch gab es in Kempten keine Synagoge im eigentlichen Sinne. Die Juden in Kempten mieteten sich RĂ€umlichkeiten, um sich dem regelmĂ€Ăigen Kultus zu widmen. Erhalten ist der kleine jĂŒdische Friedhof.
Des Weiteren gibt es in Kempten Zeugen Jehovas, die sich Anfang 1947 offiziell meldeten, zwei Neuapostolische Kirchengemeinden[83][84] und eine Alt-Katholische Gemeinde.[85][86] Durch die Einwanderung aus der TĂŒrkei in die Bundesrepublik Deutschland spielt auch der Islam eine groĂe Rolle in Kempten. 1999 gab es drei GebetsstĂ€tten, die gröĂte befindet sich an der FĂŒssener StraĂe.[87]
Politik
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Kempten ist im Stimmkreis Kempten, OberallgĂ€u, fĂŒr die Landtags- und Bezirkstagswahlen vertreten. Der Bundestag und seine Vertreter werden durch die BĂŒrger Kemptens im Bundestagswahlkreis OberallgĂ€u gewĂ€hlt.
Stadtrat
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Der Stadtrat besteht aus 44 Mitgliedern.
| Partei/Gruppierung | Sitze 2026 |
Stimmenanteil 2026 | Sitze 2020 | Stimmenanteil 2020 | Sitze 2014 | Stimmenanteil 2014 | |
|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Christlich-Soziale Union in Bayern (CSU) | 10 | 23,5Â % | 12 | 26,48Â % | 16 | 37,04Â % | |
| BĂŒndnis 90/Die GrĂŒnen (GrĂŒne) | 8 | 17,3Â % | 8 | 19,16Â % | 6 | 13,74Â % | |
| Alternative fĂŒr Deutschland (AfD) | 6 | 13,0Â % | 3 | 6,81Â % | â | â | |
| Sozialdemokratische Partei Deutschlands (SPD) | 3 | 8,0Â % | 4 | 9,24Â % | 7 | 17,04Â % | |
| Die Linke | 2 | 3,5Â % | 0 | 0,97Â % | â | â | |
| Volt | 1 | 3,3Â % | |||||
| Freie Demokratische Partei (FDP) | 1 | 2,9Â % | 2 | 4,66Â % | 3 | 5,73Â % | |
| UnabhĂ€ngige BĂŒrger/ĂDP (UB/ödp) | 1 | 2,1 % | 2 | 4,34 % | 3 | 6,58 % | |
| Junge Union (JU) | 1 | 1,3Â % | 1 | 1,49Â % | â | â | |
| Die Republikaner (REP) | â | â | â | â | 1 | 1,70Â % | |
| Freie WĂ€hler/Ăberparteiliche WĂ€hlergruppe | 10 | 22,1Â % | 10 | 21,78Â % | 8 | 18,17Â % | |
| FutureforKempten (FFK) | 1 | 3,1Â % | 2 | 6,07Â % | â | â |
Die Wahlbeteiligung lag bei der Wahl 2026 bei 53,1Â %.

BĂŒrgermeister und OberbĂŒrgermeister
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Vom 1. Mai 2014 bis zum 30. April 2026 war Thomas Kiechle â Sohn des ehemaligen Bundesministers Ignaz Kiechle â der OberbĂŒrgermeister der Stadt Kempten. FĂŒr die Kommunalwahl 2014 wurde er am 1. Juli 2013 von CSU gemeinsam mit den Freien WĂ€hlern als gemeinsamer Kandidat fĂŒr das Amt des OberbĂŒrgermeisters vorgestellt.[91] Bei der Kommunalwahl am 16. MĂ€rz 2014 setzte sich Kiechle mit 51,09 Prozent gegenĂŒber Martin Bernhard (23,3Â %, SPD), Thomas Hartmann (11,75Â %, GrĂŒne), Ulrich Kremser (7,67Â %, FDP), Michael Hofer (4,74Â %, ĂDP), Michael Ulmer (1,72Â %, REP) durch. Er wurde damit Nachfolger des bisherigen OberbĂŒrgermeisters Ulrich Netzer, der seit dem 1. Mai 1996 amtiert hatte. Netzer wurde von Josef Mayr und Sibylle Knott vertreten. Knott war seit der Kommunalwahl 2014 zweite BĂŒrgermeisterin, an dritter Stelle war Mayr.[92]
OberbĂŒrgermeister Kiechle wurde bei der Kommunalwahl 2020 mit 54,32 % der gĂŒltigen Stimmen im ersten Wahlgang im Amt bestĂ€tigt. Er hatte sich gegen vier weitere Kandidaten (GrĂŒne, SPD, FDP und UB/ödp) klar durchgesetzt. Am 14. Mai 2020 wurden bei einer konstituierenden Sitzung des neuen Stadtrates im Stadttheater der Gastronom Klaus Knoll (Freie WĂ€hler) als zweiter BĂŒrgermeister sowie Erna-Kathrein Groll (GrĂŒne) zur dritten BĂŒrgermeisterin gewĂ€hlt. Vorangegangen war ein Diskurs und Streit zwischen den Parteien. So wechselten die gewĂ€hlten CSU-StadtrĂ€te Alexander Buck und Andreas Kibler zu den Freien WĂ€hlern sowie die Juristin Sybille Knott von den Freien WĂ€hlern als parteiloses Mitglied zur CSU-Fraktion.[93][94] Knott wollte als Kandidatin der CSU im Amt der zweiten BĂŒrgermeisterin bestĂ€tigt werden,[94] scheiterte aber.[95]
Kiechle stellte sich zur Kommunalwahl am 8. MĂ€rz 2026 noch einmal fĂŒr eine dritte Amtzeit als OberbĂŒrgermeister auf. Diesmal wurde er allerdings nicht von den Freien WĂ€hlern unterstĂŒtzt, welche in Christian Schoch ihren eigenen Kandidaten ins Rennen schickten. Neben Kiechle und Schoch traten die GrĂŒnen, die SPD und die ödp auch jeweils mit ihren eigenen Kandidaten an. Nach Urnenschluss am Wahltag konnten sich der amtierende OB und sein Herausforderer Schoch nur jeweils 36,6 % und 31 % der Stimmen sichern. Im zweiten Wahlgang am 22. MĂ€rz obsiegte der Herausforderer dann schlieĂlich mit 55 % der Stimmen.[96]
Bedeutende Vertreter aus der Reihe der BĂŒrgermeister waren Gordian Seuter (Verhandler fĂŒr den âGroĂen Kaufâ) sowie Adolf Horchler und Otto Merkt. August Fischer leitete nach dem Zweiten Weltkrieg die Modernisierung der Stadt ein, bei der viel an historischer Bausubstanz zerstört wurde. Josef Höà leitete die Einrichtung einer StadtarchĂ€ologie ein und vertrat Kempten bei der Einrichtung der Fachhochschule Kempten.
Wappen, Flagge und Logo
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]| Blasonierung: âGespalten; von Schwarz und Silber; vorne am Spalt ein halber goldener Adler, hinten auf grĂŒnem Dreiberg ein roter Zinnenturm mit offenem Tor.â[97] | |
| WappenbegrĂŒndung: Das Wappen zeigt auf der (heraldisch) linken Seite die Burghalde (Dreiberg) als fĂ€lschlicherweise frĂŒhesten Standort des Klosters (roter Zinnenturm), auf der (heraldisch) rechten Seite ist zur HĂ€lfte der Reichsadler abgebildet, der den Bezug der damaligen Reichsstadt zum Kaiser symbolisiert.
Die Stadtfarben von Kempten sind Schwarz und Silber bzw. WeiĂ. Seit 1887 wird eine eigene Gemeindefahne in den Farben Schwarz und WeiĂ gefĂŒhrt. |
Das Logo der Stadt Kempten und ihrer Verwaltung ist als Wortmarke gestaltet: Kempten erscheint in einer handschriftĂ€hnlichen Linie, wĂ€hrend AllgĂ€u in einer klassisch gehaltenen Schriftart hochgestellt hinzugefĂŒgt ist.
StÀdtepartnerschaften
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Kempten fĂŒhrt fĂŒnf StĂ€dtepartnerschaften.[98]
| Stadt | Staat | Bemerkung |
|---|---|---|
| Mit der Weinstadt besteht seit 2001 eine Partnerschaft. Sie basiert auf einer Weinpatenschaft von 1951. Es finden sportliche und kulturelle Begegnungen, aber auch SchĂŒler- und Jugendfahrten statt. | ||
| Mit dem Fischerdorf an der französischen AtlantikkĂŒste wurden 1968 erste Kontakte, 1971 dann freundschaftliche Beziehungen aufgenommen. GegrĂŒndet wurde diese Partnerschaft ursprĂŒnglich von der ehemals eigenstĂ€ndigen Gemeinde Sankt Mang, sie wurde aber nach der Gebietsreform 1972 von der Stadt Kempten ĂŒbernommen. | ||
| 1990 wurde die von Kempten entfernteste Partnerschaft mit der gröĂten Stadt im Nordwesten Irlands begonnen. Vorangegangen war hier ein Jugendaustausch zwischen der Hochschule Kempten und einem College in Sligo. | ||
| Mit der Stadt im Nordwesten Ungarns entstand 1987 eine Partnerschaft. Es finden SchĂŒleraustausche statt. Seit 1990 reisten zwei Mal interessierte BĂŒrger im Rahmen von BĂŒrgerreisen nach Sopron. | ||
| Die Partnerschaft mit der norditalienischen Stadt entstand 1987. Austausche der Musikschule fĂŒhren zu kulturellen Belebungen der Orte. |
Umweltpolitik
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Durch den schrittweise erfolgenden Ausbau des FernwĂ€rmenetzes in Kempten kann ein hoher Betrag an fossilen EnergietrĂ€gern eingespart werden. Durch die Modernisierung der StraĂenbeleuchtung wurde von 2002 bis 2008 der Stromverbrauch um 35 Prozent gesenkt.[99]
Im Mai 2012 wurden 19 Kommunen, darunter auch Kempten, mit dem BMU-Preis âMasterplan 100 % Klimaschutzâ durch Norbert Röttgen ausgezeichnet. Kempten erhĂ€lt damit Fördergelder vom Bund zur Senkung der Emissionen in Bezug auf die Energiewende.[100]
Finanzpolitik
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Kempten erhebt seit dem 1. Januar 2006 eine Zweitwohnsitzsteuer, die 10 Prozent der Jahreskaltmiete entspricht. Ziel der Stadt ist es hierbei, neben der finanziellen Beteiligung an der stÀdtischen Infrastruktur auch einen Anreiz zu schaffen, den Nebenwohnsitz in einen Hauptwohnsitz umzuwandeln.[101]
Der Stadtrat hat im Jahr 2009 fĂŒnf strategische Ziele beschlossen, die bis zum Jahr 2020 erreicht werden sollen. Eines davon ist die Schuldenfreiheit des stĂ€dtischen Haushaltes. Betrugen die Haushaltsschulden im Jahr 2003 noch ĂŒber 41 Millionen Euro, so haben sie sich mit Ablauf des 31. Dezember 2011 auf 15,2 Millionen Euro verringert, 2013 auf 13,1 Millionen Euro. Im Jahr 2014 lag der Schuldenstand bei 9,6 Millionen Euro. Mit einem gleichmĂ€Ăigen weiteren Schuldenabbau soll der stĂ€dtische Haushalt 2020 ganz schuldenfrei sein, ein Jahr davor soll die Verschuldung bis auf 1,5 Millionen Euro gesunken sein. Die Stadt hat bereits seit 2003 keine neuen Kredite mehr aufgenommen und tilgt die bestehenden Schulden. Absolute Schwerpunkte bei den Investitionen sind der Krippenausbau sowie SchulbaumaĂnahmen. Einige andere Projekte mĂŒssen aus GrĂŒnden der Haushaltsdisziplin in der Regel zurĂŒckgestellt werden.
Kultur
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Bauwerke
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]In Kempten sind so gut wie alle Baustile vertreten. Neben Romanik, Gotik, Renaissance und Barock finden sich auch Mischformen und moderne Architekturelemente. StadtbildprĂ€gend sind vor allem die TĂŒrme der Kirchen. Ein neueres stadtbildprĂ€gendes GebĂ€ude ist der 13-stöckige AllgĂ€u Tower mit seiner spiegelnden Glasfassade. Vom obersten Stockwerk bietet sich ein Blick weit ĂŒber die Stadtgrenzen hinaus.
SehenswĂŒrdigkeiten
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Historische GebĂ€ude und klassische SehenswĂŒrdigkeiten sind die Burghalde mit dem AllgĂ€uer Burgenmuseum und der FreilichtbĂŒhne sowie dem Duftgarten, in dem auch FĂŒhrungen angeboten werden, ebenso das historische Rathaus und die ehemalige FĂŒrstĂ€btliche Residenz mit Hofgarten und Orangerie, die auch den Sitz der StadtbĂŒcherei mit der Abteilung AllgĂ€u-BĂŒcher innehat.
Die Stadtpfarr- und ehemalige Klosterkirche St. Lorenz, eine Basilica minor, erhielt ihren Ehrentitel 1960 von Papst Paul VI. verliehen. Eine weitere bedeutende Kirche ist die evangelische Stadtpfarrkirche St. Mang. Neben dieser befindet sich die Erasmuskapelle â eine mittelalterliche Friedhofskapelle, die nach ihrer Zweckentfremdung abgerissen wurde und deren unterirdische Fassadenreste im Jahr 2010 der Ăffentlichkeit als Schauraum zugĂ€nglich gemacht wurden.
Als sehenswerte Brunnen gelten der Rathausbrunnen sowie der im Jugendstil gehaltene St.-Mang-Brunnen.
Die Reste und Nachbauten der römischen Landstadt Cambodunum gelten ebenso als SehenswĂŒrdigkeit von Kempten.[102]
Zu den technischen SehenswĂŒrdigkeiten gehören die König-Ludwig-BrĂŒcke, die einzige ihrer Art in Deutschland, sowie die Oberen IllerbrĂŒcken, die gröĂten StampfbetonbrĂŒcken der Welt.
BaudenkmÀler
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Aufgrund des Doppelwesens der Stadt Kempten kann das denkmalgeschĂŒtzte Stadtensemble in zwei Teile geteilt werden: Alt- und Neustadt. Die Altstadt, die frĂŒhere Reichsstadt, weist enge Gassen und StraĂenzĂŒge sowie eine Ă€ltere Bausubstanz als die barockgeprĂ€gte Neustadt â das FĂŒrststift bzw. die Stiftsstadt â auf.
Hinzu kommt noch das Ensemble BeethovenstraĂe. Dieser aus dem 19. Jahrhundert stammende Siedlungsbestandteil Kemptens entstand als erstes Ausbaugebiet der Stadt nach der Ăffnung der Stadtmauern. Es bildete insbesondere wĂ€hrend der Entstehungszeit ein vornehmes vorstĂ€dtisches Wohnquartier, bestehend aus Villen fĂŒr die höhere Schicht.
Ab den 1950er Jahren wurde Kempten Modell eines bundesweiten stĂ€dtebaulichen Pilotprojekts. Kemptens alte Bausubstanz entging jeglicher BeschĂ€digung der Weltkriege. Es wurde bis in die 1970er Jahre aktiv historische Substanz durch neue historisierende und bzw. oder moderne Bauwerke ersetzt. Beispiel hierfĂŒr sind die Stern-Apotheke und das Schachenmeyersche Landgut. Ein GroĂteil der von Michael Petzet im Jahr 1959 beschriebenen BaudenkmĂ€ler ist nicht mehr vorhanden.
Obwohl die Stadtbefestigung im 19. Jahrhundert maĂgeblich abgebrochen wurde, zeigte sich in den 1980er/1990er Jahren ein neues Geschichtsbewusstsein. 1986 wurde das Waisentor, 1990 das Metzgertor wiedererrichtet.[103][104]
Kirchen- und KlostergebÀude
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Römisch-katholische GebÀude
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Die bedeutendste katholische Pfarrkirche in Kempten ist die St.-Lorenz-Basilika, ein ab 1652 errichteter barocker Bau. In der NĂ€he steht die 1680 errichtete Seelenkapelle. Zur Villa Huber gehört die in Backstein erbaute neugotische Marienkapelle. In Kempten-SĂŒd steht die ehem. Klosterkirche St. Anton.[105]
Noch weiter sĂŒdlich, im Stadtteil Eich, steht die von Andor Ăkos entworfene Maria-Hilf-Kirche.[106]
Im Stadtteil Steufzgen wurde 1978 die Stadtpfarrkirche St. Franziskus fertiggestellt. Auf einen Kirchturm mit GelĂ€ut verzichtete die Kirchengemeinde.[106] Auf einem HĂŒgel steht die Dreifaltigkeitskapelle, die um 1735 errichtet wurde.
In der ehemaligen Reichsstadt entstand im Jahr 1927 erstmals seit 1525 wieder eine katholische Kirche. Die ebenfalls von Andor Ăkos gestaltete, 1973 abgebrochene Christi-Himmelfahrts-Kirche war als Notkirche fĂŒr die neugegrĂŒndete Pfarrei Christi Himmelfahrt gedacht. Ersetzt wurde die alte Christi-Himmelfahrts-Kirche durch einen Neubau einige StraĂen westlicher im Freudental, der 1971 geweiht wurde und seit einigen Jahren unter Denkmalschutz steht.
In der NÀhe des Ostbahnhofs entstand in den 1960er Jahren die Kirche St. Ulrich. Eine weitere Kirche des gleichen Jahrzehnts ist die St.-Michaels-Kirche im Norden der Stadt.[107] In Kempten-Thingers entstand in den 1980er Jahren die Kirche St. Hedwig. In Leubas steht die 1997 fertiggestellte Filialkirche MariÀ Heimsuchung.[108]
Im Stadtteil Sankt Mang steht die Kirche MariÀ Himmelfahrt. Die 1922 geweihte Kirche besitzt einen erst 1955 aus Stahlbeton erbauten Glockenturm.[109]
Im Stadtteil Lenzfried hatten sich im SpĂ€tmittelalter Franziskaner mit dem Franziskanerkloster St. Bernhardin samt der Kirche St. Magnus niedergelassen.[110] Im 17. Jahrhundert wurde in Lenzfried das Kloster St. Anna mit der gleichnamigen Kapelle fĂŒr die Franziskanerinnen fertiggestellt. Diese wohnten bis zur Wiederkehr der Franziskaner, die ihr Kloster in den Wirren des Schmalkaldischen Kriegs aufgegeben hatten und erst 1643 zurĂŒckkehrten, im alten MĂ€nnerkloster.
Auf dem Mariaberg entstand im Jahr 1783 die Kapelle MariĂ€ Heimsuchung.[111] In Hirschdorf gibt es die bereits 1394 erwĂ€hnte und 1774 durch einen Neubau ersetzte St.-Magdalena-Kapelle.[112] Am Gewerbegebiet Ursulasried steht die Kapelle St. Ursula, die 1378 erstmals erwĂ€hnt wurde. In Leubas steht direkt an der HauptstraĂe eine kleine, im Jahr 1735 erwĂ€hnte Kapelle mit dem Namen St. Magnus. In Leupratsried steht eine aus dem Jahr 1777 stammende Marienkapelle.[108] Eine Besenkapelle gibt es an der Memminger StraĂe.
Evangelisch-lutherische GebÀude
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Die gotische St.-Mang-Kirche in der Reichsstadt war der Ausgangspunkt der Reformation in Kempten und im oberen AllgÀu. 1527 wurde der erste evangelische Prediger eingestellt; bereits 1523 war die Eidformel im Sinne der Reformation verÀndert worden.[113]
In Sankt Mang steht die vom Architekten Otto Heydecker entworfene und im Jahr 1927 geweihte Christuskirche.[114]
Im HaubenschloĂ entstand 1964 die Johanneskirche. Im Kempter Osten wurde 1968 die MatthĂ€uskirche geweiht. FĂŒr die Markuskirche in Thingers fand die Weihe im Jahr 1976 statt.[115]
Zur Pfarrei St. Mang gehört die mittelalterliche Keckkapelle, die dem Heiligen Stephan geweiht ist und auf dem römischen GrÀberfeld von Cambodunum steht.[115]
Sonstige KirchengebÀude
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]An der ImmenstĂ€dter StraĂe steht die Neuapostolische Kirche. In der Lindauer StraĂe hat die altkatholische Gemeinde von Kempten die Kirche Maria von Magdala, deren Bau aus dem Erbe von Otto Merkt finanziert wurde.
Museen
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Zu den Museen zĂ€hlte das Alpinmuseum, das sich 1991 bis 2021 im Marstall befand und ab 2016 durch die Dauerausstellung Leuchtendes Mittelalter mit Skulpturen und Tafelmalereien der Gotik aus dem Kemptener Raum erweitert wurde.[116][117] Dazu gehörte das AllgĂ€u-Museum im Kornhaus, das 2018 geschlossen wurde. Das Zumsteinhaus mit dem Römischen Museum und Naturkunde-Museum wurde im FrĂŒhjahr 2015 ebenfalls geschlossen; Grund ist eine Neukonzeptionierung der Museumslandschaft in der Stadt. Im Dezember 2019 wurde im dafĂŒr sanierten GebĂ€ude das neue Stadtmuseum eröffnet. Auf der Burghalde besteht das von einem Verein geleitete AllgĂ€uer Burgenmuseum. In der StiftsmĂ€lzerei in der Memminger StraĂe ist die Kunsthalle untergebracht, in der Wechselausstellungen vor allem von Gegenwartskunst stattfinden.
Der ArchÀologische Park Cambodunum zeigt wiederhergestellte GebÀude der Siedlung auf dem Lindenberg aus der Römerzeit und originale Ruinen der Kleinen Thermen unter einem Schutzbau. Das FreigelÀnde ist ganzjÀhrig frei zugÀnglich.
Das Beginenhaus ist ein aus einem Beginenhaus und Nonnenturm bestehendes, denkmalgeschĂŒtztes GebĂ€udeensemble aus dem 14. Jahrhundert. Eine Sanierung ist seit Jahrzehnten geplant.
VeranstaltungsrÀume
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Kempten hat ein Stadttheater, das frĂŒher ein reines Gastspielhaus war. Heute werden jedoch daneben auch Eigen- und Koproduktionen aufgefĂŒhrt.
FĂŒr kulturelle Veranstaltungen stehen eine Reihe verschiedenartiger VeranstaltungsrĂ€ume zur VerfĂŒgung. Das modernste Veranstaltungshaus ist die bigBOX, in der Schauspiele und Konzerte gespielt werden. Messen gehören ebenso zum Veranstaltungsprogramm.
Der groĂe Veranstaltungsraum im Kornhaus bietet BĂ€lle, Tagungen sowie Theatervorstellungen an. In der nebenanliegenden StiftsmĂ€lzerei finden in der Kunsthalle jĂ€hrlich mehrfach Ausstellungen regionaler und ĂŒberregionaler bildender KĂŒnstler statt. In den Innenhöfen der Residenz finden klassische Konzerte statt, ebenso im Schutzbau der Kleinen Thermen (ArchĂ€ologischer Park Cambodunum).
RegelmĂ€Ăige Veranstaltungen
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AllgÀuer Festwoche
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Auf Initiative des OberbĂŒrgermeisters Georg Volkhardt und Albert Wehr wurde die AllgĂ€uer Festwoche 1949 ins Leben gerufen. Inzwischen zĂ€hlt die jĂ€hrlich im August stattfindende Regionalmesse mit Kultur- und Sporthöhepunkten und ĂŒber 180.000 (2014) Tages- und Abendbesuchern zu den Highlights der Veranstaltungen des AllgĂ€us.
Musikalische Veranstaltungen
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Zu den jĂ€hrlich stattfindenden Musikveranstaltungen gehört der Kemptener Jazz FrĂŒhling. Bei dieser Open-Air-Veranstaltungen spielen Musiker auf öffentlichen PlĂ€tzen und auch in VeranstaltungsrĂ€umen. Es spielen auch ĂŒberregionale KĂŒnstler. Des Weiteren finden der Tag der Musik, das Stadtfest, das Kammermusikfestival CLASSIX Kempten sowie die Musiknacht jĂ€hrlich statt.
In den Kempter Hauptkirchen St. Mang und St. Lorenz finden regelmĂ€Ăig Orgel- sowie Chorkonzerte statt. Seit 1897 gibt es in Kempten eine Stadtkapelle, die zunĂ€chst vor allem als MilitĂ€rkapelle fungierte. 1899 trat die Kapelle erstmals mit einem groĂen Konzert vor die Ăffentlichkeit. Seither begleitet die Stadtkapelle viele offizielle AnlĂ€sse. 1901 wurde der Orchesterverein als Vereinigung von Musikfreunden zur Pflege der Orchestermusik gegrĂŒndet.[118] In der alten StiftsmĂ€lzerei befindet sich die Sing- und Musikschule.[119] 1998 gab Herbert Grönemeyer ein Open-Air-Konzert auf dem Hildegardplatz. Zu diesem Ereignis kamen etwa 12.000 Menschen zusammen.[120] 2012 traten The BossHoss auf dem Platz auf.
Wochenmarkt
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Jeden Mittwoch und Samstag findet in Kempten der Wochenmarkt auf dem Hildegardplatz statt. Bis in das Jahr 1998 war in den kalten Monaten dieser Bauernmarkt in den Kellergewölben des Kornhauses untergebracht, bis die Markthalle in der NĂ€he der Realschule an der SalzstraĂe fertiggestellt wurde.[121]
Weitere Veranstaltungen
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Die Kunstnacht fand im Herbst 2011 zum ersten Mal statt. Bei dieser Veranstaltungen sind Ateliers, Ausstellungen, Galerien und sonstige kulturelle Orte bis in die Nacht fĂŒr Besucher offen. Begleitet wird die Kunstnacht mit Feuer- und Lichterspielen und kĂŒnstlerisch beleuchteten Brunnen. Im Sommer findet der Tag der Familie statt.
Im Herbst treffen sich zehn Tage lang international bekannte Choreografen und TÀnzer zum Kemptener TANZherbst. Hierbei wird jede Tanzrichtung vertreten. In der gleichen Jahreszeit findet der Kathreinemarkt mit FahrgeschÀften und HÀndlermarkt statt. Eine Àhnliche Veranstaltung findet im Mai als Himmelfahrtsmarkt statt.
Sportliche Aktionen sind der Kempten-Halbmarathon im April, der Voralpenmarathon im September sowie der Silvesterlauf am letzten Tag des Jahres.

Kinos
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Das erste Kino in Kempten wurde 1905 eröffnet.[122] Bis 2003 gab es in Kempten zwei Kinos: das inzwischen geschlossene Parktheater und das in den 1930er Jahren an der KönigsstraĂe errichtete und 2002 ausgebaute Colosseum Center. Das zuletzt 2012/13 erneut ausgebaute Colosseum hat sieben SĂ€le fĂŒr mehr als 1200 Besucher.[123] Im Sommer finden auf der FreilichtbĂŒhne der Burghalde Freiluftkinovorstellungen statt.
Nachtleben
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]In Kempten gibt es zahlreiche Bars, Pubs und weitere Lokale. Treffpunkte der Jugend sind das Parktheater Kempten und das âDrop-Inâ. Im Bereich der FuĂgĂ€ngerzone gibt es das KĂŒnstlerhaus mit diversen Abendveranstaltungen sowie das Irish Pub âA Thousand Miles to Dublinâ. Im Areal des Rathauses laden zahlreiche Lokale mit unterschiedlicher Kundenausrichtung GĂ€ste ein. Davon abgelegen befindet sich unterhalb der Burghalde der âRitterkellerâ.
Sport
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]SportstÀtten
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In Kempten befindet sich in FlussnĂ€he das Illerstadion. Seit den ersten PlĂ€nen im Jahr 1919 durch Otto Merkt wurde von dem Stadtbaurat Maximilian Vicari im Jahr 1938 das Stadion den StadtrĂ€ten vorgestellt. Es besaĂ 5600 StehplĂ€tze, einen KleinkaliberschieĂstand, Vorrichtungen fĂŒr Hochsprung, KugelstoĂen, Stabhochsprung und einen Parkplatz fĂŒr 200 Autos. 1939 waren das Spielfeld, die Aschenbahn, die âSA-Wehrkampfbahnâ und ein Teil der ZuschauertribĂŒne fertig. 1949 folgte die Fertigstellung der HaupttribĂŒne und 1956 der groĂe StehtribĂŒnenwall sowie das Marathon-Tor. Es bot daraufhin 12.500 PlĂ€tze. Zwischen 1979 und 1986 wurden zwei KunststoffplĂ€tze, zwei neue Rasenfelder und ein Sandrasenplatz angelegt. 1995 kam es dann zu einem Um- und Ausbau von Hauptplatz und Sandbahn zu einer Leichtathletikwettkampfbahn âTyp Bâ mit sechs Einzelbahnen und einem groĂen Rasenspielfeld. Das Stadion wurde in den Jahren 1999/2000 modernisiert. Die ĂŒberdachte ZuschauertribĂŒne bietet rund 1000 Zuschauern Platz.[124]
Gleich daneben schlieĂt eine Skateboard-Anlage aus den 1990er Jahren an; diese wurde spĂ€ter fĂŒr Inlineskater angepasst.[125]
1977 wurde das Eisstadion an der Memminger StraĂe im Stadtnorden mit 4000 ZuschauerplĂ€tzen eröffnet. Bis dahin gab es in Kempten Spritzeisbahnen und einen Eislaufplatz in der NĂ€he des Illerstadions.[126]
Die Freiluftkletteranlage des Deutschen Alpenvereins, Sektion AllgÀu-Kempten, im Engelhaldepark wurde 2000 eröffnet.[127]
Inklusion
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]2021 bewarb sich die Stadt als Host Town fĂŒr die Gestaltung eines viertĂ€gigen Programms fĂŒr eine internationale Delegation der Special Olympics World Summer Games 2023 in Berlin. 2022 wurde sie als Gastgeberin fĂŒr Special Olympics Island ausgewĂ€hlt.[128] Damit wurde sie Teil des gröĂten kommunalen Inklusionsprojekts in der Geschichte der Bundesrepublik mit mehr als 200 Host Towns.[129]
BĂ€der
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Schon die Römer hatten in Kempten Thermen eingerichtet. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts gab es in Kempten neben der RottachbrĂŒcke ein Mineralbad. 1910 wurde an der Lenzfrieder StraĂe das Volksbad errichtet, das ab 1932 vom MilitĂ€r genutzt und 1944 geschlossen wurde. 1927 folgte das Sonnenbad an der Rottachschleife. 1932 wurde ein heute noch bestehendes Freibad eröffnet, 1970 ein Hallenbad. Dieses wurde Anfang der 2000er Jahre teilweise abgerissen und 2003 durch das Erlebnis- und Hallenbad CamboMare ersetzt. Freibad und CamboMare werden von dem Kemptener Kommunalunternehmen (KKU) betrieben.
GrĂŒnflĂ€chen und Parkanlagen
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]In Kempten gibt es mehrere Park- und GrĂŒnanlagen. Der Hofgarten mit der St.-Lorenz-Basilika, der Residenz und der Orangerie ist eine reprĂ€sentative Parkanlage mit gepflegter Bepflanzung. Hinter dem Zumsteinhaus erstreckt sich der Stadtpark mit einem kleinen Teich. Die Burghalde ist als GrĂŒnanlage vom Rest der Stadt abgeschottet und bietet einen guten Rundumblick auf die Stadt und Alpen. Der ArchĂ€ologische Park Cambodunum (APC) ist mit dem Chapuis-Park verbunden und stellt fĂŒr die Bewohner des Ostens eine Möglichkeit zur Erholung dar. Um das HaubenschloĂ befindet sich der Hoefelmayr-/HaubenschloĂpark mit mehreren KriegerdenkmĂ€lern. Der Engelhaldepark entstand nach einer Rekultivierung einer Kiesgrube. Um den Stadtweiher im SĂŒdwesten der Stadt ist eine bis in das Jahr 1980 gestaltete GrĂŒnflĂ€che mit Gehwegen vorzufinden. Im Nordwesten der Stadt befindet sich der Schwabelsberger Weiher mit Auen und angelegten FuĂwegen. Im Westen am Adenauerring ist der steile Calgeerpark angelegt.[130]
Vereine
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Sportvereine
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Mit rund 22.700 Mitgliedern (Stand: 31. Dezember 2021) ist die Sektion AllgĂ€u-Kempten des Deutschen Alpenvereins der gröĂte Verein in Kempten, eine der gröĂten Sektionen des Deutschen Alpenvereins und einer der mitgliederstĂ€rksten Sportvereine Deutschlands.
Ein FuĂballverein ist der FC Kempten. Er entstand 1908 durch eine Abspaltung von einem Turnverein. Sein Stadion ist das Illerstadion am Augarten. Der TSV Kottern-St. Mang ist ein Mischsportverein. Der Verein hat Abteilungen fĂŒr FuĂball, Tennis, Eishockey, Leichtathletik und weitere Sportarten. Eishockeymannschaften in Kempten gibt es seit den 1950er Jahren. Eine der neueren Sportarten ist American Football; vertreten wird diese Sportart durch die erfolgreichen AllgĂ€u Comets. Die AllgĂ€u Comets sind wie der FC Kempten im Illerstadion aktiv. Im MĂ€rz 2015 verschmolzen die beiden Vereine TV Kempten 1856 und TV Jahn Kempten; der Verein tritt nun als TV Kempten auf. Der SchieĂsport kann in mehreren Vereinen ausgeĂŒbt werden. Der bekannteste und Ă€lteste Vertreter ist die im Jahre 1466 gegrĂŒndete königlich privilegierte FeuerschĂŒtzengesellschaft. Sie tritt nach erneutem Aufstieg ab der Saison 2018/19 wieder in der Luftgewehr-Bundesliga an.
Kulturvereine
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Einer der Ă€ltesten Vereine in Kempten ist der Heimatverein Kempten. Der Verband Heimatbund AllgĂ€u basiert auf einer Ă€hnlichen Tradition wie der Heimatverein, dient aber eher als Verband fĂŒr diverse regionale Kultur-Newsletter und Heimatvereine. Weitere Kulturvereine sind der AllgĂ€uer Burgenverein, die Freunde der Kemptener Museen, der Förderverein Beginenhaus Kempten und der KĂŒnstlerhaus e. V.
Wirtschaft
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Im Jahre 2016 erbrachte Kempten innerhalb der Stadtgrenzen ein Bruttoinlandsprodukt (BIP) von 3,59 Milliarden âŹ. Das BIP pro Kopf lag im selben Jahr bei 53.401 ⏠(Bayern: 44.215 âŹ/ Deutschland 38.180 âŹ) und damit deutlich ĂŒber dem regionalen und nationalen Durchschnitt. In der Stadt gab es 2016 ca. 53.200 erwerbstĂ€tige Personen.[131]
Kempten gilt im Regierungsbezirk Schwaben als âWirtschaftslokomotiveâ[99] mit einem Marktbereich von 500.000 potenziellen Kunden. Dazu gehören Personen aus dem AllgĂ€u und Baden-WĂŒrttemberg sowie dem angrenzenden Ausland mit den Gebieten Vorarlberg und Tirol. Die Kaufkraft lag in Kempten im Jahr 1998 neun Prozent ĂŒber dem Bundesdurchschnitt.[132]
Aufgrund der Tatsache, dass Kempten fĂŒr jegliche Art von Schwerindustrie ungeeignet ist, keine Rohstoffe wie Erze hat und kein IndustriegroĂkonzern hier seinen Sitz hat, haben sich in Kempten vor allem exportorientierte mittelstĂ€ndische Unternehmen angesiedelt. Dies erkannte bereits BĂŒrgermeister Otto Merkt, als er einmal anmerkte, dass die Textil- und Holzindustrie sowie die Milchwirtschaft von besonderer Bedeutung seien. Insbesondere die Hochschule Kempten zieht viele Firmen wegen der gut ausgebildeten FachkrĂ€fte an. In den ersten zwei Amtsjahren von OberbĂŒrgermeister Ulrich Netzer stieg die Zahl der BeschĂ€ftigten im verarbeitenden Gewerbe um fast 500 auf rund 6000. Hierbei machte der Umsatz 1,46 Millionen DM aus. Ein Drittel des Geldes wurde durch ExportgeschĂ€fte eingenommen.[133]
Kempten zĂ€hlte 1998 mit 39.200 Arbeitnehmern und einer durchschnittlichen Arbeitslosenquote von 7,1 Prozent zu den zehn gĂŒnstigsten Arbeitsamtsbezirken in Deutschland.[133] Die Arbeitslosigkeit der kreisfreien Stadt Kempten lag im Januar 2011 bei 4,8 Prozent und damit im bayerischen Durchschnitt.[134] Die Arbeitslosigkeit lag im Mai 2012 bei 3,1 Prozent.[135] Im Dezember 2018 lag die Arbeitslosenquote bei 3,0 % und damit leicht ĂŒber dem bayerischen Durchschnitt von 2,7 %.[136]
In Kempten sind zum 30. Juni 2014 36.518 sozialversicherungspflichtige BeschÀftigte angestellt. Es gibt des Weiteren 21.461 Einpendler.
In den letzten Jahren wurden bis 2008 GewerbeflĂ€chen in Ursulasried, BĂŒhl-Ost und an der Stiftsbleiche ausgewiesen. Die letzten beiden Gebiete umfassen eine FlĂ€che von 16 ha. Von 2002 bis 2008 wurden durch diese MaĂnahmen etwa 1300 ArbeitsplĂ€tze geschaffen.[99] Im Jahr 2012 erklĂ€rte die Telekom, den Standort Kempten mit einem Glasfasernetz versehen zu wollen. Die Arbeiten wurden 2013 abgeschlossen.
Bei Leistungsvergleichen durch Wirtschaftsinstitute ergaben sich fĂŒr Kempten in der Vergangenheit zunehmend gute Ergebnisse. Das ifW vergab der Stadt im Jahr 2012 beim Nachhaltigkeitspotenzial den elften Platz innerhalb der 100 gröĂten kreisfreien StĂ€dte in Deutschland. Bei einer bundesweiten Untersuchung der GfK belegte Kempten 2012 den neunten Platz als Einzelhandelsstandort. Bei einer gemeinsamen Studie der Wirtschaftswoche, INSM und IW Consult belegte Kempten im Jahr 2010 den neunten Platz beim bundesweiten StĂ€dtetest. In die Studie flossen Daten vom Arbeitsmarkt, Wohlstand und Standort ein. Im Zukunftsatlas 2016 belegte die Stadt Platz 59 von 402 Landkreisen und kreisfreien StĂ€dten in Deutschland und zĂ€hlt damit zu den Orten mit âhohen Zukunftschancenâ.[137]
Einzelhandel
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Die Stadt Kempten gehört zu den drei bayerischen StĂ€dten mit der höchsten âEinkaufszentralitĂ€tâ.[99] WĂ€hrend seiner Amtszeit baute OberbĂŒrgermeister August Fischer Kempten zur Einzelhandelsmetropole aus. Es öffneten in der Innenstadt zahlreiche KaufhĂ€user wie Quelle, Horten oder C&A.
In der Innenstadt gibt es seit 1970 mit der FischerstraĂe die erste ausgebaute FuĂgĂ€ngerzone im Regierungsbezirk Schwaben. Es folgten daraufhin verkehrsberuhigte Zonen wie die RathausstraĂe, Fischersteige, PromenadestraĂe, Sutt, Klostersteige und 1998/99 die Brandstatt. Die FischerstraĂe wurde von 1999 bis 2000 modernisiert[138] und 2010 die GerberstraĂe umgebaut. GeprĂ€gt wird das aus historischer Sicht neuerfundene âMĂŒhlbachquartierâ durch ein riesiges MĂŒhlrad (âFilmspuleâ) aus Metall mit einem Wasserlauf entlang der FuĂgĂ€ngerzone. In der Bevölkerung werden diese Wasserrinnen spöttisch als âPissrinnenâ bezeichnet.
Konkurrenz fĂŒr die zentralen FuĂgĂ€ngerzonen ist das Forum AllgĂ€u. Die Shopping-Mall, die am 10. September 2003 ihre TĂŒren öffnete, hat auf 23.000 mÂČ und drei Ebenen etwa 90 GeschĂ€fte, Restaurants und CafĂ©s.
Medien
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]An gröĂeren Medien haben ihren Firmensitz in Kempten der AllgĂ€uer Zeitungsverlag, der Radiosender RSA und der Lokalfernsehsender TV AllgĂ€u fĂŒr die Region.
In Kempten gibt es eine eigene Lokalredaktion des Kreisboten-Verlags aus dem oberbayerischen Weilheim. Zu den Stadtmagazinen gehört das â0831â sowie das Magazin âAllgĂ€u Live Inâ. Seit 2001 sendet die Lokalstation des Senders Radio Galaxy in Kempten.
AnsÀssige Unternehmen
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Dienstleister
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Die Deutsche Post AG hat in Kempten das Briefzentrum Augsburg-Kempten. Im Mineralölhandel spielt das Unternehmen Adolf PrĂ€g eine bedeutende Rolle; es betreibt Tankstellen und GroĂtanklager in Deutschland.
In Kempten hat der international operierende Logistikdienstleister Dachser seinen GeschÀftssitz. Auch die Spedition Franz Lebert betÀtigt sich in dieser Branche.
Abt Sportsline mit Sitz in Kempten ist ein international bekannter Rennstall und Autoveredler. Das Unternehmen Seitz betreibt in Kempten und dem Umland mehrere AutohÀuser mit Ausrichtung auf die Volkswagen-Marken. In Kempten ist die Einzelhandelskette Feneberg Lebensmittel ansÀssig.
Die Banken Sparkasse AllgÀu sowie die AllgÀuer Volksbank Kempten-Sonthofen haben ihren Sitz in Kempten. Im Verlagswesen sind der AllgÀuer Zeitungsverlag, der Verlag Tobias Dannheimer und der Kösel-Verlag zu nennen.
Die Codesys Group in Kempten ist Softwarehersteller von Codesys als Entwicklungsumgebung fĂŒr Speicherprogrammierbare Steuerungen.
Industrie
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Das Unternehmen Edelweiss produziert Molkereiprodukte wie unterschiedliche, international vertretene Produkte namens âBrunchâ, âBressoâ oder âMilkanaâ. Liebherr-Verzahntechnik ist ein maschinenproduzierendes Unternehmen, das seit 1961 seinen Sitz in Kempten hat. Die Kemptener Maschinenfabrik (KMF) ist eine Tochter des Traktorenherstellers Fendt und produziert fĂŒr diesen verschiedene Teile, daneben aber auch fĂŒr Mercedes-Benz.[139] Das AllgĂ€uer Brauhaus hat, obwohl die Brauerei nach Marktoberdorf umgezogen ist, immer noch seinen Verwaltungssitz in Kempten.
Das AllgĂ€uer Ăberlandwerk versorgt das AllgĂ€u mit ElektrizitĂ€t.[140]
Das Unternehmen Ott Hydromet wurde 1873 gegrĂŒndet und spezialisierte sich auf hydrometrische Messsysteme. Das bis 2014 als ESK Ceramics bekannte Unternehmen wurde 1922 gegrĂŒndet und produziert technische Keramik. 2014 folgte die Umbenennung in 3M Technical Ceramics.
Als die 4P-Gruppe im Jahr 1964 ihren Verwaltungssitz nach Kempten verlegte, wurde die Stadt zu einem Zentrum der Verpackungswirtschaft. 1973 exportierte das Unternehmen in 40 LĂ€nder und erreichte einen Umsatz von 520 Millionen Mark. In den 1990er Jahren geriet das von Gerhard Kisel gefĂŒhrte Unternehmen in wirtschaftliche Schwierigkeiten und wurde vom Konzern Van Leer aufgekauft. 1997 kaufte der belgische Konzern Van Genechten das Unternehmen und erwirtschaftete im Jahr darauf mit der VG Nicolaus einen Umsatz von 47 Millionen Euro.[141]
Ehemalige Unternehmen sind die Zwirnerei Denzler AG, die Baumwollspinnerei und -weberei Kempten und die Kottern Textil AG. Diese drei Unternehmen, die ausschlieĂlich auf die Textilbranche ausgerichtet waren, wurden Anfang der 1990er wegen zu starker Konkurrenz aus Fernost aufgelöst. Hier sind auch ehemalige Brauereien wie die Brauerei zur Stadt Hamburg, Zum Schwarzen Adler sowie weitere kleine GaststĂ€tten wie das Wein-FĂ€ssle oder Zum Engel zu nennen.
Im Jahr 1948 wurde die chemisch-pharmazeutische Fabrik Cefak in Kempten gegrĂŒndet. Zu ihren Produkten gehörte etwa das gefĂ€Ăkrampflösende, auf Cefatrat basierende KombinationsprĂ€parat Cefadysbasin.[142][143]
Die 1949 gegrĂŒndete Bahnhof-Apotheke produziert seit 1988 in der Kemptener Innenstadt ihre Aromatherapie-Produkte. Mit ĂŒber 320 Mitarbeitern ist es eines der gröĂeren Unternehmen in Kempten.
Infrastruktur
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Ăffentliche Einrichtungen
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Die kreisfreie Stadt Kempten ist das Oberzentrum der Region AllgĂ€u und damit Sitz wichtiger staatlicher Behörden der Justiz-, Finanz- und Landwirtschaftsverwaltung. In Kempten befindet sich der Hauptsitz der Bundesagentur fĂŒr Arbeit Kempten-Memmingen.
Justiz
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Das Amts- und Landgericht Kempten hat seinen Sitz in der FĂŒrstĂ€btlichen Residenz. An der KönigsstraĂe ist das Arbeitsgericht Kempten untergebracht. Kempten ist Sitz der Justizvollzugsanstalt Kempten. Besondere Aufmerksamkeit zog das Landgericht durch das âZigeunerjudenâ-Urteil auf sich. ZusĂ€tzlich kommt dem Amts- und dem Landgericht eine besondere nationale Aufgabe zu, da sie laut § 11a StPO zustĂ€ndig sind fĂŒr Straftaten, die von Soldaten in Auslandsverwendung im Ausland begangen werden.[144]
Feuerwehr
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Seit 1855 gibt es die Freiwillige Feuerwehr Kempten. Heute werden die aus ĂŒberwiegend freiwilligen und ehrenamtlichen EinsatzkrĂ€ften bestehenden LöschzĂŒge und Löschgruppen von dem Stadtfeuerwehrverband Kempten organisiert. Zwei LöschzĂŒge sind in der Hauptwache an der RottachstraĂe stationiert. Weitere LöschzĂŒge befinden sich in Lenzfried und Sankt Mang. Löschgruppen sind in Leubas, Hohenrad, St. Lorenz und am Stadtweiher positioniert. 2011 wurde durch den Stadtrat eine hauptamtliche Feuerwehr beschlossen.[145]
Gesundheits- und Betreuungseinrichtungen
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Kempten besitzt das Klinikum Kempten. Die Klinik der Versorgungsstufe II gehört dem Klinikenverbund Kempten-OberallgÀu an und hat 490 Betten. 2012 wurde der letzte Ausbau abgeschlossen; das alte Kreiskrankenhaus Kempten wurde daraufhin geschlossen. Am Klinikum befindet sich seit 2015 mit dem Bezirkskrankenhaus Kempten eine Psychiatrische Fachklinik.
Die Àrztliche Versorgung in Kempten im Jahr 2011 bestand aus 59 Allgemeinmedizinern bzw. HausÀrzten, 118 FachÀrzten und 55 ZahnÀrzten. Im gleichen Jahr gab es 747 PlÀtze in sieben Alten- und Pflegeeinrichtungen.
In 31 KindergÀrten wurden im Jahr 2011 insgesamt 2069 Kinder betreut, das Erziehungspersonal belief sich auf 301 Betreuer.[146]
MilitÀr und Garnison
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Kempten gehört zu den Ă€ltesten GarnisonsstĂ€dten in Bayern und entwickelte sich seit 1802/07 zu einem regional bedeutenden MilitĂ€rstandort. Zu den in Kempten stationierten Einheiten gehörte von 1866 bis 1897 auch das Königlich Bayerische 1. JĂ€gerbataillon âKönigâ, an das die JĂ€gerstraĂe und das JĂ€gerdenkmal am HaubenschloĂ erinnert. 1897 wurde die Einheit aus Kempten abgezogen und durch das Königlich Bayerische 20. Infanterie-Regiment âPrinz Franzâ ersetzt. Nach diesem ist die ZwanzigerstraĂe benannt.[147]
Am 26. Oktober 2011 wurde bekanntgegeben, die Artillerie-Kaserne und damit auch den Bundeswehrstandort zu schlieĂen. Von den ĂŒber 800 Dienstposten sollen lediglich sechs verbleiben. Bereits 1980 war das von 1938 bis 1942 errichtete MilitĂ€rkrankenhaus, 1992 die Prinz-Franz-Kaserne geschlossen worden.
Eines der ersten DenkmĂ€ler fĂŒr die im Krieg ums Leben gekommenen Soldaten war das Kriegerdenkmal am Lyzeum. Es folgten weitere wie das Kriegerdenkmal in Lenzfried oder das Denkmal in Heiligkreuz. Auf dem katholischen und evangelischen Friedhof erinnern ebenfalls DenkmĂ€ler an nicht zurĂŒckgekehrte Soldaten und Kriegsopfer. Die Mulzer-Föhre ist nach einem Jagdflieger benannt, das Denkmal des Iller-UnglĂŒcks erinnert an einen Vorfall, bei dem mehrere Wehrpflichtige ums Leben kamen.
Der Haubenschloss- bzw. Hoefelmayrpark entwickelte sich ab den 1930er Jahren zu einer GrĂŒnflĂ€che mit verschiedenen KriegsdenkmĂ€lern. Seit 1930 erinnert das JĂ€gerdenkmal an das 1. JĂ€gerbataillon, gleichzeitig als Mahnmal an die beiden Weltkriege. Wenige Meter davon entfernt entstanden innerhalb der nĂ€chsten Jahrzehnte weitere Mahnmale und DenkmĂ€ler.[147]
Friedhöfe
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Ur-Friedhöfe in Kempten waren die um die Erasmuskapelle und Seelenkapelle angelegten Friedhöfe. Wegen des Bevölkerungszuwuchses siedelte der Friedhof der Seelenkapelle an die Stelle des Katholischen Friedhofes um. Im Bereich des katholischen Friedhofes ist auch der JĂŒdische Friedhof gelegen; die letzte Bestattung fand dort auf Sondergenehmigung im Jahr 2008 statt. Der Friedhof um die Erasmuskapelle kam in der frĂŒhen Neuzeit an den FuĂ der Burghalde. Der Evangelische Friedhof beherbergt GrĂ€ber zahlreicher bekannter Persönlichkeiten aus Kempten.
Ab 1955 legte die Stadt den StĂ€dtischen Zentralfriedhof in der NĂ€he des katholischen Friedhofes an. Grund hierfĂŒr war, dass die bisherigen Friedhöfe nur konfessionsbezogen waren und wegen der geschichtlichen Entwicklungen ein konfessionsneutraler Friedhof geschaffen werden musste.[148]
Bildung
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]| Schulart | Anzahl |
|---|---|
| Volks- bzw. Grundschulen | 9 |
| Mittelschulen | 4 |
| Förderschulen | 5 |
| Real- und Wirtschaftsschulen | 4 |
| Gymnasien | 3 |
| Private Ersatzschulen | 2 |
| Fach- und Berufsoberschulen | 1 |
| Berufs- und Berufsfachschulen | 13 |
| Fachschulen | 4 |
| Fachakademien | 3 |
| Gesamt | 48 |


Die Schulstadt Kempten hat eine breite Schullandschaft, die sich aus 48 unterschiedlichen Bildungseinrichtungen zusammensetzt. Es finden sich damit alle Schulformen in Kempten vor.
Allgemeinbildende Schulen
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Kempten hat neun Volksschulen (Volksschule am HaubenschloĂ, FĂŒrstenschule, Volksschule an der Sutt, Volksschule auf dem Lindenberg, Nordschule, Volksschule Kottern-Eich, Volksschule Heiligkreuz, Konrad-Adenauer-Volksschule, Gustav-Stresemann-Volksschule) und vier Mittelschulen (Wittelsbacherschule, Mittelschule auf dem Lindenberg, Mittelschule bei der HofmĂŒhle, Robert-Schuman-Mittelschule).
Daneben gibt es in Kempten drei Realschulen (Maria-Ward-Realschule, Realschule an der SalzstraĂe, StĂ€dtische Realschule). Den Abschluss der Mittelstufe bildet die Staatliche Wirtschaftsschule. ErgĂ€nzt wird das allgemeinbildende Schulprogramm durch drei Gymnasien (AllgĂ€u-Gymnasium, Hildegardis-Gymnasium, Carl-von-Linde-Gymnasium) mit naturwissenschaftlich-technologischen, sprachlichen und humanistischen Zweigen; hierbei knĂŒpft an die Oberstufe eine Fach- und Berufsoberschule an.
Private Ersatzschulen sind die Montessori-Volksschule und die Freie Schule Albris.
Berufsbildende Schulen
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Die Berufsschulen I bis III (gewerblich-technische, kaufmÀnnische, agrarwirtschaftliche, hauswirtschaftliche und gewerbliche) Berufe teilen sich das GelÀnde des Beruflichen Schulzentrums mit der Fach-, Berufsober- und Wirtschaftsschule.
An der MozartstraĂe gibt es die private Berufsschule zur individuellen Lernförderung.
Zu nennen sind auch vier Fachschulen (Landwirtschaftsschule Kempten, Lehr-, Versuchs- und Fachzentrum fĂŒr Molkereiwirtschaft, Lehr-, Versuchs- und Fachzentrum fĂŒr Milchviehhaltung und GrĂŒnland), die beispielsweise den Erwerb des Titels des Molkereimeisters oder geprĂŒften Technikers fĂŒr Milchwirtschaft und Molkereiwesen anbieten. FĂŒr die gewerbliche Weiterbildung in den Fachbereichen Bau-, Elektro- und Maschinenbautechnik ist auf dem GelĂ€nde des Berufsschulzentrums die Technikerschule AllgĂ€u untergebracht, die seit 1966 zum Staatlich geprĂŒften Techniker ausbildet.
Dem Klinikum Kempten-OberallgĂ€u ist eine Berufsfachschule fĂŒr Technische Assistenten in der Medizin angegliedert. Hier können die Berufe medizinisch-technischer Laboratoriumsassistent und medizinisch-technischer Radiologieassistent erlernt werden. Weitere Berufsfachschulen ermöglichen das Erlernen der Kranken- und Altenpflege.
Es gibt drei Fachakademien, unter anderem fĂŒr Fremdsprachenberufe und SozialpĂ€dagogik.
Hochschulen
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Die Hochschule Kempten entstand in den 1970er Jahren und wurde in den letzten Jahren stetig erweitert. Im Wintersemester 2015/16 studierten an der Hochschule insgesamt 5976 Studenten. Ein umfangreiches Bildungsangebot mit rund 1000 Veranstaltungen je Semester bietet die Volkshochschule Kempten.
Bibliotheken
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Die Hauptstelle der Stadtbibliothek befindet sich in der Orangerie. Der Stadtteil Sankt Mang hat eine Stadtteilbibliothek im RotschlöĂle. Seit 2012 wird die Onleihe Schwaben angeboten; hier können E-Books, E-Paper, E-Audios und E-Videos heruntergeladen werden. Die Hochschule Kempten hat eine eigene, öffentlich zugĂ€ngliche Hochschulbibliothek. Dort können etwa 70.000 BĂŒcher ausgeliehen und 200 gedruckte Magazine und 14.000 elektronische Medien wie Zeitschriften und BĂŒcher gelesen werden.
Stadtarchiv
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Das Archiv der Stadt Kempten befindet sich im Neubronner Haus und im Zollamt. Neben diversen Akten, Urkunden, Chroniken, EinwohnermeldebĂŒchern, Grafiken und zeitgeschichtlichen Dokumentationen beherbergt das Stadtarchiv auch die NachlĂ€sse von Otto Merkt und Alfred Weitnauer. Leiter des Stadtarchivs ist der Historiker Franz-Rasso Böck.[150] Viele historische BestĂ€nde befinden sich in anderen bayerischen StĂ€dten wie Augsburg oder MĂŒnchen.
Weitere Bildungseinrichtungen
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]FĂŒr körperlich, geistig oder sozial benachteiligte Kinder gibt es fĂŒnf Förderschulen.
In Kempten befindet sich auch eine Volkssternwarte.
Verkehr
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StraĂenverkehr
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Kempten liegt an der AÂ 7 sowie an der kurzen AÂ 980. Durch das Stadtgebiet fĂŒhren weiterhin die BundesstraĂen 12 und 19 sowie die zum 1. Januar 2016 zur StaatsstraĂe 2520 herabgestufte ehemalige BundesstraĂe 309.
Seit den 1970er Jahren gibt es in Kempten den durchgehend vierspurigen Mittleren Ring. GegenĂŒber gröĂeren StĂ€dten ist der Ausbauzustand des Rings auffallend, denn er weist bis zu vier Fahrspuren pro Richtung (mehrere Abbiegespuren) auf. Dieser Ring fĂŒhrt ĂŒber eine der Oberen IllerbrĂŒcken und ist als BundesstraĂe 12 ausgeschildert, obwohl es sich beim Ring eigentlich um eine Kreis- bzw. LandstraĂe handelt. Die B 12 wird gemeinsam mit den Autobahnen 7 und 980 zur Entlastung der Stadt um Kempten herumgefĂŒhrt, bis sie an der Anschlussstelle Kempten in Richtung MĂŒnchen abzweigt. AuĂerdem ist an dieser StraĂe bemerkenswert, dass die B 19 nicht ĂŒber die breit ausgebaute Strecke geleitet wird, sondern durch die Altstadt (Kaufbeurer StraĂe, BurgstraĂe, Freudenberg, BeethovenstraĂe, Lindauer StraĂe) fĂŒhrt.
Im November 2015 wurde die Nordspange eröffnet. Sie ermöglicht eine Ost-West-Verbindung mit Kreuzung der Iller, verbindet die Gewerbegebiete auf beiden Flussseiten und verhindert dadurch die bis dahin nötige Ortsdurchfahrt, die ĂŒber den ĂŒberlasteten Berliner Platz des Mittleren Rings fĂŒhrte.
Das teilweise dynamische Parkleitsystem der Stadt weist Autofahrer auf 16 kostenpflichtige und gebĂŒhrenfreie Parkmöglichkeiten in ParkhĂ€usern, Tiefgaragen oder auf unĂŒberdachten ParkplĂ€tzen hin.
Schienenverkehr
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Kempten liegt an der nichtelektrifizierten Bahnstrecke BuchloeâLindau (AllgĂ€ubahn). Als Ersatz fĂŒr den gestrichenen InterRegio der Deutschen Bahn hielt bis 2020 der alex in Kempten; zum Fahrplanwechsel wurde diese Linie von DB Regio nach einer gewonnenen Ausschreibung ĂŒbernommen. In Kempten zweigt die nach Norden fĂŒhrende Bahnstrecke KemptenâNeu-Ulm ab. AuĂerdem beginnt hier die AuĂerfernbahn ĂŒber Pfronten nach Reutte in Tirol und weiter nach Garmisch-Partenkirchen. Die Bahnstrecke KemptenâIsny wurde 1984 stillgelegt.
Kempten erhielt 1852 einen Bahnanschluss mit dem Bau der Ludwig-SĂŒd-Nord-Bahn. Der einstige Kopfbahnhof nahe der Altstadt wurde im Jahre 1969 durch einen neuen Hauptbahnhof im SĂŒden der Stadt ersetzt. Im Stadtgebiet von Kempten gibt es auĂer dem Hauptbahnhof noch die Bahnhöfe Kempten (AllgĂ€u) Ost und St. Mang.
Bereits kurz nach dem Bau des Durchgangsbahnhof Kempten-Hegge nach der Jahrhundertwende gab es PlĂ€ne, den Hauptbahnhof als Kopfbahnhof durch einen neuen Durchgangsbahnhof zu ersetzen.[151] Um die Stadt weiterhin an die Bahnstrecke anzubinden, wurde von BĂŒrgermeister Otto Merkt kurz nach dem Ersten Weltkrieg vorgeschlagen, den neuzubauenden Hauptbahnhof mit einer StraĂenbahn anzubinden. Aufgrund der Weltwirtschaftskrise und des Zweiten Weltkriegs verzögerte sich der Bau jedoch. Der Leiter des Tiefbauamtes Bruno Steinmetz griff die VorkriegsplĂ€ne auf und schlug eine UnterpflasterstraĂenbahn vom neuen Hauptbahnhof zum Residenzplatz vor. Planungen einer StraĂenbahnanbindung fanden sich noch 1991 in den verkehrsplanerischen Leitlinien, die eine Linie von neuen Hauptbahnhof ĂŒber den Residenzplatz zur Stadtpfarrkirche St. Michael vorsahen.
In den 1960er Jahren wurden unter OberbĂŒrgermeister August Fischer Konzepte fĂŒr eine Stadtbahn in Kempten entwickelt, die auch von seinem Nachfolger Josef Höà weiterverfolgt wurden. Diese sollte den neuen Hauptbahnhof, den Ostbahnhof, Steufzgen und Rothkreuz verbinden. Mit der Stilllegung der Bahnstrecke KemptenâIsny wurden diese PlĂ€ne jedoch zu den Akten gelegt.[152] Entsprechende Gedanken einer Regionalbahn zur besseren Anbindung der Innenstadt sind jedoch auch nach 2000 regelmĂ€Ăig in der Diskussion.[153]
2006 feierten die Stadt und die Deutsche Bahn das 100-jĂ€hrige JubilĂ€um der weltweit gröĂten StampfbetonbrĂŒcken namens Obere IllerbrĂŒcken. Ăber eine der beiden BrĂŒcken lĂ€uft der gesamte Zugverkehr von und nach Neu-Ulm, von und nach Buchloe sowie von und nach Pfronten-Steinach. Trotz Versprechungen durch Regierung und Bahnverwaltung ist bisher keine einzige nach oder durch Kempten fĂŒhrende Bahnstrecke elektrifiziert. Somit verkehren ausschlieĂlich dieselbetriebene Fahrzeuge. Zudem wurde die Zahl der Bahnverbindungen infolge der Bahnreform von 1994 stetig ausgedĂŒnnt. So gab es 1993 noch 23 mit dem Schienenpersonenfernverkehr ohne Umstieg erreichbare Knotenbahnhöfe, darunter MĂŒnchen, Leipzig, Dresden, Görlitz, Regensburg, Prag und ZĂŒrich. 2005 waren es nur noch sechs Ziele, 2010 zwischenzeitlich acht, 2016 wieder nur noch sechs. Seit Dezember 2020 umgehen auch die ZĂŒge der Relation MĂŒnchenâZĂŒrich die Stadt nördlich via Memmingen, mittlerweile ist Kempten nur noch durch das Intercity-Express-Zugpaar AllgĂ€u von Dortmund nach Oberstdorf und zurĂŒck an den Schienenpersonenfernverkehr angebunden.
Ăffentlicher Nahverkehr
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Der stĂ€dtische Busverkehr wird seit 2014 unter der Marke und dem Verbund Mona AllgĂ€u gefĂŒhrt. Im Kemptener Gebiet und Umgebung fahren 74 Linien (Stand: April 2026), viele davon treffen sich am â noch bis 2027[154] als Interimslösung existierenden â Busbahnhof âZentrumâ, der zentralen Bus-Umsteigestelle in Kempten.
Flugverkehr
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Kempten besitzt gemeinsam mit der Vorstadtgemeinde Durach den Flugplatz Kempten-Durach. Der höchstgelegene Verkehrslandeplatz der Bundesrepublik (710 Meter Meereshöhe) ist fĂŒr Maschinen bis zu 5,7 Tonnen zugelassen. Die nĂ€chsten VerkehrsflughĂ€fen sind in Memmingerberg (bei Memmingen) (40 km), Friedrichshafen (80 km), Innsbruck (140 km) sowie MĂŒnchen und Stuttgart (jeweils 180 km).
Fahrradverkehr
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Kempten hat ein gut ausgebautes Radwegnetz. Lediglich in der FuĂgĂ€ngerzone besteht ein absolutes Fahrradverbot. Beim Fahrradklimatest 2012 des ADFC erlangte Kempten im Bundesvergleich den 14. von 252 PlĂ€tzen bei StĂ€dten mit weniger als 100.000 Einwohnern,[155] bayernweit den 11. von 29 PlĂ€tzen bei StĂ€dten mit weniger als 100.000 Einwohnern.[156]
Durch die Stadt fĂŒhren der AllgĂ€u-Radweg und der Iller-Radweg. Die beiden Radwege können aneinander angeschlossen werden.
Energieversorgung
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An der Iller befinden sich mehrere Wasserkraftwerke der AllgĂ€uer Ăberlandwerke, die einen Teil der stĂ€dtischen ElektrizitĂ€t erzeugen. Die Anlagen stammen meistens aus der Industrialisierung und dienten der Stromerzeugung fĂŒr die dort ansĂ€ssige Textilindustrie. Durch Verbrennung von AbfĂ€llen in den MĂŒllheizkraftwerken Kempten entstehen elektrische Energie und WĂ€rme, die durch ein FernwĂ€rmenetz in das Stadtzentrum geleitet wird. ZusĂ€tzlich ist ein erdölbetriebenes Blockheizkraftwerk fĂŒr den Winter an das FernwĂ€rmenetz gekoppelt.
Wasserversorgung
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Die Kemptener Bevölkerung wird zu 20 Prozent mit Trinkwasser aus dem Kemptener Gemeindegebiet versorgt. Der restliche Anteil wird durch den Zweckverband Fernwasserversorgung Oberes AllgÀu (fwoa) geliefert. Der Zweckverband unterhÀlt Grundwassergewinnungsanlagen in AltstÀdten, einem Pfarrdorf der Kreisstadt Sonthofen.
Zur Speicherung und Druckanpassung des Trinkwassers in Kempten dienen mehrere HochbehĂ€lter; das Wasser flieĂt durch ein 260 Kilometer langes Leitungsnetz. Der Jahresverbrauch liegt bei 4,7 Millionen Kubikmetern Trinkwasser.
Abwasserentsorgung
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Die Abwasserentsorgung von Kempten und den umliegenden Gemeinden ĂŒbernimmt der Abwasserverband Kempten. Im Verbandsgebiet existieren 136 km Kanalnetz.[157] Der Anschlussgrad der Stadt Kempten lag 2016 bei 98,1 %.[158] Das Wasser wird im GruppenklĂ€rwerk
gereinigt. Es hat eine AusbaukapazitÀt von 460.000 Einwohnerwerten. Die Abwasserreinigung erfolgt mechanisch-biologisch mit vorgeschalteter Denitrifikationsstufe, Tropfkörpern und chemischer Phosphatabscheidung. Die Anlage erreicht eine Reinigungsleistung von 98 %. Das gereinigte Abwasser (35.000 m³ pro Tag bei Trockenwetter) wird in die Iller eingeleitet.
Der anfallende KlĂ€rschlamm wird verfault, getrocknet und anschlieĂend in einer KlĂ€rschlammverbrennungsanlage verbrannt (35 t tĂ€glich). Das bei der Faulung entstehende KlĂ€rgas wird zur Stromerzeugung verwendet. So kann die Anlage inzwischen 90 % ihres Energiebedarfs selbst decken.[159]
Persönlichkeiten
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- EhrenbĂŒrger
Der bekannteste EhrenbĂŒrger Kemptens ist der Reichskanzler Otto von Bismarck, dem zu seinem 80. Geburtstag am 4. MĂ€rz 1895 mehrere deutsche StĂ€dte diesen Titel verliehen. Als letzter wurde der langjĂ€hrige OberbĂŒrgermeister Josef Höà 2011 mit dieser Ehrung ausgezeichnet.
Keine EhrenbĂŒrgerschaft, aber eine besondere Ehrung wurde König Ludwig II. von Bayern postum 1932 mit der Errichtung des König-Ludwig-Denkmals zuteil.
Kempton Park
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Der Kempter Kaufmann Karl Friedrich Wolff grĂŒndete 1903 im Zuge des Goldrausches in SĂŒdafrika eine Stadt östlich von Johannesburg und benannte sie in Anlehnung an seine Geburtsstadt Kempton Park.[160]
UngeklÀrte MordfÀlle
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]In Kempten (AllgĂ€u) sind mehrere Tötungsdelikte aus der Nachkriegszeit und der zweiten HĂ€lfte des 20. Jahrhunderts bis heute ungeklĂ€rt. Zu den bedeutendsten Cold Cases der Stadt zĂ€hlen die Tötung des siebenjĂ€hrigen Joachim Barth im Jahr 1957, der Mord an der 13-jĂ€hrigen SchĂŒlerin Sonja Hurler im Jahr 1981, der bis heute nicht aufgeklĂ€rte Brandanschlag von 1990 mit einem Todesopfer sowie der sogenannte âJoker-Mordâ von 1996. Trotz neuer ErmittlungsansĂ€tze gelten alle FĂ€lle weiterhin als ungelöst.[161]
Mordfall Joachim Barth (1957)
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Der siebenjĂ€hrige Joachim Barth wurde am 12. November 1957 auf dem GelĂ€nde der ehemaligen Artillerie-Kaserne in Kempten tot aufgefunden. Ermittlungen ergaben, dass das Kind mit einem Stein erschlagen worden war. Die mutmaĂliche Tatwaffe konnte nie sichergestellt werden, sodass heute keine verwertbaren Spuren wie DNA vorhanden sind. Aufgrund fehlender materieller Beweise gilt der Fall bis heute als ungeklĂ€rt. Mord verjĂ€hrt zwar nicht, dennoch ergaben sich bislang keine neuen ErmittlungsansĂ€tze.[161]
Mordfall Sonja Hurler (1981)
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Die 13-jĂ€hrige SchĂŒlerin Sonja Hurler verschwand in der Nacht vom 4. auf den 5. Juli 1981 auf dem Weg zu ihrer GroĂmutter im Kemptener Stadtteil Heiligkreuz. Monate spĂ€ter wurde ihre Leiche in der NĂ€he eines Stadels unweit des Stadtteils entdeckt. Im Jahr 2022 gelang es, mithilfe moderner kriminaltechnischer Verfahren mögliche TĂ€ter-DNA an Asservaten zu sichern. Daraufhin wurde im Herbst 2023 ein Massenspeicheltest mit rund 300 MĂ€nnern aus dem damaligen Umfeld durchgefĂŒhrt, der jedoch keine Ăbereinstimmung ergab. Die Ermittlungen dauern weiterhin an.[161]
Brandanschlag auf ein Mehrfamilienhaus (1990)
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Am 17. November 1990 kam es in der FĂŒssener StraĂe in Kempten zu einem Brandanschlag auf ein Mehrfamilienhaus, in dem sechs tĂŒrkische Familien lebten. Dabei kam der fĂŒnfjĂ€hrige Ercan D. ums Leben, der an einer schweren Rauchgasvergiftung verstarb. Mehrere Hausbewohner ĂŒberlebten nur durch SprĂŒnge aus den oberen Stockwerken und erlitten dabei teils schwere Verletzungen.
Die Hinterbliebenen kritisieren bis heute die damaligen Ermittlungen, insbesondere dass sie erst Jahrzehnte spĂ€ter von einem Bekennerschreiben erfuhren. Der Tatvorwurf wurde erst rund 30 Jahre nach der Tat von Brandstiftung auf Mord geĂ€ndert. Nach einer Ausstrahlung in der Sendung âAktenzeichen XY ⊠ungelöstâ wurde der Fall erneut aufgerollt; die Familie setzte zudem eine Belohnung von 10.000 Euro aus. Der Mord ist bis heute ungeklĂ€rt.[162]
Mord an Harald S. (âJoker-Mordâ, 1996)
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Am 17. Februar 1996 wurde der 30-jĂ€hrige Spielhallenaufseher Harald S., bekannt als âMuckiâ, in der Kemptener Spielothek âJokerâ erstochen aufgefunden. Die Obduktion ergab 16 Messerstiche, von denen einer das Herz traf. Aus dem Kassenbereich fehlte eine Geldkassette mit rund 120 DM; Teile davon wurden Wochen spĂ€ter im Bereich Betzigau und Durach gefunden. Ein Raubmord wurde frĂŒh diskutiert, zugleich hielten Ermittler auch ein persönliches Motiv oder eine manipulierte Spur fĂŒr möglich.
Trotz umfangreicher Ermittlungen blieb der TĂ€ter unbekannt, die Tatwaffe wurde nie gefunden. Im Jahr 2018 nahm die Kriminalpolizei die Ermittlungen erneut auf und verwies auf eine möglicherweise âerfolgsversprechende Spurâ, deren Inhalt jedoch nicht öffentlich genannt wurde. Der Fall ist weiterhin ungeklĂ€rt.[163]
Literatur
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Geschichte
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Gesamtdarstellungen
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Volker Dotterweich u. a. (Hrsg.): Geschichte der Stadt Kempten. Im Auftrag der Stadt Kempten (AllgÀu). Verlag Tobias Dannheimer, Kempten 1989, ISBN 3-88881-011-6.
- Birgit Kata, Volker Laube, Markus Naumann, Wolfgang Petz (Hrsg.): âMehr als 1000 Jahre âŠâ â Das Stift Kempten zwischen GrĂŒndung und Auflassung 752â1802. (AllgĂ€uer Forschungen zur ArchĂ€ologie und Geschichte; 1) Verlag Likias, Friedberg 2006, ISBN 3-9807628-6-6.
Mittelalterliche und neuzeitliche Geschichte
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Stefan Kirchberger: Kempten im AllgÀu: archÀologische Befunde und Funde zur Entwicklung der Reichsstadt. Scrßpvaz, Berlin 2002, ISBN 3-931278-04-2 (= ArchÀologische Quellen zum Mittelalter, Band 1, zugleich Dissertation UniversitÀt Bamberg).
- Wolfgang Petz: Zweimal Kempten. Geschichte einer Doppelstadt. Vögel, MĂŒnchen 1998, ISBN 3-89650-027-9 (= Schriften der Philosophischen FakultĂ€ten der UniversitĂ€t Augsburg, Band 54, Historisch-sozialwissenschaftliche Reihe, zugleich Dissertation an der UniversitĂ€t Augsburg 1996).
- Wolfgang Petz, Josef Kirmeier, Wolfgang Jahn und Evamaria Brockhoff (Hrsg.): âBĂŒrgerfleiĂ und FĂŒrstenglanz.â Reichsstadt und FĂŒrstabtei Kempten. Haus der Bayerischen Geschichte, Augsburg 1998, ISBN 3-927233-60-9.
- Franz-Rasso Böck, Ralf Lienert, Joachim Weigel (Hrsg.): Jahrhundertblicke auf Kempten 1900â2000. Verlag Tobias Dannheimer, AllgĂ€uer Zeitungsverlag, Kempten 1999, ISBN 3-88881-035-3.
- Richard Dertsch: Stadt- und Landkreis Kempten. (= Historisches Ortsnamenbuch von Bayern. Teil: Schwaben. Band 4 und 5), MĂŒnchen 1966.
- Gerhard Willi (Hrsg.): Volks- und landeskundliche Beschreibungen aus den Landkreisen Lindau und OberallgĂ€u mit Kempten â die Physikatsberichte der Stadt- bzw. Landgerichte Lindau, Weiler, Kempten, Immenstadt und Sonthofen (1858-1861) Augsburg 2016, ISBN 978-3-95786-036-1
- Wolfgang WĂŒst: Wider âehebruch, hurereĂż, unzucht, kuppeleĂż und unterschleipfâ â Policey-Statuten in Kempten im Jahre 1770, In: AllgĂ€uer Geschichtsfreund, Nr. 116 (2016) S. 69â106, ISBN 978-3-9816746-1-3
Antike Geschichte
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Gerhard Weber (Hrsg.): Cambodunum â Kempten. Erste Hauptstadt der Provinz Raetien? (Antike Welt, Sonderband) (Zaberns BildbĂ€nde zur ArchĂ€ologie). Zabern, Mainz am Rhein 2000, ISBN 3-8053-2691-2.
- Wolfgang Czysz u. a.: Die Römer in Bayern. Theiss, Stuttgart 1995, ISBN 3-8062-1600-2.
- Wolfgang Czysz, Hanns Dietrich und Gerhard Weber (Bearb.): Kempten und das AllgĂ€u. (FĂŒhrer zu archĂ€ologischen DenkmĂ€lern in Deutschland, Bd. 30). Konrad Theiss Verlag, Stuttgart 1995, ISBN 3-8062-1150-7.
Inhaltlich veraltet
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Josef Rottenkolber: Aus Kemptens vergangenen Tagen. Kösel-Verlag, Kempten 1954, DNB 454212291.
- Johann Bapt. HaggenmĂŒller: Geschichte der Stadt und der gefĂŒrsteten Grafschaft Kempten. Kempten, Band 1: 1840. Band 2: 1847. (Nachdruck: in einem Band, Verlag Tobias Dannheimer, Kempten 1988, ISBN 3-88881-009-4)
Numismatik
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Harald Derschka: FundmĂŒnzen aus Kempten. Katalog und Auswertung der in Kempten (AllgĂ€u) gefundenen MĂŒnzen und mĂŒnzĂ€hnlichen Objekte aus dem Mittelalter und der Neuzeit. (AllgĂ€uer Forschungen zur ArchĂ€ologie und Geschichte; 2) Verlag Likias, Friedberg 2007, ISBN 978-3-9807628-7-8.
- Clemens Maria Haertle: Die MĂŒnzen und Medaillen des Stiftes und der Stadt Kempten. Bd. 2, Dannheimer, Kempten 1993, ISBN 3-88881-014-0.
Kunst- und BaudenkmÀler
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Alexander Herzog von WĂŒrttemberg: Stadt Kempten (= Bayerisches Landesamt fĂŒr Denkmalpflege [Hrsg.]: DenkmĂ€ler in Bayern. Band VII.85). Verlag Schnell & Steiner, MĂŒnchen/ZĂŒrich 1990, ISBN 3-7954-1003-7.
- Michael Petzet: Stadt und Landkreis Kempten. Deutscher Kunstverlag, MĂŒnchen 1959, DNBÂ 453751636.
Literarische Bearbeitung
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Ilse RoĂmanith-Mitterer, Roger Mayrock: Reise nach Cambodunum: Ein Besuch im römischen Kempten. Kunstverlag Josef Fink, Lindenberg im AllgĂ€u 2012, ISBN 978-3-89870-770-1.
- Ilse RoĂmanith-Mitterer, Birgit Kata: Mit Leo ins Mittelalter. Auf Besuch im alten Kempten. Kunstverlag Josef Fink, Lindenberg im AllgĂ€u 2016, ISBN 978-3-89870-878-4.
- Michael Kobr, Volker KlĂŒpfel: Kommissar Kluftinger. verschiedene BĂ€nde (Krimis).
Weblinks
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- Offizielle Website der Stadt Kempten (AllgÀu)
- Literatur von und ĂŒber Kempten im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
- Kempten (AllgĂ€u): Amtliche Statistik des Bayerischen Landesamtes fĂŒr Statistik
Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- â Einwohnerzahlen â Stand: 31. Dezember 2025. (PDF; 4,1 MB) Gemeinden, Kreise und Regierungsbezirke in Bayern. In: statistik.bayern.de. Bayerisches Landesamt fĂŒr Statistik, Mai 2026, abgerufen am 21. Mai 2026 (Hilfe dazu).
- â Gemeindeverzeichnis â Kempten (AllgĂ€u). In: Statistikportal. Statistische Ămter des Bundes und der LĂ€nder, abgerufen am 9. Mai 2026.
- â Region â Willkommen beim Regionalen Planungsverband AllgĂ€u. Abgerufen am 17. November 2022.
- â Detlef Schmiechen-Ackermann (Hrsg.): Stadtgeschichte in der NS-Zeit. Fallstudien aus Sachsen-Anhalt und vergleichende Perspektiven. LIT Verlag, MĂŒnster 2005, S. 92.
- â luftlinie.org: Entfernung Kempten-Augsburg (abgerufen am 18. Mai 2013).
- â Bayer. Staatsministerium des Innern â Oberste Baubehörde (Hrsg.): Planung Kempten/AllgĂ€u. Stadtbild und Stadtlandschaft. S. 22.
- â Bayer. Staatsministerium des Innern â Oberste Baubehörde (Hrsg.): Planung Kempten/AllgĂ€u. Stadtbild und Stadtlandschaft. S. 28.
- â Ssymank und Meynen, SchmidthĂŒsen et al.: NaturrĂ€umliche Gliederung Bayerns. In: lfu-bayern.de (abgerufen am 27. Mai 2013)
- â Bayerisches Geologisches Landesamt: Geologische Karte von Bayern 1:500.000. Beilage 8: Tektonische Karte von Bayern 1:1.000.000. MĂŒnchen 1996.
- â Bayerisches Landesamt fĂŒr Umwelt: Hundert Meisterwerke â Die schönsten Geotope Bayerns. MĂŒnchen 2012, ISBN 978-3-936385-89-2, S. 172â173.
- â Findling Dengelstein. Abgerufen am 13. MĂ€rz 2019. In: lfu.bayern.de (abgerufen am 18. Oktober 2012)
- â Leyendecker, GĂŒnther: Erdbebenkatalog fĂŒr Deutschland mit Randgebieten fĂŒr die Jahre 800 bis 2008. In: Geologisches Jahrbuch. E 59; Hannover, S. 1â198.
- â Reichsanstalt fĂŒr Erdbebenforschung (Hrsg.): BeitrĂ€ge zum Erdbebenkatalog Deutschlands und angrenzender Gebiete fĂŒr die Jahre 58 bis 1799. In: Mitteilungen des Deutschen Reichs-Erdbebendienstes. Heft 2, Reichsverlagsamt, Berlin 1940, S. 45.
- â Kempten.de: Naturschutz in Kempten, abgerufen am 13. MĂ€rz 2014
- â Illerdurchbruch bei Oberkottern. In: lfu.bayern.de (abgerufen am 16. MĂ€rz 2014)
- â Drumlinfeld E von Kempten. In: lfu.bayern.de (abgerufen am 16. MĂ€rz 2014)
- â Ehemaliger Steinbruch von Tannen. In: lfu.bayern.de (abgerufen am 16. MĂ€rz 2014)
- â PrallhĂ€nge der Iller nördlich Kempten. In: lfu.bayern.de (abgerufen am 16. MĂ€rz 2014)
- â Geoklima 2.1
- â HollĂ€nder treiben Ăbernachtungszahlen in Kempten in die Höhe. In: all-in.de. AllgĂ€uer Zeitungsverlag, 14. MĂ€rz 2014, abgerufen am 1. Oktober 2025.
- â Mosaikbecken, FontĂ€nen, Wasserspiele. In: all-in.de. AllgĂ€uer Zeitungsverlag, 24. Mai 2005, abgerufen am 1. Oktober 2025.
- â Richard Dertsch: Stadt- und Landkreis Kempten. (= Historisches Ortsnamenbuch von Bayern. Teil Schwaben. Bd. 5), MĂŒnchen 1966, ISBN 3-7696-9869-X, S. 101Â ff.
- â Richard Dertsch: Stadt- und Landkreis Kempten. (= Historisches Ortsnamenbuch von Bayern. Teil Schwaben. Bd. 5), MĂŒnchen 1966, ISBN 3-7696-9869-X, S. 104.
- â Gerhard Weber (Hrsg.): Cambodunum-Kempten. Mainz 2000, S. 43 f.; Wolfgang Czysz in: Die Römer in Bayern. 1995, S. 200; Tilmann Bechert u. a. (Hrsg.): Orbis Provinciarum. Die Provinzen des römischen Reiches. EinfĂŒhrung und Ăberblick. Mainz 1999, S. 152.
- â Gerhard Weber: Die Römerstadt Cambodunum. In: Alexander Herzog von WĂŒrttemberg: Stadt Kempten (= Bayerisches Landesamt fĂŒr Denkmalpflege [Hrsg.]: DenkmĂ€ler in Bayern. Band VII.85). Verlag Schnell & Steiner, MĂŒnchen/ZĂŒrich 1990, ISBN 3-7954-1003-7, S. XXXII f.
- â Birgit Kata, Gerhard Weber: Die archĂ€ologischen Befunde im Bereich der Kemptener Residenz und ihrer Umgebung. In: Birgit Kata u. a. (Hrsg.): âMehr als 1000 Jahre âŠâ â Das Stift Kempten zwischen GrĂŒndung und Auflassung 752â1802. (ArchĂ€ologische Forschungen zur AllgĂ€uer Geschichte; 1) Likias Verlag, Friedberg 2006, S. 41â75.
- â Birgit Kata: Die Jubelfeiern zur Geschichte des FĂŒrststiftes Kempten zwischen 1777 und 2002 in ihren historischen Kontexten. In: Birgit Kata u. a. (Hrsg.): âMehr als 1000 Jahreâ ⊠â Das Stift Kempten zwischen GrĂŒndung und Auflassung 752â1802. (ArchĂ€ologische Forschungen zur AllgĂ€uer Geschichte; 1) Likias Verlag: Friedberg 2006, S. 77â149, hier insb. 84â94.
- â Birgit Kata: Vorhang auf! 400 Jahre Theater in Kempten. LIKIAS, Kempten/Friedberg 2007, ISBN 3-9807628-8-2, S. 137.
- 1 2 Gudrun Litz: Die reformatorische Bilderfrage in den schwÀbischen ReichsstÀdten. Mohr Siebeck, 2007, ISBN 3-16-149124-6, S. 213 f.
- â Gudrun Litz: Die reformatorische Bilderfrage in den schwĂ€bischen ReichsstĂ€dten. Mohr Siebeck, 2007, ISBN 3-16-149124-6, S. 218.
- â Gudrun Litz: Die reformatorische Bilderfrage in den schwĂ€bischen ReichsstĂ€dten. Mohr Siebeck, 2007, ISBN 3-16-149124-6, S. 221.
- â Vgl. BSLK, S. 766; vgl. S. 17.
- â Josef Höà (Hrsg.): Das Rathaus zu Kempten im Wandel der Geschichte. Eine Dokumentation. AllgĂ€uer Zeitungsverlag, Kempten 1987, ISBN 3-88006-128-9, S. 74â78.
- â Peter Engerisser: Von Kronach nach Nördlingen: Der DreissigjĂ€hrige Krieg in Franken, Schwaben und der Oberpfalz. SpĂ€thling, 2004. S. 135â136.
- â Namen der Opfer der Hexenprozesse Kempten (PDF; 159 kB; abgerufen am 27. April 2016)
- â Wolfgang Petz: Die âletzte Hexeâ â der Fall der Maria Anna Schwegelin. In: Wolfgang Petz: Zweimal Kempten. Geschichte einer Doppelstadt (1694â1836). Ernst Vögel Verlag, MĂŒnchen 1998, ISBN 3-89650-027-9, S. 425 ff.
- â Winfried Nerdinger (Hrsg.): Zwischen Glaspalast und Maximilianeum. Architektur in Bayern zur Zeit Maximilians II. 1848â1864. Minderva, Eurasburg 1997, S. 126â127.
- â Karl Filser: Industrialisierung und Urbanisierung Kempten 1850 bis 1918. In: Volker Dotterweich, Karl Filser u. a. (Hrsg.): Geschichte der Stadt Kempten. Dannheimer, Kempten 1989, ISBN 3-88881-011-6.
- â Alfred Weitnauer: Kempten: Sehenswertes und Wissenswertes aus Geschichte, Kunst und Wirtschaft der AllgĂ€uer Hauptstadt. Volkswirtschaftlicher Verlag, Kempten 1949, S. 69.
- â Johannes BĂ€hr, Ralf Banken, Thomas Flemming: Die MAN: Eine deutsche Industriegeschichte. C. H. Beck, MĂŒnchen 2008, S. 167.
- â Alfred Weitnauer: AllgĂ€uer Chronik â Bilder und Dokumente. Verlag fĂŒr Heimatpflege, Kempten 1962, S. 463.
- â Herbert MĂŒller: Kempten wĂ€hrend der Weimarer Republik. In: Volker Dotterweich, Karl Filser u. a. (Hrsg.): Geschichte der Stadt Kempten. Dannheimer, Kempten 1989, ISBN 3-88881-011-6, S. 428 ff.
- â GedenkstĂ€tten fĂŒr die Opfer des Nationalsozialismus. Eine Dokumentation. Band 1. Bundeszentrale fĂŒr politische Bildung, Bonn 1995, ISBN 3-89331-208-0, S. 154.
- â Edith Raim: Kempten und Kottern in: Wolfgang Benz, Barbara Distel (Hrsg.): Der Ort des Terrors. Geschichte der nationalsozialistischen Konzentrationslager. Band 2: FrĂŒhe Lager, Dachau, Emslandlager. C.H. Beck, MĂŒnchen 2005, ISBN 3-406-52962-3, S. 373â378.
- â Franz Rasso Böck, Ralf Lienert, Joachim Weigel: JahrhundertBlicke auf Kempten 1900â2000. Verlag Tobias Dannheimer â AllgĂ€uer Zeitungsverlag, Kempten (AllgĂ€u) 1999, ISBN 3-88881-035-3, S. 252.
- â Herbert MĂŒller: Kempten im Dritten Reich. In: Volker Dotterweich, Karl Filser u. a. (Hrsg.): Geschichte der Stadt Kempten. Dannheimer, Kempten 1989, ISBN 3-88881-011-6, S. 447.
- â Christine Tröger: Dr. Gerhard Hölzle gibt beim »Bewegten Donnerstag« tiefe Einblicke in das »Vorkommnis« Bernhard StirnweiĂ. In: Kreisbote, 7. September 2020. Online.
- â Herbert MĂŒller: MilitĂ€rverwaltung, Entnazifizierung. In: Volker Dotterweich u. a. (Hrsg.): Geschichte der Stadt Kempten. Im Auftrag der Stadt Kempten (AllgĂ€u). Verlag Tobias Dannheimer, Kempten 1989, ISBN 3-88881-011-6, S. 449f.
- â Herbert MĂŒller: Wiederbeginn des politischen Lebens: die Parteien und Kommunale Selbstverwaltung In: Volker Dotterweich u. a. (Hrsg.): Geschichte der Stadt Kempten. Im Auftrag der Stadt Kempten (AllgĂ€u). Verlag Tobias Dannheimer, Kempten 1989, ISBN 3-88881-011-6, S. 450â454.
- â Achmed Raschid: HintermĂ€nner des Papst-AttentĂ€ters: âJedes MarkstĂŒck ist eine Kugelâ In: zeit.de, 22. Mai 1981 (abgerufen am 13. Juli 2018)
- â Wie die Mafia-Clans Bayern unter sich aufgeteilt haben. In: welt.de, 17. April 2011 (abgerufen am 18. Juli 2018)
- â Anmerkung: In Medien finden sich auch widersprĂŒchliche Angaben ĂŒber 1,5 bzw. 1,6 Kilogramm Kokain.
- â Kempten - Tag 2 des Kokainprozess um den Kriminalbeamten Armin N. ( vom 16. Februar 2015 im Internet Archive)
- â Chef-Drogenfahnder legt GestĂ€ndnis ab. In: spiegel.de, 26. Januar 2015 (abgerufen am 5. Juli 2018)
- â Julia JĂŒttner: Urteil gegen Kemptener Chef-Drogenfahnder: SpĂ€te Erkenntnis. In: spiegel.de, 9. Februar 2015 (abgerufen am 5. Juli 2018)
- â Wie im Film: Von Superbullen, Drogen und der Mafia im AllgĂ€u. In: augsburger-allgemeine.de, 1. Juni 2014 (abgerufen am 5. Juli 2018)
- â Ein Jahr nach Kokainprozess: Verfahren gegen Kollegin von AllgĂ€uer Drogenfahnder Armin N. eingestellt. In: all-in.de. AllgĂ€uer Zeitungsverlag, 15. Januar 2016, abgerufen am 1. Oktober 2025.
- â Innenausschuss: LandespolizeiprĂ€sident berichtet ĂŒber Drogenfund bei Kripo Kempten ( vom 16. Juni 2018 im Internet Archive)
- â âVito nickt mit dem Kopfâ In: spiegel.de, 24. August 1992 (Der Spiegel, 35/1992)
- â AllgĂ€uer wollten sich Terrorgruppe anschlieĂen â David G. aus Kempten tot. In: all-in.de. AllgĂ€uer Zeitungsverlag, 17. Februar 2014, abgerufen am 1. Oktober 2025.
- â Nach Tod von Erhan A.: GrĂŒne attackieren Staatsregierung. In: br.de, 16. August 2018 (abgerufen am 30. Juni 2018)
- â »Ich glaub, das steht irgendwo im Koran« In: sz-magazin.sueddeutsche.de, 3. Oktober 2014 (abgerufen am 30. Juni 2018)
- â AllgĂ€uer Dschihadist in Syrien getötet: Kemptener Islamist Erhan A. vermutlich tot. In: allgaeuhit.de, 16. August 2016 (abgerufen am 30. Juni 2018)
- â Christine Tröger: Asylsituation in Kempten. In: kreisbote.de, 14. April 2017 (abgerufen am 25. MĂ€rz 2018)
- â Wann wird auf der Halde-Nord in Kempten endlich gebaut? In: all-in.de. AllgĂ€uer Zeitungsverlag, 12. Juni 2017, abgerufen am 1. Oktober 2025.
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- Kempten (AllgÀu)
- Gemeinde in Bayern
- Wikipedia:Lesenswert
- Kreisfreie Stadt in Bayern
- Reichsstadt in Bayern
- Ort in Oberschwaben
- Masterplan-Kommune
- Ehemalige Kreisstadt in Bayern
- Ehemaliger Residenzort in Bayern
- Ort in der kreisfreien Stadt Kempten (AllgÀu)
- Ortsname keltischer Herkunft
- Bayerisches Alpenvorland
- Ort am Jakobsweg (MĂŒnchner Jakobsweg)

